Staatsschuldenkrise

Osteuropa belastet österreichische Banken in Milliardenhöhe

10. Oktober 2011, 18:13
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    foto: apa/hochmuth

    In Bedrängnis flüchtet es sich am besten nach vorn: Andreas Treichl putzt die Bilanz aus

Erste mit zwei Milliarden an Belastungen - Raiffeisen: "Signifikante Wertberichtigung"

Sobald wir die Genehmigung haben, wird die Rückzahlung stattfinden." Die Aussage von Andreas Treichl zum staatlichen Partizipationskapital ist gar nicht so lang her, und dennoch Geschichte. Wollte der Chef der Erste Group die 1,2 Milliarden schwere Staatshilfe noch vor Oktober refundieren, gibt es nun keinen konkreten Zeitplan mehr. Ein Kehraus in der Bilanz - vor allem Abschreibungen auf Beteiligungen in Osteuropa - erfordert einen Kurswechsel des Bankers.

Von "radikalen Maßnahmen wegen der Auswirkungen der Staatsschuldenkrise" , sprach Treichl am Montagvormittag vor Journalisten. Zu diesem Zeitpunkt war die Bankaktie wegen der morgendlichen Bekanntgabe der Wertberichtigungen um rund 17 Prozent nach unten geprügelt worden. Der Vorstandsvorsitzende war sichtlich bemüht, die erfolgten Schritte gut zu begründen: "Es ist jetzt keine Zeit für Fragezeichen, schon gar nicht in Bankbilanzen." Das Prinzip Tabula rasa heißt in der Umsetzung: Belastungen in Höhe von zwei Milliarden Euro. Im Detail: In Ungarn muss die Tochterbank abgeschrieben werden, dazu kommen Vorsorgen wegen der Zwangskonvertierung von Fremdwährungskrediten in Forint und der generell schlechten Qualität der Schuldner. Macht unter dem Strich 762 Millionen Euro an Belastungen im Nachbarland. Dazu kommt noch eine Aufstockung des Eigenkapitals der Erste Bank Hungary um bis zu 600 Millionen.

Nicht viel besser kam die Erste in Rumänien davon, wo die Beteiligung an der BCR um 627 berichtigt werden musste. Ein Schritt, wegen der die Aufsicht schon seit zwei Jahren im Ohr liege, wie Insider meinen.

Auch die Credit Default Swaps (CDS; eine Art Kreditausfallsversicherung) sollen immer wieder ein Thema gewesen sein, allerdings existierte bisher ein Wahlrecht. Das wird sich künftig ändern, weshalb Treichl die Marktbewertung vorzieht - und 460 Millionen Euro an Aufwand verbucht, wobei auch die Bilanzen 2009 und 2010 nachträglich korrigiert werden müssen. Die Umstellung der Erfassung der Kreditprovisionen schlägt mit weiteren 220 Millionen zu Buche.

Unter dem Strich bedeutet das für den Finanzkonzern heuer einen Verlust von 700 bis 800 Millionen, wie Treichl einräumte. Die Kernkapitalquote werde mit 9,2 Prozent trotz der Belastungen auf Vorjahresniveau bleiben, weil nicht alle der Maßnahmen in die Berechnung des Eigenkapitals einfließen. Treichls Interpretation des montägigen Überraschungscoups: "Wir investieren unseren Reingewinn des Jahres 2011 in außerordentliche Maßnahmen."

Auch andere Banken leiden

Zurück zum Staatskapital. Obwohl die Aktionäre heuer leer ausgehen und wegen der Verluste keine Bedienung der PS-Scheine notwendig wäre, will die Erste Group 90 Millionen Euro an den Staat ausschütten. Eine sachliche Begründung für die freiwillige Dividende hat Treichl nicht, es handle sich um eine "Bauchentscheidung" , meinte er.

Das Outing der Erste Group hat auch die Konkurrenz überrascht - und die Frage aufgeworfen, ob auch bei Raiffeisen Bank International (RBI) und UniCredit-Tochter Bank Austria größere Bilanzaufräumungsaktionen bevorstehen. Der Bankenexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts, Franz Hahn, geht davon aus, wie er im ORF-Mittagsjournal sagte.

Was Ungarn betrifft, wird auch die RBI rund 100 Millionen nachschießen und "signifikante" Abschreibungen vornehmen. Dem Vernehmen nach ist der Bedarf vor allem bei Gemeinden hoch, an die eine Milliarde Euro in Franken verliehen wurde, deren Rückzahlung seit Oktober läuft. Insgesamt erwartet die RBI für heuer eine schwarze Bilanz.

In der Bank Austria ist Ungarn kein großes Drohpotenzial, der Firmenwert der dortigen Tochter beträgt 118 Mio Euro, im ersten Halbjahr schrieb die Bank einen Gewinn von 47 Mio. Euro. Die neuen Gesetze rund um Fremdwährungskredite (die BA hat rund 700 Mio. Euro vergeben; Erste Group rund drei Mrd. und Raiffeisen rund 1,5 Mrd.) werden die UniCredit-Tochter einen "niedrigen zweistelligen Millionenbetrag" kosten, heißt es in der Bank. Das große Sorgenkind Kasachstan wurde bereits um 776 Mio. Euro abgewertet, zum Halbjahr 2011 stand die Beteiligung noch mit 530 Mio. zu Buche. Die interne Prüfung läuft gerade.

In der Bawag besteht derzeit kaum Wertberichtigungsbedarf, man peilt einen kleinen Gewinn an. Hier heißt das Problem: Linz. Die Stadt streitet mit der Bawag wegen Franken-Kreditgeschäfte. Diese Woche wird entschieden, ob Linz die Zinsen fürs zweite Halbjahr (rund 20 Mio. Euro) bezahlt. Sollte sie das nicht tun, müsste die Bawag klagen und ihr Gesamtobligo fällig stellen - der Rückstellungsbedarf im Worst Case: 600 Millionen. (as, gra, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.10.2011)

Kommentar posten
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baudsch
00
12.10.2011, 18:12

Habe mich mit einer Ungarin unterhalten, die bei einer österreichischen Bank gearbeitet hat. Die Kreditnehmer wurden da z.T. ziemlich abgezockt.

Bagolyvár
01
12.10.2011, 22:41
Abzocken?

Für einen Fremdwährungskredit, aufgenommen 2005 in Österreich, hätte der Kreditnehmer nach einer Laufzeit von 25 Jahren die Kreditsumme + 70% zurückzuzahlen gehabt.
Für den gleichen Betrag und bei gleicher Laufzeit wären in Ungarn die Kreditsumme + 197% fällig gewesen!

Sandor Kocsis
00
14.10.2011, 10:19

der/die Ungar/in hätte es sich aber wie einige andere ihrer/seiner Landsleute auch überlegen können, ob sie in Forint oder Franken zurückzahlt

sandokan55
00
15.10.2011, 12:29
"der/die Ungar/in hätte es sich .."

offensichtlich wissen Sie nicht, was es bedeutet 15-20% Zinsen zu zahlen.

Geförderte Ft-Kredite standen nicht mehr zur Verfügung, Dank den Sozialisten und Liberalen

und die massive Lügenpropaganda in den unabhängigen - soz-lib - und von soz-lib geführten staatlichen Medien haben den Anschein erweckt,
die braucht man auch nicht mehr.
(„Pannon Puma“ u.ä.).

Sandor Kocsis
00
17.10.2011, 09:51

Oh ja, konnte ich mir gut vorstellen, deswegen haben wir dankend abgelehnt. Dann halt keinen Kredit aufnehmen.

Aber einen FWK aufnehmen, der dann doch teurer wird, um dann den Onkel Viki zu rufen, mit dem Argument die bösen Labanc, ist halt sehr schwach. Denn die Bestrafung tragen wir dann doch wieder alle.

sandokan55
00
22.10.2011, 17:44
„Dann halt keinen Kredit aufnehmen.“

es ist leicht zu sagen, wenn man einen Kredit nicht braucht.
Hätten Sie gebraucht, dann hätten Sie wahrscheinlich einen FWK auch aufgenommen.

Sandor Kocsis
00
24.10.2011, 09:05

da ich schon mal einen Kredit benötigt habe: NEIN! Ich habe auch keinen FWK aufgenommen, da ich ein risikoaverser Mensch bin. Ich lege mein Geld auch nicht in volatile Aktien an, da ich zwar viel gewinnen, aber eben auch viel verlieren könnte.
Kurzfristig gedacht, mittelfristig die richtigen gewählt, die ihm langfristig helfen. So scheint ein typischer Fidesz Wähler mit FWK zu sein.

Verbrecher schreibt man mit F!
10
12.10.2011, 12:52
Ja aber erst seit die Ungarn zahlen wollen, was sie wollen!

Braun ist halt eine Gackefarbe!

Ravenhorst
01
11.10.2011, 13:20
Goldgrube Osteuropa.....

..................war doch nur taubes Gestein

Sandor Kocsis
00
17.10.2011, 09:55

Sein Haus habe beispielsweise "die Filial-Expansion in Ungarn (120 Neueröffnungen waren geplant, Anm.) vorerst auf Eis gelegt". Weiters denkt man daran, den ursprünglich in der ganzen Region geplanten Filialausbau um 900 Stellen langsamer anzugehen.

Mal mit Afrika vergleichen!

Mostbluzza
21
11.10.2011, 12:00
der schritt war überfällig(st)

und vermutlich zu spät.

den kehraus hätte er längst mit dem ersten re-aufschwung "mitnehmen" müssen, zizerlweise, pro quartal die eine oder andere hunderter million abschreiben müssen. aber da war die euphorie des neuen 100jährigen wohlstands (exportwunder) noch zu druckfrisch. dumpfbacken

die zyklen werden immer kürzer, bis keiner mehr weiss, ob es rauf oder runter geht. aber keine sorge, in den nächsten tagen kläschts mit GR und ein paar frz. banken und dann

warten wir mal ab, was bei diesem experiment passiert. ich bin ja dafür (70%haircut für GR), nur hätt ichs schon vor einem jahr gemacht, mit der knete gelöscht, die wir jetzt abschreiben dürfen.

politik entkommt auch nicht der finanzmathematik, spricht dem zins und seinen helfern

weisungsgebunden
04
11.10.2011, 09:41
Und wieder einmal der schon so oft gehörte Satz: "WIR haben über unsere Verhältnisse gelebt"- geäußert von Treichl im ZIB2- Interview

Dieser Satz wird in Interviews vorzugsweise von Herren wie Hannes Androsch, Veit Sorger, Mirko Kovats, Josef Taus oder eben Andreas Treichl von sich gegeben.
Lauter Multimillionäre,die natürlich nur aufgrund ihrer Tüchtigkeit so "multi" sind.
Dieses "Wir" ist keines falls jenes exklusive, exquisite "Wir",mit dem sagen wir ein Treichl begründet,das er sich seine eigene Millionengage verdoppelt, weil "Wir" so exzellent gewirtschaftet haben.
Nein,jenes "Wir",das so furchtbar über seine Verhältnisse gelebt hat umfasst UNS ALLE, und zwar auch und insbesondere jene Menschen,deren Reallöhne in den letzten Jahren gesunken sind-ganz im Gegensatz zu den Profiten der Herren Treichl, Sorger etc.
Warum ist mir so übel??

Ole
01
11.10.2011, 09:59
Hoffentlich ...

... hat die Erste Bank schon ihre Loge für den Opernball bezahlt!

Ole
03
11.10.2011, 09:36
Erste Bank verdoppelt Aufsichtsratsgagen

http://derstandard.at/130455171... sratsgagen

Erst im Mai hat die Erst Bank die Aufsichtsratsgagen verdoppelt! Nach dem Motto: Ist auch schon Wurst. ;-)

Sandor Kocsis
00
17.10.2011, 09:56

und dann auch noch gleich alle Politiker geschimpft - noch bevor Orban zuschlug

Jackie´s Strength
00
12.10.2011, 11:35
wenigstens eine/r

dem/der dieser zusammenhang aufgefallen ist...

zum fremdschämen!

mbli
02
11.10.2011, 08:49
wir sind im würgegriff von unfähigen politikern, die geld ausgeben, das sie nicht haben und von bankern, die ihnen dieses luftgeld bereitwillig beschafft haben.

Blubber bläschen
02
11.10.2011, 08:47
es ist zunehmend zum speiben

1) vor zehn tagen, als treichl gemeint hat, er sieht keinen grund seine gewinnprognose von 800mio anzupassen, hat er natüüüürlich noch nicht ahnen können, dass er ein paar tage später alles über den haufen wirft. wäre interessant ob es da nicht vielleicht doch eine auffällige häufung an gewissen handelstätigkeiten an der wiener börse dazwischen gab...ich hoffe die fma prüft das.

2) jahrzehnte lang haben rbi, erste, unicredit, volksbank et al. wunderbar an den geschäften im osten verdient, auch weil die österreichischen banken den ruf hatten, wenig fragen zu stellen. jetzt gehens (eh nur teilweise) baden, und schreien nach der hilfe des staates...den verlust habens duch die gewinne der letzten jahre locker drin.

pfui.

Dreistein
 
00
11.10.2011, 09:30

Wo haben Sie den Treichl nach Staatshilfe schreien gehört? Abgesehen davon bleibt die Prognose für den Operativen Gewinn aufrecht. Die Erste fühlt sich eben stark genug, einen Gewinn in einen buchhalterischen Verlust umzuwandeln, indem man die Ostbeteiligungen mehr oder weniger zur Gänze auf einmal abschreibt und nicht darauf wartet wie und ob sich die Lage beispielsweise in Ungarn weiter verschlechtert. Denn eines ist klar. Wir stehen am Vortag eines riesigen europäischen Länder- und Bankenzusammenbruchs. Da ist es richtig, wenn man diese Situation schon im Voraus einpreist.

-soso-
01
11.10.2011, 08:45

ich überleg gerade was passieren würde, wenn ich in meinem job nur 100.000 versemmelt hätte. wäre ich wohl noch in amt und würden? naja ... eigentlich lohnt es sich nicht darüber nachzugrübeln, das ist eine andere welt.

des is mei extra
22
11.10.2011, 08:35

Ja klar, die pösen pösen Banken mit den pösen pösen gierigen Bankstern...

Und wir?

Beschäftigen Putzkräfte, Pflegepersonal, Handwerker, Mechaniker, etc. am Liebsten im Pfusch.

Halten und für Charly Sheen in Wall Street wenn wir fürs Häuslbauen einen Fremdwährungskredit oder für die Altersvorsorgen den Fonds mit dem höchsten Risiko aussuchen - und wenn dann was schiefgeht, wars der pöse Berater der uns das alles ja nicht erklärt hat.

Wir wollen am liebsten gratis telefonieren, aber wenn deshalb der Kundenservice schei*e ist oder Jobs ins Ausland verlagert werden, dann regen wir uns auf wie die Weltmeister.

susi strolcher
03
11.10.2011, 08:57
und wenn wir das nicht tun

werden wir von allen als beschränkte urstrumpftanten hingestellt, die nicht wissen wie der hase läuft. das ist die weltweite kultur der buberl partien, die in den 80gern ihren lauf nahm, durch den zusammenbruch der sowjetunion ein gefühl der unverwundbarkeit bekam und jetzt ihr hohles inneres nicht mehr verbergen kann.

des is mei extra
31
11.10.2011, 08:38

Wir leben in einer der reichsten Gesellschaften der Welt, aber wenns ums Spenden für die ärmsten Schweine auf diesem Planeten geht, dann kennen wir natürlich 67 kompetente Youtube Videos als Beleg dafür, dass Spenden ja eh nix bringt und überhaupt gehts bei uns den Leuten ja viel dreckiger (wie sogar hier in diversen Kommentaren argumentiert wurde).

Hauptsache wir finden für jedes Thema den geeigneten Sündenbock (Banken, Griechen, Ausländer, DiCo, etc.)

Dieses Land hat ein Problem - aber der Kopf des Fisches stinkt nur so stark, weil schon der Rest des Fisches fault...

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