Weißer Rauch für neue Landesgerichtshöfe

11. Oktober 2011, 18:24

Kosten für Patienten aus anderen Bundesländern sollen ab 2015 vom jeweiligen Herkunftsland bezahlt werden

Kaprun - Man kann auch durch Abwesenheit seiner Haltung Gewicht verleihen. Die Landeshauptleute von Niederösterreich und Wien, Erwin Pröll (ÖVP) und Michael Häupl (SPÖ), waren zur Landeshauptleute-Konferenz im Salzburger Kaprun am Dienstag erst gar nicht erschienen. Nach den bisherigen Gepflogenheiten hätten die Abwesenden die Entscheidungen der zum Landeshauptleute-Treffen Erschienenen dann eben zur Kenntnis zu nehmen, sagt die turnusmäßige Vorsitzende, Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ).

"Geld folgt Leistung"

Was nicht einfach werden dürfte. So haben sich die sieben nach Kaprun Gereisten im Spitalsbereich auf das Prinzip "Geld folgt Leistung" geeinigt. Demnach sollen im Zuge des Finanzausgleichs ab 2015 die Kosten für Patienten aus anderen Bundesländern vom jeweiligen Herkunftsland bezahlt werden. Gewinner wären Salzburg mit 29 Millionen Euro und Oberösterreich mit 16 Millionen Euro Mehreinnahmen pro Jahr. Verlierer wäre Niederösterreich, das bei der Entschließung nicht dabei war.

Näher am Ziel ist man bei der Reform der Verwaltungsgerichtsbarkeit. Die bestehenden rund 120 Berufungsbehörden sollen durch neun Landes- und zwei Bundesverwaltungsgerichte abgelöst werden. Bei einer für 21. Oktober angesetzten Bund-Länder-Konferenz "wird weißer Rauch aufsteigen" , prognostiziert Burgstaller. Offen seien "Kleinigkeiten" , wie etwa die Frage von welcher Basis aus die personelle Ausstattung und damit die Finanzierung der neuen Behörden gerechnet werde, erläutert Burgstaller im Standard-Gespräch.

Zur Debatte steht entweder eine Stichtagserhebung des Personalstandes bei den bestehenden Behörden zur Berechnung der Kostenaufteilung zwischen Bund und Ländern oder ein Durchrechnungszeitraum von zwei Jahren.

Auf wenig Gegenliebe stieß Burgstaller mit dem Vorschlag für eine von den Ländern einzuhebende Abgabe für Gewinne, die aus der Umwidmung von Grün- in Bauland erzielt werden.

Der Vorstoß Burgstallers in Sachen Steuerhoheit der Länder ist nicht auf einhellige Zustimmung gestoßen. Die Länderchefs wollen nun eine Expertise des Bundes abwarten, auf deren Basis dann weiter darüber beraten wird.

"Die Einnahmen brechen uns weg. Das heißt, die Reformen, die auf dem Tisch liegen, müssen beschleunigt werden" , appellierte Burgstaller. Deutlicher wurde ihr steirischer Kollege Franz Voves (SPÖ): In der Steiermark habe man ein Einsparungspotenzial von 108 Millionen Euro geortet, da müsse beim Bund mindestens das Zehnfache zu finden sein. Laut aktuellen Prognosen würden alleine für die Steiermark die Ertragsanteile für 2012 um rund 28 Mio. Euro geringer ausfallen als ursprünglich erwartet. (Thomas Neuhold, DER STANDARD; Printausgabe, 12.10.2011)

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11 Postings
de Gouges
01
12.10.2011, 22:09
Teurer und langsamer...

...eine derartige Reform wird in Österreich letztlich immer teurer als die alten Strukturen. An den neuen Gerichtshöfen werden RichterInnen arbeiten. Das wird jedenfalls teurer als das derzeitige System, wo viele BeamtInnen neben der eigentlichen Tätigkeit zusätzlich in den Kommissionen tätig sind und dafür nur eine relativ geringe Vergütung erhalten. Einen weiteren enorm großen Vorteil hat die traditionelle Verwaltung. Innerhalb von 6 Monaten muss ein Antrag bearbeitet werden und das funktioniert auch noch weitgehend gut. Gerichte haben diese Frist nicht. Das heißt, die Verfahren werden länger auch in diesem Bereich länger dauern. Ob das im Interesse der Rechtssuchenden wirklich ein Fortschritt ist, ich bin skeptisch

sepp schilehrer
02
12.10.2011, 14:26

Erstens mal ist diese LH-Konferenz in der österreichischen Verfassung nicht vorgesehen und daher als besseres Kamingespräch anzusehen und kann daher für nichts "weissen Rauch" geben.

Zweitens soll hier der Bürger wieder geblendet werden. Diese Landesverwaltungsgerichte machen überhaupt nichts billiger und keinen Millimeter bürgernäher!!

Rufens mal bei einer "normalen" Berufungsbehörde an und fragens nach dem Verfahrensstand und dann probierens dasselbe mal beim UVS!!!

Für sowas haben wir wirklich kein Geld!!!

grosswildjaeger
00
12.10.2011, 16:56
außer Spesen nichts gewesen

Wenn Pröll und Häupl nicht dabei waren, ist´s außer Spesen nichts gewesen.
Wo ist die großartige Verwaltungsreform?
Wer kann sich die teuren Richter leisten, wenn sonst alles beim alten bleibt?

Ingrimm
00
12.10.2011, 12:42

Tja, da lagerte Prölll jahrelang seine Kranken geschickt aus, und dann sowas... dabei darfs in Raiffeisens-own-country gar keine Kranken geben...

accuser
03
12.10.2011, 12:33
Die Landeshauptleutekonferenz?

Wo bitte ist diese Versammlung in der Verfassung legitimiert, wieso kommt zusätzlich noch "Gewohnheitsrecht" zur Anwendung und wann können wir den ganzen Wahnsinn endlich abschaffen?!

Weg mit den Despoten, die mit fremdem Geld um sich werfen! Ich möchte unsere Steuern sinnvoll verwendet sehen.

Lachhaft.

Michael Bakunin
00
12.10.2011, 18:14

nirgends in der verfassung gibt es ein verbot, dass sich landeshauptleute treffen dürfen.
diese künstliche aufregung ist ja lächerlich. typisch österreicher, immer nur raunzen.

mika33
20
12.10.2011, 13:13
Der gewohnte Anti-Föderalismusreflex ....

Alles abschaffen.... sehr konstruktiv!

Gähn.

Miklaus Röchlinger
04
12.10.2011, 09:06

ad Voves: der Bund hat in den letzten Jahren bereits viele seiner Sparhausaufgaben gemacht - daher WAR vielleicht mal das zehnfache zu holen. Jetzt sind aber die Länder dran, denn die haben bei den Sparbemühungen in den letzten Jahren nur zugesehen und weiter munter Geld zum Fenster rausgehauen.

Schottermizzi
42
12.10.2011, 08:21
Weil die Justiz ja so gut funktioniert....

...brauchen wir unbedingt noch mehr langsame und inkompetente Gerichte!

james7
12
12.10.2011, 10:43
Nur dass die neuen Verwaltungsgerichtshöfe nichts mit der "Jusitz" im bisherigen Sinn zu tun haben.

Durch die Landesverwaltungsgerichtshöfe werden - wie der Name schon sagt - Verwaltungsangelegenheiten bearbeitet, im Gegensatz zu den privatrechtlichen/strafrechtlichen Angelegenheiten der Bezirksgerichte, Landesgerichte etc. Im Grunde werden die bereits bestehenden Unabhängigen Verwaltungssenate der Länder ausgeweitet und von den Ämtern der Landesregierung Berufungsverfahren zu den neuen Verwaltungsgerichtshöfen gegeben. Aber unabhängig davon sind weder Verwaltungsjuristen noch "normale" Richter über den Kamm geschoren "inkompetent" !

grosswildjaeger
02
12.10.2011, 13:44
teurer Spass??

Bisher hat man nur gehört, dass diese Verwaltungsgerichte teurer sind als die bisherigen Behörden (Ostermayer in Ö1 vorige Woche und RH-Präsident Moser).
Haben sich die LH´s auch auf die Zusammenlegung der Bezirkshauptmannschaften, der Gemeinden oder der Bundesländer geeinigt?
Ist das die große Verwaltungsreform oder wollen uns wieder einmal alle für dumm verkaufen?

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