Herbstlohnrunde

Ein Ritual

Kommentar | Luise Ungerboeck, 11. Oktober 2011, 18:00

Theaterdonner gehört zu Lohnverhandlungen dazu

Theaterdonner gehört zu Lohnverhandlungen dazu. Die eine Seite fordert viel, und die andere bietet im Gegenzug möglichst wenig. Dann gibt es eine Pause, in der beide Seiten - je nach Tageszeit und Verhandlungsrunde - gequält seufzen, grimmig schauen oder grummelnd zu Einzelberatungen abrauschen. Bewegt sich keine Seite, gibt es Jause oder Abendessen. Hilft auch das nicht, reden beider Seiten Chefverhandler diskret miteinander.

Vor diesem Hintergrund ist der Schockzustand, in dem die vielgerühmten Sozialpartner seit einer Woche verharren, weil die Gewerkschafter 5,5 Prozent Lohnerhöhung für die 170.000 Beschäftigten in der Metallindustrie fordern, quasi Löwinger-Bühnen-Niveau. Genauso gut kann man das Angebot der Arbeitgeber (3,1 Prozent plus 200 Euro Einmalzahlung) als Provokation bezeichnen. Schließlich verdienen die Metallerzeuger und -verarbeiter prächtig.

Die Größe des zu verteilenden Filets wird, wie der Name schon sagt, in Verhandlungen bestimmt. Dass sie bei den Metallern heuer nicht gar so lähmend ablaufen wie in den vergangenen 30 oder 40 Jahren, liegt an der Regie. Die Gewerkschafter haben ihre Forderung öffentlich gemacht. Darüber kann man froh sein oder erschüttert, es erspart aber keine Verhandlungen. Ob das für Sozialpartner ungewöhnliche Regietheater gut ankommt, wird der Abschluss zeigen. Gut möglich, dass die Gewerkschafter als Verlierer dastehen, weil der Kompromiss zu viele Prozentpunkte kostet. (DER STANDARD, Printausgabe, 12.10.2011)

metall81
10
12.10.2011, 11:42
Der Abschluss wird heuer bei....

...3,7-4,2 Prozent liegen. Dass hätte ich Ihnen im Mai auch schon sagen können.

Ruth Schlabbeeritzka-Pangl
14
12.10.2011, 07:08
Theater & Donner

Wenigstens besinnt sich die Gewerkschaft wieder ihrer eigentlichen Aufgabe und unternimmt was für ihr Beitragszahlervieh! Irgendwann muss zumindest ein kleiner Teil des zuletzt stattgefundenen allgemeinen Deppertverdienens bei den Untersten der Hackordnung ankommen. Ob sich aber für die im nächsten Frühjahr stattfindenden Lohnrunden angesichts des von den "Experten" geradezu inbrünstig herbeigebeteten Wirtschaftsabschwungs auch noch eine spürbare Erhöhung ausgeht, wage ich allerdings zu bezweifeln.

Gobi Todic
02
12.10.2011, 10:02

_freiwilliges_ Beitragszahlervieh.

so wie ich - und ich bin stolz drauf.

caorle
03
12.10.2011, 07:44
Gebe ihnen Recht

Nicht zu vergessen sind aber neben den "Experten" auch ihre Erfüllungsgehilfen in den Zeitungen und Magazinen. Hier macht auch der Standard keine Ausnahme.
Da wird 1zu1 übernommen, was diese Herren so von sich geben, ohne auch nur ein bißchen zu hinterfragen. Unter Journalismus stelle ich mir etwas anderes vor, als nur abzuschreiben bzw. copy& paste.

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