Bankenverstaatlichung

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Leser-Kommentar | 19. Oktober 2011, 09:02

Insolvenz als beste Lösung für die Krisenländer?

Nach wochenlangem Griechen-Bashing (Stichwort: "Pleitegriechen") und vielen unqualifizierten Kommentaren europäischer PolitikerInnen hat es der deutsche Ökonom Stefan Homburg in seinem Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 29.09.2011 auf den Punkt gebracht: Es geht nicht um die Rettung der Schuldnerländer, sondern um die Rettung der Gläubiger. All jener Institutionen also, die Jahrelang - nicht nur - an den Griechen verdient haben. Es geht um den Verteilungskampf zwischen Finanzindustrie und den SteuerzahlerInnen.

Insolvenzen mit Konsequenzen - Der Aufschrei der "freien Marktwirtschaft"

Die Insolvenz wird als beste Lösung für die Krisenländer vorgeschlagen. Eine durchaus marktwirtschaftliche Sichtweise und es ist überaus interessant, dass genau das von den Anhängern der "freien Marktwirtschaft" vehement abgelehnt wird, mit Hinweis auf die Konsequenzen solcher Konkurse. Was sind die befürchteten Konsequenzen?

Erstens wird das Ausfallrisiko des Kreditgebers schlagend, für das er ja den Risikoaufschlag - vulgo Zinsen - erhalten hat. Anscheinend haben die Banken nicht mit der gebotenen kaufmännischen Vorsicht kalkuliert, sonst müssten sie jetzt nicht die eigene Insolvenz fürchten.

Zweitens würden die Zinsen für alle Staaten steigen. Bisher wurden unter der Annahme, dass Staaten nicht Insolvent werden können zu niedrige Risikoaufschläge verrechnet. Die Staaten haben zu billiges Geld bekommen. Jetzt würden die Zinsen nach dem Risiko des Kreditausfalls - wie bei jedem Privatkredit - berechnet werden, also marktkonform.

Drittens würde durch den Schuldenschnitt die Geldmenge, die durch die Spekulationen explodiert ist wieder auf ein mit der Realwirtschaft in Einklang stehendes Niveau reduziert werden.

Der Staat als Retter - Die "zwei Fliegen"

Zusammenbrechende Banken sind durchaus ein Problem, um das sich Staaten kümmern müssen. Aber wie? Sicherlich ist das Verstaatlichen der Verluste und das privatisieren der Gewinne keine faire und auch keine marktkonforme Lösung (für alle Marktgläubigen). Insolvente Banken sollten umgehend verstaatlicht werden, um die Versorgung der Realwirtschaft mit Liquidität (die eigentliche Kernaufgabe der Banken) zu gewährleisten. Spareinlagen gehören bis zu einer bestimmten Grenze gesichert. Um die Einlagensicherung in Anspruch zu nehmen, müssen sich die SparerInnen aber namentlich deklarieren. Wer seine Identität nicht Preis gibt, erhält auch nichts. Schwarzgeld würde damit vernichtet werden, ohne Schaden für die ehrlichen SteuerzahlerInnen. Das könnte man gleich zum Anlass nehmen, um die staatliche Beihilfe zur Steuerhinterziehung bzw. Begünstigung der organisierten Kriminalität - das Bankgeheimnis - abzuschaffen.

Wer nichts zu verbergen hat, braucht sich ja nicht zu fürchten, oder? So wird ja auch immer wieder bei der Debatte um Sozialleistungen argumentiert. Mit dieser Lösung würde die Politik zum wirtschaftlichen Gleichgewicht und zu mehr Gerechtigkeit beitragen. Zwei Fliegen mit einer Klappe und das noch dazu "marktkonform". (Leser-Kommentar, Thomas Karasek, derStandard.at, 11.10.2011)

Autor

Thomas Karasek ist Leiter der zentralen Qualitätsstelle und Mitarbeiter in der Abteilung Strategische Planung der JOANNEUM RESEARCH Forschungsges. mbH sowie Mitautor von „NEW - Neue Europäische Wirtschaftspolitik".

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 33
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lemming0815
00
20.10.2011, 09:31
Wer nichts zu verbergen hat, braucht sich ja nicht zu fürchten, oder?

so wie hier formuliert wurde, war der autor bei anderen themen gegen eine "transparenz" ...jetzt bei einem thema bei dem es ihm passt, ist er dafür.

gleiches recht für alle?

nimmt ihm leider die glaubhaftigkeit

Tomcat73
00
20.10.2011, 10:35
Ich verwehre mich nur dagegen,

dass mit zweierlei Maß gemessen wird. Transparenz bei den ökonomisch schwächsten Personen (Transparenzdatenbank) ja, aber wenn es um jene geht, die viel Besitzen hört sich die Transparenz anscheinend auf (Bankgeheimnis).

Die Abschaffung des Bankgeheimnisses würde nur zu einem "Transparenzausgleich" führen.

her wig
00
20.10.2011, 08:50
Im Prinzip ja, aber...

bei einer konsequenten Pleitewelle wäre jede Einlagensicherung überfordert. Ohne eine Reduktion der Guthaben (auch diverser Versicherungen!) um einen gewissen Prozentsatz wird dieser Ansatz nicht gehen.

Und ich wette, wenn man eine Volksabstimmung macht welche die Wahl zwischen Retten und Abschreiben lässt, wird man sich für's Retten entscheiden, solange noch irgendeine Aussicht auf Hoffnung besteht.

Erasmus_01
00
20.10.2011, 06:34
Also was jetzt?

versetehe ich richtig? die Lösung liegt im Fallenlassen der "schwarzgeldeinlagen"?

Hallo???! geht's ein bisschen seriöser? Vollkommene Themenverfehlung!

Dass derzeit eine Umverteilung sondergleichen stattfindet ist schon klar, danke aber für den Hinweis. Die einzige Alternative - Geld drucken - würde aber genau das selbe bewirken (und daran wird ja auch gearbeitet). Es gibt keine einfache Lösungen und schon gar nicht "zwei Fliegen mit einer Klappe"

Tomcat73
00
20.10.2011, 11:00
Leider verstehen Sie nicht richtig.

Die Vernichtung von Schwarzgeld ist nur ein Nebeneffekt.

Ich gebe Ihnen dahingehend Recht, dass es keine einfache Lösung gibt und Geld drucken sicherlich keine ist.

Mein Lösungsansatz ist, über geregelte Staatsinsolvenz(en) und begleitende Maßnahmen (z.B. Finanzmarktregulierungen) bzw. auch durch "Marktentzerrungen" (angepaßtes Zinsniveau für öffentliche Körperschaften) ein stabiles und verteilungsgerechteres System zu schaffen. Wobei ich nicht auf völlige Gleichmacherei hinaus will - um derartigen Kommentaren gleich zuvorzukommen.

santa fe
 
01
19.10.2011, 23:51
zuerst ist die FI (finanzindustrie) amok gelaufen und hört immer noch nicht damit auf.

alle wurden in die schuldenfalle gelockt, alle länder und die meisten bewohner der industiralisierten welt. wie bei den menschen waren manche länder leichter zu fangen, manche weniger, das ist der ganze unterschied. jetzt werden sie angeblich ausgebailt, aber die mittel fliessen in wirklichkeit nach wie vor zur FI, bzw. zu den banken der betroffenen (fast-)pleiteländer. es droht amok der strasse.

der soziale friede muss gerettet werden. die FI muss sich demokratisieren und das

BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN für alle

finanzieren und so ihren raub an der mehrheitsbevölkerung abzuzahlen beginnen. die vernunftabteilungen von FI (warren buffet) und empörung (die friedliche 99%-bewegung) bemühen sich um einen konsens.

BGE - national/global

ZetwieZorro
00
22.10.2011, 23:42
Verdrehung der Tatsachen

Die 08er Krise wurde in den USA durch politisch motivierte Subvention an Häuslbauerkredite ausgelöst. Als keine Bank diese mehr auf die Bücher nehmen wollte, hat man sie, bis zur Unkenntlichkeit entstellt, in Wertpapiere verpackt und an meißt nicht-US Banken verkauft, die sich durch hohe Renditen und scheinbar niedriges Risiko blenden ließen (Bankenfehler)

In Griechenland haben verantwortungslose Politiker Schulden gemacht als gäbe es kein morgen und wieder haben sich Banken von den hohen Renditen und dem scheinbar nicht vorhandenen Risiko blenden lassen (Bankenfehler)

Können wir uns bitte darauf einigen, dass so Schulden machende Politiker genauso böse, verantwortungslos, blöd, etc sind wie die Banken, die den Schwachsinn finanzieren

santa fe
 
00
23.10.2011, 00:02
die politiker sind durch gezieltes lobbying und systematisches sponsoring zu kollaborateuren der FI geworden, wie übrigens wir alle bis zum einem gewissen grad.

auch wir machen uns am untergang mitschuldig, wenn wir nicht widerstand leisten. und auch die politker können sich unter dem eindruck einer breiten widerstandsbewegung der bevölkerung entschliessen, sich zu den 99% zu bekennen und den staat wieder in den dienst der bevölkerung stellen.

zur zeit agieren die herrschenden politiker immer noch wie george w. bush, der hier seinen deal mit der FI verkündet: jedem sein eigenes haus auf pump. er sagt nicht, dass dadurch jeder sklave der Fi wird.

http://www.youtube.com/watch?v=GkAtUq0OJ68

ZetwieZorro
00
23.10.2011, 01:41
Das ist nochmals Verdrehung von Tatsachen

1.Das Häuslbauerprogramm stammt von Clinton und nicht von Bush, der ist nur auf den fahrenden Zug aufgesprungen. Das Video bezieht sich ja auf "minorities" und die sind nicht politisches Klientel der Konservativen in den USA

2.Fannie Mae und Freddie Mac sind die zuerst scheinprivatisierten und jetzt de facto wieder verstaatlichten Hypobanken der USA und haben ca. so verantwortungsvoll gehandelt wie bei uns die im Landeseigentum gestandene bzw. stehende Hypo Alpe Adria bzw. Hypo NÖ

Ideologisch bedingte einseitige Blindheit verhindert die Erkenntnis, dass es auf beiden Seiten des politischen Spektrums Vollidioten gibt.

Leider zwingen die meißten Politiker den Staat dazu über seinen Verhältnissen zu leben um wiedergewählt zu werden

santa fe
 
00
23.10.2011, 01:53

ich habe nicht geleugnet, dass auch demokratische politiker der bestechung und erpressung (wahlhilfen) der FI erliegen, füge aber erneut hinzu: wie auch wir.

auch wir verzichten auf widerstand, weil wir angst um unsere kleinen privilegien in beruf und sozialstaats-abhängigkeit nicht gefährden wollen. also lassen wir der FI ihre privilegien, die sie in die skrupelloseste masslosigkeit geführt haben, was uns alle zu vernichten droht.

die vernunftabteilung der FI (warren buffet, etc.) beginnt das einzusehen. der schlüssel zur rettung des sozialen und internationalen friedens ist die demokratisierung der FI durch ihre finanzierung des BGE.

die politiker haben die erinnerung an die bedeutung des begriffs "verantwortung" verkauft.

ZetwieZorro
01
19.10.2011, 22:59
Leichte Themaverfehlung

Bei der Bankenverstaatlichung geht es nicht nur um Griechenland.

Wegen Basel III kommt es je nach Bank zu einer Verdoppelung bis Vervierfachung des EK-Bedarfes der Banken. Die EU verlangt teilweise noch mehr.

Es gibt also Banken, die keine Griechenlandanleihen halten und in der Vergangenheit sauber gewirtschaftet haben, jetzt aber wegen ihrer Kleinheit, ihrer Eigentümer (Bawag) oder ihrer Rechtsform (Sparkassen, Genossenschaften) keinen/schwierigen Zugang zu Eigenkapital haben.

Nur um zu verhindern, dass diese Banken ihr Geschäft reduzieren, sollen sie zwangkapitalisiert und damit verstattlicht werden?

Hier werden nicht zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen, sondern wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen

Tomcat73
00
20.10.2011, 11:21
Sie haben in beiden Dingen Recht.

Es geht weder nur um Griechenland, noch geht es um die Reduzierung der Geschäftstätigkeit der Banken.

Die Verstaatlichung soll nur verhindern, dass durch den Bankenbankrott ein Liquiditätsengpass im realwirtschaftlichen Sektor entsteht bzw. eine Kettenreaktion vermeiden.

Die "zwei Fliegen" sind das wirtschaftliche Gleichgewicht und mehr Gerechtigkeit.

ZetwieZorro
00
22.10.2011, 23:29
Missverständnis

Es gab und gibt Banken die mit weniger als den jetzt vorgeschriebenen Eigenmittel ganz gut gelebt und gewirtschaftet haben. Die sind nicht bankrott. Sie können nur nicht die neuen erhöhten Eigenmittelanforderungen erfüllen.

Warum soll man die zwangskapitalisieren und damit teilverstaatlichen?

Wir haben in Österreich kaum wirklich privat gehaltene Banken (außer vielleicht der Bawag seit sie Cerberus gehört und die BA seit sie Unicredit gehört). Der Rest gehört sich selbst (Sparkassen und de facto Genossenschaften) oder dem Staat. Hypo Alpe Adria bzw. Hypo NÖ waren bzw. sind keine Beispiele von betriebs- oder volkswirtschaftlichen Erfolg, sondern ein abschreckendes Beispiel was geschieht wenn Banken in Händen von Populisten

Zinnmo
 
00
19.10.2011, 19:30
(Teil-)Verstaatlichung ja, aber nur mit Ablaufdatum.

Der Staat hat genügend Aufgaben, Banken gehören nicht dazu. Die gehören saniert und (hoffentlich mit Gewinn) wieder veräussert.

anna kinsky walker
00
19.10.2011, 18:49
guter kommentar, aber

"Erstens wird das Ausfallrisiko des Kreditgebers schlagend, für das er ja den Risikoaufschlag - vulgo Zinsen - erhalten hat. "

zinsen sind kein risikoaufschlag an sich

cba
00
19.10.2011, 18:20

irgendwie nicht ganz schlüssig:
- warum ist die 'geldmenge' durch spekulationen explodiert ?
- die rolle der überschuldeten staaten kommt gar nicht vor - sie sind aber genau so teil des problems wie die kreditgeber
- sparkonten sind innerhalb der eu sowieso namentlich deklariert, insbesonder auch, wenn die ienlagensicherung in anspruch genommen wird.

Tomcat73
00
20.10.2011, 11:31
Die Geldmenge ist durch die andauernde

"Geldschöpfung" durch "Luftgeschäfte" (Spekulationen) am Finanzmarkt entstanden. Ein Finanzprodukt wurde auf ein anfderes gesetzt, ohne irgend einen realen Gegenwert, also reines Buchgeld.

Die Staaten sind Teil des Problems, da sie falsche Anreize (zu niedrige Zinsen) vom Markt bekommen haben und sich so sehr/zu leicht verschulden konnten. Die Frage nach Sinn/Unsinn oder der "richtigen" Höhe der Staatsverschuldung ist ein eigenes Thema.

Deklarieren von Konten ist die eine Sache, ob und wer darüber Auskunft erhält ist eine andere. Österreich ist in dieser Hinsicht ein Paradies für Schwarzgeld jeglicher Herkunft.

Poldi Fesch
00
19.10.2011, 18:08
schade, ein durchaus

vernuenftiger Artikel endet mit einem Bloedsinn, "staatliche Beihilfe zur Steuerhinterziehung bzw. Begünstigung der organisierten Kriminalität - das Bankgeheimnis - abzuschaffen.", der noch dazu nicht noetig gewesen waere, wie der Artikel selbst darlegt

Tomcat73
00
20.10.2011, 11:40
Danke für das positive Feedback.

Die Aufhebung des Bankgeheinisses dient tatsächlich nicht der Bewältigung der gegenwärtigen Krise.

Ohne Bankgeheimnis lassen sich Steuerhinterziehung, Geldwäsche u.ä. in Zukunft leichter bekämpfen.
Ein positiver Nebeneffekt, wie ich meine.

Poldi Fesch
00
20.10.2011, 13:24
ja, aber nur

wenn der Abgabendruck auf ein ertraegliches Niveau wie in Ch o. US gesenkt wird

byron sully
01
19.10.2011, 15:58

wäre wohl ein vernünftigerer weg als der, der jetzt gegangen wird.

Toxo Logic
 
00
19.10.2011, 15:07

.....und was machen wir wenn die geretteten, dann verstaatlichten Banken mit Gratissteuergeld die kleinen privaten Banken, die ohne Hilfe ausgekommen sind, vom Markt verdrängen und ruinieren....
Wenn, dann müssen auch die "systemrelevanten" Banken in die Pleite geschickt werden, es bleiben noch immer genügend gesunde für die Kreditvergaben übrig. Im Notfall könnte der Staat ja bei der Kreditvergabe die übriggebliebenen, gesunden Banken unterstützen.

Poldi Fesch
00
19.10.2011, 18:09
??

sagt er ja +/-

Toxo Logic
 
00
20.10.2011, 11:14

Er sagt, die insolventen Banken sollen verstaatlicht werden, also gerettet.
Ich sage, die gesunden Banken sollten für Kreditvergaben an die Realwirtschaft unterstützt werden.

Poldi Fesch
00
20.10.2011, 13:14
Spareinlagen gehören bis zu einer bestimmten Grenze gesichert.

damit liquidiert er sie in Wirklichkeit, da bleibt nicht viel mehr, als der Mantel

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