Internet-Zukunft

Tim Berners-Lee: "Das WWW war ein Erfolg, weil es keine Patente gab"

Zsolt Wilhelm, 11. Oktober 2011, 17:17
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    Tim Berners-Lee gastiert auf Einladung der Telekom Austria in Wien. Er wird beim "future.talk 2011" des Telekomkonzerns mit einer Expertenrunde darüber diskutieren, wer das Internet regiert. Mit ihm nehmen Anke Domscheit-Berg, Beraterin für Open Government, Rechtsprofessor Viktor Mayer-Schönberger und die Kriegsberichterstatterin Antonia Rados in der Spanischen Hofreitschule Platz.

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    Telekom-Chef Hannes Ametsreiter und Tim Berners-Lee

Der Erfinder des Webs über Filesharing und das Recht auf Anonymität

Bereits 1989 entstand im schweizer Forschungszentrum CERN das, was der Volksmund heute allgemein als "Internet" bezeichnet (die tatsächliche Infrastruktur dazu wurde mit TCP/IP natürlich bereits 7 Jahre früher geschaffen). Konkret erschuf der britische Forscher Tim Berners-Lee (mittlerweile ein "Sir") 1989 das World Wide Web und sollte damit die Kommunikation und Informationsgewinnung für immer verändern. Im Vorfeld des diesjährigen "Future Talk" nahm sich der Direktor der WWW Foundation und MIT-Professor eine Stunde Zeit, um mit heimischen Journalisten über die Zukunft und die Herausforderungen des Webs zu sprechen.

Schade um Jobs

Dabei strich Berners-Lee heraus, dass die Zeit nicht dafür ausreiche, um all jene Personen zu ehren, die einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des Internets beitragen würden. Außerdem sei es ihm nicht erlaubt, zu den vielen "tollen, mächtigen und beängstigenden" Unternehmen Stellung zu nehmen. Mark Zuckerbergs Facebook sei aber trotz "Abschottung" ein wesentlicher Teil des Webs und die Aufbereitung von Daten über Suchmaschinen und persönliche Cloud-Speicher seien wichtige Werkzeuge zur Bewältigung der Informationsflut. Den jüngst verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs habe er unter anderem für die Ermöglichung der "einfachen Nutzung von PCs" und aufgrund des "herausragenden" NEXT-Computersystems verehrt. "Ich war einmal im gleichen Raum wie Steve Jobs. Leider haben wir aber nie miteinander gesprochen", gab sich Berners-Lee gegenüber dem WebStandard betrübt.

Patente schaden der Innovation

Als Verfechter der Netzneutralität und offener Web-Standards sendete der Brite ein klares Wort an die sich mit Patentklagen bekriegende IT-Industrie - Apple und Samsung fielen aus der Runde der Journalisten als prominentes Beispiel. "Das Web war ein Erfolg, weil es keine Patente gab", so Lee. Damit wurde es jedem Entwickler erlaubt, mit der Technologie zu machen, was er wollte. "(Patente) sind ein großer Dämpfer für Technologie und Innovationen." Speziell wenn es nicht mehr nur um die Entwicklung neuer Kerntechnologien gehe, sei die Einforderung von Patenten eine fragwürdige Praxis.

Anonymität und Transparenz gleich wichtig

Differenziert sieht der Forscher die zunehmend wichtiger werdende Debatte um Nutzerrechte im Web. Wenn man an im Internet organisierte Revolutionen oder politische Diskussionen denke, sei es wichtig, dass man als User die Möglichkeit habe, seine Stimme ohne Angst vor Repressalien äußern zu können. "Wir müssen das Recht haben, anonym sein zu können". Allerdings käme hier jeder schnell in einen Zwiespalt, denn "wenn jemand etwas Gemeines über mich sagt, wollen wir wissen, wer das war", gibt Lee zu bedenken. "Es ist kontrovers, doch wir müssen beides haben."

Nicht äußern wollte sich der WWW-Erfinder zu aktuellen Datenskandalen in Österreich und zu konkreten Aktionen der Aktivisten von Anonymous. Klar für ihn sei aber, dass "Anonymität nicht missbraucht werden sollte". "Und wenn sie missbraucht wird, sollte sie aufgehoben werden".

Persönliche Daten privat nutzen

Eine diversifizierte Ansicht hat Lee auch zur verstärkten Nutzung persönlicher Daten durch soziale Netzwerke und Applikationen. Zum einen würde er es begrüßen, wenn sein Computer Einblick in seinen persönlichen Kalender habe, um neue Termine automatisch passend einzurichten. Auch erleichtere es ihm das Leben, wenn er sich seine Konfektionsgröße nicht merken müsse und der Schneider oder das Schuhgeschäft darüber informiert seien. Doch müsse man klare Grenzen ziehen können, wer auf diese Daten Zugriff habe. Eine wesentliche Herausforderung sei also die private computergestützte Nutzung von persönlichen Daten. Hier würden private Cloud-Speicher eine tragende Rolle in der Zukunft spielen.

Filesharing half der Industrie

Den Austausch von Daten über Filesharing-Dienste sieht Lee nicht als großes Übel, wie es die Medienindustrie gerne darstellt. "Das Internet hat es einigen Leuten ermöglicht, kostenlos Musik zu hören. Doch das Internet hat auch vielen Leuten es erlaubt, für Musik zu zahlen." Er denke beispielsweise an iTunes oder andere Download-Stores, die vielleicht die Industrie auf den Kopf gestellt, aber ihr auch neue Chancen gegeben haben.

Die Zukunft des Internets sieht der WWW-Erfinder demnach ebenfalls positiv. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass es viel Platz für revolutionäre Entwicklungen gäbe. "Jeden Tag gibt es zig große neue Ideen" und wenn sich eine davon durchsetze, würde sie uns wie das Internet selbst vor den Kopf stoßen. Umso wichtiger sei daher die Bewahrung offener Standards und die Förderung von Entwicklungen. (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 11.10.2011)

Kommentar posten
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Ger77
00
13.10.2011, 11:49
Web 2.0 in Echt

Die Sache ist recht einfach zu bereinigen. Ein offenes Protokoll erstellen, dass soziale Kommunication ähnlich dem SMTP regelt. Jedoch mit allen notwendigen Erweiterungen die für das Teilen von Inhalten notwendig sind. Über dieses Protokoll laufen dann alle Postings, Shares und Notifications die man braucht um mehrere Leute miteinander so wie bei den bisherigen Sozialen Netzwerken kommunizieren zu lassen.
Aber das soziale Netzwerk ist dann das ganze Internet. Echtes Web 2.0

Patentkiller
01
12.10.2011, 17:55
@edurkheim

Das ganze hat doch nicht mit Apple angefangen. Die heftigen Auseinandersetzungen gab es schon immer. Da Apple eine stark polarisierende Marke ist, nahm natürlich die Aufmerksamkeit bei der Allgemeinheit zu. Ansonsten würde das bis heute nur "Insider" interessieren. Ich verstehe sowieso die Aufregung nicht so ganz. Denn 50% aller Patente können zerstört werden (www.patentkiller.de) ein weiterer Teil kann umgangen werden (www.patentseminar.ch).
Nur 25% aller erteilten Patente sind rechtsbeständig. Und zum Schluss: 90% aller eingereichten Patente wurden nie erteilt, ist das Schutzrecht abgelaufen oder die Verlängerungsgebühr nicht bezahlt. Somit ist viel, auch aktuelles technisches Wissen, kostenlos verfügbar.

cjlpa
00
12.10.2011, 11:37
Und dann gibt es im WWW noch so Blödsinn wie diesen hier:

http://www.sbribble.com
http://hasthelargehadroncolliderdestroyedtheworldyet.com/
oder auch "ausgestorbene" Saurier wie GeoCities (erinnert sich eigentlich noch wer an das? Der Friedhof der <blink>-Tags und der animierten Gifs?), oder AltaVista... und natürlich AOL... ;-)

SMaRT Himself
00
12.10.2011, 12:06
cjlpa
00
12.10.2011, 11:40

(Das war mein Beitrag zu "Jeden Tag gibt es zig große neue Ideen" - es gibt jeden Tag auch zig strange Ideen)

edurkheim
29
12.10.2011, 10:20
Ich hoffe dass nachdem der Patent-Troll Jobs sein Wirken eingestellt hat nun endlich wieder ein bisschen mehr Frieden zwischen den Großen eintreten wird

Das Patent-Systhem gehört repariert - keine Frage - nur gibt es dazu leider kein Patentrezept.

Und es hat auch so einigermaßen Funktioniert bis halt Apple angefangen hat wie die üblichen (viel kleineren) Patentrolle zu agieren. Die großen Technologie-Firmen hatten da eine Art Gentleman-Agreement als Nicht-Angriffs-Strategie - bis halt Jobs kam.

Vielleicht kehrt jetzt wieder mehr Frieden ein.

irata
00
12.10.2011, 22:24

Apple hat angefangen... mit einer *Gegenklage*.
http://en.wikipedia.org/wiki/Smar... litigation

edurkheim
00
13.10.2011, 08:33
Bei einem Streithansel hat immer der andere angefangen

rapidfans.at
01
12.10.2011, 18:01
ich bitte sie

wir bekommen davon halt nicht soviel mit, aber diese patentsache ist international schon seit jahren üblich.
alle großen machen das dort so.
amazon, oravle, microsoft usw. usw.

bei apple erfahren wir es jetzt halt.

hamflo
01
12.10.2011, 09:52
interessant zu lesen...

kann man dann eigentlich auch nicht mehr davon sprechen dass er es, gänzlich allein, erfunden hat das WWW (weil bei einer Firma aus Cupertino wird ja auch immer darauf verwiesen, dass sie ja eigentlich nichts erfinden)... Das heute am weitesten verbreitete Hypertext-System ist der Internet-Dienst World Wide Web (WWW),....(http://de.wikipedia.org/wiki/Hypertext) .... und auch...."Das moderne Hypertext-Konzept wurde von Vannevar Bush im Jahr 1945 in einem Artikel As We May Think im Journal The Atlantic Monthly erwähnt. Er sprach darin über ein zukünftiges System Memex (für Memory Extender), das das Wissen eines bestimmten Gebietes elektronisch aufbereitet leicht zugänglich darstellen kann." ....

irata
00
12.10.2011, 22:29

Kleiner Irrtum:
"As We May Think" wurde 1945 veröffentlicht, nicht 1954.
http://en.wikipedia.org/wiki/As_W... _May_Think

War auch die Inspiration für Douglas Engelbart (Mouse, GUI und so).

keywords
00
13.10.2011, 09:50

coole hoschis waren das :)

mit kamera an der birn.

hamflo
02
12.10.2011, 09:55
ja klar...

gab es die Touchtechnologie und die Ideen dahinter schon viel länger als es dass iPhone gibt.. nur keine von diesen Ideen hat jemals so einen Einfluss auf die Technologie erzeugt wie das iPhone... aus vorhandenem mit neuer Ansätze etwas Besseres zu machen ist auch eine Erfindung...

der.grisu
01
12.10.2011, 09:46

"... zentrale Eckpfeiler ..."

So etwas liest man heute viel zu selten ...

Hermine Berg
 
011
12.10.2011, 07:39
was fuer ein vernuenftiger mensch

koennte man den nicht fuer die politik gewinnen?

KammerlExperte
010
12.10.2011, 09:21
Vernünftige und psych. gesunde Menschen

gehen nicht in die Politik.

Jujilla
03
12.10.2011, 09:10

warum sollte sich ein vernünftiger mensch freiwillig mit infantilen menschen umgeben, die sich lieber gegenseitig politische scharmützel liefern, statt inhaltlich zu arbeiten?

cba
02
12.10.2011, 07:51

gibt wahrsscheinlich viele vernünftige menschen wie ihn, sonst würde unsere materielle welt wesentlich schlechter funktionieren. aber die werden kaum in die politik gehen

Cybermichl v. Hohenfels zu Tiefentals
 
00
12.10.2011, 05:59
Prediger in der Wüste,

leider - die Adressaten, denen es angeht, hören es leider wohl nicht....

Der Watschenmann
00
12.10.2011, 09:22

oder können nicht verstehen, was er gesagt hat.

reveur M
02
12.10.2011, 02:40
Ich glaub....

Ich schließe mich dem Tim einfach an ...

Lausbub
323
12.10.2011, 02:24
Patentsystem ist Selbstzweck und gehört abgeschafft

Meine Meinung zum Patentwesen ist, dass es ersatzlos gestrichen werden soll, weil
- es innovationshemmend ist.
- die Erfinderische Höhe nicht (mehr) bewertet wird, und deshalb jeder Mist patentiert wird.
- alle nur mehr aus Angst patentieren, dass jemand anders einem den eingeschlagenen Weg zupatentieren könnte.
- es enorme Kapazitäten der kreativen Köpfe bindet.
- die Kosten viel besser in Forschung und Entwicklung aufgehoben wären.
- für die Menschheit Produkte mit Kompromissen entstehen, weil man um Patente mit höchst zweifelhafter erfinderischer Höhe herumentwickeln muss
- weil sich die Chinesen sowieso ein Scheidreck drum scheren, was andere patentieren
- weil es mich einfach endlos anzipft, ständig diese besch... Patenttexte zu lesen.

AAron, Green Bay
00
14.10.2011, 23:52

sicher gute Argumente, aber was meist übersehen wird, ist dass nur durch die Patente die Chance besteht Geld mit einer Idee zu machen. Denn sonst erfinden Sie etwas und der Typ mit mehr Kapital klaut ihnen die Idee und sie haben nie die Chance Kohle zu machen. Das würde dazu führen, dass es weniger Innovationen gibt und die Gesellschaft nicht so schnell weiterentwickelt.

Wahlarzt
11
12.10.2011, 14:29
der wahre Grund

warum Sie das Patentsystem abschaffen wollen liegt wohl darin:
weil es mich einfach endlos anzipft, ständig diese besch... Patenttexte zu lesen.
Wenn Sie die Patentschriften schon nicht verstehen können zweifle ich bei Ihnen überhaupt daran, dass Sie genügend Potenzial für jegliche Innovationen haben... (was haben's denn schon für tolle Ideen gehabt?)

Innovationshemmend sind Patente überhaupt nicht (offensichtlich wieder nur ein Schlagwort das Sie aufgeschnappt haben und unreflektiert verbreiten.)
Idealerweise läuft es so wie bei James Watt, der kurzerhand das Planetengetriebe entwickelt hat zur Umgehung des Patentes auf die Kurbelwelle!

http://www.markenblog.de/2011/02/1... stik-2010/

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