Theaterdonner gehört zu Lohnverhandlungen dazu
Theaterdonner gehört zu Lohnverhandlungen dazu. Die eine Seite fordert viel,
und die andere bietet im Gegenzug möglichst wenig. Dann gibt es eine Pause, in
der beide Seiten - je nach Tageszeit und Verhandlungsrunde - gequält seufzen,
grimmig schauen oder grummelnd zu Einzelberatungen abrauschen. Bewegt sich keine
Seite, gibt es Jause oder Abendessen. Hilft auch das nicht, reden beider Seiten
Chefverhandler diskret miteinander.
Vor diesem Hintergrund ist der Schockzustand, in dem die vielgerühmten
Sozialpartner seit einer Woche verharren, weil die Gewerkschafter 5,5 Prozent
Lohnerhöhung für die 170.000 Beschäftigten in der Metallindustrie fordern, quasi
Löwinger-Bühnen-Niveau. Genauso gut kann man das Angebot der Arbeitgeber (3,1
Prozent plus 200 Euro Einmalzahlung) als Provokation bezeichnen. Schließlich
verdienen die Metallerzeuger und -verarbeiter prächtig.
Die Größe des zu verteilenden Filets wird, wie der Name schon sagt, in
Verhandlungen bestimmt. Dass sie bei den Metallern heuer nicht gar so lähmend
ablaufen wie in den vergangenen 30 oder 40 Jahren, liegt an der Regie. Die
Gewerkschafter haben ihre Forderung öffentlich gemacht. Darüber kann man froh
sein oder erschüttert, es erspart aber keine Verhandlungen. Ob das für
Sozialpartner ungewöhnliche Regietheater gut ankommt, wird der Abschluss zeigen.
Gut möglich, dass die Gewerkschafter als Verlierer dastehen, weil der Kompromiss
zu viele Prozentpunkte kostet. (DER STANDARD, Printausgabe, 12.10.2011)