Ein Taschengeld für Phettberg

12. Oktober 2011, 12:01
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Nach der Kolumne über den einstigen Liebling der Bohemiens meldet sich sein Sachwalter zu Wort

Noch am gleichen Tag kam ein Mail von Michael Pilz. In der Regel bedeutet so etwas nichts Gutes: Anwälte schreiben Journalisten meist nur dann mit offiziellem Briefkopf, wenn es ein Problem gibt. Oder ein Problem dräut: Wenn ein Anwalt sich noch am Tag des Erscheinens eines Artikels meldet, läuten bei Journalisten die Alarmglocken. Auch wenn man sich keiner Schuld oder bösen Tat bewusst ist. Michael Pilz ist Anwalt. Er vertritt Hermes Phettberg

Aber Michael Pilz drohte nicht mit einer Klage: Er habe, erklärte er, die Geschichte über das Treffen mit (oder eher: das Ausweichen vor) Hermes Phettberg zwar mit "gemischten Gefühlen" gelesen, könne aber eines bestätigen: "Die Fakten, die Sie über Hermes Phettberg schildern, treffen zu." Und das schreibe er als jemand, der Phettberg wirklich kennt: Die Kanzlei von Pilz besachwaltet Phettberg seit 2007. Auf ausdrücklichen und eigenen Wunsch des in Finanzangelegenheiten seit jeher untalentierten Ex-Talkmasters und Falter-Predigers.

Arbeit für einen Vergessenen

In dieser Funktion – für die die Kanzlei, das nur nebenbei, keinen Cent verrechnet oder erhält – habe man den heute Schwerkranken zum einen vor dem Privatkonkurs bewahren können. Zum anderen habe man in seiner Wohnung die notwendigsten Reparaturen und Arbeiten veranlasst und auch dafür gesorgt, dass Heimhilfe und andere gute Geister dem von jenen Vergessenen, die sich in seinen Glanzzeiten selbst gern als seine "Freunde" oder "Förderer" gerierten, zur Verfügung stehen.

Auch die Summe, von der der einst so Prominente, Schulterbeklopfte und Gefeierte, heute lebt, nennt Pilz: Es ist ein grotesk geringfügiger Betrag – mit dem man über-, aber nicht leben kann.

Menschliche Zuwendung und Geld

Darum, so der Sachwalter, habe er eine Idee. Eine Bitte. Gerade angesichts der vielen Reaktionen auf die Kolumne Phettbergs Fall, waren wir uns einig, sollte es möglich sein, sie umzusetzen: "Was Hermes wirklich braucht, ist derzeit – neben menschlicher Zuwendung und persönlicher Betreuung – Geld," schreibt Pilz.

Es gehe da, betont der Sachwalter, nicht um Überlebenswichtiges – sondern um Geld für Lebensqualität: Taxifahrten zu jenem Arzt etwa, der Phettberg einmal in der Woche (unentgeltlich und ohne "Seht, wie gut ich bin!"-Rufe) behandelt. Geld für gesunde Nahrungsmittel und Obst. Geld für einen Kaffee zwischendurch. "Nennen wir es 'Taschengeld für Phettberg'", so der Jurist.

Daueraufträge

Er denke, so Pilz, daher auch nicht an einen einmaligen Spendenaufruf – sondern hoffe auf mehrere kleine Daueraufträge, die in Summe aber doch ... und so weiter: "Wenn wir Hermes 300 Euro im Monat geben können, wäre sehr viel erreicht." Als Gegenleistung gäbe es kein Rampenlicht. Kein öffentliches Schulterklopfen: Den Taschengeldanteilszahlern könne er aber die "Gestionen" anbieten – das ist der Newsletter des schwerkranken Ex-Talkers. Interessenten bittet Pilz daher, sich unter der Mailadresse phettberg@jus.at zu melden. (Auch andere Ideen und sonstige Hilfe wären willkommen – Pilz behält es sich allerdings vor, unpassende Angebote abzulehnen. Dankend zwar, aber bestimmt.)

Freilich, fügt Pilz hinzu, sei da schon noch etwas zu sagen: "Wenn darüber hinaus ein oder mehrere SpenderInnen bereit wären, das nächste Mal nicht am Trottoir abzubiegen, wenn Hermes ihnen entgegen kommt, oder ihn gar einmal ins Kaffeehaus einladen, wäre das auch nicht schlecht." Das ging wohl an mich. Touché. (Thomas Rottenberg, derStandard.at, 12.10.2011)

  • Hermes Phettberg im August 2007 bei der Premiere des Films "Fashion Victims".
    foto: thomas rottenberg

    Hermes Phettberg im August 2007 bei der Premiere des Films "Fashion Victims".

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