"Die Grenzen des Kapitals sind knapp"

11. Oktober 2011, 18:08
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Für Österreichs Banken und Versicherungen war die Ostexpansion die richtige Entscheidung, sagt OeNB-Chef Ewald Nowotny

Weiteres Wachstum werde dadurch behindert, dass Geld ein knappes Gut ist.

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Wien - Ja, man habe in Osteuropa Probleme. Diese seien aber auf einige Länder, etwa Ungarn, beschränkt. Man dürfe die Region jetzt nicht schlechtreden. So lautete der Tenor der heimischen Bankenszene, deren Vertreter am Montag zum Thema "Österreichs Banken und Versicherungen in Zentral- und Osteuropa" diskutiert haben.

Die Versicherer, die der Einladung des Finanzmarketingverbandes gefolgt sind, haben auf ihre Pionierarbeit nach der Ostöffnung verwiesen. Die Assekurranzen seien während der Krise nicht entgleist und hätten auch keine Staatshilfe gebraucht, sagte Elisabeth Stadler, Vorstandschefin der Ergo Austria International. Einig waren sich die Diskutanten darin, dass die Region Zentral- und Osteuropa weiterhin schneller wachsen werde als die Europäische Union und es die richtige Entscheidung war, diese Länder zu erschließen.

Verfolge man aber derzeit die Schlagzeilen, fühle man sich an März 2009 erinnert, sagte Willibald Cernko, Vorstandschef der Bank Austria. Dass im Kontext der Krise ein Korrekturbedarf entstehe sei klar, weil man auf die Märkte auch reagieren müsse. Einen Zweifel am Wachstum der Region gebe es deswegen aber nicht. Vor allem in der Türkei sieht der BA-Chef noch große Chancen.

Auch Ewald Nowotny, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, warnte davor, Osteuropa schlecht zu reden. Die Zeiten der raschen Expansion seien aber vorbei. Denn: "Die Grenzen des Kapitals sind knapp". Die Frage sei, was man mit dem jetzigen Einsatz und dem jetzigen Kapital erreichen könne. Denn Geld aufzunehmen sei jetzt nicht leicht.

Milliardenabschreibung

Brisanz verleihte der Diskussion die aktuelle Milliardenabschreibung auf Osttöchter und Abwertungen auf Staatsanleihen und Credit Default Swaps (Kreditausfallsversicherung) auf Marktwert durch die Erste Bank. Nowotny begrüßte das Vorgehen der Erste Group, die Bilanz auszuputzen. Die generell positive Einschätzung zu Osteuropa hätte sich durch diese Maßnahme allerdings nicht geändert, bekräftigte Erste-Group-Vorstandsmitglied Gernot Mitterndorfer.

Für Herbert Stepic, Chef der Raiffeisen Bank International (RBI), steht Osteuropa heute sogar besser da als vor der Krise. Die hohen Leistungsbilanzdefizite seien vielerorts bereits abgebaut, wichtige Strukturreformen begonnen - "anders als in Österreich", wie Stepic betonte.

Auf die Banken komme jetzt eine Menge zu - Stichwort Bankensteuer und Konvertierung der Fremdwährungskredite in Ungarn, angedachte Finanztransaktionssteuer, Basel III. Stepic bezeichnete diesen Zusammenfall der Maßnahmen als "übel". Es sei nicht erzielbar, alle Maßnahmen zu erfüllen. Denn Geld vom Kapitalmarkt gebe es derzeit keines.

Zum Thema Fremdwährungskredite sagte der RBI-Chef, dass es ein "absoluter Wahnsinn" war, Konsumgüter so zu finanzieren. Nowotny bezeichnete die Franken-Kredite als Fehler. Es sei richtig, die zu rasche Kreditexpansion zurückzufahren, aber "nicht in Cowboy-Manier wie in Ungarn", sagte Nowotny. (bpf, DER STANDARD, Printausgabe, 12.10.2011)

  • Erste-Group-Vorstandsmitglied Gernot Mitterndorfer, 
Raiffeisen-Bank-International-Chef Herbert Stepic, Vorstandschef der 
Bank 
Austria Willibald Cernko, OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny, 
Standard-Wirtschaftsressortleiter Andreas Schnauder, GfK-Chef Rudolf 
Bretschneider, Ergo-Chefin Elisabeth Stadler, Uniqa-Manager Wolfgang 
Kindl und 
Grawe-Vorstandschef Günther Puchtler. (v. li.)
    foto: regine hendrich

    Erste-Group-Vorstandsmitglied Gernot Mitterndorfer, Raiffeisen-Bank-International-Chef Herbert Stepic, Vorstandschef der Bank Austria Willibald Cernko, OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny, Standard-Wirtschaftsressortleiter Andreas Schnauder, GfK-Chef Rudolf Bretschneider, Ergo-Chefin Elisabeth Stadler, Uniqa-Manager Wolfgang Kindl und Grawe-Vorstandschef Günther Puchtler. (v. li.)

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