Katholische Kirche

Laien unterstützen rebellische Pfarrer

11. Oktober 2011, 12:22
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    foto: apa

    Pawlowsky: "Wenn die Bischöfe an der Pfarrerinitiative Anstoß nehmen, müssen sie sich auch mit uns auseinandersetzen."

"Laieninitiative" und "Wir sind Kirche" schließen sich dem Aufruf zum begründeten Ungehorsam der Pfarrer-Initiative an

Wien - Die zum Ungehorsam aufrufenden katholischen Pfarrer erhalten Unterstützung von kirchenkritischen Laienorganisationen. In einer Pressekonferenz am Dienstag präsentierten die Plattform "Wir sind Kirche" und die "Laieninitiative" einen "Aufruf zur Eigenverantwortung". Darin werden "alle die Menschenwürde beschneidenden Bestimmungen des Kirchenrechts" und der "autoritäre Zentralismus" Roms abgelehnt.

Laieninitiative: Priestermangel selbst verschuldet

"Wir, Mitglieder der römisch-katholischen Kirche, wenden uns entschieden gegen den Kurs der gegenwärtigen Kirchenleitung", heißt es in dem Aufruf, der laut den Initiatoren bereits per Post an Bischöfe und Nuntius ergangen ist. "Die Glaubwürdigkeit der Kirche hat durch die zunehmende Abkehr vom Zweiten Vatikanischen Konzil und die Blockade von Reformen schweren Schaden genommen."

Der derzeitige Priestermangel sei von der Kirchenleitung durch überholte Zulassungsbestimmungen selbst verschuldet. Gebe es keine Vorsteher für die Gemeinden, werde man selbst eine Wahl treffen. Man werde nach Wegen suchen, Eucharistiefeiern sicherzustellen und Laien zur Predigt einladen. Außerdem ermutige man wiederverheiratete Geschiedene, zur Kommunion zu gehen. Ausgestattet mit dem "gemeinsamen Priestertum" sehe man sich verpflichtet, das Notwendige eigenverantwortlich wahrzunehmen.

Solidarität mit Schüller

Peter Pawlowsky von der "Laieninitiative" erklärte, man wolle sich gegen den Eindruck zur Wehr setzen, dass es hier lediglich um einen Streit zwischen dem Wiener Erzbischof Christoph Schönborn und dem früheren Generalvikar Helmut Schüller gehe. "Wenn die Bischöfe an der Pfarrerinitiative Anstoß nehmen, müssen sie sich auch mit uns auseinandersetzen", sagte er. (APA)

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Der Unterhund
00
12.10.2011, 13:04
Was ich nicht so ganz verstehe:

Warum wechseln solche Leute nicht gleich die Kirche und werden evangelisch/protestantisch?

Damit würden sie die wesentlichen Glaubenssätze behalten, wären aber auf einen Schlag alles los, was ihnen so auf den Magen schlägt (besonders den autoritären Zentralismus!), jedoch gleichzeitig (und das ist ihr eigentliches Problem) integraler Bestandteil der Verfasstheit der röm.-kath. Kirche ist.

Das will nur, aus falsch verstandener Verpflichtung der Tradition gegenüber ("Traditionsblindheit" (c) M. Schmidt-Salomon), niemand wahrhaben.

Cassandra2011
00
12.10.2011, 17:36

Weil sie in der evangelischen Kirche einer unter vielen wären, während sie hier "die Rebellen" und jeden Tag in den Medien sind!

trugschlusskadenz
02
12.10.2011, 14:30
integraler Bestandteil der Verfasstheit der röm.-kath. Kirche ist

eine scheinheilige akzeptanz der verstöße gegen ihn (den integralen bestandteil). nicht der zölibat per se stellt ein problem dar, sondern ein anzwingen desselben sowie das negieren seiner nichtlebbarkeit für nahezu jeden fühlenden menschen und daraus resultierend "schlamperte" verhältnisse von klerikern, über die die bischöfe sehr wohl informiert sind, sie aber hinnehmen, solange diskret gevögelt wird, kinder ihre priesterväter als onkel statt papa anreden und der schein eines zölibatär lebenden klerus gewahrt bleibt.
heuchelei, dein name sei römisch katholische kirche.

Cassandra2011
10
12.10.2011, 17:34
Warum meinen Sie...

... dass fühlende Menschen den Zölibat nicht leben könnten?! Ich lebe freiwillig zölibatär seit 40 Jahren, bin sehr fühlend und mitfühlend mit anderen, lebensfroh, zu 99% immer gut aufgelegt... Es gibt auch geglückten Zölibat. Nur: es ist ja wohl kein Geheimnis, dass für unsre Priester der Zölibat gilt! Wer ihn nicht halten kann, der soll die Finger davon lassen, Reli-Lehrer oder Pastoralassistent oder Diakon werden, aber nicht durch sein Unvermögen diejenigen in Verruf bringen, die es ehrlich leben können! Das Ganze ist kein menschliches, sondern ein spirituelles Problem, aber das wollen viele halt nicht zugeben.

Julius Pokorny
00
14.10.2011, 09:20
Die sogenannte "Spiritualität" ist selbst das Problem

Spirituelle Probleme - wie z.B. Konflikte mit unsichtbaren Freunden - sind in vielen Fällen zum Glück mit professioneller Hilfe heilbar.

Donna Camilla
03
12.10.2011, 20:52
Sie wissen schon, dass das kein guter Vergleich ist oder ?

1.freiwillig den Zölibat leben ist schon etwas anderes als sich mit 26 für sein ganzes Leben dazu verpflichten inkl. dem Einsatz seiner Existenzgrundlage
2. in Verruf bringen ihn wohl die, die heimlich mit der Freundin zusammenleben und ihn in der Kirche mitZähnen und Klauen verteidigen , und nicht die , die sich ehrlich um Glaubwürdigkeit bemühen.
3.mit spirituell meinen Sie wohl, diese Priester beten weniger. Sagen Sie mir doch bitte, wie diese Priester ihre Souveränität trotz aller Anfeindungen,, deutliche und klaren Aussagen und ein bravouröses Interview ums andere aus dem Ärmel schütteln, im leuchtenden Gegensatz zu jedem einzelnen von Schönborn bis Kapellari und Küng, wenn nicht aus Kraft ihrer Spiritualität.

Urfahraner Auge
02
12.10.2011, 13:13
Weil in den meisten Fällen

das Pfarrleben vor Ort bestens funktioniert und nur eine das oberste Management einen anderen Kurs will.

Der Unterhund
01
12.10.2011, 16:31
Genau das mein ich doch:

Wozu braucht diese "funktionierende" Pfarre das oberste Management überhaupt?

Warum sagt sie sich nicht gleich von diesem los, wenn sie offenbar in eine andere Richtung will?

Urfahraner Auge
00
12.10.2011, 16:40
Weil die meisten lieber das Vereinsmanagement

und nicht den Verein wechseln wollen.

Der Unterhund
01
12.10.2011, 23:00
Das Management wechseln...

...in DEM Verein?

Dazu fällt mir eigentlich nur noch eins ein: Viel Glück!

Urfahraner Auge
00
13.10.2011, 06:54
Also war Ihre Frage doch nicht ehrlich gemeint?

Der Unterhund
00
13.10.2011, 10:33
Hä? Wie kommens jetzt darauf?

Urfahraner Auge
00
13.10.2011, 10:54
Weil Sie die Beantwortung dann als Basis fuer Polemik nehmen.

Der Unterhund
01
13.10.2011, 12:36
Vielleicht hat das ja eher mit der Antwort

als mit der Frage zu tun. ^^

Außerdem find ich das jetzt eigentlich gar nicht so polemisch, eher realistisch.

Denn wenn man ehrlich ist, muss man erkennen, dass die RKK von ihrer Organisationsform her ein absolutistisches System darstellt, da sollte man das Kind einfach beim Namen nennen. Natürlich ist Auflehnung innerhalb dieses Systems heute (zum Glück!) deutlich ungefährlicher als in früheren Zeiten, aber von einem Managementwechsel zu träumen bleibt trotzdem höchst naiv.

Oder wie viele Fälle kennen Sie, in denen der Basis genau das geglückt ist?

Urfahraner Auge
00
13.10.2011, 12:50
Es sind die meisten absolutistische Systeme

des 18. Jh inzwischen demokratisch. Der Absolutismus der rk Kiche ist auch eher eine Zeiterscheinung des 19 Jh bis zum Vat II. Danach hat es ein gutes Jahrzehnt nach Demokratisierung ausgesehen, bis die rk Kirche ab den 1970ern wieder zunehmend absolutistisch wurde.

Der Unterhund
01
13.10.2011, 17:24
Ich glaube,

Sie verklären da ein wenig.

Denn von allen zeitlichen Erscheinungen abgesehen war die streng hierarchische Struktur mit dem Nachfolger Petri an der Spitze zu allen Zeiten bestimmend für die RKK. Alle Macht ging stets "von oben" (höhö) aus, "top-down" quasi. Echte "bottom-up" Tendenzen, in dem Sinne, dass sie ein wirklicher Machtfaktor waren, hat es doch in Wahrheit nie gegeben.

Urfahraner Auge
00
13.10.2011, 17:42
Das stimmt so nicht, siehe z.B. Konziliarismus

http://de.wikipedia.org/wiki/Konziliarismus

(auch wenn der im 16. Jh verurteilt wurde).

Der Unterhund
00
14.10.2011, 10:54
Inhaltlich hatten manche Konzile

wesentliche Bedeutung, da geb ich Ihnen recht.

Die "Personalhoheit" etwa war dadurch allerdings nie berührt. Überhaupt waren es auch wohl kaum die einfachen Dorfpfarrer (die "Leute an der Basis"), die an solchen Konzilen teilgenommen haben, sondern im Wesentlichen die Bischöfe.

Und gerade dass sich letztlich doch der päpstliche Anspruch auf das letzte Wort durchgesetzt hat, ist kein unwesentliches, sondern genau DAS entscheidende Detail.

Urfahraner Auge
00
14.10.2011, 11:48
Zu FJ

http://de.wikipedia.org/wiki/Opti... %281855%29

"Mit diesem Rundschreiben räumte Pius IX., in Fragen der personellen Besetzungen von Priestern und geistlichen Führungspersonals, dem österreichischen Kaiser ausdrücklich ein Mitspracherecht ein. "

Urfahraner Auge
00
14.10.2011, 11:46
PS: Zu Chur

http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Haas

"Auf die ausdrückliche Bitte des Churer Bischofs Johannes Vonderach wurde Haas am 25. März 1988 von Papst Johannes Paul II. zum Koadjutorbischof der Diözese Chur ernannt; durch das damit verbundene automatische Nachfolgerecht für Wolfgang Haas wurde das gemäß kirchlichem Privileg dem Churer Domkapitel gewährte Recht der freien Bischofswahl – in allerdings kirchenrechtlich einwandfreier Art und Weise – umgangen."

Urfahraner Auge
00
14.10.2011, 11:39
Die "Personalhoheit" war lange Zeit bei den Fürsten;

auch Kaiser FJ konnte noch bei den Bischofsbestellungen mitreden.

Im Bistum Chur wird meines Wissens auch heute noch ein Dreiervorschlag nach Rom gesendet; seinerzeit hat Rom Bischof Haas als Adjutor mit Nachfolgerecht ernennen muessen, um dieses Privileg zu umgehen.

Der Unterhund
00
14.10.2011, 16:03
Alles schön und gut,

aber wollens das alles jetzt ernsthaft als Beispiele für "bottom-up"-Bewegungen deuten?

Sind ja alles nette kleine Ausnahmen von der Regel, aber deren signifikante Rolle für das Gesamtgefüge u.v.a. für den einzelnen Laien müsste erst noch gezeigt werden.

Wie zum Beispiel das Abtreten eines kleinen Teils von Macht an einen anderen Alleinherrscher (FJ) als Beleg für eine Demokratisierungstendenz zu deuten sein sollte, vermag ich nicht wirklich zu erkennen.

Urfahraner Auge
00
14.10.2011, 20:33
PS: vieles, was die Traditionalisten bewahren wollen,

ist bei naeherem Hinsehen nur wenige Jahrhunderte alt. Sie sollten lieber ein wenig genauer nachforschen, bevor sie die Argumente der Traditionalisten ungeprueft uebernehmen.

Der Unterhund
00
15.10.2011, 13:03
Interessant...

Demnach wäre ich also ein Opfer von geschichtsverfälschender Propaganda geworden. (Kann durchaus sein, da ich tatsächlich in ein katholisches Gymnasium gegangen bin.)

Wenn dem so ist, können Sie mich ja vielleicht aufklären, wie's wirklich war (das sag ich ganz ironiefrei).

PS: Auch wenn der Zentralismus noch nicht so alt ist, wie er offenbar gern gemacht wird, ändert das andererseits trotzdem nix an der heutigen Situation, oder? (Sprich: Viel Glück zu wünschen bliebe immer noch durchaus angebracht. ^^)

Urfahraner Auge
00
15.10.2011, 14:43
Was im Gym gelehrt wird (egal in welchem Fach)

kann sowieso nur eine grobe Vereinfachung sein. Ich bin auch kein Spezialist fuer die kirchenhistorischen Details der Bischofsernennungen, wenn Sie es genauer wissen wollen, werden Sie selber ein wenig recherchieren muessen. Das aendert klarerweise nichts an der aktuellen Situation, relativiert diese aber.

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