Ljubljanas Bürgermeister will nun slowenischer Regierungschef werden
Für einen, der meint, Politik sei nichts für ihn, verfügt Zoran
Jankovic
über eine gute Nase: Dass er Regierungschef werden will, verkündete der
Bürgermeister von Ljubljana gestern dort, wo vor zwanzig Jahren die
Unabhängigkeit gefeiert wurde: auf dem Kongressplatz. Der Held von
damals, Sloweniens erster Präsident Milan Kucan, unterstützt ihn, wie
die ganze Kandidatur des parteilosen Managers tatsächlich zahlreichen -
echten - Bitten und Anfragen geschuldet ist. Noch bevor der 58-Jährige
überhaupt ins Rennen eingestiegen war, gab eine Umfrage ihm schon zehn
Prozent.
Jey-Zee, wie das urbane Ljubljana ihn gern nennt, hat das Zeug zum
Retter. Er wurde 1953 als Sohn eines Serben und einer Slowenin geboren,
zog elfjährig von den in einem serbischen Dorf lebenden Großeltern weg
in die nördliche Republik, lernte in Rekordzeit die Sprache, studierte
Betriebswirtschaft. Die Kaste der "Techno-Manager", in die der
ehrgeizige junge Mann rasch hineinwuchs, wurde im Jugoslawien der
80er-Jahre für Effizienz und klare Sprache allseits geschätzt. Jankovic
tourte durch Sloweniens "gesellschaftliche" Unternehmen; wenn immer er
bei der Politik aneckte, nahm er seinen Hut und ging. Mit der
Handelskette Mercator, die er seit 1997 leitete, wurde er zum Helden der
neuen slowenischen Südost-Expansion.
Wieder war es die Politik, die ihm in die Quere kam: Der bürgerliche
Premier Janez Jansa betrieb 2006 erfolgreich seine Ablösung. Da
beschloss Jankovic, sich endgültig nichts mehr gefallen zu lassen,
kandidierte als Unabhängiger zum Hauptstadtbürgermeister und holte auf
Anhieb 63 Prozent. Die Stadt mag ihn: Jey-Zee hat stets alle Zahlen
parat, bringt seine Projekte durch und redet niemandem nach dem Mund.
Dass er auf der Gay-Pride-Parade sprach und einen Moscheebau wagte, hat
ihm die Liebe auch des liberalen Ljubljana eingetragen. Dass er die
Ansprüche der Hauptstadt vehement gegen den Neid der Provinz verteidigt,
dürfte seine Wahlchancen allerdings mindern.
Ein Versöhnler, wie der glücklose sozialdemokratische Regierungschef
Borut Pahor, ist Jankovic eben nicht. Eine große Koalition mit dem
rechten Jansa, wie viele sie fordern, hat er schon ausgeschlossen. Eher
kann man ihm zutrauen, der gebeutelten Linken im Lande neues
Selbstbewusstsein einzuhauchen. Mit dem polarisierenden Jansa lässt der
hemdsärmelige Jankovic keinen Streit aus. (Norbert Mappes-Niediek/DER STANDARD Printausgabe, 12.10.2011)