Koloini-Prozess

"Verschleiern wollte ich überhaupt gar nichts"

12. Oktober 2011, 10:31
  • Haiders Ex-Sekretär Koloini muss sich heute vor Gericht wegen Geldwäsche verantworten.

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    foto: der standard/cremer

    Koloini soll Anfang 2007 ein Bankkonto aufgelöst und das Geld verschoben haben, das - so die Anklagebehörde - zwei russische Geschäftsmänner dafür bezahlt hatten, dass Haider wiederholt zu ihren Gunsten intervenierte und dafür sorgte, dass sie entgeltlich die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen bekamen.

Jörg Haiders ehemaliger Protokollchef stellte Geldwäsche im Auftrag des verstorbenen Kärntner Landehauptmanns in Abrede

Wien - Unter regem medialen Interesse ist am Mittwoch im Wiener Straflandesgericht der Prozess gegen den früheren Protokollchef des vor drei Jahren verstorbenen Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider, Franz Koloini, eröffnet worden. Dem 33-jährigen Villacher wird Geldwäsche vorgeworfen. Koloini soll Anfang 2007 ein Bankkonto aufgelöst und das Geld verschoben haben, das - so die Anklagebehörde - zwei russische Geschäftsmänner dafür bezahlt haben sollen, dass Haider wiederholt zu ihren Gunsten intervenierte und dafür sorgte, dass sie entgeltlich die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen bekamen.

"Verschleiern wollte ich überhaupt gar nichts", versicherte Franz Koloini in seiner Beschuldigteneinvernahme. Haider habe ihn Ende Jänner bzw. Anfang Februar 2007 angewiesen, ein eigens für den Rennfahrer Patrick Friesacher bei der Hypo Alpe Adria angelegtes Konto aufzulösen. Das habe er getan, indem er vom vorhandenen Guthaben von 197.032,8 Euro dem Landeshauptmann 30.000 in bar aushändigte und den Rest auf zwei Sparbücher verteilte.

"Wirklich nicht daran gedacht"

Was mit dem Geld letztlich passiert sei, wisse er "leider nicht", sagte Koloini. Er habe "wirklich nicht daran gedacht", dass die Summe aus unrechtmäßigen Handlungen resultieren könnte: "Dass es legal ist, davon bin ich schon ausgegangen und gehe ich auch heute noch aus. Ich bin mir keiner Straftat bewusst."

Haider hatte dem jungen Kärntner Motorsportler Patrick Friesacher ein Cockpit im Formel 1-Team Minardi beschafft und dessen Management angeblich auch zugesichert, er persönlich werde Sponsorgelder in Höhe von zwei Mio. Euro auftreiben. Zu diesem Zwecke hatte der Kärntner Landeshauptmann den millionenschweren russischen Geschäftsleute Alexey B. und Artem B., die in Kärnten mit einem ambitionierten Hotel-Projekt in St. Veit an der Glan aufgefallen waren, per Telefax eine "Einladung" verschickt, in Friesachers Karriere zu investieren, den Haider als Werbeträger für den Kärntner Tourismus betrachtete.

Die Russen kamen dem mit Hilfe ihres Wiener Anwalts nach, der im Juli 2005 eine Mio. US-Dollar überwies und am 31. Jänner 2007 weitere 900.000 Euro folgen ließ, obwohl Friesachers Formel 1-Karriere bereits im Juli 2005 zu Ende gegangen war, weil seine Gönner es offensichtlich nicht geschafft hatten, Minardi die insgesamt erforderlichen fünf Millionen zukommen zu lassen.

Die Russen hatten allerdings wenige Tage zuvor nach Interventionen Haiders beim damaligen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) sowie dem damaligen Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (ÖVP) und einem damit erwirkten positiven Ministerratsbeschluss die österreichische Staatsbürgerschaft wegen besonderer Verdienste um die Republik erhalten.

"Sie wollten Gutes in Kärnten tun"

Für die Staatsanwaltschaft ist klar, dass es in der allerletzten Ministerratssitzung der schwarz-orangen Regierung ohne den Geldfluss aus Russland nicht zum positiven Beschluss gekommen wäre. Die Anklagebehörde unterstellt Haider eine nicht pflichtgemäße Vornahme von Amtsgeschäften und hätte diesen wohl wegen Geschenkannahme durch Beamte angeklagt, wäre er nicht bei einem selbst verschuldeten Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Den Russen und ihrem Wiener Rechtsvertreter wird nun Bestechung angekreidet, was die drei beim Prozessauftakt vehement zurückwiesen.

"Sie wollten Gutes in Kärnten tun", hielt dem ihr mitangeklagter Rechtsvertreter entgegen. Einer der beiden Geschäftsmänner erläuterte in seiner Einvernahme, das Land Kärnten habe "gesagt, wir sollen uns an sozialen Projekten beteiligen". Von Sponsoring sei die Rede gewesen. Er und sein Partner hätten darauf je eine Million Euro zur Verfügung gestellt.

"Damals gab es keine Verträge und Vereinbarungen. Wohin das Geld geflossen ist, hat das Land Kärnten beschlossen", meinte Alexey B., der in diesem Kontext keine Namen nannte. Ihn habe das auch nicht weiter interessiert.

Abenteuerliche Finanzierungskonstruktion

Im Gegenzug hätten sich die Russen in Bezug auf ihr Staatsbürgerschafts-Ansuchen - Österreicher wollten sie deshalb werden, weil sie den Hauptsitz ihres im Energie-Sektor tätigen Konzerns angeblich nach Österreich verlegen wollten - "ein Empfehlungsschreiben des Landes Kärnten erwünscht", so Alexey B.. Eingefordert wäre ein solches aber nicht worden.

Das Minardi-Engagement Friesachers war übrigens mit einer abenteuerlichen Konstruktion von der Hypo Alpe Adria vorfinanziert worden: Zunächst wurde auf den Namen Friesacher ein Konto eröffnet, wobei dieser von dessen Existenz gar nichts wusste. Der Motorsportler hatte auch keine Unterschrift geleistet, weil - wie Haiders Ex-Protokollchef Koloini dazu heute erklärte - man Friesacher damit nicht behelligen wollte. Man habe sich laut Koloini Folgendes gedacht: "Er ist Formel 1-Fahrer, er fährt mit 300 km/h in die Kurve, wir dürfen ihn damit jetzt nicht belasten."

Trotz fehlender Unterschrift und einer Einlage von Null bei keinerlei Sicherheiten überwies die Hypo Alpe Adria Minardi im März 2005 zwei Mio. US-Dollar. Die Russen, die das Konto abdecken sollten, ließen sich damit erheblich Zeit - womöglich deshalb, weil ihr im Oktober 2005 eingebrachter Antrag auf Verleihung der Staatsbürgerschaft monatelang unbearbeitet blieb - , so dass die Bank in weiterer Folge Haider bzw. dessen Umfeld immer wieder bedrängte, den Kontostand doch endlich auszugleichen.

Der Prozess wird morgen, Donnerstag, fortgesetzt.(APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 56
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Johannes St.
 
00
12.10.2011, 20:35
na unter INVESTITION versteht man landläufig was anderes als auf Geheiß eines Politikers Geld springen zu lassen

und auch wenn es hier das kleinste Rad trifft: dass er sich strafbar macht, wenn er die Anordnungen vom Haider erfüllt hätte er sich selbst denken können....

Wolkenkratzer
00
12.10.2011, 17:24
7.000 für Spesen. Da gibt's ja sicher Belege dafür.

niclos
00
12.10.2011, 16:56
Dummheit schützt vor Strafe nicht.

Wieder mal ein Zeichen dafür was österreichische Politiker alles so für legal halten.

Was hätte er wohl getan wenn Haider gesagt hätte spring aus dem Fenster?

1000 Kopfläuse können nicht irren
00
12.10.2011, 16:41
Das "soziale Projekt" Patrick Friesacher...

... Formel 1 als "soziales Projekt", ned schlecht!

Und Anwälte die die Anklage nicht verstehen, auch nicht schlecht!

Und Koloini hatte als "kleiner Fisch" und "Erfüllungsgehilfe" nur die Anordnungen Haiders zu befolgen, auch nicht schlecht!

Captain Smoker
00
12.10.2011, 17:00

Sicher war es ein soziales Projekt. Friesacher hätte sonst nie in der F1 fahren können. ;)

Simplicius Simplicissimus
00
12.10.2011, 16:40
Gerda Krausam. ...

... was für ein Name. Wie Grobian Gans, "Die Ducks", rororo-Verlag. Dankward Duck. Dusseltrutz Duck. Ich liebe es ...

da klane ferdi
02
12.10.2011, 16:29
jö, der ainedter...

...fährt die dörfler - strategie: ich verstehe nicht, habe nicht verstanden, was wollen Sie von mir, wo ist mein sachwalter mit dem blasentee?

Ludovico Settembrini
01
12.10.2011, 16:09
aufgeschwemmt

der typ sieht aus wie 50...

Franz Weinpolter aka Franz Ehm
00
12.10.2011, 17:20
kommt von der antibaby-pille

Tintifax2000
01
12.10.2011, 15:56
also der Ainedter ....

... ist der Saul Goodman(der Anwalt aus breaking bad ...) von Österreich - oder?

Die beste Katze der Welt
00
12.10.2011, 17:36

nein, Saul Goodman ist cool, der Ainedter ned ...

Zivilgeselle
00
12.10.2011, 15:37
"soziale Projekte"

Da zahlen zwei Russe in Erwartung einer Staatsbürgerschaft je 1 Mio. in "soziale Projekte" die sie gar nicht kennen (?????)

Die Anwälte "kennen sich nicht aus" und wollen die Logik des Falles und der Gesetze nicht durchschauen.

Der Gerichtssaal wird zum Affenzirkus.

Im Zirkus sind die Affen eingesperrt und dort dürfen und sollen sie auch "gaukeln".

Meine Herren: Staatsbürgerschaftskauf ist

S T R A F B A R !!!!

alecs garwin
02
12.10.2011, 15:28
...je eine Million Euro zur Verfügung gestellt....Wohin das Geld geflossen ist, hat das Land Kärnten beschlossen...Ihn habe das auch nicht weiter interessiert....

ein geschäftsmann zahlt 1 million und er erwartet sich weder eine gegenleistung noch interessiert ihn, was mit dem geld passiert....na wenn das so ist, meine kontonummer kann er haben, ich kann garantieren, keine gegenleistung zu erbringen und was ich mit dem geld mach, verrat ich ihm auch nicht .

Andreas W
00
12.10.2011, 15:26
Kein Wunder, solange hier manche noch immer glauben, dass eine Intervention eines LH keine Amtshandlung darstellt!

Irrelevant ist, ob er selbst die Stb verteilen kann; wesentlich ist viel mehr, dass LHs, insb damals als Haider der Königsmacher Schüssels war, einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf so manche Regierungsentscheidung (de facto war Haider in der Regierung in Form seiner damaligen Minister, die ja alle ohnehin zu dumm für eigene Entscheidungen waren) hat. Die Intervention als LH (kaum trennbar mit der Privatperson Haider), und nur als solcher hatte er ja den wesentlichen politischen Einfluss, ist eine Amtshandlung, für die er offensichtlich fürstlich bezahlt wurde (ob er selbst oder ein Dritter der Hauptprofiteur war, ist wiederum irrelevant). Haiders Schuld ist unstrittig. Das Verschieben dieser Gelder sohin ebenso rechtswidrig.

scubaman
06
12.10.2011, 15:20
Einer der wenigen Gewinner von schwarz/blau

ist wohl der Ainedter :)

Schanzentoni
02
12.10.2011, 15:01
wenn man den vom Standard wiedergegebenen Sachverhalt nochmals liesst, dann

muss man sich sowieso fragen, warum nicht die einzelnen damals handelnden Minister auf der Anklagebank sitzen - oder haben die immer nur auf Zuruf Staatbürgerschaften verteilt?

Pauli Feuerstein
00
12.10.2011, 15:20
so ist es!

Schanzentoni
31
12.10.2011, 14:57
Die Spatzen pfeifen es längst vom Dach

die Suppe ist viel zu dünn und die Anklage wird in sich zusammen fallen.

Bestochen werden hätte nur die Bundesregierung werden können, aber doch nicht der JH. Insofern stammt das Geld auf dem Konto auch nicht aus einem Verbrechen. Wenn es kein Verbrechen gab, dann kann es auch keine Geldwäsche geben. Logisch ist daher, dass es einen Freispruch geben muss.

Die moralische Seite ist eine andere, da ja klar ist, warum die Russen gezahlt haben. Aber strafrechtlich ist da nichts dran.

Aber den Neidern wird es wieder gefallen.

tramezzino
04
12.10.2011, 14:14
ganz leicht zu verstehen

vereinfacht:

amtsmissbrauch
korruption
bestechung

plus

beihilfe zu o.a. delikten

permanent marker
05
12.10.2011, 14:13

Was sind wir eigentlich für ein Land, in dem Leute wie Ainedter frei herumlaufen dürfen??

Réunion
03
12.10.2011, 14:36
er kann zumindest

die Gier der von ihm Vertretenen bestens nachvollziehen ...

pago1
00
12.10.2011, 14:11
nach demurteil werden die anwälte es hoffentlich verstehen

Taschenkalender
00
12.10.2011, 14:00
muss ich jetzt extra aufs Landl fahren

und auf der Verhandlungliste nachschauen, wer der "Wiener Rechtsanwalt" ist, oder erfährt man das hier auch irgendwo?

mml1
00
12.10.2011, 14:31
Naja, ist ja öffentlich! Kann man ihn life in acton erleben.

Derartige Verfahren sind ansonsten nicht erbaulich; vordergründige Rumlügerei und selbst für einen Juristen geschwollenes inkompetentes Geschwafel des Richters und Staatsanwaltes (etwa auf Bandion Niveau). Kurz gesagt: zum Kotzen.

au contraire
00
12.10.2011, 14:28

Ich tipp auf den Böhmdorfer.

Mich würd ja obendrein auch interessieren, ob es reiner Zufall ist, dass der Ainedtet-Fredl der Anwalt der Russen ist oder wie es sonst zu dieser nicht uninteressanten Connection gekommen ist.

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