Fett, satt, gut: Das Schmeck's-Jubiläumsmenü um 4,70

Harald Fidler, 11. Oktober 2011, 16:54
  • Artikelbild
    foto: harald fidler

    Fett, satt, gut, und nahe des Hannovermarkts wohl auch schon authentisch: Plescavica mit wunderbar saftigem Fladenbrot im 019

    Buffet 019
    Gerhardusgasse 24
    1200 Wien
    06765298116

  • Artikelbild
    vergrößern 600x400
    foto: harald fidler

    Und so sieht die Rechnung über Fleisch, Brot, Zwiebel und Wasser aus, die gemeinsam satt machen

  • Artikelbild
    foto: harald fidler

    Und so sieht der neue, formidable Slow-Food-Führer "Gasthäuser in Österreich" aus, der Donnerstag präsentiert wird

Schmeck's wird fünf, die Mitesser auch nicht jünger, der Dilettant wirkt ohnehin gezeichnet - Aber erst geht's um den Corti und Slow Food

Die Pferde möchten bitte noch eine Woche draußen warten, ohne scheu zu werden. Schmeck’s wollte zwar in sieben Tagen seine ersten fünf Jahre (wenn man vom Vegetarierinnenverschleiß absieht) weitgehend unfallfreien Essens groß, richtig groß feiern. Doch diese Kolumne ist ja  stets dem spontanen Dilettantismus ebenso verpflichtet wie der aktuellen Kolportage. Und außerdem wird die groß, richtig groß geplante, superpraktische Jubelüberraschung wohl eh nicht fertig in diesem winzigen Sweatshop von Magen und Liebe. Und außerdem kam der Corti dazwischen.

Genug ist nie genug

Just wenige Stunden vor vor dem Weltereignis Fünf Jahre Schmeck’s präsentieren Herr Corti und Herr Desrues nämlich „noch einen Fressführer" - mit einer sympathischen Podiumsdiskussionsfrage "Wos brauch ma des?". Wer weiß darauf sicher was zu sagen? Genau: Die mehr oder minder alt eingesessene Konkurrenz. Ein gewitzter Schachzug, scheint mir, aber mal sehen, was Christian Grünwald (A la Carte), Wolfgang Rosam (Falstaff), Florian Holzer (Gault Millau Österreich) dazu einfällt. Reinhard Gerer, Koch und Wirt, und Ralf Morent, Gastronom, werden ja hoffentlich nichts dagegen haben. Mich fragt natürlich wieder keiner, was ich durchaus verstehen kann. Ich bin da, mal von der mangelnden Expertise abgesehen, zu berechenbar.

Natürlich kann es gar nicht genug Fressführer geben, wie es gar nicht genug Zeitungen (ja, auch "Österreich", auf eine Art) geben kann. Kann ja sein, dass auch die kundigsten Kollegen von Egle/Wagner-Wittula bis Gault Millau doch was übersehen haben.

Sodoma für 20 Euro?

Vor allem natürlich kann es nicht genug Fressführer geben nach den Kriterien: regionale Produkte, traditionelle Küche, außergewöhnliche Gastfreundschaft und, naja, schwierig, "authentischste" Lokale. Wirtshaus rules schließlich in dieser kleinen, dreckigen Fresskolumne, meistens jedenfalls. Und vom Preis-Leistungswahn ist dieser Blog ja beseelt seit meinem frühen Protest über 7,50 Euro für den, quasi, Hauswein eines italienischen Weinguts, schon lange vergessen und vergeben, falls das je angebracht war.

So stehen denn auch beim ersten Slow-Food-Führer außerhalb Italiens (wenn man von dessen Randzonen wie dem Tessin absieht, die das Original ja mitnimmt) die Preise für ein dreigängiges Menü bei jedem Wirten. Gut, meine Rechnungen in Italien entfernen sich auch regelmäßig recht deutlich von den Angaben im Osteriaführer. Aber beim Stammwirten Josef Sodoma, nachträglich übrigens auch auf diesem Wege alles Gute zum Geburtstag!, 20 - 30 Euro für drei Gänge - ich hab das jedenfalls noch nie geschafft, und kommen Sie mir jetzt nicht mit dem Durst der jeweiligen Test-Duos - ich meine da wirklich nur das Essen! Wenn dann gleich rechts davon der auch ziemlich wunderbare Böhm mit 35 Euro steht, komm ich ins Grübeln, ob man da bei der nächsten Auflage nicht noch ein bisschen justieren sollte. Dass der Floh irgendwo auf dem Weg von Barbara Van Melles PC bis in die Druckerei vermutlich falsch abgebogen ist, ist hart - aber Schmeck's lobt ihn und sein Team ohnehin mindestens monatlich. Schwacher Trost, I know.

Hard! Egg! Braz! Hittisau! (und vor allem Hohenems!)

Das ist aber auch schon alles, worüber ich zart meckern würde. Ich konnte natürlich nicht bis zur offiziellen Präsentation warten, als ich das Büchlein schon bei Kuppitsch sah, als ich mir "Wo isst Österreich" zulegen wollte, das natürlich auch nicht liegen blieb. Und der ziemlich übersichtliche "Vegetarische Lokalführer Wien" ging auch noch mit, der seltsamerweise auf seinem Klappentext just mit Fleisch-Surrogaten ("süchtig machende vegane Hühnerkeulen", "fleischfreier Zwiebelrostbraten") wirbt. Sie sehen: Ich kann wirklich nicht genug Fressführer haben.

An Cortis und Desrues freuten mich schon allein die 19 mir überwiegend unbekannten Tipps für Vorarlberg, wo ich gerade einen besonderen Hang zum fernen Westen entwickle, zu Hohenems im Speziellen. Dass dort der Adler ganz wunderbar ist, wissen Sie ja schon, die Sie die fünf Jahre Schmeck's-Dada auswändig hersagen können, von "Fidler gibt sich die Kugel" bis zur "Liebevollen Leichtigkeit des Steins". Ich bin ja sicher, dass es mit Hohenemserinnen im Adler nochmal so wunderbar wäre. Und dann könnte man sich mit ihnen ja durcharbeiten von Braz bis Egg, von Hittisau bis, nein, das lassen wir aus, sagen wir: Hard. Auch Satteins ist nicht nur zum Fernsehen gut, lerne ich aus "Gasthäuser in Österreich". Essen bildet eben doch. Ich fürchte, mit oder ohne Hohenemserinnen, Sie werden davon lesen in den nächsten fünf Jahren.

Mit scharf

Und wie krieg ich jetzt die Kurve zum ersten Schmeck's-Jubiläumsmenü? Wir schwenken vom Gefühl noch einmal zurück zum Geld. Ich hab nämlich gerade das absolut günstigste und wirklich gute Abendessen in der Geschichte dieser feinsinnig-schöngeistigen Rubrik hinter mir. Satt für 4,70 Euro, und das gut - und für den 20. Bezirk, gleich neben dem Hannovermarkt, wohl auch authentisch.

Frag ich den Oberbiber Simon Kravagna, wo man so richtig balkanesisch isst in Wien. Pleskavica und so. Er schaut mich an und sagt: 019. Sehr basic, sagt er noch. Ich bin nicht ganz sicher, ob ich das nicht als Beleidigung nehmen soll. Doch in beiden Punkten kann ich ihm nur Recht geben: Das Buffet 019 ist definitiv nicht schön - erinnert mit seinen mehr als grob-stammigen Bänken und Tischen (drinnen) ein bisschen an Pri Zvoncu bei Zagreb, aber ich bin jetzt nicht sicher, ob man das im 019 gern liest. Und ich würde schon noch gerne wieder hin, ohne dass man mir in die Cevapi spuckt. Aber der Link führt ja grenzüberschreitend auch zu anderen schönen balkanesischen Grillfleischorten.

Authentischestest

Das Pleskavica war jedenfalls eines der authentischsten meines Lebens. Gastfreundlichst fühlte ich mich aufgenommen, auch wenn sich die Leere eigentlich schon nach Sperrstunde anfühlte. Und dann 2,90 für das Grillfleisch mit wunderbar saftig-flaumigem Fladenbrot (die Experten mögen den Fachausdruck beiposten - hvala lepa dafür, oder wie man das schreibt). Mit ordentlich Zwiebel, Senf und ein bisschen Vegetarismus in Gestalt von Salatgurke und eigentlich ziemlich sonnigem Großparadeiser. Jelen Pivo hätte wohl auch nicht viel mehr gekostet als mein (absolut unauthentisches) stilles Mineral für 1,80.

Da fällt mir ein: Wie wär's eigentlich mit einem migrantisch-authentischen Slowfoodführer? Ich frag am Donnerstag mal Grünwald, Holzer, Rosam & Co, ob sie zur Präsentation kommen.

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 32
1 2
Schnabeltierfresser
00
13.10.2011, 11:24
Ich lese bei Amazon:

"Für die Auswahl der empfohlenen Wirtshäuser gilt: Man muss dort für maximal 40,- ein typisches Menü bekommen können." Da muss man eben ein bisschen drehen, damit die 'befreundeten' Wirtshäuser auch reinkommen.

Kernseife
00
13.10.2011, 15:19
um 40 kriegst aber auch beim sodoma

locker drei gänge. ganz ohne drehen...

pastinake1
54
12.10.2011, 14:45
toll

der wirt verdient nix, das schwein wurde zwecks billigfleisch gequält. aber hauptsache, ein gutsituierter kann der geiz ist geil-mentalität frönen. ich finde diese kolumne immer peinlicher.

trollvottel
05
13.10.2011, 10:57

Wenn man nach authentischer YU-Küche in Österreich sucht, wird man halt die Lokale der Ex-YU-Bürger suchen. Diese sind wie die meisten Immigranten gutteils in Unterschichtberufen mit niedrigem Einkommen tätig; man wird also eher vergeblich nach einem 15-Euro-Fleischlaberl vom handgestreichelten Kobe-Rind mit Trüffel-Ajvar und so suchen.

Davon abgesehen: In 15-Euro-Hauptspeise-Restaurants geh ich vielleicht alle paar Wochen.

Im Top Grill am Yppenplatz war ich monatelang drei Mal die Woche, weil 2,90 für eine hervorragend schmeckende Schweinsleber mit handgemachtem Brot und Zwiebel, Paradeis, Salatblatt fast unschlagbar ist; oder 3,90 für die Hühnerkeule, oder 3,50 für die Cevapcici. Selberkochen kostet fast gleich viel.

Thun23
 
00
12.10.2011, 20:50
Dürfen nur Mitgliedern der konsumorientierten

Basis in solche Lokale ? Und verdient der Wirt dann mehr ? Und ist das dann passend für sie ?

pastinake1
00
12.10.2011, 14:42
toll,

Mr. Hankey, der Weihnachtskot
00
12.10.2011, 12:42
aber...

...ohne aivar? :(

egal
03
12.10.2011, 08:29

Der Preis wundert mich nicht wirklich, beim Türken gibts das Kilo Hack um 2€ wenn Schwein dabei sein soll dann halt beim Penny um knappe 3€. Sprich die Zutaten kosten um die 50 Cent

Rose Bud
00
12.10.2011, 14:32
Pleskavica hat mit Türken nix zu tun...

Neuer Nick neues Glück
00
12.10.2011, 23:07

Unter Umständen aber des Preises wegen mit türkischen Fleischhauern.

trollvottel
00
12.10.2011, 10:06

Beim Teller-Foto oben dachte ich, der ist sicher im 16. beim Top Grill ... gleiches Angebot, gleiche Preise (und die Betreiber hatten zumindest vor ein paar Monaten noch ihre eigene Fleischerei)

Speyside
00
12.10.2011, 16:41
selbiges dachte ich mir auch!

chacun à son gout
24
11.10.2011, 22:02
gut, dass es geschmeckt hat.

2.90 für ein fertiges Fleischgericht lässt mich jedenfalls schließen, dass das Fleisch sicher nur die beste Qualität hatte...

Da hätten Sie vielleicht doch zur Sicherheit einen Barack dazu bestellen sollen??

tramezzino
01
12.10.2011, 09:29

sicher alles freilandhaltung und bio-bio mio mei ;-)

jumpingjack flash
02
12.10.2011, 09:13

wenn es gut geschmeckt hat - war es gute qualität was den geschmack betrifft.

eine genaue chemische analyse etwaiger schädlicher inhaltsstoffe wurde wie immer nicht gemacht. warten wir ein paar tage ab - kommt ein neuer artikel war das fleisch völlig in ordnung.

egal
11
12.10.2011, 11:16

Dem Vieh hat das GenSoja und die Antibiotika das gefüttert wurde um so exzellentes und anscheinend auch noch preiswertes Fleisch zu produzieren sicher auch geschmeckt!

jumpingjack flash
00
13.10.2011, 08:49

als veganer und kuh ist die wahrscheinlichkeit gensoja zu bekommen sicher gross - aber schädlich scheint es nicht zu sein - und zu den antibiotika - sind die wirklich im fleisch - nach abhängen und braten, grillen frittieren?
haben sie untersuchungen?

trollvottel
04
12.10.2011, 12:12

... und es gibt tatsächlich Veganer, die so naiv sind, dass sie allen Ernstes glauben, dass die Bio-industrie keine industrie ist und nie auf die Idee käme, Monsanto-Gensoja zu Menschennahrung zu verkochen *LOL*

Waldorf
 
01
12.10.2011, 17:27

Wird eher schwierig werden, noch normales Soja zu finden. Laut eines ARTE Berichtes, beträgt der Prozentsatz dieser hassenswerten Firma mittlerweile 2/3 auf die weltweite Anbaufläche bezogen.

Aber mittlerweile werden die Bauern scheints wieder vernünftiger, und beginnen die Hacken und Ösen in den Verträgen der Firma Monsanto zu begreifen.

jumpingjack flash
00
13.10.2011, 08:40

hoffentlich

Lappe ohne Rentier
16
12.10.2011, 10:50
Es geht um's schmecken!

Ich werde mir - wenn ich in Österrfeich bin - auch weiterhin die Grammelknödel von IGLO kaufen und ich will gar nicht wissen, was der gleichnamige Käptn dort für grausliche Sachen hineinstopft...

Herzelichst
Ihr Lappe

jumpingjack flash
00
13.10.2011, 08:46

wieso, fischreste sind doch nix grausliches.

hedonis44
00
12.10.2011, 16:19

okay grünes stricherl, weil die mir auch schmecken ;-)

krikri
00
13.10.2011, 02:45

habs zwar schon länger nicht gegessen, aber die von ackerl waren immer gschmackiger als die iglo...

rutluk
01
11.10.2011, 23:25

Die scheinen ja dafür am Inventar gespart haben. Ist eine ziemliche Unterstellung, wenn Sie noch nie dort waren...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 32
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.