Insel der Seligen

10. Oktober 2011, 18:35
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Der Mühlviertler Kapitalmarkt ist ein Hort des Guten und Androsch streute Scharinger Rosen

Österreich ist doch eine Insel der Seligen. Während Banken wanken, Milliarden abschreiben müssen und noch immer (oder schon wieder) auf stabilisierendes Staatsgeld angewiesen sind, herrscht hierzulande weinselige Zufriedenheit. Zumindest im ORF-Fernsehen am späteren Sonntagabend, und insbesondere, was den Mühlviertler Kapitalmarkt anlangt.

Selbiger ist nämlich ein Hort des Guten. Während Banker weltweit mit niedrigst verzinstem Geld zockten, bis die Schwarten (und Geldhäuser) krachten, spielte bei dem bösen wie teuren Spiel für Sparer und Steuerzahler nur einer nicht mit: Ludwig Scharinger, unumschränkter Herrscher über die Giebelkreuze ob der Enns - und quasi monetärer Landeshauptmann. "Ihre Bank ist noch eine Bank und nicht eine Kasino-Veranstaltung", streute Unternehmer und Exfinanzminister Hannes Androsch Scharinger Rosen. Zuvor hatte er die "echte Eigenkapitaldecke von ein bis zwei Prozent" vieler Banken als beängstigend niedrig gegeißelt. Das dick aufgetragene Kompliment könnte als geschäftstüchtig durchgehen - hätte die Veranstaltung im ORF-Zentrum nicht einige Schönheitsfehler zu viel.

Erstens sind Androsch und Scharinger dick miteinander im Geschäft (Salinen, FACC), was von Moderatorin Ingrid Thurnher nicht thematisiert wurde. Ebenso würdigte niemand kritisch das mit weit mehr als 300 Beteiligungen unüberschaubare RLB-Oberösterreich-Firmenimperium. Und: Androsch überwacht als Fimbag-Aufsichtsrat jene Banken, die der Staat stützt - ist somit in einer delikaten Position.

Beim Heurigen in Neustift wäre das alles kein Problem, beim Öffentlich-Rechtlichen auf dem Küniglberg schon. (Luise Ungerboeck/DER STANDARD, Printausgabe, 11.10.2011)

  • Diskutierten bei Ingrid Thurnher "im Zentrum": Scharinger (links) und Androsch

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    foto: orf
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