"Wie ausgewechselt": Der Komödienstar, der aus dem Fernsehen kam

10. Oktober 2011, 17:02
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US-Schauspieler Jason Bateman avanciert seit der schrägen US-TV-Serie "Arrested Development" zum Leading Man in Hollywood - Seine jüngste Hauptrolle spielt er in der Komödie "Wie ausgewechselt"

Wien - Das Leben von Dave ist durchgetaktet: Er ist erfolgreicher Wirtschaftsanwalt und erfüllt als Vater von drei Kindern seinen Teil an Elternpflichten. Der Alltag von Daves Jugendfreund Mitch ist das exakte Gegenteil dieser verantwortungsvollen Erwachsenenexistenz. Nach einer gemeinsam durchzechten Nacht sprechen die beiden einen fatalen Wunsch aus - und erwachen am nächsten Morgen in der Haut und im Leben des jeweils anderen.

Wie ausgewechselt / The Change-Up heißt folglich David Dobkins aktuelle, sympathisch turbulente Komödie mit einem Einschlag Ekel-Comedy à la Farrelly-Brüder und Judd Apatow (und einem R-rating, einer eingeschränkten Jugendfreigabe in den USA). Während Ryan Reynolds darin dem planlosen, triebgesteuerten Mitch seinen Körper leiht, wird sein Antagonist von Jason Bateman gespielt:

Bateman, Jahrgang 1969, stand bereits als Teenager für US-Fernsehserien vor der Kamera (Unsere kleine Farm, u. a.). Das führte auch zu einigen Filmrollen, der wirkliche Durchbruch des Schauspielers kam jedoch erst mit der etwas unorthodoxeren Serie Arrested Development (2003-2006), wie er im Gespräch mit dem Standard bestätigt: "Die Serie war nicht zuletzt sehr beliebt bei Leuten aus dem Filmgeschäft. Das war ein Glück für mich, weil diese Leute die Jobs vergeben." Im Zentrum von Arrested Development steht eine dysfunktionale kalifornische Sippe, Bateman spielt darin den Sohn, der versucht zu retten, was schwer zu retten ist.

Improvisationskunst

Als Schauspieler lernte er dabei den neuen semidokumentarischen Stil schätzen, der spätestens seit Serien wie Curb Your Enthusiasm beim Fernsehen gepflogen werde: realitätsnaher und eben "nicht stilisiert". Dieses improvisiert wirkende Spiel findet sich stellenweise auch in Wie ausgewechselt wieder.

Man habe bereits in der Drehbuchphase daran gearbeitet, die Interaktion möglichst ungekünstelt zu halten: "Sobald wir vor der Kamera standen, hat David Dobkin Ryan und mich ermutigt, die Sache locker und leicht anzugehen - nicht als saubere Abfolge von ,dein Satz - mein Satz'. Das Publikum möchte inzwischen lieber ein bisschen dekonstruiertere Dinge sehen. Außerdem spielen wir beste Freunde, die fallen einander eben ins Wort, reden manchmal zugleich."

Batemans momentaner allmählicher Aufstieg zum Komödienstar fällt noch dazu in eine Zeit, in der das Genre einerseits von Kreativen beflügelt wird - wie jenen hinter Wie ausgewechselt, die unter anderem bei den Hochzeitscrashern oder The Hangover ihre Finger im Spiel hatten. Andererseits sind Komödien für die Studios ein gutes Geschäft. Und schließlich gelten sie im US-Kino mehr oder weniger als einziges massentaugliches Genre, in dem regelmäßig auch ernste gesellschaftliche Themen angesprochen werden:

"Ja, damit schluckt man bittere Pillen leichter. Jason Reitman, mit dem ich unter anderem für Juno gearbeitet habe, dreht beispielsweise solche Filme. Ich selbst würde als Regisseur auch gern solche ,Dramedies' drehen. Das Publikum wird wieder anspruchsvoller, will es dynamisch haben, vielfältiger - nicht entweder eine straighte Komödie oder ein straightes Drama. Ich glaube, die Leute sind bereit, hierhin und dahin geführt zu werden, Wechsel im Tonfall mitzumachen."

Denn, so Bateman, der fürs kommende Jahr neben einer Kinoversion von Arrested Development auch ein eigenes Filmprojekt plant, man müsse Komödien erden: "Man kann nur lachen, wenn etwas zuordenbar ist, in einer sozialen Wirklichkeit verankert, es kann nicht einfach nur superdämlich sein. Erst dann trifft es dich bis in die Eingeweide, dass das ja auch etwas mit dir selbst zu tun hat - und das steigert die Komik."

Figuren mit "Löchern"

Auf der Leinwand ist Bateman nicht zum ersten Mal in der Rolle eines überforderten, nur widerwillig Verantwortung zeigenden Mannes zu sehen - ob er lieber einen anderen Typ spielen würde?

"Ich suche nach Figuren, die nicht perfekt sind. Jemand, der alles im Griff hat, ist ja nicht lustig. Komödien leben von Fehlern, Verletzlichkeit, Unvollkommenheit - es ist wichtig, Figuren zu finden, die ,Löcher' haben. Es ist dann ziemlich komisch, wenn diese dann vorgeben, alles sei in Ordnung. Und zu meinem Glück werden immer wieder solche Figuren erfunden." (Isabella Reicher, DER STANDARD/Printausgabe 11. Oktober 2011)

 

Ab Freitag im Kino

  • "Jemand, der alles im Griff hat, ist nicht lustig.": Jason Bateman 
führt in der US-Komödie "Wie ausgewechselt" den Beweis für diese These.
    foto: upi

    "Jemand, der alles im Griff hat, ist nicht lustig.": Jason Bateman führt in der US-Komödie "Wie ausgewechselt" den Beweis für diese These.

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