Lobbyistenregister

Charaktersache

Kommentar | Michael Völker, 11. Oktober 2011, 18:50

Mit der jetzigen Regelung wird man weder die Korruption abschaffen noch die Politik besser machen, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung

Das neue Lobbyistengesetz ist kein gutes Gesetz, aber man kann es loben, weil es allemal besser ist als gar kein Gesetz. Mit der jetzigen Regelung wird man weder die Korruption abschaffen noch die Politik besser machen, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Lobbyisten müssen sich in ein Register eintragen, und für diejenigen, die das auch tun, kann es böse Geldstrafen geben, wenn sie sich nicht an die Regeln halten.

Dass die Vorschriften für Arbeiterkammer oder Industriellenvereinigung ein Witz sind, kann man hinnehmen, das berührt den Kern des Problems nicht. Das Problem sind vielmehr jene "Lobbyisten", die sich in ein solches Register erst gar nicht eintragen, die sich Zustimmung erkaufen, die Gewinnmaximierung auf eigene Rechnung betreiben. Und das noch größere Problem sind jene Beamten und Politiker, bei denen diese "Lobbyisten" Zugang finden.

Dem fehlenden Anstand kommt man mit dem Lobbyistenregister nicht bei. Wenn man eine moralische Mindestanforderung an den Charakter von Politikern schon mit dem Gesetz erzwingen muss, braucht es viel mehr: Dann gehören die Parteifinanzen vollkommen offengelegt, dann gehören auch die Nebenverdienste der Abgeordneten offengelegt, dann gehört auch die Vergabe von Regierungsinseraten offengelegt. Allein wie mühsam die Debatte um diese Vorhaben läuft, zeigt leider sehr gut, wie es um die moralischen Standards in der Politik derzeit bestellt ist. (DER STANDARD, Printausgabe, 12.10.2011)

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13 Postings
rrrn
 
00
17.10.2011, 07:32
An den Universitaeten, Hochschulen ...

gibt es gewaltigen Postenschacher. Auch hier fuehren wieder mit Abstand FPOe/K, BZOe... . Wann wird das untersucht?

Schmalzfiedler
00
12.10.2011, 19:12
Hier noch eine Charakterstudie

zur Causa Strasser - da die original Beweisvideos immer wieder gelöscht werden - hier eine Parodie auf Strassers Verhandlungsgespräche in Brüssel: http://www.youtube.com/watch?v=Ve_HkJI7RZ4

josef1234567
01
12.10.2011, 14:15
Korrupte Politiker machen sich ein Gesetz, Aha.

Kleanthes
20
12.10.2011, 08:23

In einer Demokratie sind die Politiker die Angestellten des Souveräns, des Volkes.
Wenn ein Angestellter ein bisschen stiehlt, finde ich, macht das nichts. Er muss deswegen nicht unanständig sein. Aber er sollte, gottverdammich, seinen Job ordentlich und gut machen, und sich nicht nur aufs Stehlen verlegen. Und da hapert es doch bei diesen Herrschaften.

Reinhard Kober
03
12.10.2011, 11:18
wenn sie ...

... eine firma haben und ihr angestellter stiehlt ein bisschen, dann macht ihnen das nichts aus?

sie wissen aber schon, dass das ein entlassungsgrund wäre?

nur: in der firma österreich werden diese leute immer wieder neu eingestellt und wir dürfen nicht einmal genau wissen, wieviel "gestohlen" wird.

Kleanthes
10
12.10.2011, 12:04

Nun, wenn diese Leute, wie gesagt, wenigstens die Arbeit ordentlichen machen würden, dann wär's auch egal, wenn sie immer wieder eingestellt würden.

Sollen sie ein bisschen was klauen und betrügen, jeder Kellner tut das, aber sie sollen ihren verdammten Job machen!

trollvottel
01
12.10.2011, 12:01

Theoretisch wäre es ein Grund für eine fristlose Kündigung, wenn man einen Dienst-Kugelschreiber ungefragt mitnimmt ... praktisch sehen das viele Chefs etwas cooler, aber manche nutzen das aus und versuchen Leute dann wegen eines Kugelschreibers oder Notizblocks fristlos und ohne Abfertigung los zu werden.

--> Privateigentum und Firmenbesitz besser IMMER strikt trennen.

pauline
00
12.10.2011, 00:00

Wieso soll ein Gesetz, das sehr richtig als kein gutes erkannt wird, besser sein als gar kein Gesetz? Dieses Lobbyistengesetz ist reine Anlassgesetzgebung. Für die sattsam bekannten Anlässe sollten die bestehenden Gesetze ausreichend sein. Falls sie es nicht sind, wird man "die moralische Mindestanforderung an den Charakter von Politikern" auch nicht per neuem Gesetz erzwingen können.
Nur weil die Debatte über Parteifinanzen und Nebenverdienste der Abgeordneten "mühsam" läuft, soll ich ein zahnloses Gesetz, das davon ablenken will, loben?

Johannes99
00
12.10.2011, 18:24
Moral kann man halt nicht normieren und gesetzlich einfordern

deshalb ist das Lobbyistengesetz ja ein erster Schritt. Wenn Politiker unmoralisch sind, kann ich sie nicht abwählen, weil mir die Alternative fehlt derzeit. Lobbyisten verbieten geht auch nicht, weil ihre Leistung (Beziehungen, Netzwerke) nicht messbar ist. Ab wann ist man Lobbyist?
Messbar sind Parteifinanzen und Abgeordneten-Einnahmen. Wenn die schonungslos offengelegt sind, sieht man das falsche Spiel von A (unmoralischer Politiker) und B (Lobbyist) leichter.

Reaktion1
00
12.10.2011, 20:20

Es ist fraglich, ob ein Lobbyistengesetz gegen unmoralisches Verhalten bzw. unmoralische Politiker ausreicht.
Moral gilt es nicht zu entdecken, sondern zu entwickeln und auszuarbeiten (Mackie, J.L: Ethik)

mrsoul
00
12.10.2011, 07:33
es ist ein anfang...

und in einer nächsten novelle kommen hoffentlich die kammern und freiwilligen interessensvertretungen hinein. und vielleicht gibt es bis dahin den gesellschaftlichen konsens, dass solche gesetzliche und freiwillige interessensvertreterInnen nicht in landtag und nationalerat sitzen sollten </traeum>

Reinhard Kober
00
12.10.2011, 11:23
natürlich sind der ...

... nationalrat und die landtage interessensvertretungen. sie wählen ja, damit ihre interessen vertreten werden oder möchten sie, dass die abgeordneten nur ihre eigenen interessen verfolgen? es sieht zwar manchmal so aus, aber das ist nicht der sinn eines parlaments oder landtags.

Allein die spielregeln müssen nachvollziehbar und im interesse der bevölkerung durchsetzbar sein. danach sieht es eben nicht immer aus.

mikromalist
 
03
11.10.2011, 22:57
Die systemische Korruption

konzentriert sich jetzt noch mehr auf die Interesssensvertreter. Pfiffig gemacht.
Leitl darf weiter als WKO um mein Geld Geschäfte gegen Honorar einfaedeln. Bauernbündler, die gleichzeitig in der Landwirtschaftskammer, Raiffeisenverband und Parlament sind dürfen weiter 4mal Gesetze beeinflussen. Gewerkschafter, AKler , GF von BFI, ...
Kotz ...

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