Nobelpreis: Die Rückkehr der Staatsskeptiker

KrisenFrey, 10. Oktober 2011, 14:40
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    foto: reuters

    Die Mitglieder der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften Per Krusell, Staffan Normark, und Torsten Persson (von links nach rechts) geben die Namen der Preisträger bekannt.

Der Nobelpreis 2011 geht nicht zufällig an zwei Ökonomen, die die Grenzen politischer Interventionen beschreiben

Anders als der Friedensnobelpreis wird mit dem Wirtschaftsnobelpreis selten ein politisches Signal ausgesandt. Aber es ist kein Zufall, dass nach einigen Jahren, in denen Ökonomen ausgezeichnet wurden, die die Grenzen des freien Marktes und Wege zum Überwinden von Marktversagen betonen (darunter auch Paul Krugman), im Jahr 2011 mit Thomas Sargent und Christopher Sims zwei Wissenschaftler den Preis erhalten haben, denen es um etwas anderes geht – nämlich die Probleme und Unzulänglichkeiten staatlicher Interventionen in der Wirtschaft.

Vor allem Thomas Sargent gehört zu jener Kerngruppe von Ökonomen, die in den siebziger Jahren die Schule der Rationalen Erwartungen gegründet haben. Einer von ihnen,  Robert Lucas, erhielt den Wirtschaftsnobelpreis schon 1995.

In komplexen mathematischen Modellen zeigten diese Forscher auf, warum etwa (sehr vereinfacht gesagt) eine Konjukturankurbelung durch Staatsschulden – also Deficit-Spending nach den Rezepten von John Maynard Keynes -  oft weniger Wirkung zeigt als gedacht: weil die Haushalte nun mit höheren Steuern in der Zukunft rechnen und deshalb bereits jetzt ihre Ausgaben dämpfen.

Dies ist eines von vielen Beispielen von Staatsversagen – der immanenten Unfähigkeit staatlicher Politik, die von der Gemeinschaft gewünschten und dem Gemeinwohl dienenden Ziele zu erreichen.

Die Schule der rationalen Erwartungen gilt als neoliberal und marktgläubig und hat deshalb unter linksilberalen, meist keynesianischen Ökonomen einen schlechten Ruf. Seit Ausbruch der  Weltfinanzkrise wurden gerade bei uns alle Ökonomen, die an die mehr an die Effizienz der Märkte als jene der Politik vertrauen, als bonierte Ideologen ohne Realitätssinn abgetan.

Aber ihre Erkenntnisse haben über die Jahre nichts an Bedeutung verloren – mathematisch, ökonomisch und politisch.

Gerade dieser Tage erleben wir es, wie hilflos Regierungen gegenüber Wirtschaftsflaute und Marktturbulenzen agieren, wie stumpf die Instrumente des Staates geworden sind.

Und wer auf die Wurzeln der Eurokrise zurückschaut, der kann nur den Kopf schütteln über die Kurzsichtigkeit und Verantwortungslosigkeit so vieler Regierungen, die es zugelassen haben, dass sich ihre Staaten massiv verschulden und sich damit der Gnade der Finanzmärkte ausliefern.

Das Spannende an der modernen Ökonomie ist, dass die verschiedenen, oft gegensätzlichen Schulen einen Teil der Realität jeweils korrekt darstellen, ohne dass sie je zu einer absoluten Wahrheit gelangen. Wer am Ende recht hat, lässt sich objektiv nicht feststellen (weil alle beobachteten Fakten und Phänomenen auch anders erklärt werden können). Oft haben sie alle Recht – nur weiß man nie genau, wann und unter welchen Umständen.

Deshalb braucht man in der Wissenschaft und der Wirtschaftspolitik die linken und die rechten Vordenker - jene, die Marktversagen aufzeigen und dem Staat eine bedeutende Rolle zuweisen, und die anderen, die das Staatsversagen illustrieren und immer wieder daran erinnern, dass Marktkräfte nicht so leicht außer Kraft gesetzt werden können.

Alle, die diese Debatten beobachten oder sich gar daran beteiligen, haben eigene Überzeugungen und besitzen einen ideologisch-politischen Kompass, der sie leitet. Das ist unvermeidbar und notwendig. Aber wer dabei ideologische Scheuklappen trägt – und das sind leider sehr viele –, dem versäumt dabei das Wichtigste.   

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trace route
00
1.11.2011, 22:42
Die stärksten ideologischen Scheuklappen...

... trägt Frey selbst.

Es ist schon frech, den Preis für Wirtschaftswissenschaften heranzuziehen als Argument für Frey's blinde Befürwortung neoliberaler Wirtschaftspolitik.

Dass expansive Geldpolitik wenig bringt, eine Kernaussage der Schule der rationalen Erwartungen, zweifelt auch niemand an.

Dass die staatliche Unterstützung für die Banken hilfreich war, Schlimmeres zu vermeiden, ist jedoch ebenso richtig. Somit sind staatliche Inverventionen nicht völlig von der Hand zu weisen.

Dass das Modell der rationalen Erwartungen (der "Fehler" zwischen Erwartungswert und Marktpreis ist nur ein random term) öfters komplet falsch liegt, hat die Subprime Crises gezeigt. Aber schön dass auch eine falsche Theorie mit Preisen bedacht wird.

freudenstein
03
11.10.2011, 13:11
Das nenn ich Chuzpe,

wenn man auf den Trümmern einer sog. (Wirtschafts)Ideologie stehend, laut hinausruft: " Seht her, wir haben doch alles richtig gemacht ".
Aber wenn Banker heute noch Boni erhalten, warum dann nicht auch Wissenschafter den Nobelpreis.

Peter_23
01
12.10.2011, 22:54
Ähem. Es gibt doch gar keinen "Wirtschaftsnobelpreis"

Bitte mal

http://de.wikipedia.org/wiki/Prei... fred_Nobel

lesen.

carl guggelhupf
00
11.10.2011, 13:28
Ja, wundert mich auch

normaler Weise müssten die den Friedensnobelpreis bekommen...den bekommt man doch wenn man was zerstört, oder?

Peter_23
00
12.10.2011, 22:55
Nur wenn Sie US-Präsident sind oder es bald werden.

kein tee auf partys
21
11.10.2011, 13:01

das mit den ideologischen scheuklappen - der ganze neoliberale mainstream trägt schon seit jahrzehnten riesengroße ideolgische scheuklappen!

es ist höchste zeit, diese endlich abzulegen, und auch wieder leuten, die in anderen bzw. "heterodoxen" bahnen denken, bessere chancen zu geben! sonst kommen wir überhaupt nicht mehr aus der krise, die letztlich in dieser entsetzlichen marktgläubigkeit ihre wurzeln hat!

frey tut so, als ob hier beide gruppen gleich "stark" wären - eine völlig falsche darstellung des ökonomischen wissenschaftsbetriebs, der im wesentlichem vom neoliberalen mainstrem beherrscht wird!

politisch verfolgt
00
11.10.2011, 13:26
neoliberaler mainstream?

wo? in europa?
scherz.

politisch verfolgt
00
11.10.2011, 12:53
kaum jemals

wurde das versagen staatlicher intervention deutlicher als heute. die ganzen rettungspakete und konjunkturspritzen lösen die probleme nicht, sondern verschieben sie nur unwesentlich in die zukunft. sozialistische ideen haben vor allem im wirtschaftsbereich endgültig ausgedient, sie haben uns erst so richtig in die sch**** geritten. es wird höchste zeit, etwas neues zu probieren.

carl guggelhupf
10
11.10.2011, 13:25
Aber der "Markt" will das doch so....

fare1
00
11.10.2011, 11:05
Freier Markt

Freier Markt ist ein religiöser Begriff und hat mit Wissenschfat nicht zu tun

Bruno Weipl
00
11.10.2011, 09:12
.

2 solcher Typen haben doch schon mal einen Hedge-Fonds in den Ruin getrieben...ist schon ne Weile her.

her wig
03
11.10.2011, 08:53
Keynes oder nicht Keynes, das ist auch eine Frage

Keynes hat gemeint dass es vorteilhaft ist wenn der Staat einen AUSGEGLICHENEN HAUSHALT hat, der allerdings in Krisenzeiten Schulden aufnehmen kann um die Konjunktur zu stimulieren, und der dann in Aufschwungzeiten etwaige Schulden wieder abbaut bzw. einen Polster für die nächste Krise anlegt.

Damit gilt das vorgebrachte Argument der Angst vor zu hohen Staatsschulden nicht -- das gilt nur für die real existierende Politik des Wählerstimmenkaufs durch Schuldenmaximierung. Mit Keynes hat das aber nichts zu tun, ausser dass man einige seiner Argumente aus dem Zusammenhang gerissen und für diese betrügerischen Zwecke missbraucht hat.

Der Chronist
03
11.10.2011, 09:33

Der ganze Preisverleihungs-Zirkus und das name-dropping haben ja nur einen Zweck: Wirklichkeit herbeizuschreiben - so füllt man Zeitungen und Nachrichtensendungen mit "Tatsachen" und überzeugt Politiker, die das kritische Denken nie gelernt haben.

Was Keynes wirklich gesagt hat, kann nur verstehen, wer sich informiert. Die Medien können dazu nur beschränkt beitragen, aber sie versagen in diesem Punkt sogar an dieser kleinen Aufgabe kläglich. Horromeldungen und Angst verkaufen sich eben besser als Aufklärung und Aufforderung, eigenverantwortlich zu handeln und um den Staat zu kämpfen, der gewollt wird.

Massimo Del Prato
00
11.10.2011, 08:06
frey: immer offen für neues.

Aber wer dabei ideologische Scheuklappen trägt – und das sind leider sehr viele –, dem versäumt dabei das Wichtigste.

Der Chronist
00
11.10.2011, 08:40

Der Text ist wirklich elend. Aus solch ein Machwerk hätte ich von meinem damaligen Deutsch-Professor im Gymnasium schon aus inhaltlichen Gründen eine schlechte Note bekommen, obwohl der gute Mann in diesem Punkt fast alles akzeptiert hat. Stilistisch hätte es auch nicht sonderlich gut ausgesehen - einzig die Rechtschreibung hätte den Aufsatz gerettet.

Mostbluzza
00
11.10.2011, 11:36
dank euch beiden,

ja der letzte satz, gab hoffnung zur einsicht, für ihn und auch für einen selber als denkanstoss (immer wieder notwendig).

aber der inhalt sonst, ist so, ... nicht fleisch nicht fisch, alles nur gestreift.

Der Chronist
02
11.10.2011, 07:57
Es gibt gar keinen Wirtschaftsnobelpreis!

Das ist eine PR-Aktion aus dem Bankenbreich.

Tatsächlich handelt es sich um den

"Preis für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank im Gedenken an Alfred Nobel"

Das erklärt die politische Vergabe des Preises.

Diese Herrschaften sind also ebensowenig Nobelpreisträger wie der Sozialdarwinist Hayek.

mikromalist
 
21
11.10.2011, 09:08
Alle Jahre wieder ...

Blöd ist nur, dass die Ökonomiepreisträger den meisten Einfluss unter allen haben. Myron Scholes zB.

Übrigens, wäre die Welt in Finanz-Krisen nach Hayek vorgegangen (krachen lassen), wären wir aus dem Schneider.

Ein Linker,

Nik M
00
11.10.2011, 10:25

Hayek, persoenlicher Freund des moerderischen Diktator Pinochet, und Wuerdentraeger in Chile, damals Diktatur und freie Marktwirtschaft.

Sarah L.
 
00
11.10.2011, 10:03

quatsch! denn die "hätti-wari-welt" eines hayek gibt es nicht. (und zwar aus endogenen gründen, und nicht etwa wegen staatseingriff, etc. ...)
was von hayek bleibt, ist ein bündel einfacher slogans - für einfache gemüter (und politische propagandisten).

mikromalist
 
01
11.10.2011, 10:15
Ich erwarte ja nicht, dass Sie die Modelle

von S & S verstehen, aber es wird fad, wenn Sie stereotyp "quatsch" zu allem, was nicht Planwirtschaft ist, sagen.
Zu einem konkreten Phänomen haben Sie nämlich noch nie etwas inhaltliches sagen können.

Es ist die, von Ultrakonservativen und Retrolinken gemeinsam gezimmerte Botoxökonomie, die alles nur verschlimmert.
Es begann mit dem politischen Eingriff von GW Bush und verstärkte sich mit dem Geldfluten der EZB zur Befeuerung der Haushaltsdefizite.
Bei "Hayek" wäre nicht nur Lehmann gekracht und es hätte eine kurze schroffe Krise mit Neuanfang gegeben.

Aber Rertolinke, wie Sie, streiten Wahrheiten, ab, nur WEIL sie vom "Feind" kommen. Und lassen Bevölkerung lieber leiden.

Der Chronist
01
11.10.2011, 09:27

Sie verwechseln den Sozialdarwinismus des Herrn Hayek mit Marx. Das passiert echten Linken regelmäßig.

mikromalist
 
00
11.10.2011, 09:40
Sie verwechseln das Verwechseln.

Das passiert Tunnelblickern häufig.
Absicht und Ergebnis sind oft orthogonal.

Nik M
00
11.10.2011, 12:11
Bez. Tunnelblick:

stellen sie sich doch selbst die Frage: koennte etwas eintreten, das ihren Glauben an den freien Markt erschuettern wuerde?

Oder ist es nicht eigentlich per Definitionem so, dass alles, was schlecht ist auf dieser Welt, dem Kapitalismus zuzurechnen ist, waehrend der freie Markt per Definitionem die Welt so regelt, dass alles fuer alle zum Besten gestaltet wird?

mikromalist
 
01
11.10.2011, 12:23
Es kann nichts eintreten, weil

wir freien Markt noch nie hatten. Und alle Analysen und Simulationen zeigen, es ist die Kapitalakkumulation durch Monopole und Ausschalten der Märkte.
Bush sagt zu Greenspan: Idee (meine Reichenunterstützung hat nix geholfen)?
Greenspan sagt: niedrigzinsliche Hypothekarfloater und der gesamte Markt dreht durch, weil jeder Wettbewerb ausgeschaltet ist und eine Bank nach der anderen aus dem Fenster springt.

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