Tarifreform Wiener Linien

Wiener Öffi-Jahreskarte für 365 Euro ab Mai 2012

11. Oktober 2011, 15:50
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    Ein gesundheitlich sichtlich angeschlagener Bürgermeister Häupl (der deswegen auch auf die Teilnahme beim Landeshauptleutetreffen in Salzburg verzichtete) und Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou präsentierten am Dienstag die Ergebnisse der Verhandlungen zur Tarifreform.

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    Vizebürgermeisterin Renate Brauner: "Wir haben lange und zäh verhandelt."

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    Während Jahres- und Monatskarte billiger werden, gibt es bei Wochenticket und Einzelfahrschein eine Verteuerung.

Einzelfahrschein kostet in Zukunft zwei Euro, Schwarzfahren 100 und die Fahrradmitnahme nichts mehr - Neues Studententicket

Seit Monaten hat die Stadt Wien mit den Wiener Linien in Sachen Tarifreform bei den Öffi-Tickets verhandelt. Die ursprünglich für Juli angekündigte Bekanntgabe hatte sich immer wieder verzögert. In der Zwischenzeit hat sich die Geschäftsführung der Wiener Linien mehrfach für eine Preiserhöhung in allen Ticketkategorien ausgesprochen, die Grünen wollten die Jahreskarte deutlich billiger machen.

Nun wurde das Verhandlungsergebnis von Bürgermeister Michael Häupl und Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou als "frohe Botschaft" präsentiert: Die Jahreskarte wird es ab 1. Mai 2012 um 365 Euro geben, wenn man sofort bezahlt - bei monatlichen Raten kommt sie auf 375 Euro. Bisher kostete das Jahresticket 449 bzw. 458 Euro. Der Preis eines Einzelfahrscheins wird hingegen von 1,80 auf 2 Euro erhöht.

Monatskarte wird auch billiger

All jene Personen, die die Jahreskarte bereits erworben haben oder sie bis Mai kaufen, erhalten als Zuckerl die Differenz vom bisherigen auf den neuen Preis anteilig nach Monaten refundiert.

Bürgermeister Häupl erklärte bei der Pressekonferenz, dass Wien die einzige Millionenstadt sei, die Öffi-Tarife absenkt: "Mit der Jahreskarte fährt man in Zukunft um einen Euro pro Tag." Billiger wird auch die Monatskarte, die ab Mai 2012 für 45 statt bisher 49,50 Euro zu haben ist. Das Wochenticket wiederum wird von 14 auf 15 Euro erhöht.

SchülerInnen und StudentInnen profitieren

Eine Neuerung wurde auch für das Semesterticket für StudentInnen unter 26 Jahren vorgestellt. Hat man den Hauptwohnsitz in Wien, kostet die Karte in Zukunft 75 Euro für fünf Monate - NichtwienerInnen bezahlen 150 Euro. Gültig sind die Tickets von 1. September bis 31. Jänner bzw. von 1. Februar bis 30. Juni. Bisher wurden 50,50 Euro für vier Monate (Oktober bis Jänner bzw. März bis Juni) verlangt - allerdings musste etwa im Februar zusätzlich ein Ferienticket gelöst werden.

Ab dem Schuljahr 2012/13 wird außerdem die Nachmittagsbildungskarte für Schülerinnen und Schüler zeitlich erweitert und von Montag bis Freitag bereits ab 12 Uhr, statt wie bisher ab 13 Uhr sowie für den Rest des Tages gelten. Am Samstag wird man mit der Karte ganztägig fahren können. Sie wird außerdem künftig auch für Fahrten zu Schulveranstaltungen wie Ausflüge und Lehrausgänge gelten.

SeniorInnen-Angleichung

Eine Angleichung gibt es bei den Tarifen für SeniorInnen. Bereits ab 1.1.2012 können alle Personen ab 60 Jahren das Jahresticket um 224 Euro bei Sofortzahlung bzw. um 229 Euro in Monatsraten kaufen. Bisher galt die Regelung, dass Frauen bereits ab 60 Jahren, Männer aber erst ab 65 darauf Anspruch haben. "Damit tragen wir dem Verfassungsgerichtsurteil Rechnung - ob es uns passt oder nicht", so Häupl.

Schwarzfahren wird teurer. Ist man ohne gültigen Fahrschein unterwegs, muss man 100 Euro berappen. Dafür ist die Mitnahme eines Fahrrads in Zukunft gratis.

Kosten von 25 bis 30 Millionen Euro

Die Kosten für die neue Regelung werden laut Stadt 25 bis 30 Millionen Euro betragen. Die anfallenden Mehrkosten durch die billigeren Tickets würden nicht mit höheren Parkgebühren querfinanziert, hieß es. Stattdessen setzt man auf mehr Fahrgäste und höhere Zuschüsse durch die Stadt. Die Entscheidung für die jetzige Reformvariante sei eine politische gewesen, so Häupl, die Kosten annahmenbasiert. Wie die Kosten verwaltet werden, sei Sache der Öffi-Betreiber. Häupl: "Wir sind nicht die Betriebswirte der Wiener Linien."

Statt den derzeit 36 Prozent Öffi-FahrerInnen wollen die Stadt und die Wiener Linien den Anteil in den kommenden Jahren, wie im Regierungsabkommen vereinbart, auf 40 Prozent steigern. "Die günstigere Jahreskarte spielt dabei eine zentrale Rolle", so Vassilakou. "Wir wollen damit auch einen Anreiz für Pendler schaffen, vom Auto auf die Öffis umzusteigen." Über Kombi-Tickets mit Park-and-Ride-Anlagen werde mit deren Betreibern bereits verhandelt.

Warum die Regelung erst ab Mai und nicht schon ab Jänner 2012 in Kraft tritt: "Weil die Umsetzung eine technische und logistische Herausforderung ist, die diese Zeit braucht", so Renate Brauner.

U6 wird verstärkt

Um auch die Kapazitäten für die angestrebten 40 Prozent Öffi-NutzerInnen zu sichern, werden unter anderem die besonders stark frequentierte U6 mit neuen Waggons verstärkt und bessere S-Bahn-Intervalle in Zusammenarbeit mit Niederösterreich geplant. Dass die 8-Tage-Klimakarte in Zukunft 33,80 statt 28,80 Euro kosten wird, sei für Vassilakou verkraftbar, denn: "Es ist in erster Linie wesentlich, die zu entlasten, die täglich mit den Öffis fahren."

Auf die Frage, warum es nicht zur im Wahlkampf versprochenen 100-Euro-Jahreskarte gekommen sei, antwortete Vassilakou: "Das war im Regierungsabkommen nicht vorgesehen. Wir haben eine bedeutende Senkung erreicht: ein Euro Fahrtkosten pro Tag, das ist genug." (isa/red, derStandard.at, 11.10.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 2583
Michael Aires
22
21.10.2011, 13:17
Klimakarte wird teurer? Als Strafe...

dass man nicht zu Fuß geht etwa? Danke Grüne!

der tueftler
41
20.10.2011, 12:12
Schwindel!

wer ärgert sich nicht, wenn er feststellt, dass man ihn an der nase herum geführt hat. politiker tun das andauernd, in dieser angelegenheit besonders auffällig:
eine absenkung der tarife ist frei erfunden, lediglich die dauerkarten werden verbilligt, die einzeltickets hingegen teurer. das dürfte sich ungefähr ausgleichen.
die anpassung des tickets für männliche pensionisten ist eine selbstverständlichkeit, weil unterschiedliche altersgrenzen dem gleichheitsgrundsatz widersprechen. das ärgerliche ist, dass die altersgrenze für alle angehoben wird, also werden diese tickets nicht billiger, sondern teurer, weil auch frauen dann erst mit 65 anspruch darauf haben (nach einer übergangsfrist).
die angebliche verbilligung ist frei erfunden

David Seppi
 
10
18.1.2012, 11:31
eine absenkung der tarife ist frei erfunden, lediglich die dauerkarten werden verbilligt, die einzeltickets hingegen teurer. das dürfte sich ungefähr ausgleichen.

Für viele Personen gleicht es sich aber nicht aus, da sie nur Dauerkarten kaufen und daher erheblich billiger aussteigen.
Genau die sind es auch, die durch die Tarifreform profitieren sollen, also alles bestens!

Gilgamesh
00
21.10.2011, 10:11

Auch hier, lesen ist nicht ihre Stärke, oder?

"..Die Kosten für die neue Regelung werden laut Stadt 25 bis 30 Millionen Euro betragen. Die anfallenden Mehrkosten durch die billigeren Tickets würden nicht mit höheren Parkgebühren querfinanziert, hieß es. Stattdessen setzt man auf mehr Fahrgäste und höhere Zuschüsse durch die Stadt..."

Gilgamesh
14
18.10.2011, 11:23

Wer bezahlt eigentlich die nun groß herausgebrachte Werbung mit dem grinsenden Konterfei von Frau Vassilakou, wo sie einen angeblichen Sieg ob dieser Dummheit feiert??

Wird das ebenso wie die nun fehlenden 30 Millionen von Steuern bezahlt??

der tueftler
11
20.10.2011, 12:15
nix fehlt!

die verbilligung der dauerkarten dürfte durch die verteuerung der einzelkarten ziemlich genau ausgeglichen werden. die altersgrenze für die tickets für männliche pensionisten wird gesenkt... und dann werden die altersgrenzen für beide geschlechter auf 65 angehoben. das bringt eine deutliche mehreinnahme!
alles in allem ist die tarifreform eine ERHÖHUNG, keine verbilligung. alles ein schmäh. wer diesen werbeschmäh bezahlt? keine ahnung, aber ich fürchte.....

Gilgamesh
01
21.10.2011, 09:40

Schon mal genauer gelesen?

Wien muss nun 30 Millionen MEHR aufbringen!
Das wird natürlich durch Steuergelder bezahlt, damit uns Frau Vassilakou von einem Plakat angrinsen kann.
"..Die Kosten für die neue Regelung werden laut Stadt 25 bis 30 Millionen Euro betragen..."

Einzelkarte wurde um 11% teurer.
Wochenkarte wurde um 7% erhöht.
Jahreskarte wird um 18% billiger.
Monatskarte minus 9%.

Man muss kein Milchmädchen sein, um da eine Diskrepanz zu bemerken.. ;)

der tueftler
11
21.10.2011, 11:25
liebes milchmädchen

bitte einfach nachrechnen:

die jahreskarte wird um ca. 85 € billiger, das macht bei ca. 350.000 karten also ca. 30 mio aus. die einzelfahrscheine werden aber um 20 cent teurer. wie viele das sind? das kann man nur schätzen, weil zahlen nirgends zu finden sind. aber wenn man annimmt, das etwa 20% der kundschaft solche fahrscheine löst, dann sind das ca. 200.000 pro tag, also ca. 40.000 €. im jahr also etwa 15 mio. die pensionistenabos werden für männer zunächst billiger (für die 60-65-jährigen), dann aber werden die altersgrenzen für männer UND frauen auf 65 erhöht. das bringt bei frauen also für diese altersgruppe ca. 120 €. es dürfte etwa 25.000 frauen zwischen 60 und 65 betreffen. also nochmal 3 mio € erhöhung. netto ca. 12 mio billiger

scubaman
10
18.10.2011, 21:24
Hätten Sie sich diese Frage auch gestellt

wenn dort der Dicke oder der Hadschibratschi hängen würde ... ?

Gilgamesh
02
19.10.2011, 13:05

Wenn eine Person wissentlich einen finanziellen Schaden in der Höhe von 30 Millionen verursacht, nur um ein weltfremdes Versprechen ansatzweise zu erfüllen, sollte sich jeder diese Frage stellen...

David Seppi
 
00
18.1.2012, 11:33

Ich sehe hier eher eine Investition in eine förderungswürdige Art, sich fortzubewegen.

thinkonyourfeet
13
18.10.2011, 07:10
Kommt jetzt die 100 Euro Netzkarte

oder nicht, Frau Vassilakou?

scubaman
52
18.10.2011, 17:38
kommt nicht.

Sind Sie gerade von einer Marsmission gelandet, oder warum diese Frage?

thinkonyourfeet
11
18.10.2011, 20:53
Na ja, ich dachte nur.

Weil sie es doch so vollmundig versprochen hatte, VOR den Wahlen...

scubaman
53
18.10.2011, 21:59
Ach, dachten Sie?

Dachten Sie das auch bei diversen "Wahlversprechen" anderer Parteien?

"Im Wahlkampf sagt man, was man als Partei möchte.
Dann muß man mit dem Regierungspartner, der, no sagen wir, das nicht genau so wollte, einen kompromiss erzielen.
Das ist jetzt dieser Kompromiss"
http://chorherr.twoday.net/

(die einen Parteien machen Kompromisse, andere Knittelfeld)

thinkonyourfeet
11
20.10.2011, 06:32
@Scubaman Sie hat halt immer gemeint,

die Grünen seien nicht so wie die anderen Parteien. Die anderen würden vor den Wahlen was sagen und nach den Wahlen ganz anders reden. Und die Grünen würden zu ihrem Wort stehen. Oder so...

David Seppi
 
00
18.1.2012, 11:35

Da die Grünen aber (zurecht!) die gewaltsame Umsetzung politischer Ideen gegen den Mehrheitswillen ablehnen, können sie nur umsetzen, wofür sie auch eine Mehrheit finden.
Wollen Sie jetzt den Grünen vorwerfen, daß a) die SPÖ dagegen ist oder b) die Grünen nicht die Absolute erreicht haben?
Beides halte ich nicht gerade für seriös.

Die Grünen haben ihr versprechen nicht gebrochen, sondern so weit umgesetzt, wie es eben in ihren Möglichkeiten lag. Ultra posse nemo obligatur.

atomkraft neindanke
51
14.10.2011, 15:54

da es gerade hier im Forum soviel Radfahrer_innen gibt, die ganz bös sind, dass ihr Hin und wiederfahrschein mehr kostet, wird Vassilakou sicherlich nachrüsten und hoffentlich für völlig Autofreie Familien eine Halbjahreskarte um 200 Euro durchsetzen! Könnt ich mir echt gut vorstellen!

aber diesen " Radfahrer_innen" fallt dann sicherlich auch wieder was ein, nur glauben tut's euch halt niemand,

wer lügt, ist eben nicht authentisch!

scubaman
11
17.10.2011, 15:20
Ihr quasireligiöses (Verkehrsmittel-)Kastendenken

ist schon weit jenseits von "doof".

mfg
scubaman
ein Autofahrender Radfahr-Fußgänger (oder doch ein radelnder Öffi-Auto-Gelegenheitsfahrer oder ...)

Hairy Tongue
21
14.10.2011, 13:24

seit die tarifreform durch ist, fahr ich noch lieber mit den öffis als früher. les in ruhe mein buch, komm mit einer hübschen sitznachbarin ins gespräch oder hör musik, während ich in einer halben stunde quer durch die stadt transportiert werde.

und das ab nächsten mai um 1 euro pro tag - yeah!

thinkonyourfeet
40
14.10.2011, 07:28
Die Verkehrsbetriebe in Wien sind ein Milliardengrab.

Wenn die (ohnehin sehr teuren) Tickets nicht einmal ein Drittel der Kosten abdecken, dann ist die Effizienz dieses sozialistischen Betriebes zum Vergessen.
Das ist das Niveau der Sowietunion. Nur die ist eingegangen, und die Verkehrsbetriebe werden immer noch künstlich gesponsert...

atomkraft neindanke
12
14.10.2011, 15:47
Die Schere geht auf!

Wissen Sie, was die Menschen bei den Wiener Linien und überhaupt als Gemeindebedienste verdienen!

Ich kenn einen der schafft als Werkmeister (B-Beamter) locker seine 3.500 netto mit Nachtdiensten, soviel verdienen nicht mal Akademiker_innen über 50 im Baugewerbe!

Ich bin ja dafür, dass alle ganz gut verdienen, aber in den letzten 15 Jahren ist die Schere: Freie Wirtschaft und Staatsbetreibe total auseinander gegangen!

In den 70 Jahren hat es noch geheißen, wenig Geld dafür pragmatisiert! Heute: viel Geld u auch als Vertragsbedienstete_r unkündbar!

80% vom letzten Gehalt sind auch ein Wahnsinn, wenn man sich dann die durchschnittliche Asvg Pension anschaut!
jene Leute, die einen solchen Posten ergatterthaben, wissen wen sie wählen müssen

Quim Barreiros
01
16.10.2011, 11:17

Wobei das aber nur die älteren Mitarbeiter sind. Die jüngeren sind keine Beamten mehr, bekommen weniger Geld und werden relativ schnell rausgeworfen (auch wenn sie nach einem Arbeitsunfall im Krankenstand sind) - eh so wie überall.

. Diogenes
16
13.10.2011, 19:47
Taschenspielertricks

Man erhöhe Gebühren für Wasser, Kanal, Müllabfuhr
Einzelfahrscheine, Parkscheine um bis zu 30%, senke den Preis für Jahreskarten um 84 Euro und schon sind
alle glücklich. Dumme Wähler!

@wienerin
00
18.1.2012, 11:28
dumme wähler....

die vassilakou wurde vom häupl auf den vizethron gehoben, nicht vom wähler. aber ihre zeit geht auch vorbei, dann kann sie keinen schaden mehr anrichten - hoffentlich. und wer geglaubt hat, dass eine € 100,- jahreskarte machbar ist, der kann nicht rechnen.

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