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Die Geldinstitute haben die Eurokrise nicht verschuldet. Vom Gegenteil weiß bekanntermaßen Europas Mainstream, eine Finanztransaktionssteuer wäre da nur recht und billig. Jean- Claude Trichet, scheidender Präsident der EZB, gab sich bei seinem Abgang kryptisch: "Es lag an der Fiskalpolitik europäischer Nationalstaaten." Man könnte es aber auch etwas unverblümter formulieren: Europas Regierungen gewannen Wahlen mit dem Ausbau des Sozialsystems - auf Pump.
Zur Illustration: Drei Prozent von Österreichs Schulden gehen auf das Konto der Bankenstützung. Im Gegensatz zu den 97 %, die zur Subventionierung unseres Lebensstandards aufgenommen wurden, werden sie allerdings zurückbezahlt. Bis dahin bereichert sich der Staat mit 100 Millionen Zinserlösen jährlich an den Sündenböcken.
Rückblende: Nationalratswahl 2008. Vor der Wahl versprach die SPÖ den Ausbau des Sozialstaates ("Anti-Teuerungspaket"). Mit Geld, das man nicht hatte. Nach der (gewonnenen) Wahl fand man eben dies heraus und nahm neue Schulden auf. - Mit diesem "System Kreisky" gewinnt in Europa seit den 1970ern immer der die Wahl, der sich die meisten Sozialleistungen ausdenkt, um diese dann nach der Wahl mit Krediten zu bezahlen. Ohne die alten freilich je zu tilgen.
Wohlfahrt auf Pump
Keine Bank und auch kein Spekulant haben auch nur einen Cent von Europas Schuldenberg aufgenommen. Es waren seine Bürger, die sich einen Lebensstandard herbeiwählten, den die eigenen realen Verhältnisse nicht ermöglicht hätten.
So ging man etwa immer früher in Pension, und immer mehr Menschen bekamen immer höhere Pensionen. Selbst die, die nie auch nur einen Groschen einbezahlt hatten. 23 Milliarden Euro bezahlt Österreich für Zinsen und die Subvention der Rentner heute, 10 Milliarden Euro pumpt es sich dafür von Banken neu, jährlich. Das entspricht 100 Abfangjägern, auch jährlich.
Ein Häuslbauer ist nach 20 Jahren schuldenfrei, weil er monatlich die Schulden tilgt. Europas "Wohlfahrtsmodell auf Pump" hingegen nimmt zu den alten Schulden jährlich neue auf - ohne von den alten de facto jemals auch nur einen Cent zu tilgen.
1971 gewann Kreisky die Nationalratswahl mit dem Versprechen, bei einem Sieg der SPÖ eine Heiratsbeihilfe von (damals unvorstellbaren) 15.000 Schilling auszuzahlen. Der Schuldenkanzler gewann die Absolute. Um sein Versprechen einzulösen, nahm man ab 1972 fast eine Milliarde Schilling zusätzlicher neuer Schulden auf, in Form von Anleihen. Wenn es "10-jährige Anleihen" waren, wären sie 1982 zu tilgen gewesen (bei 5 % Zinsen jährlich). Wären - denn am Stichtag 1982 nahm die Republik dann neue Anleihen über eine Milliarde Schilling auf - und "tilgte" damit die alten von 1972. Die neuen aber liefen wieder auf 10 Jahre, von 1982 bis 1992. Und wieder fielen jährlich 5 % an Zinsen an. 1992 dann dasselbe Spiel: Mit der neuen Anleihe "tilgte" man die alte. So auch 2002. Und 2012, 2022 ...
Sollte es unsere kleine Republik auch 100 Jahre nach dem Kreisky-Sieg noch geben, dann hat sie - nur um die eine Wahl von 1972 zu gewinnen - im Jahr 2072 dafür 100 Jahre lang jährlich 5 % an Zinsen bezahlt. Insgesamt also 500 %.
So ging es in ganz Europa. Griechenlands Sozialisten regierten ab 1981 fast ununterbrochen. Alle vier Jahre nahm man 50.000 Menschen vorübergehend in den Staatsdienst auf - mit dem Versprechen, sie im Fall eines Wahlsieges fix anzustellen. Jeder vierte Grieche verbringt seinen Tag heute in einer Amtsstube. Den Eisenbahnern versprach man (vor Wahlen) 400 Euro monatlich, wenn sie sich die Hände wuschen und den Busfahrern 300 Euro, wenn sie pünktlich zur Arbeit kämen. Der Erfindungsreichtum europäischer "Sozialpolitiker" kannte keine Grenzen.
Vom Geschäft mit den Schulden hätten Banken doch sehr wohl profitiert. Richtig. So wie etwa auch Schuster oder Badewannenproduzenten. Wenn Regierungen billig Geld ins Lande streuen, dann lässt dies alle Umsätze einer Volkswirtschaft ansteigen. Solche von Unternehmen, die mit Geld handeln (wie Banken), genauso wie solche, die dies mit Schuhen tun.
Die "staatlich organisierte Geldschwemme" lässt die Kassen vieler Firmen klingeln, doch macht sie das noch lange nicht zu Verursachern der Finanzkrise. Außerdem leben Banken von Schuldnern, die bezahlen und nicht von solchen, die ihnen die Existenz kosten.
Kontraproduktive "Strafe"
Die ganze Welt weiß, dass Finanztransaktionssteuern Finanzgeschäfte nur verlagern, aber nicht verhindern. Die ganze Welt? In Europa plagt einige Politiker das schlechte Gewissen und so lenken sie die Schuld auf andere. Zur "Strafe" sollen die nun neue Steuern zahlen.
Schweden führte 1984 eine Finanztransaktionssteuer auf Aktien ein. Prompt gingen die Kurse in den Keller, der halbe Börsenhandel wanderte nach London ab. Von erträumten 1.500 Millionen Kronen blieben ganze 50.
Eine europäische Finanztransaktionssteuer würde mit ihrer geringen Höhe von 0,1 % auf Geldgeschäfte große Spekulationsdeals auch in keinster Weise beeinflussen: Ob ein Spekulant dann etwa statt 50 nur 49,9 Prozent Profit macht, bleibt ohne Belang.
Micro-Steuern bringen Geld nur da, wo eine hohe Frequenz auf kleine und mittlere Beträge trifft. Wie etwa beim Zahlungsverkehr. Und so wird die neue Steuer wohl nur die Kontogebühren von Europas Konsumenten steigern. Und das zu Recht.
Denn es war die reine Selbstsucht, die drei Generationen dazu trieb, mit ihrer ungezügelten Schuldenmacherei die Zukunft der eigenen Kinder und Enkel zu verbauen. Es war die Gier nach einem besseren Leben, ohne Rücksicht auf Verluste. Heute steht man vor dem Scherbenhaufen und schiebt die Schuld anderen zu - den Banken etwa. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.10.2011)
Michael Hörl, Jg. 1969, Wirtschaftspädagoge und Publizist in Salzburg, hat seine hier vertretenen Thesen vor kurzem auch in Buchform veröffentlicht: "Die Finanzkrise und die Gier der kleinen Leute".
man muss unterscheiden
* Staatsschulden - Stimmenkauf usw
* Krume Bankgeschäfte - wie Immomüllpapiere
Letztere bertaf einieg wenige Banken die das verkaufften oder kaufften und selber schuld sind und kein Gnade erfahren wollten ... Lehman hat verzockt sich das war ein Investmentbank so wie Goldman Sachs ..........
Fazit es sind 2 Schuhe - 2 Bereiche die strikt zu trennen sind doch von Politikern gerne vermisch werden.
höchst beklemmend ist und dringend gelöst werden muss - ist aber nicht AUSLÖSER der Krise, sondern FOLGE einer Krise, die durch den Zusammenbruch von Lehman Bros. - richtig: einer BANK! - verursacht wurde.
Und der Zusammenbruch dieser BANK resultierte ebenfalls nicht aus Staatsschulden, sondern aus SPEKULATIONSgeschäften mit "Finanzprodukten" - einem Euphemismus für als Wertsache verkleideten Unrat.
So einfach ist das und bedarf keiner dialektischen Verzerrungen.
Also, Herr Hörl, auch wenn Sie viele interessante Gedankengänge und Argumente aufgeworfen haben: in Summe verwechseln Sie Äpfel mit Klabusterbeerln.
Eigentlich sollte die Geldschaffung dem Staat unterstellt sein, somit sollte es ein Staatenbankrott gar nicht geben.
Defacto liegt jedoch die "Gelderschaffung" absolut im privaten Sektor. 3% Eigenkapitalquote sagt doch nichts anderes aus, als dass ich die restlichen 97% dazuerfinden kann?!? Sie wollen die Banken wieder zu Opfern machen, Täter/Opfer-Umkehr nennt sich das. Die Krise ist jedoch eine systematische (Zinseszins), wobei die Banken als parasitäres Wesen ihren Teil dazu beitragen. Tut mir leid, aber ich bin nicht mehr damit einverstanden, dass Gewinne aus der FI die der REALEN Wirtschaft um Welten übersteigen!
Der überbordende Sozialstaat hat die Staaten in Europa in den Ruin getrieben. Ganz genau. Dass diese steinreichen Sozialleistungsempfänger den Hals aber auch nie voll genug kriegen können.
Die Finanzmarktkrise, äähhh Eurokrise, hat mit der Verschuldung der europäischen Staaten ihren Anfang genommen. Ich glaubs auch.
Nur weil die europäischen Staaten ihre Schulden nicht sofort begleichen sondern neue Kredite aufnehmen um alte zu finanzieren gehen die Banken pleite. Da muss mir in den letzten 50 Jahren irgendwas entgangen sein.
Der Staat "bereichert" sich mit 100 Millionen jährlich an dem Geld das er den Banken gezahlt hat. Na dann machen ma reinen Tisch. Banken und Staaten verzichten auf ihre Zinserlöse und gut is.
Na, welchen Einfluss haben wir (wir Individuen, wir kleinen Leute) denn auf unsere ökonomische Existenz?? Welches sind denn die 'Verhältnisse' über die wir und unsere Eltern oder Großeltern gelebt haben sollen? Welche Wahlmöglichkeiten stand uns denn bei den Wahlen zum Nationalrat 2008 offen? Und: Ist das Steben nach Besserem, das Profitstreben, nicht der sog. Anreiz, essenzieller Bestandteil der marktwirtschaftlichen 'Freiheit'?
Selten so einen Unsinn gelesen. Eine kurze Widerlegung hier von jemandem, der durch jahrelange Studien und Arbeiten in der japanische Nationalbank das Geld- und Bankensystem bestens kennt:
"Professor Richard Werner über destruktive Banken, ohnmächtige Zentralbanken und eine radikale Kur gegen Blasen und Finanzkrisen"
http://www.boerse-online.de/aktie/nac... 14469.html
Sie haben recht, direkt stellt der Artikel keinen Bezug zwischen Staatsverschuldung und Banken her. Indirekt schon, indem die Staaten, weil sie sich gegen die Großfinanz, sprich Banken, nicht durchsetzen können und wollen, durch Bankenbailouts weiter verschulden. Das wiederum erhöht Staatsschulden, macht Staatsanleihen, die von Banken gehalten werden, weniger sicher, wodurch wiederum die Wahrscheinlichkeit von Bankenbailouts steigt. Staatschulden waren und sind bis jetzt sichere Einnahmequellen von Banken gewesen, da Staaten nicht direkt von der EZB finanziert werden dürfen (siehe EZB Artikel 101). Deshalb, Staatsschukdenkrise ist gleich Bankenkrise!
als anhänger der meinungsfreiheit respektiere ich es, daß im standard auch ultrabescheuertes neoliberales propaganda-blabla wie obiger kommentar erscheinen darf. für jeden halbwegs intelligenten menschen disqualifiziert sich obiger kommentar ohnehin von selbst.
...das sie nicht so intelligent sind.
Ich bin immer wieder verwundert über die große Anzahl der Poster hier die meinen sie könnten Fakten, die ihnen nicht genehm sind, durch Ignorieren oder Ablehnung verschwinden lassen.
Na sicher hat Hörl mit seinen Aussagen recht - nennen sie mir nur ein Beispiel wo er nicht recht hat und geben sie mir ihre Erklärung dafür.
Was, meinen sie denn wird passieren in den nächsten Jahren? Sehen sie sich doch das Beispiel Griechenland an - wer diktierten den dort das Geschehen? Nur etwas abgeschwächt wird es im Rest Europas der Fall sein - die verhassten Neoliberalen werden die Politik vor sich hertreiben. Wie kann man nur so naiv zu meinen das Gegenteil würde kommen. Ehrlich - ich verstehs nicht!
Deutschland, Österreich, Holland, Finnland, Frankreich, alles "kleinere Griechenländer"?
Warum ist dann Japan mit seinen 225% Staatsverschuldung sogar ein Land in welches das Kapital flüchtet?
Die angebliche "europäische Staatsschuldenkrise" ist in Wirklichkeit gar keine solche, sondern eine Krise der divergierenden Konkurrenzfähigkeit der einzelnen Euroländer. Griechenland liegt mit seiner Konkurrenzfähigkeit sogar hinter manchen afrikanischen Ländern und DESWEGEN ist es bankrott. Das Land lebt buchstäblich von nichts, und es gibt dort nicht einmal Grundbücher.
Die Wirtschaftspresse indes hämmert den fatalen Irrtum in die Köpfe der ökonomisch Halbgebildeten, die staatliche Verschuldung sei per se etwas Schlechtes.
....und DESWEGEN (!) ist es Bankrott!?!?!?!
Das ist EINER der vielen Gründe aber bei weitem nicht der entscheidende.
Wo waren sie den die letzte Jahre - irgenwo in Afrika um dort die Konkurrenzfähigkeit zu erforschen?
Die Ursachen der Verschuldung Griechenlands wurden in allen Medien hunderte male angeführt - JEDER der informiert ist und mitreden möchte sollten eigentlich Bescheid wissen - für sie reduziert sich die Ursache auf die geringe Konkurrenzfähigkeit. Wer ist hier ökonomisch halbgebildet? Wenn schon würde die Aussage zustreffen: Griechenland, mit der Konkurrenzfähigkeit eines afrikanischen Staates hat Schulden aufgenommen um den Bürger das Leben eines europäischen Landes zu finanzieren.
jedoch fehlt ein wichtiges Moment zum Verständnis: die LEISTUNGBILANZ Griechenlands ist das primäre Problem, nicht das negative Budgetsaldo. Letzteres würde mühelos toleriert werden wenn die Griechen auch etwas erwirtschaften siehe z.B. Japan. Im Wirtschaftsblatt gab es da vor ca. einem Monat einen schönen Artikel, leider habe ich nicht die Zeit den Link zu suchen.
Was Sie ja unterstellen ist dass jeder europäische staat ein bißchen Griechenland ist. Und das ist falsch. Deutschland lebt aktuell trotz gegenteiliger Behauptungen von Ideologen überhaupt nicht über seine Verhältnisse. Und Österreich ist wenn dann als Gläubiger gefährdet, nicht als Schuldner.
Tiunesien, Südafrika, Mauritius, Ruanda (!), Marokko, Botswana, Namibia, Algerien.
Auch klassische Dritteweltländer wie Sri Lanka sind an GR vorbeigezogen.
Einen Vergleich des (u.a. von Kreisky geprägten) Österreich mit GR verbitte ich mir da.
.... verursacht, sondern die Politik, die den Finanzsektor nicht kontrolliert und reguliert. Dass aber die Sozialausgaben für die Schulden nahezu alleine verantwortlich sein sollen , das ist schlicht falsch und eine Verharmlosung der politischen Wirkungen. Dis Sozialausgaben wären ohne Probleme zu finanzieren, wollte der Staat Steuergerechtigkeit walten lassen und Steuerprivilegien abschaffen wie auch Vergünstigungen verweigern. Egal ob Banken , die kaum Steuern zahlen, endlich ihren Beitrag leisten wollten oder die Politik die Möglichkeiten der Finanzierung von Konsum(artikeln) beschränken, wäre dem Staatshaushalt sehr geholfen, ebenso natürlich, wie die finanzielle Unterstützung für einige Sparten und Gruppen einfach unsinnig sind....
Wenn die Banken nicht schuld sind an der steigenden Staatsverschuldung, und sie ja nur ihr Geld haben wollen, wieso verlangen sie dann 18% Zinsen?
Vl weil sie keine Interesse daran haben, dass die staaten zurückzahlen können?
Außerdem bitte Schuldenquoten von GR, POR, SP, It, Ö etc. vor 20089 anschauen!
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