Jey-Zee lässt sich nichts gefallen

11. Oktober 2011, 17:11
1 Posting

Ljubljanas Bürgermeister will nun slowenischer Regierungschef werden

Für einen, der meint, Politik sei nichts für ihn, verfügt Zoran Jankovic über eine gute Nase: Dass er Regierungschef werden will, verkündete der Bürgermeister von Ljubljana gestern dort, wo vor zwanzig Jahren die Unabhängigkeit gefeiert wurde: auf dem Kongressplatz. Der Held von damals, Sloweniens erster Präsident Milan Kucan, unterstützt ihn, wie die ganze Kandidatur des parteilosen Managers tatsächlich zahlreichen - echten - Bitten und Anfragen geschuldet ist. Noch bevor der 58-Jährige überhaupt ins Rennen eingestiegen war, gab eine Umfrage ihm schon zehn Prozent.

Jey-Zee, wie das urbane Ljubljana ihn gern nennt, hat das Zeug zum Retter. Er wurde 1953 als Sohn eines Serben und einer Slowenin geboren, zog elfjährig von den in einem serbischen Dorf lebenden Großeltern weg in die nördliche Republik, lernte in Rekordzeit die Sprache, studierte Betriebswirtschaft. Die Kaste der "Techno-Manager", in die der ehrgeizige junge Mann rasch hineinwuchs, wurde im Jugoslawien der 80er-Jahre für Effizienz und klare Sprache allseits geschätzt. Jankovic tourte durch Sloweniens "gesellschaftliche" Unternehmen; wenn immer er bei der Politik aneckte, nahm er seinen Hut und ging. Mit der Handelskette Mercator, die er seit 1997 leitete, wurde er zum Helden der neuen slowenischen Südost-Expansion.

Wieder war es die Politik, die ihm in die Quere kam: Der bürgerliche Premier Janez Jansa betrieb 2006 erfolgreich seine Ablösung. Da beschloss Jankovic, sich endgültig nichts mehr gefallen zu lassen, kandidierte als Unabhängiger zum Hauptstadtbürgermeister und holte auf Anhieb 63 Prozent. Die Stadt mag ihn: Jey-Zee hat stets alle Zahlen parat, bringt seine Projekte durch und redet niemandem nach dem Mund. Dass er auf der Gay-Pride-Parade sprach und einen Moscheebau wagte, hat ihm die Liebe auch des liberalen Ljubljana eingetragen. Dass er die Ansprüche der Hauptstadt vehement gegen den Neid der Provinz verteidigt, dürfte seine Wahlchancen allerdings mindern.

Ein Versöhnler, wie der glücklose sozialdemokratische Regierungschef Borut Pahor, ist Jankovic eben nicht. Eine große Koalition mit dem rechten Jansa, wie viele sie fordern, hat er schon ausgeschlossen. Eher kann man ihm zutrauen, der gebeutelten Linken im Lande neues Selbstbewusstsein einzuhauchen. Mit dem polarisierenden Jansa lässt der hemdsärmelige Jankovic keinen Streit aus. (Norbert Mappes-Niediek/DER STANDARD Printausgabe, 12.10.2011)

  • Zoran Jankovic will Sloweniens Premier werden.
    foto: wikipedia

    Zoran Jankovic will Sloweniens Premier werden.

Share if you care.