Man muss in eine Wohnung hineinfinden

12. Oktober 2011, 10:11
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    foto: lisi specht

    Nora Stalzer und Hund Anni in ihrer Küche, die sich - wie alle Räume in ihrer Wohnung - wandeln können muss.

    (Foto: Lisi Specht)

Gartenarchitektin Nora Stalzer gefällt es, wenn sich eine Wohnung den Lebenssituationen anpassen kann

Die Gartenarchitektin und Künstlerin Nora Stalzer wohnt mit ihrer Familie in einem Cottage im 19. Bezirk. Ganz fertig soll dieses nie werden, erfuhr Michael Hausenblas.

***

"Unsere Wohnung liegt unterhalb des Türkenschanzparks im 19. Bezirk in Wien. Das gesamte Haus gehörte früher meinem Großonkel. Heute bewohne ich die untere Etage mit meinem Mann Clemens Lutz und unseren beiden Kindern. Lotte ist vier und Nepomuk sieben Jahre alt. Über uns wohnt noch eine weitere Familie, mit der wir uns wirklich gut verstehen.

Das Gebäude ist ein kurz vor 1900 gebautes, typisches Cottage, wie es solche in diesem Viertel sehr oft gibt. Insgesamt wohnen wir auf 155 Quadratmetern, dazu kommt noch der Garten mit 300 Quadratmetern. Mein Mann und ich sind vor zehn Jahren hierher gezogen. Zuvor hatten wir eine Wohnung in der Capistrangasse im 6. Bezirk. Das heißt: Trafik, Bäcker, Kino, Wirtshaus und sämtliche Freunde waren gleich um die Ecke. Hierher zu ziehen bedeutete schon eine Mordsumstellung nach so viel Urbanität.

Ich kann mich gut erinnern: Als wir zum ersten Mal herkamen, war die Wohnung völlig leer und hellgelb gestrichen. Die Wände waren über und über mit ganz zarten Blümchen bemalt. Und außerdem gab es in jedem Zimmer ein Waschbecken. Das lag daran, dass die Zimmer längere Zeit an Studenten der Universität für Bodenkultur vermietet waren. Ich habe damals noch Malerei studiert, und mein Umfeld hatte immer Einfluss auf meine Bilder. Als ich die Blümchen an der Wand und dann noch den Garten gesehen hab, sagte ich mir: 'No seavas, jetzt kommt also die grüne Serie!'

Im Hauptraum der Wohnung gibt es eine Art japanischen Torbogen mit einer Schiebetür. Meine Großmutter erzählte mir, dass hier früher zwei Flügel gestanden haben und ihre Onkel sozusagen gegeneinander musizierten. Der eine spielte Strauss, der andere Wagner - und das gleichzeitig. Wahrscheinlich hat mir aus diesem Grund mein Mann vor vier Jahren ein Piano zu Weihnachten geschenkt und mir damit eine Riesenfreude gemacht.

Ich würde unsere Wohnung als 'klassisch ungeplant' bezeichnen. Es kommt, was kommt. Das ist wie im Leben. Mir ist vor allem die Identität eines Ortes wichtig, und es gehört viel Gespür dazu, in eine Wohnung hineinzufinden. In diesen Räumen mit all ihren Geschichten, die sie noch immer füllen und prägen, beginnt langsam unsere eigene Geschichte, und die Räume passen sich unseren persönlichen Bedürfnissen an.

Mein Mann und ich sind Gartenarchitekten, und wir führen gemeinsam noch ein Geschäft für Gartenausstattung. Ich denke, der Unterschied zwischen uns und einem klassischen Bauherrn liegt darin, dass wir unsere Wohnung frei und offen gelassen haben. Wir haben sogar einen Raum, der sich in diesen zehn Jahren mindestens fünfmal verwandelt hat. Zuerst war dort mein Atelier, dann wurde daraus ein verlängertes Wohnzimmer mit Spielwiese, danach ein Arbeitszimmer und so weiter. Und dazwischen diente der Raum immer wieder als Kramuri-Zimmer. Das ist unendlich praktisch! Zeug rein, Tür zu.

Eine Wohnung muss sich, wie gesagt, den Lebenssituationen anpassen können. Das reicht von Zeiten des Rückzugs, der Ruhe, bis zu Perioden, in denen es wichtig ist, Freunde einzuladen und Partys zu geben. Aus einer Sofalandschaft wird dann halt eine lange Tafel mit Gartenbänken. Das Ganze hängt sehr mit dem persönlichen Energiehaushalt zusammen, und der richtet sich nach den Auf und Abs des Alltags.

Ich finde, ein Zuhause sollte nie fertig sein. Es wächst mit dir mit. Das ist wie bei einem Garten. Apropos Garten: Ich liebe es, wie das Licht und die Farben von außen in die Räume hineinwirken und die Wände dieses Spiel dann reflektieren. Vor allem, wenn draußen die große Magnolie blüht. Das ist, als würde man in ihrer Krone sitzen." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8./9.10.2011)

NORA STALZER, geboren 1973 in Wien, studierte Architektur an der TU Wien sowie Malerei und Grafik in den Meisterklassen Markus Prachensky und Gunter Damisch an der Akademie der bildenden Künste in Wien. 2006 gründete sie mit ihrem Mann Clemens Lutz in Weidling bei Klosterneuburg das Landschaftsplanungsbüro stalzerlutz gärten. Vor drei Jahren wurde das Büro um ein Geschäft für Gartenmöbel und Accessoires, das sogenannte Verdarium erweitert.

Im Dezember 2010 expandierte sie mit dem Verdarium ins Wiener Stilwerk im Jean-Nouvel-Tower in der Praterstraße 2.

Link

www.verdarium.at

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 42
1 2
Die Sis
00
11.1.2012, 18:47
Erst die Menschen / Tiere, die in einer Wohnung / Haus leben, bestimmen den Charakter

Das ist wie ein Panoptikum hier zu lesen und äußerst erheiternd, jedes Niavaranikum oder Gernotikum ist ein Pawlatschentheater dagegen - sehr köstlich!
An die Sis: Ich habe selten so gelacht...ist auf jeden Fall bei schlechter Laune zu empfehlen.
Und all an die anderen: Ich würde diese Wohnstatt jeder anderen jederzeit vorziehen - denn es kommt nicht auf das Design, sondern auf die Ausstrahlung einer Wohnung an... und die lässt sich bekanntlich nicht über eine Abbildung erfühlen.
Die Sis

Ruodlieb von der Vläntsch
00
7.11.2011, 15:24
lotte und nepomuk

sind in der gegend keine seltenen namen. auch rufe nach friedrich, arthur und amalie schallen dort über spielplätze und hundezonen.

Solemnly Soliloquising Somnambulist
01
18.10.2011, 08:34
architekten sind keine künstler

die wohnung sieht aus wie ein kinderzimmer eines schwererziehbaren.

=> bobos sind nur ausgewachsen nicht erwachsen

mir wäre lieber wenn die bobos im 7. bleiben oder erwachsen werden bevor sie in bürgerliche bezirke vorstossen und ihre infantile geistige willkür verbreiten die letztlcih wegbereiter des verachtenswerten nihilismus ist.

mbli
31
13.10.2011, 12:13
eine sehr sympathische lebenseinstellung und wohnkultur. voll im leben!

ca ramba
01
13.10.2011, 09:54

Ist der Hund echt oder ist das ein Plastik-Deko-Wuffi?

Lilly Rush
 
12
13.10.2011, 15:22

Ich tipp jetzt mal auf nicht echt, denn so unmotiviert wie der im Raum steht, passt das völlig zum Konzept. Ein echter Hund kann sich gar nicht so blöd stellen ;-)

Lilly Rush
 
01
13.10.2011, 11:26

Das frage ich mich schon die ganze Zeit.
Ich weiß es nicht.

ioxx
10
13.10.2011, 03:18

wahrlich eine familie mit geschmack; die auswahl der möbel ist großartig (vor allem die der stühle)

Peterhase71
00
13.10.2011, 13:40

seiens net so sarkastisch ^^

wizenstain
12
12.10.2011, 21:45

sieht ziemlich unaufgeräumt aus

Wutbürger 2.0
12
12.10.2011, 19:04
bezahlte werbung

Peterhase71
00
13.10.2011, 08:33

Farbstilberatung ^^

Lilly Rush
 
01
13.10.2011, 09:33

Sie meinen das "Schreigrün" sei der Pflanzenersatz der Wohnungsbesitzerin, die ja vorgibt Gartengestalterin zu sein?

Lilly Rush
 
11
12.10.2011, 23:23

Werbung für was?

Peterhase71
10
12.10.2011, 23:26
s. ganz unten ;-)

Lilly Rush
 
12
12.10.2011, 23:34

Das war ironisch gemeint.
Bei der "Visitenkarte" (Wohnung) kann man nicht wirklich von Werbung sprechen.

Lilly Rush
 
14
12.10.2011, 14:36

Na servas! Das Foto ist aber keine Visitenkarte für die Gartengestaltung. Wenn dann mein Garten genauso unharmonisch aussieht wie diese Wohnküche, dann verzichte ich darauf.

froilein froilein
02
12.10.2011, 15:39

unharmonisch...war genau der Begriff nach dem ich gesucht hab. Die Möbel stehen irgendwie unmotiviert nebeneinander. Es wirkt so unruhig, dass man sich nirgends hinsetzen will.

Lilly Rush
 
12
12.10.2011, 22:52

Es ist nicht das unmotivierte:

An diesem Zimmer gibt es nichts heimeliges, nichts das zum Verweilen einlädt oder gemütlich aussieht.

Die Möbel (Sessel) sehen aus als ob sie aus dem Sperrmüllcontainer wären und der Tisch mit den beiden Füßen eines Tapeziertisches ist mit einer billigen, grottenhäßlichen OSB Platte belegt.

Alles in allem ein grauenhafter Mix aus minderwertigen Möbeln.

froilein froilein
02
13.10.2011, 11:32
Die Möbel find ich gar nicht so schlecht. Es sind einfach zu viele Stile (Altdeutsch, 30er Stahlrohr, Schreibtisch und Lampe 70er, moderner Kühlschrank, Ikea, Eigenbau)

Wenn man es ein wenig umgruppiert, kann es wirklich gut aussehen, vor allem weil ja die Wohnung selber toll ist.
Kasten vor die grüne Wand, Kredenz (ist hübsch finde ich) in die Mitte rücken(+ entrümpeln), Kühlschrank mit 1/4-Drehung an die Längswand. Deko zum Raum hin hängen. Alle Sessel um den Esstisch gruppieren und auf einen großen dicken Teppich stellen, der die Zimmergrenze überschreitet. "Kochtisch" glänzend schwarz lackieren, auf Küchenschränke ev in Längsrichtung (?)stellen.
Man kann hier mit wenig Aufwand etwas sehr schickes und gemütliches basteln.

-mogli-
20
13.10.2011, 19:51
WARUM ?

versuchen Sie uns so krampfhaft Ihren Geschmack aufzuzwängen...

Frechheit, es wird doch jeder seine Wohnung nach eigener Vorstellung einrichten dürfen...

UND DA GIBT ES EBEN KEINE REGELN !!!!

Lilly Rush
 
01
13.10.2011, 20:36

Kritik ist erlaubt. Das war ja auch nur ein Vorschlag und ich finde die Ideen von froilein ganz gut und brauchbar. Einiges würde ich auch anders machen.

Stellen sie sich vor, alle Standardposter würden nur positive Kommentare abgeben - langweilig!

-mogli-
20
13.10.2011, 20:45
Ganz einfach:

Es gibt nur JA oder NEIN

entweder der Einrichtungsstil gefällt oder eben nicht.

UND AUS !

froilein froilein
01
14.10.2011, 11:14

Gehts Ihnen heute schon etwas besser?

Lilly Rush
 
02
13.10.2011, 20:48

Was sind denn sie für einer?
Frisch vom Dschungel?
Kleine Assimilationsschwierikeiten?

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