Erstmals alle zehn Spiele einer Qualifikation gewonnen, auch Belgien musste beim 1:3 Überlegenheit der DFB-Elf anerkennen - Türkei in Österreich-Gruppe auf Playoff-Platz - Gruppenüberblick
Düsseldorf/Istanbul - Deutschlands Fußball-Nationalteam hat
zum ersten Mal eine EM-Qualifikation ohne Punkteverlust
abgeschlossen. Die DFB-Auswahl (30 Punkte) setzte sich am
Dienstagabend in Düsseldorf in Österreichs-Gruppe A gegen Belgien mit 3:1
(2:0) durch und gewann damit auch die zehnte Qualifikations-Partie. Die "Roten
Teufel" (15) verpassten damit den Sprung auf den Playoff-Platz, den
sich die Türkei (17) mit einem knappen 1:0-(0:0)-Heimsieg gegen
Aserbaidschan sicherte.
Vor 48.483 Zuschauern sorgten Mesut Özil (30.), Andre Schürrle
(33.) und Mario Gomez (48.) für die deutschen Treffer, Marouane
Fellaini (86.) gelang für die mutig spielenden Belgier nur Resultatskosmetik. Die Deutschen agierten
vier Tage nach dem 3:1-Erfolg gegen die Türkei auch ohne die
verletzten Stammkräfte Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski und
Miroslav Klose über weite Strecken souverän.
Die Türken taten sich in Istanbul lange Zeit schwer und wurden
erst in der 60. Minute durch einen Treffer von Burak Yilmaz erlöst.
Der Truppe von Chefcoach Guus Hiddink hätte aber aufgrund des
besseren direkten Vergleichs mit Belgien auch bereits ein Remis
gereicht. Aserbaidschan (7) landete am Ende hinter Österreich (12)
und vor Kasachstan (4) auf Rang fünf.
Dänemark hat überraschend das Endspiel um die direkte
EM-Qualifikation gewonnen und Portugal in die Playoffs geschickt. Die
Mannschaft von Trainer Morten Olsen setzte sich am letzten Spieltag der
Gruppe H mit 2:1 (1:0) gegen den Vizeeuropameister von 2004 durch und
sicherte sich damit das Ticket Polen und die Ukraine. Portugal muss als Gruppen-Zweiter in die Nachspielzeit.
Michael Krohn-Dehli (13.) und
Nicklas Bendtner (63.) trafen für die Dänen, bei denen William Kvist vom
VfB Stuttgart in der Startformation stand, Cristiano Ronaldo (90.+2)
gelang nur noch der Anschlusstreffer.
Frankreich durfte sich bei Samir Nasri für die Qualifikation bedanken.
Der Neuzugang des englischen Pokalsiegers Manchester City
verwandelte in der 78. Minute einen Foulelfmeter zum 1:1 (0:1) im
"Endspiel" der Gruppe D in Paris gegen Bosnien-Herzegowina. Die Gäste
waren durch Stürmer Edin Dzeko,
der ebenfalls für City spielt, in der 40. Minute in Führung gegangen. Während
der Europameister von 1984 und 2000 nun sein Ticket in der Tasche hat, muss
Bosnien als Gruppenzweiter in die Playoffs
Russland hat sich dagegen zum dritten Mal in
Serie für die EM-Endrunde qualifiziert. Der Europameister von 1960
sicherte sich durch ein souveränes 6:0 (4:0) gegen Andorra den Sieg in
der Gruppe B vor Irland, das Verfolger Armenien mit 2:1 (1:0) auf
Distanz hielt. 2008 waren die Russen in Österreich und der Schweiz erst
im Halbfinale am späteren Titelträger Spanien gescheitert. Die von
Giovanni Trapattoni trainierten Iren kämpfen in den Playoffs (11./12.
und 15. November) um ihr EM-Ticket.
Im Moskauer Luschniki-Stadion
sorgten Alan Dsagojew (5./44.), Sergej Ignaschewitsch (26.), Roman
Pawljutschenko (30.), Denis Gluschakow (59.) und Dinijar Biljaletdinow
(79.) für klare Verhältnisse gegen Fußballzwerg Andorra. Stuttgarts
Pawel Pogrebnjak wurde in der 73. Spielminute eingewechselt.
Das
Überraschungs-Team aus Armenien geriet in Dublin bereits in der 26.
Spielminute in Unterzahl, als Torwart Roman Beresowski nach einer
Notbremse die Rote Karte sah. Ein Eigentor von Valeri Aleksanjan (43.)
und der Treffer von Richard Dunne (59.) bescherten Irland eine
2:0-Führung. Henrich Mchitarjan (62.) gelang der Anschlusstreffer für
die Gäste, die aber auch nach Gelb-Rot gegen Kevin Doyle (81.) nicht
mehr die Wende schafften.
Schweden hat sich in letzter Sekunde die Endrunden-Teilnahme gesichtert. Die Skandinavier schlugen den in Pool E bereits als Gruppensieger
feststehenden Vizeweltmeister Niederlande mit 3:2 (1:1) und
qualifizierten sich als bester Gruppenzweiter wie Oranje. Ein
Doppelschlag durch Sebastian Larsson (52./Foulelfmeter) und Ola Toivonen
(53.) bescherte Schweden den Dreier.
In einer hochklassigen
Begegnung eröffnete Kim Källström mit einem sehenswerten Freistoßtreffer
den Torreigen (14.). Torjäger Klaas-Jan Huntelaar (23.) glich
mit seinem zwölften Treffer in der Qualifikation aus. Nach der Pause
traf zunächst Dirk Kuyt (50.) zum 2:1 für die zuvor in neun Spielen
siegreichen Niederländer, doch Schweden schlug postwendend mit dem
Doppelschlag zurück.
Dank Sloweniens Schützenhilfe dürfen Estlands Fußballer auf ihre
erste Teilnahme an einer EM-Endrunde hoffen. Am letzten Spieltag der Gruppe G siegten die Slowenien 1:0 (1:0) gegen den
estnischen Verfolger Serbien und sicherten den spielfreien Balten damit
den zweiten Tabellenplatz hinter Italien. Estland kämpft damit in den
Play-offs am 11./12. und 15. November um das Ticket zu den Titelkämpfen
in Polen und der Ukraine.
Im Duell der beiden früheren
jugoslawischen Teilrepubliken in Maribor sorgte Dare Vrsic (45.+1) kurz
vor der Pause für Sloweniens Sieg. Serbiens Abwehrstar Nemanja Vidic
von Manchester United verschoss in der 64. Minute einen Elfmeter. Bei
Slowenien stand der Kölner Miso Brecko in der Startformation.
Die
bereits als Gruppensieger feststehenden
Italiener gewannen zum Abschluss durch einen Doppelpack von Antonio
Cassano (21./53.) und einem Eigentor von Gareth McAuley (74.) locker mit 3:0 (1:0)
gegen Nordirland.
In Gruppe I siegte Tschechien 4:1 (3:0) in
Litauen und zog damit noch am bisherigen Tabellenzweiten
Schottland vorbei, der bei den als Gruppensieger
feststehenden Spaniern wie erwartet ohne Chance war und mit 1:3 (0:2) unterlag.
Michal
Kadlec von Bayer Leverkusen steuerte in Kaunas zwei Elfmetertreffer (2./85.) zum
tschechischen Sieg bei, zudem war Jan Rezek (16./45.) doppelt
erfolgreich. Herthas Roman Hubnik sah bei den Gästen die Rote Karte
(67.), Darvydas Mernas (68./Elfmeter) traf für Litauen zum
zwischenzeitlichen 1:3.
Welt- und Europameister Spanien feierte
gegen die Schotten den achten Sieg im achten Qualifikationsspiel. Die
Offensivstars David Silva (6./44.) und David Villa (54.) trafen in
Alicante für die Iberer, Schottlands David Goodwille (66.) verkürzte per
Elfmeter.
Griechenland benötigte in Gruppe F einen Punkt in Georgien für den Gruppensieg, doch erst zwei späte
Tore fixierten den Zittersieg. Kroatien muss damit ins Playoff. Ab der 19. Minute liefen die Griechen in Tiflis einem
Rückstand nach, dann erlösten zwei Routiniers den Ex-Europameister. Der bald 30-jährige Georgios Fotakis traf
in der 79. Minute mit einem abgefälschten Fernschuss zum Ausgleich,
sechs Minuten später machte der 31-jährige Angelos Charisteas, der
2004 das entscheidende Tor im Finale gegen Portugal geschossen
hatte, alles klar.
Kroatien reichte damit der 2:0-Heimerfolg gegen Lettland nicht
zur direkten Qualifikation. Der eingebürgerte
Brasilianer Eduardo (66.) und Mario Mandzukic (72.) sorgten nach
einer torlosen ersten Spielhälfte für die entscheidenden Treffer. (sid/APA/red)
ÜBERBLICK, 12 von 16 Teilnehmern an
der EM 2012 in Polen und der Ukraine (8. Juni bis 1. Juli) stehen fest:
Gastgeber:
Polen
Ukraine
Gruppensieger aus der Qualifikation:
Spanien (TV)
Deutschland
Russland
Italien
Frankreich
Niederlande
Griechenland
England
Dänemark
Bester Gruppenzweiter:
Schweden
In den Playoffs:
Montenegro
Kroatien
Irland
Türkei
Portugal
Tschechien
Estland
Bosnien-Herzegowina