Passivhaus-Standard

Auch Nordamerika baut immer grüner

Martin Putschögl, 11. Oktober 2011, 08:46
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    foto: putschögl

    Österreichische Unternehmen verschiedenster Sparten wie Gebäudetechnik, Architektur, Dämmstoffe, Abfallwirtschaft sowie Alu- und Holzmassivbau waren auf der "GreenBuild" in Toronto vertreten.

In Toronto fand kürzlich die zehnte Auflage der "GreenBuild"-Konferenz statt. Österreich war dabei

Vor fast zwei Jahren baute ein Konsortium der Austrian Passive House Group das Österreich-Haus für die Olympischen Spiele von Vancouver. Es befindet sich in Whistler, wo die Alpin-Bewerbe der Spiele stattfanden, und sollte dem Passivhaus-Standard in Kanada einen ordentlichen Schub verleihen.

Heute ist es immer noch das einzige Passivhaus Kanadas. "Unsere Häuser sind so schlecht wie vor 50 Jahren, aber wir zahlen um so viel mehr Geld dafür", klagte Terrell Wong, Obfrau von "Passive Buildings Canada", auf der "GreenBuild", der nordamerikanischen Messe für nachhaltiges Bauen, die in der vergangenen Woche in Toronto stattfand. Wongs Vereinigung hat 72 Mitglieder, großteils Hersteller von Baumaterialien und -produkten, die sich auf freiwilliger Basis zusammengetan haben, um dem Passivhaus in Kanada zum Durchbruch zu verhelfen. Das Vorhaben läuft schleppend, Wong ist aber zuversichtlich, dass schon in ein, zwei Jahren mehr als ein Dutzend Passivhäuser in Kanada stehen werden.

Obama will bessere Gebäude

Auch in den USA tut sich etwas, wenngleich hier die Voraussetzungen aufgrund der wirtschaftlichen Flaute ungleich schwieriger sind. Jedoch: "Die Green-Building-Bewegung wird unsere angeschlagene, fragile Volkswirtschaft wieder ankurbeln", sagte Rick Fedrizzi, Präsident des US Green Building Councils (USGBC), auf der Konferenz in Toronto, die zum 10-jährigen Jubiläum erstmals außerhalb der USA stattfand. Als Vorreiter gilt hier die Stadt Chicago, nirgendwo sonst stehen mehr nach dem nordamerikanischen LEED-System zertifizierte Gebäude.

Präsident Barack Obama ruft außerdem gerade ein Programm ins Leben, das sich "Better Buildings Initiative" nennt und das viele Millionen Dollar für Sanierungen öffentlicher Gebäude bzw. von Wohnhäusern im öffentlichkeitsnahen Bereich bereitstellen soll. 20 Prozent mehr Energieeffizienz bis 2020 ist das Ziel, so sollen 40 Milliarden Dollar jährlich eingespart werden und außerdem viele "green jobs" entstehen.

Passivhaus im Kommen

In wenigen Wochen findet in Washington außerdem die 6. Nordamerikanische Passivhaus-Konferenz statt. 200 Passivhäuser sollen in den USA bereits fertig oder in Bau sein, erklärt Terrell Wong von "Passive Buildings Canada".

Einer, der die Passivhaus-Pioniere aus Österreich und Deutschland regelrecht bewundert, ist der Architekt Dan Rockhill, der an der University of Kansas School of Architecture and Urban Planning lehrt. "Das Passivhaus ist auch hier in den USA stark im Kommen", sagt er im Gespräch mit derStandard.at, "der Spirit dafür ist absolut da." Die Fenster des jüngsten Passivhauses, das er mit seinen Studenten errichtete, stammten von einem Unternehmen aus Österreich.

Chancen für heimische Firmen

Damit noch viele heimische Firmen die Chancen, die sich jenseits des großen Teichs auftun, nutzen können, hat das AußenwirtschaftsCenter in Toronto einen gemeinsamen Stand von 14 heimischen Anbietern auf die Beine gestellt, die sich auf der "GreenBuild" potenziellen nordamerikanischen Partnern präsentierten; es kam dabei eine recht abenteuerliche Mischung aus Unternehmen verschiedenster Sparten wie Gebäudetechnik, Architektur, Dämmstoffe, Abfallwirtschaft sowie Alu- und Holzmassivbau zustande.

Die kanadische Wirtschaft wuchs im ersten Quartal um 3,9 Prozent und damit stärker als in der Eurozone, privater Hausbau und Wohnbau legten zuletzt stark zu. Generell floriert der Immobilienmarkt zumindest in den urbanen Zentren Kanadas seit Jahren, ohne sich zu überhitzen: Die Vergabekriterien für Hypothekarkredite sind nämlich sehr streng, außerdem gilt der kanadische Immobilienmarkt als nicht überbewertet. "Partielle Wertkorrekturen in geringerem Ausmaße werden zwar erwartet, von einer Blasenbildung kann aber nach allgemeiner Expertenmeinung keine Rede sein", heißt es im aktuellen Länderbericht der AWO. (Martin Putschögl aus Toronto, derStandard.at, 11. Oktober 2011)

Kommentar posten
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Peterhase71
00
12.10.2011, 12:09
http://www.world-architects.com/en/projec... rc_caltech

na, ob das (s. Link) die Amis "schlucken"; ist doch seeehr entgegen dem allgemeinen Geschmack da drüben ?!

siliconvalley
00
12.10.2011, 22:29

ein Haus in eine Daunenjacke zu wickeln ist aber auch seeeehr entgegen dem allgemeinen Geschmack hier herüben ;-)

Peterhase71
00
12.10.2011, 16:06

das eigentlich kuriose an dem Artikel ist, dass die moderne Solar-Architektur (Prinzip -> Passivhaus) ja Ende der 70er in den USA entwickelt wurde, u.a. von S. Bear, E. Mazria und D. Wright ;-)

Peterhase71
11
12.10.2011, 08:57
Grundsätzlich

ist das Einfamilienhaus eh schon das energetisch ungünstigste Gebäude, da viel Aussenwandfläche im Bezug auf Wohnraum, meistens untertags komplett leerstehend (und trotzdem beheizt), etc.

Die USA sollte vllt. Ihren American Dream des eigenen Hauses und die laufenden Zersiedelung überdenken und mixed use und städtische Verdichtung weiter verfolgten, tät der sozialen Durchmischung und dem sozialen Klima auch ganz gut, wenn nicht jeder auf seiner "Insel" lebt!

Irma la Douce
11
12.10.2011, 10:23
haben den Artikel gelesen? Da gehts um PASSIV-Häuser!

immer schön freundlich
00
13.10.2011, 16:35

auch ein passivhaus muss ans kanalnetz angeschlossen werden, braucht eine straße (Versiegelung) die zum haus führt etc).

Peterhase71
00
12.10.2011, 10:43
Jaha, s. Beiträge UNTEN

...gelesen?

sanjoaquin
 
22
12.10.2011, 07:26
Frivolität

Es ist schon etwas frivol von "Passivhaus im Kommen" zu schreiben um dann festzustellen, dass der Österreich-Pavillon immer noch das einzige Passivhaus in ganz Kanada darstellt, aber Realitätsverweigerung war immer schon das Markenzeichen der grünen Illusionisten. Obelix würde sagen:"Die spinnen nicht, die Kanadier."

Wicked Vienna
11
12.10.2011, 12:52

Was soll der Quatsch ?

sanjoaquin
 
13
12.10.2011, 15:39
Zur Beantwortung

Ihrer Frage, nachdem Sie offensichtlich mein Initialposting geistig nicht absorbiert haben, teile ich Ihnen mit, dass ich es für eine ziemlich gewagte Behauptung halte, dass Passivhäuser groß im Kommen sind, wenn nach zwei Jahren Werbung auf einem 400 Millionen Markt kein einziges Ding realisiert wurde. Journalistisch vergleichbar wäre ungefähr die Meldung: "Grasser auf dem Weg zum Verfassungsgerichtshofpräsident", wenn er wieder mal zur Einvernahme geladen ist.

Peterhase71
21
12.10.2011, 09:38
Realitätsverweigerung

... irgandwann habe ich in eben dieser Zeitung mal ein Interview mit Frau Glawischnik gelesen, die verlangte dass ab 2020 alle Gebäude in Österreich Passivhäuser sein sollten, auch der Bestand!

Wie das gehen soll, frag ich mich- bei einem 150Jahre alten Zinshaus in Wien, oder nem Bahnhof, etc.

Schade, dass man hier so technisch ungebildet ist - sonst würde auch mehr weitergehen (z.B. mehr Photovoltaik bei öffentl. Gebäuden, etc.)

Ausser dem Funktionsprinzip des Fahrrades vestehen die politischen Ökos meist nix von Technik. :-(

Irma la Douce
13
12.10.2011, 10:24
alle NEU-Bauten.

Aber man kann auch bei Altbauten viel machen.

Peterhase71
00
12.10.2011, 10:51

... ich erinnere mich ganz deutlich an das Interview: alle Gebäude, weil es ging da auch um Sanierung!

Wie ein Neubau Passiv-Bahnhof oder Shoppingcenter aussehen sollte weiss ich trotzdem nicht!

Wicked Vienna
11
12.10.2011, 12:54

Wieso soll ein Shoppingcenter nicht passiv funktionieren ?

Ausserdem wäre mir der Einzelhandel in Sockelzonen von Passivhäusern sowieso lieber.

Peterhase71
10
12.10.2011, 13:12

weil laufend Bewegung ist, Laufkundschauft rein und rausgeht, Anlieferungen, keine gezielte räumliche Abrenzung möglich ist, etc, etc.
Wie soll ein SC denn dicht werden, und alle Shops nach Süden ausrichten ?!

Vllt. auch nen Parkhaus auch noch als Passivhaus?!

Peterhase71
10
12.10.2011, 10:50
... sind Sie es, Eva :-D

Iris Meier1
05
12.10.2011, 00:25
20 Grad minus in Washington

also ich dort den irrsten kalten winter ever erlebte mussten wird die push-up fenster mit zeitungen verstopfen und zukleben, weil durch zentimerweite stalten der eiswind drang und unsere elektroheizung nur mehr ein zimmer schaffts ,da glühte aber.. außer uns "ausländern" hat das glaub ich niemand gemacht.

Wicked Vienna
01
12.10.2011, 12:55

Sogar in Toronto gibts Schiebefenster ! ;)

Peterhase71
03
11.10.2011, 22:43
Ich hab mal irgendwo im TV gesehen,

dass alleine die Dämmung der Einfamilienhaus-Dächer in den USA 50% Energieeinsparung brächte, im Süden betreffend weniger Klimaanlagen, im Norden (wie bei uns) betreffend Heizung!

Wenn sie dann noch Isolierglasfenster (und nicht mehr Ihre 1-Scheiben Schiebefenster) nehmen und vielleicht sogar bisserl Wanddämmung, isses schon fast ne Öko-Revolution!

Räuber Hotzenplotz wäre heute Bankster
50
11.10.2011, 23:15

Leider haben die Isolierglasfenster, 3-Scheiben-Verglasungen etc. eine relativ kurze Lebensdauer (oft nur ca. 12-15 J.). Durch den Lastwechsel Erwärmung/Abkühlung verspröden die seitlichen Abdichtungen, das Isoliergas tritt aus, Luft ein --der Isolationseffekt ist zunichte und man hat oft noch Kondensation und kann die sündteueren Fenster u. Türen wieder ersetzen.

Wenn man ein klassisches Doppel-Kastenfenster nimmt, das bei verhältnismäßig sehr guten Isolationswerten (und trotzdem bei Gewährleistung eines ausreichend gesunden Luftwechsels) 150 Jahre hält, ist es mit der ökologischen Revolution leider nicht so weit her.

Wicked Vienna
02
12.10.2011, 12:59

Geh bitte.

Da fast alle Klimaanlagen haben, ist der Luftwechsel nicht das Problem. Nur die Verlustleistung wegen der mangelhaften Dämmung.

Und die 12 bis 15 Jahre Lebensdauer sind aus der Luft gegriffen. holen sie sich bitte entsprechnede Daten bei, z.B.: Gaulhofer.

Peterhase71
14
11.10.2011, 23:34
Hab ich in 20 Jahren Bauerfahrung als Architekt

vllt. 2-3 mal gesehen - da warens aber Billigfenster im Nachkreigsbau!

Üblicherweise bleibt das Gas drinnen, wenn es Fenster mit Edelgas ist - gibt auch Isolierglasfenster nur mit Luft oder Vakuum...

... und die allermeisten Holzkastenfenster sind max 50-60 jahre alt (gibt KAUM welche mit 120jahren), den WW2 habens dann doch nicht überstanden ;-)

prusiner
01
11.10.2011, 23:28
ein klassisches

Doppelkastenfenster hält auch nicht so einfach 150 Jahre, und passable Dämmwerte erreicht man damit auch nur mit gasgefülltem Isolierglas; die Zeiten der Einfachverglasung sind vorbei; an die Qualitäten solcher Fenster kann ich mich noch gut erinnern .. bibbbbber ..

ein 3-fach-Glas hat auch nach eventuellem Gasverlust immer noch gute Dämmwerte; und wenn alle Stricke reißen, kann das Glas bei guten Fenstern auch ersetzt werden.

Das Geheimnis der PH-Fenster ist vor allem der Stock und der Rahmen, die wesentlich besser gedämmt sind, als bei konventionellen Fenstern; das ist zumeist sonst ein gravierender Schwachpunkt.

prusiner
02
11.10.2011, 22:49

in den USA wird diesbezüglich spätestens dann etwas passieren, wenn die Stromnetze nicht nur sporadisch, sondern regelmäßig zusammenbrechen; darauf kann man warten.

Räuber Hotzenplotz wäre heute Bankster
14
11.10.2011, 21:58
Was hat bitte ein Passivhaus mit "Green building" zu tun? Das ist doch glatte Irreführung. Es wurde bereits nachgewiesen, dass mit den Kosten für den erhöhten Material- und Fertigungsaufwand

eines Passivhauses ein normales Haus zwei bis drei Jahrzehnte geheizt werden kann (nach 20-30 J. ist übrigens idR. eine Generalsanierung fällig, nach welcher die dicke Styropordämmung ev. wieder zu erneuern wäre).

Das ganze ist also ein Nullsummenspiel, bringt nur den Baustoffproduzenten etwas und vermindert überdies die Lebensqualität: Die dichte Bauweise (Luftwechsel nur noch n=0,3) bewirkt eine Anreicherung von chemischen Schadstoffen und begünstigt Schimmelwachstum. Abdichtungsmassen, welche in Passivhäusern großzügig zum Einsatz kommen, sind übrigens die gefährlichsten Schadstoffemittenten.

Den Mehraufwand in eine gesündere Bauweise, ökologische Baustoffe etc. zu investieren würde uns ungleich mehr bringen als der Passivhaus-Hype.

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