Afrika

Wenn Kinder als Hexen verfolgt werden

Interview | Bianca Blei, 12. Oktober 2011, 06:15
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    foto: edition a

    "Meine Kinder werden frei von Abhängigkeit und Angst aufwachsen", blickt Joana Adesuwa Reiterer in eine zuversichtliche Zukunft.

Joana Adesuwa Reiterer über groteske Austreibungsrituale, Hexendörfer und wie sie als 16-Jährige verstoßen wurde

Frauen und Kinder werden ausgestoßen, gefoltert und verbrannt, weil man annimmt, dass sie Hexen sind. Was sich wie ein historischer Bericht aus dem europäischen Mittelalter anhört, passiert täglich in Afrika. Alleine in Nigeria leben 5.000 Frauen und Kinder auf der Straße, vertrieben und als Hexe gebrandmarkt. Joana Adesuwa Reiterer war gerade einmal 16 Jahre alt, als sie ihr Vater verstieß. Sie soll ihn verhext haben und an seinem geschäftlichen Ruin Schuld sein.

Adesuwa Reiterer wurde von ihm zu Juju-PriesterInnen und Pfingstkirche-PastorInnen gebracht, die mit grotesken Ritualen die Hexenkräfte austreiben wollten. So musste die Frau sieben Tage ohne Essen und in ihrem Zimmer eingesperrt ausharren oder übel riechende Flüssigkeiten trinken. Sie flüchtete. Zuerst nach Benin und dann mit ihrem ersten Mann Tony nach Österreich. Doch auch dieser machte bald ihre Hexenkräfte für seinen Misserfolg verantwortlich. Gemeinsam flogen sie daher zurück nach Nigeria, wo sich Adesuwa Reiterer einem noch intensiveren siebentägigen Ritual unterziehen musste, wobei sie ständig unter Drogen gesetzt wurde.

Reise in die Vergangenheit

Es folgte die Trennung und ein Neuanfang mit ihrem jetztigen Mann in Wien, wo sie auch den Verein "EXIT" gründete, der Opfern von Menschenhandel hilft. 2010 reiste sie mit einem Filmteam zurück nach Nigeria, um sich für eine Dokumentation auf Spurensuche zu begeben. Sie traf ihren Vater wieder, der sie abermals als Hexe beschimpfte und lernte betroffene Frauen und Kinder kennen, die dasselbe Schicksal wie sie ereilte. In Hexendörfern, die gebrandmarkte Personen aufnehmen und schützen, bei einem Juju-Priester und in Pfingstkirchen erkannte sie, dass sie mit ihrem "Schicksal nicht alleine ist". Aus diesen Eindrücken entstand ihr Buch "Hexenkind".

derStandard.at: Sie schreiben in Ihrem Buch immer wieder von der Sehnsucht nach Afrika und vor allem Nigeria. Ist diese Sehnsucht auch nach Ihrer Recherchereise noch vorhanden?

Joana Adesuwa Reiterer: Ja, das ist sie. Aber mittlerweile ist das schon geregelter. Ich war im November 2010 in Nigeria und auch heuer im Juni. Meine Brüder, Schwester und meine Mutter vermisse ich aber sehr - und das Essen. In Wien bekommt man keine guten afrikanischen Speisen.

derStandard.at: In einem Kapitel erwähnen Sie, dass in ländlichen Gebieten bis zu 90 Prozent aller gerichtlichen Prozesse Hexenprozesse sind. Woher haben Sie die Zahlen? Hat Sie das überrascht?

Adesuwa Reiterer: Ich habe diesen Prozentsatz aus einem UNHCR-Report vom Jänner 2011 mit dem Titel "Breaking the spell: responding to witchcraft accusations against children" (dt. Den Zauber brechen: Auf die Hexenanschuldigungen gegen Kinder reagieren). Ich war natürlich auch von den Zahlen überrascht, aber vielmehr von der Tatsache, dass es gerichtliche Prozesse gegen angebliche Hexen gibt. Ich habe dann aber eine Al-Jazeera Reportage gesehen, in der das erklärt wurde. Nachdem es für die Beschuldigten keine Sozialeinrichtungen gibt, ist die einzige Möglichkeit, sie vor der Dorfgemeinschaft zu schützen, eine Gefängnisstrafe. Die Leute würden die angebliche Hexe sonst umbringen. Dabei kenne ich Strafrahmen von bis zu drei Jahren. Ich habe aber auch von Gefängniswärtern gehört, die nicht an Magie und Zauberei glauben und diese Frauen dann mit nach Hause genommen haben, um sie zu schützen.

derStandard.at: Haben Sie während Ihrer Recherchereise überlegt, in Afrika vor Ort zu helfen?

Adesuwa Reiterer: Als das Treffen mit meinem Vater bevorstand, war mir überhaupt nicht klar, was ich machen soll. Also ob ich in Nigeria bleiben oder wieder zurück nach Österreich gehen soll. Nachdem ich aber die betroffenen Menschen getroffen und diese schlimmen Sachen gesehen habe, war mir klar, dass ich handeln muss. Deshalb habe ich das "Project Precious" ins Leben gerufen, das Aufklärungsarbeit in Afrika leisten soll. Derzeit sprechen wir auch mit Nollywood (der Filmindustrie in Nigeria, Anm. d. Red.), um eine Serie zu produzieren, die aufzeigt, dass diese Hexensache kompletter Unfug ist. Außerdem wollen wir Spenden für die Hexendörfer sammeln, in denen verstoßene Erwachsene und Kinder Zuflucht finden.

derStandard.at: Neben den ganzen schrecklichen Dingen, die Sie erlebt und gesehen haben, gab es auch schöne Erlebnisse während Ihrer Reise?

Adesuwa Reiterer: Das Schönste war eigentlich, diese Hexendörfer zu besuchen und zu sehen, dass es Menschen gibt, die den Betroffenen Schutz anbieten. Es war auch schön zu sehen, dass die Frauen, trotz ihrer Geschichte, noch solch eine Lebensfreude haben und dankbar sind zu leben. Die Einstellung zum Leben ist allgemein in Nigeria positiver als in Österreich. Bei uns regt man sich über verspätete Züge auf. In Nigeria freut man sich, dass man überlebt.

derStandard.at: Haben Sie damit gerechnet, dass das Schicksal der Hexenkinder und -frauen Sie mit Ihrer eigenen Geschichte so sehr konfrontiert?

Adesuwa Reiterer: Nein. Am Anfang der Reise hatte ich Angst, weil ich nicht wusste, ob es persönlich wird. Ich weiß auch nicht, wieso mich das Schicksal von Agnes (ein 17-jähriges Mädchen in einem Hexendorf, Anm. d. Red.) so sehr berührte, dass ich zusammengebrochen bin. Durch die Reise habe ich erst bemerkt, wie sehr es mich verletzt hat, dass mich mein eigener Vater auf die Straße gesetzt hat. Ich dachte mir immer wieder, dass ich jetzt auch in so einem Hexendorf leben würde, wäre ich in einer Dorfgemeinschaft aufgewachsen. Ich bin aber glücklich und dankbar für die Möglichkeiten die ich hatte und habe.

derStandard.at: Durch die Reise nach Nigeria wurden Sie auch mit den verschiedenen Foltermethoden konfrontiert, die Frauen und Kinder dazu bringen sollen, sich als Hexen zu bekennen. Waren Sie überrascht, dass es noch grausamere Mittel gibt als jene, die bei Ihnen eingesetzt wurden?

Adesuwa Reiterer: Es gab Zeiten, in denen ich meinem Vater dankbar war, dass es bei mir nicht so schlimm war. Ich war immerhin schon 16 Jahre alt, als er mich verstoßen hatte. Ich habe aber achtjährige Kinder getroffen, die nun auf der Straße leben müssen. Wenn ich daran denke, dass mein Sohn sechs Jahre alt ist, dann macht mich das sehr betroffen. Als ich von den Foltermethoden erfahren habe, traute ich mich nicht mehr wegen meines Schicksals zu leiden. Ich habe im Internet ein Video gesehen, in dem fünf Menschen in Nigeria bei lebendigem Leib verbrannt wurden. Das sind Methoden wie aus dem Mittelalter in Europa. Ich bin entsetzt, zu welchen Dingen Menschen fähig sind.

derStandard.at: Haben Sie auch Menschen in Österreich kennengelernt, die in Afrika als Hexen bezeichnet wurden?

Adesuwa Reiterer: Ich hatte bei EXIT zwei Klientinnen, die solche Anschuldigungen in ihrer Vergangenheit erlebt haben. Sie konnten aber ganz gut damit umgehen. Ich glaube sie sind so glücklich, weil sie die Erlebnisse nie aufgearbeitet haben. Verdrängung kann im Moment helfen. Wenn man beginnt, sich mit seiner Vergangenheit zu beschäftigen, dann kann es sein, dass man zusammenbricht. Man wird verletzbar und schwach. Ich weiß, wovon ich spreche.

derStandard.at: Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie Ihr Leben jetzt wäre, wenn Sie nie als Hexe bezeichnet worden wären?

Adesuwa Reiterer: Nein. Ich stelle mir aber oft vor, wie das Leben meiner beiden Kinder sein wird. Sie werden frei von Abhängigkeit und Angst aufwachsen. Ich habe mich nie getraut darüber nachzudenken, wie es wäre. Das hätte zu sehr wehgetan. Diese Anschuldigungen und ihre Folgen sind ein Teil meines Lebens. Das bin ich. (Bianca Blei, derStandard.at, 12.10.2011)

"Hexenkind - Die wahre Geschichte einer Frau, die in Afrika als Hexe verfolgt wurde." - Joana Adesuwa Reiterer, edition a, 2011, 1. Auflage

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 183
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Moondancer
00
17.10.2011, 02:26

...ja...aus Ebonyi State, der tiefsten Provinz...

J&G
00
17.10.2011, 15:10
Es gibt Nigerianern die Menschenrechte vetreten!

Ebony state is ja nicht die tiefsten provinz bitte. Es ist ein bundesland in Nigeria. Und es Sind viele südliche und östliche städte Nigerias betroffene zb Edo,Lagos,Akwa-Ibom usw. Auch andere länder Von westafrika bis
Lateinamerika, und sogar Europa, also mach daraus keine Nigerianische phännomen. da Fr. Reiterer Nigerianerin ist, ist mal so. Es gibt viele Nigerianern die Menschenrechte vetreten!

Moondancer
71
15.10.2011, 10:29
Morgendliches Gelächter..

..also ich kopiere jetzt den Artikel und übersetze ihn auf Nairaland.com und sorge für unpackbares Gelächter bei den meisten Landsleuten dieser Frau. Und dass man in Wien kein gutes nigerianisches Essen kriegt stimmt definitiv nicht...im 7. Bezirk gibt es alle Zutaten zu kaufen. Und wenn die Dame net kochen kann, ist sie selbst schuld, ein gutes nigerianisches Stew köchelt hin und wieder auf meinem Herd und ich bin Österreicherin. Ja, Aberglaube gibt es...aber nur in den tiefsten Provinzen, sonst hält er sich im Rahmen normaler Großstädte. Glaubt man in Österreich eigentlich jeden Schwachsinn über Nigeria?

Andersen
00
Ja, Aberglaube gibt es...aber nur in den tiefsten Provinzen,

Hab mal den Artikel ausgegraben...
In London wurde gerade ein 15jähriger zu Tide gefoltert weil ein Verwandter glaubte er sei ein Hexer. Soviel zu "nur in den tiefsten Provinzen" sie Pfosten.

00NEIN
20
16.10.2011, 12:33

fr. reiter lebt von geschichten...

J&G
00
16.10.2011, 15:37
00NEIN: und von was lebst du?

Nairaland.com
Killing In The Name Of Witchcraft In Ebonyi State.: http://www.nairaland.com/nigeria/t... 406.0.html

http://www.nairaland.com/nigeria/t... 981.0.html

J&G
02
15.10.2011, 19:17
Über 100.000,- Frauen & kinder

Sebst Nigerianischen median berichten davon. Dein eigene bequemlichkeit in österreich mit den Nigerianische partner, ist ja wohl priorität. Dass seit 2000-2005 über 100.000,- frauen und kinder wegen der Hexerei weltweit getötet sind ist dir egal. Lieber schweigen ALS handeln, damit der partner nicht angesprochen fühlen. Les mal das Buch und dann wirds du gescheiter. Hab es selbst gelesen. Als Britin mit wenig deutschkenntnisse,könnte ich alles in ein zug verstehen. Es gab sogar 25 fälle in London. Oder ist dein problem Frau Reiterer, bech die macht weiter und die Nigerianische botschaft ist ja nicht so dumm zu verleugnen!

Moondancer
31
15.10.2011, 12:56
Ergänzung...

....peinlich finde ich es, wenn eine seriöse Zeitung wie der Standard so eine Peinlichkeit noch druckt und dieser "Dame" eine Plattform bietet. Noch peinlicher finde ich es, wenn die nigerianische Botschaft keine Richtigstellung schreibt..

LGM
02
15.10.2011, 13:41

Kurzes Googeln liefert Artikel von CNN, The Guardian, der New York Times, CBS, BBC, die Liste geht weiter und weiter.
Entweder sind Sie da einer Verschwörung auf der Spur, oder es hat schon seinen Grund, warum da nicht großartig widersprochen wird.

Sternchen100
42
13.10.2011, 10:17

Solche Auswüchse gibt es nur dort, wo die traditionelle einheimische Religion mit ihrem Welterklärungsmodell verloren geht und dafür christliche und islamische Fundamentalisten mit ihrer Weltsicht die Oberhand gewinnen. Die erklären sogleich alles was an die alte Religion erinnert, zum Satan und alle missliebige Personen zu Hexen. Also alle mit etwas mehr Charisma, Intelligenz und Willensstärke.

Wobei diese religiösen fanatischen Stink - Stiefel sich nicht im geringsten um Ethik kümmern. Merke: Gott ist für sie eben nur Ausrede für eigenen Sadismus! *Arghhhh*

K. K. Lacke
12
13.10.2011, 14:54
der Unterschied zwischen ihrer Glorifizierung von Wicca und "Psi-Kräften" und dem Dogmatismus der christlichen Kirchen ist wo genau?

die Wissenschaft hätte "die Weisheit nicht mit dem Löffel gefressen", aber ihre Träume von Hexen und Zauberern sind nun eine besondere Form des reflektierten objektiven Wahrnehmens?

bitte seien sie mir nicht böse, aber so lange sie an Zauberei und Hokus-Pokus glauben sollten sie nicht derart leichtfertig andere als in ihren Erklärungen gescheitert betrachten, wenn sie selbst solch "höhere nicht greifbare Mächte" benötigen um sich die Welt zu erklären

ihr Glaube an "parapsychische Fähigkeiten" ist nichts anderes als der Glaube der geistig Schwachen an eine/n Gott/Göttin oder Zauberkräfte.

eine Dummheit durch eine andere zu ersetzen ist keine Lösung, sondern lediglich eine Verschiebung des Problems

und sie zeugt nicht grade von Vernunft

Hans Vogel
140
12.10.2011, 20:02
Fekter

ist eine Hexe und hat uns die Staatsschulden beschert.

Timagoras
 
04
13.10.2011, 12:45

beides ist falsch.

man kann gegen die frau sehr viel (und sehr viel negatives) sagen, aber sie der hexerei bzw. der alleinigen verantwortung für die österreichische staatsverschuldung zu zeihen, ist mehr als dumm.

Nur DIREKTE DEMOKRATIE ist Demokratie!
35
12.10.2011, 19:53
[Perspektiven]

Aberglaube ist auch in Europa kein längstvergangenes Relikt, gegen das wir gefeit sind.

(1) Hexen und Teufelsaustreiung in der österreichischen Kirche:
www.derstandard.at/131701977... Exorzismus

(2) "Determined to leave no stone unturned, police also examined hundreds of reports from psychics and clairvoyants claiming to know the location of Madeleine."
www.en.wikipedia.org/wiki/Disa... ine_McCann

Und nein, damit soll der Artikel und die dort beschriebenen schrecklichen Konsequenzen *keinswegs* relativiert werden, sondern lediglich ein lokaler Kontext und zusätzlicher Aspekt betrachtet werden (schade, dass solche Disclaimer hier nötig sind): www.derstandard.at/plink/131... 6/23267508

Sternchen100
91
13.10.2011, 10:25

Erst mal: es gibt bekennende Hexen! Z.B. Wicca. Zweitens: es gibt Menschen mit parapsychischen Fähigkeiten. Drittens: der Exorzismus der Kirche ist nichts anderes als ein durchgeführtes spezielles Gebetsritual durch einen Priester, was für Ungläubige vielleicht etwas nervig sein mag, aber körperlich demjenigen nicht das Geringste tut. Viertens: die Wissenschaft hat die Weisheit nicht mit dem Löffel gefressen, speziell die Psychologie und Psychiatrie hinken noch meilenweit dem sonstigen Fortschritt hinterher! Psychische kollektive Phänomene oder tiefenpsychologische Krankheitssymptome sind für sie weiterhin entweder nicht existent oder total fremd. In diesem Sinne hat jeder Schamane oder Priester mehr drauf => wer heilt, hat recht!

LGM
02
15.10.2011, 13:44

Kommt da eigentlich noch irgend ein Beleg für die Existenz von parapsychischen Kräften, oder hoffen Sie, die Peinlichkeit schweigend durchtauchen zu können?

K. K. Lacke
12
13.10.2011, 14:45
ad "zweitens":

bitte wen?die "Männer die auf Ziegen starren"?

oder meinen sie ihren Pendel-Guru der ihnen in einer Séance offenbart hat, dass unter ihrem Bett eine "Wasserader" verläuft, und ihnen beim Tarotlegen dazu geraten hat das "Geld-Elixier" vom Schaumschlägerprinzen und Erbmedium zu Schlangenzunge Mario Max "dicke Lippe" zu kaufen?

weil jemand etwas "bekennt" bedeutet das auch dass seine/ihre Einbildung Realität wird? weil schliesslich gibt es ja auch bekennende SatanistInnen...

sie wären gut beraten sich über das Thema "Massenhysterie" zu informieren

also HEILEN kann nichtmal der Arzt, das macht der Körper selbst... auch bei AtheistInnen gibt es oft medizinische "Phänomene" für die allerdings kein "Gott" bzw keine "Hexe" verantwortlich ist...

LGM
04
13.10.2011, 11:10

Für "Zweitens" hätte ich gerne irgendeinen Beleg.
Trotz Unsummen von Investitionen haben die amerikanischen und sowjetischen Programme nichts gefunden und die ausgelobten hohen Beträge für nachgewiesene parapsychische Aktivitäten bleiben auch seit Jahrzehnten unabgeholt

Bernout
 
37
12.10.2011, 21:01
Jede Religiosität ist Aberglaube.

Aber immerhin ist diese hierzulande, von äußerem Druck, in einigermaßen zivilisierte Bahnen gedrängt worden. Sogar der übelste Christ hat die Barbarei der Steinigung oder Hexenverbrennung meist längst hinter sich gelassen.

Übrigens sagt man (zumindest nach außen) nicht mehr "Exorzismus". Wie bei allen an den Rand der Gesellschaft gedrängten Ideologien und der Esoterik, benützt man inzwischen euphemische Codewörter. Das Neueste ist meines Wissens "Befreiungsgebet".

insertnamehere
 
03
12.10.2011, 23:16
"Aber immerhin ist diese hierzulande, von äußerem Druck, in einigermaßen zivilisierte Bahnen gedrängt worden."

Dieses "außen" wäre konkret jetzt wer gewesen?

Wer hat denn da Druck ausgeübt?

Bernout
 
05
13.10.2011, 00:08

Die Aufklärung und, etwas grundlegender, einfach der Druck der Gesellschaft.

Können Sie ja heute immer noch vergleichen. Sehen Sie sich an, was in einer katholischen Kirche in Afrika, Südamerika oder sogar den USA gepredigt wird und vergleichen Sie es dann mit Westeuropa.
Wenn der Herr Schönborn den Kreationismus predigt, dann tut er das in der New York Times, nicht im Standard. (Oh, Entschuldigung! "Intelligent Design")

Was "geht" und was "nicht geht", bestimmt nicht die Kirche, sondern die Gesellschaft in der sie sich befindet. Sehen wir ja gerade bei dem Polnischen Pfarrer und seiner Erstkommunion. Oder auch bei der Laieninitiative.

insertnamehere
 
01
13.10.2011, 09:10
Die Aufklärung und die Gesellschaft würde ich nicht als äußere Faktoren zählen.

Nachdem die Gesellschaft, die hierzulande den Katholizismus gebändigt hat, jenseits der 80% selber katholisch war, würde ich das eher als "Selbstbändigung" der Katholerer hierzulande interpretieren.

Weils eben NICHT von außen aufgezwungen wurde.

Bernout
 
01
13.10.2011, 23:08

Nicht alles, das aus einer Gesellschaft hervorgeht, hat notwendigerweise etwas mit Religion zu tun.

Denken Sie die Gesellschaft war "80% selber katholisch" und sonst nichts? Wenn dem so wäre, hätte man das moderne Kuschelchristentum ("Gott ist Liebe" usw.) nie erfinden müssen! Da hätte mein einfach verkündet: es ist, wie es ist und aus!

Plötzlich unterstützt der Papst die Menschenrechte und über Nacht ist sogar die Demokratie kein Frevel gegen die "göttliche Ordnung" mehr. Wo kam das denn her?

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