EU-Erweiterung

Serbien erhält nur Kandidatenstatus

12. Oktober 2011, 15:53

Beitrittsverhandlungen mit Montenegro sollen beginnen: Justizwesen muss stark reformiert werden

Brüssel - Die EU-Kommission will Serbien einen offiziellen EU-Kandidatenstatus zugestehen, gleichzeitig empfahl EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle am Mittwoch den Start von konkreten Beitrittsverhandlungen mit Montenegro. Die EU-Kommission will den Status für Serbien daran knüpfen, dass Belgrad den Dialog mit dem Kosovo wieder aufnimmt und die bisher getroffenen Vereinbarungen in die Praxis umsetzt, betonte Füle. Die Entscheidung über die Vorschläge der Kommission liegt bei den EU-Außenministern, die darüber einstimmig beschließen müssen.

Die von Belgrad gewünschte Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit Serbien soll an die Erfüllung einer Reihe von Auflagen geknüpft werden, darunter die Normalisierung der Beziehungen mit dem Kosovo und eine aktive Kooperation mit der EU-Rechtsstaatsmission EULEX. Für den Kosovo empfiehlt die EU-Kommission die Aufnahme des Dialogs über die Visafreiheit vor Jahresende. Außerdem will die EU-Kommission ein Handelsabkommen mit dem Kosovo und eine Teilnahme des Landes an EU-Programmen vorantreiben. Der Kosovo müsse eine umfangreiche Agenda für Fragen des mehrheitlich von Serben bewohnten Nordens aufstellen, forderte Füle. Die EU-Kommission wolle einen strukturierten Dialog zur Rechtsstartlichkeit im Kosovo starten, sagte der Kommissar.

Für Montenegro empfiehlt die EU-Kommission die Eröffnung konkreter Beitrittsverhandlungen. "Das ist nicht das Ende der Straße, eher der Start einer neuen Reise", sagte Füle. Montenegro habe "hart gearbeitet" und Fortschritte in allen Bereichen gemacht. Das Balkan-Land könnte damit zu Island und der Türkei aufrücken, mit denen die EU bereits Beitrittsverhandlungen führt. Kroatien hat seine Beitrittsgespräche bereits im Juni abgeschlossen, am 19. Dezember soll der Beitrittsvertrag in Warschau unterzeichnet werden. Füle sagte, wenn der EU-Gipfel im Dezember den Empfehlungen der Kommission folge, könnte das "Screening" des Rechtsbestandes beginnen, dieses würde etwa ein Jahr dauern.

Mazedonien habe nur wenige Fortschritte gemacht, sagte Füle. Korruption und das Thema Medienfreiheit würden Anlass zur Sorge geben. Mazedonien wartet bereits seit 2005 auf die Aufnahme konkreter EU-Beitrittsverhandlungen. Die Kommission bekräftigt ihren früheren Vorschlag, die Verhandlungen zu starten. Wegen des Namensstreits mit Griechenland ist diese Frage aber im EU-Ministerrat blockiert. Für Montenegro empfiehlt die EU-Kommission übrigens erstmals, die politisch heiklen Verhandlungskapitel Justiz und Grundrechte auf der Grundlage detaillierter Aktionspläne des Landes und überzeugender Leistungsnachweise zuerst anzugehen. Dies sei eine Lektion aus den Beitrittsverhandlungen mit Kroatien, sagte Füle.

Kritisch äußert sich der Kommissionsbericht zur Türkei und zur Rolle Ankaras im Zypern-Konflikt. Obwohl die Türkei ein "Schlüsselland" für die EU bleibe, gebe es seit einem Jahr Stillstand in den Verhandlungen, sagte Füle. "Es gibt Frustration auf beiden Seiten." Es bedürfe einer neuen und frischen Agenda, um eine konstruktivere und positivere Beziehung zu entwicklen. In Hinblick auf Zypern müssten beide Seiten rasch eine umfassende Lösung finden, fordert die Kommission. Ankara hat bereits damit gedroht, die Beziehungen zur EU während der zypriotischen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2012 auf Eis zu legen.

Bezüglich Albanien verlangt die EU-Kommission, dass die politischen Akteure des Landes ihre politischen Differenzen und persönliches Misstrauen überwinden und sich stärker auf die europäische Perspektive des Landes konzentrieren. Kritisch fällt auch die Bilanz der Kommission zu Bosnien-Herzegowina aus. Die politische und institutionelle Blockade bestehe weiter, sagte Füle. An Bosnien richtet die EU-Kommission ganz konkrete Reformempfehlungen, um weiter in Richtung EU zu gelangen. Das Land müsse seine Verfassung in Einklang mit dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof bringen und Gesetze zu Staatshilfen und zu Volkszählungen verabschieden. Zu Island betont die EU-Kommission in Hinblick auf kritische Meinungsumfragen auf der Nordatlantik-Insel, sie werde weiter die öffentliche Debatte über einen EU-Beitritt des Landes mit faktischer Information unterstützen.

"Serbiens Kandidatenstatus bedeutet nicht nur Anerkennung des bisher Erreichten, sondern auch die Verpflichtung zu einem konstruktiven Miteinander mit den Nachbarstaaten, insbesondere dem Kosovo", sagte die Kosovo-Berichterstatterin des EU-Parlaments, Ulrike Lunacek. "Serbien muss seine Blockadehaltung aufgeben und konkreten Verbesserungen für die Bevölkerung zustimmen." Erfreulich sei, dass die EU-Kommission den Beginn des Visa-Dialogs mit Kosovo empfiehlt. Es dürfe nicht sein, dass die Kosovaren als einzige in der Region weiterhin keine Reisefreiheit in Aussicht gestellt bekommen.

Der SPÖ-Europaabgeordnete Hannes Swoboda begrüßte, dass Reformen des Justizsektors und der inneren Sicherheit sowie Fragen der Pressefreiheit und der regionalen Zusammenarbeit früher angesprochen werden sollen. Als Kroatien-Berichterstatter des EU-Parlaments werde er am 1. Dezember einen positiven Bericht zur Abstimmung im EU-Parlament vorlegen. Serbien sollte Kandidatenstatus erhalten, um die positiven Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag anzuerkennen. "Klar ist, dass der Erweiterungsprozess nach dem Beitritt Kroatiens Mitte 2013 de facto für einige Jahre unterbrochen ist. Die entscheidende Aufgabe der EU ist, jetzt die inneren Probleme der EU zu lösen, bevor nächste Beitritte erfolgen können", sagte Swoboda. ÖVP-Delegationsleiter Othmar Karas begrüßte die Vorschläge zu Serbien und Montenegro. "Serbien und Montenegro jetzt einen Schritt weiter an die EU heranzuführen ist eine folgerichtige Honorierung der Fortschritte der beiden Länder und nutzt nicht zuletzt Österreich", sagte er. Österreich sei in Serbien größter, in Montenegro viertgrößter ausländischer Investor.

Füle sieht die Glaubwürdigkeit im EU-Erweiterungsprozess im laufenden Jahr gestärkt. Diese Politik der EU bringe eine tiefgreifende Transformation der Justiz, der staatlichen Institutionen, der Gesellschaft und schaffe Stabilität und einen größeren Wirtschaftsraum, sagte er. In Hinblick auf die Euro-Krise sagte er: "Die transformative Kraft des Erweiterungsprozesses sendet eine kraftvolle Botschaft der Hoffnung in dieser herausfordernden Zeit." l (APA)

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Kohl-Haas
01
8.12.2011, 12:38
Nana

Wenn man die Aufregung der Schreiber über das Für und Wider zum Beitritt einzelner Länder liest, kommt mir das Lied von Nana Mouskouri in den Sinn
Große Schulden aus Athen lassen die EU hoffentlich UNTERGEHEN
Gruß Kohl-Haas

binGeladen
00
5.12.2011, 14:22

merkel darf man nicht vertrauen!

eu-nein
32
1.12.2011, 20:33
www.eu-austritt.blogspot.com

WOLLT IHR FREIHEIT ODER HERRSCHAFT?

Jan Žižka
11
22.11.2011, 08:38
Falls die Serben gscheit seind

werdens das mit dem EU-Beitritt bleiben lassen.

Gilgamesh
35
21.10.2011, 13:50

"..Serbien erhält nur Kandidatenstatus.."

Und selbst das ist für dieses Land noch viel zu viel....

K 3
53
14.10.2011, 04:16
Serbien ist eine Weltmacht !

Genauso könnte die USA, Rußland, China oder vielleicht auch Indien einen EU-Kandidatenstatus erhalten, wie Serbien, wo 160 Staaten dieser Welt deren militärischen Oberbefehl sehen, Dank Tito, welcher als erster europäischer Staatschef die Staaten Afrikas, als Verbündete in der Verteidigung der Freiheit der Völker besucht hatte.

sunny ...
00
9.12.2011, 11:31
Serbien Weltmacht????

Serbien war vielleicht mal eine weltmacht als man sie noch jugoslawien geschimpft hat!!
Ist allerdings schon etwas her als slowenien Kroatien bosnien serbien.... noch eins waren !!! jetzt ist von Weltmacht nicht mehr viel zu sehen im gegenteil sie stecken nur noch ein seit den 90zigern

su68
00
16.10.2011, 19:47

Ironie tag fehlt.

Drago+
00
14.10.2011, 12:07

Hehe, und Sido ist der King..)))

Bugio
00
14.10.2011, 04:47

Ah so, eh nur 160, es hatte mich schon gewundert, wieso laut Großbritannien 38 bis 40 Staaten militärisch im Jugoslawienkrieg involviert gewesen waren.

Drago+
02
13.10.2011, 20:04
Ungarn droht eh schon mit einem Veto..

weil im neuen Restitutionsgesetz Serbiens ungarische Faschos und Kollaborateure von anno 1941-45 nicht berücksichtigt werden ;)

K 3
10
14.10.2011, 04:32

Ungarn ist ein österreichische Finanz-Kolonie, welches nicht gewillt ist billige Arbeitskräfte aus Ost-Ungarn nach West-Ungarn zwangsweise umzusiedeln, um der von Russland finanzierten österreichischen Wirtschaft mehr Steuereinnahmen zwangsweise zu erarbeiten.

Bugio
10
14.10.2011, 05:02
Die Türken in Deutschland dürfen keine Steuern zahlen !!!

Tarkan Coban
 
00
3.12.2011, 02:09
könnten sie mir bitte .....

diesen LOHNSTEUERJAHRESAUSGLEICH mal per mail zukommen lassen, danke ! der interesiert mich !

K 3
00
14.10.2011, 05:16

Ja, aber dann könnten die Kurden vielleicht am Leben bleiben. Will Deutschland das ?

Bugio
00
14.10.2011, 05:20
Die EU ist ein Großdeutschland im Merkel-Kleid einer EUdSSR !

K 3
10
14.10.2011, 05:36

Und die Inder in Deutschland verdienen weniger, als die Deutschen in Deutschland, obwohl die Chinesen in Serbien genauso viel verdienen, wie die Serben in Serbien, also ist die EU faschistisch und nicht sozialistisch, also ist es keine EUdSSR, sondern nur ein Großdeutschland.

Novak-Nr-1
22
13.10.2011, 10:35
Alles sinnlos!

Es ist schon witztig wie sich eigentlich alles widerspricht!
Serben (Volk) wollen nicht in die EU -> bekommen aber einen Kandidatenstatus.
Manche bezeichnen Serbien als Mafialand ->
Österreich hat Kosovo annerkannt (Mafialand #1).
Österreich will Serbien nicht in die EU ->
Nord-Serbien war mal Teil von Österreich-Ungarn.
Die Moral von der Geschicht ->
Serbien mag man, oder nicht .... ABER
Längerfristig gesehen ist für die Menschen in Serbien
der EU-Beitritt "wahrscheinlich" die beste Lösung für
das Armutsproblem dass IN GANZ SERBIEN herrscht.
(Durchschnittslohn 150€).

Onkel Gans
11
13.10.2011, 11:51
Österreich hat Kosovo annerkannt (Mafialand #1)

Mafialand: Österreich, weil es den Kosovo logischerweise anerkannt hat, oder der Kosovo selbst?

"das Armutsproblem dass IN GANZ SERBIEN herrscht" - also nicht im Kosovo?

Ciena Consulting
01
13.10.2011, 11:30
Unsinn!

Das durchschnittliche monatliche Einkomen in Serbien betrug (aufgenommen am 25. Oktober 2010) 34.570 Dinar - das entsprich ca 350,- Euro. Das durch die Legislative festgesetzte Mindesteinkomen liegt bei 190 Euro.

Novak-Nr-1
00
13.10.2011, 13:15
kein Unsinn ...

... ich weiß ja was die Leute verdienen in meiner Region (Zentralserbien). Ok, vllt. sinds 200€ aber mehr auch nicht, außer man hat wirklich eine sehr gute Stelle dann etwas mehr. Im Vergleich zu den Nachbarländern ein Horror. Versuchen Sie mal (ang. Mann/Frau, 2 Kinder) mit ca. 500€ im Monat auszukommen. Die Handelswaren sind in Serbien auch meistens importiert und demensprechen teuer wie in Mitteleuropa. Wenn Sie nicht im Elternhaus wohnen, haben Sie das zusätzliche Pech einer Wohnungsmiete. Viel Spaß beim "Über"-Leben!!!

Drago+
00
13.10.2011, 19:59

Trotzdem beträgt das durchschnittliche monatliche Einkomen in Serbien an die netto € 350. Das vielleicht nicht jeder soviel verdient ist klar, in Österreich betrug 2009 das durchschnittliche monatliche Einkomen auch an die netto € 1300 - wobei Männchen netto € 1550 und Weibchen netto € 1050, sage und schreibe € 500 mehr fürs Männchen - davon kann so mancher träumen.

begalein
01
13.10.2011, 10:33
ja bitte die eu erweitern

insbesondere mit serbien etc. das wird zumindest die österreichische parteienlanschaft umkrempeln... st. rache verfügt dann über 40%+... (demokratisch gewählt).... und die eu kann uns dann ja wieder sanktionieren... als nettozahler...

Ciena Consulting
02
13.10.2011, 11:33
Sie haben wohl...

...die Kampagne von Hrn. Strache nicht mitverfolgt: In den letzten 3 Jahren war er ofter in Serbien als in Kärnten! Er wirbt aktiv um die Stimmen der in Österreich lebenden Serben - insbesondere damit, dass er demonstrativ z.b. die Serbisch-Orthodoxe Kirche in Wien, 1020 Engerthstrasse "beehrte".

roland-p
00
12.11.2011, 13:39

die FPÖ-Stammwähler werden das aber nicht so ganz checken, schätze ich ...

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