Richard Stallman: "Froh", dass Steve Jobs nicht mehr da ist

10. Oktober 2011, 14:46
  • Artikelbild
    foto: javi s&m / flickr

    FSF-Gründer Richard Stallman nimmt sich selten ein Blatt vor den Mund - und sorgte damit schon in der Vergangenheit immer wieder für Aufregung.

    Image: Richard Stallman, a Creative Commons Attribution No-Derivative-Works (2.0) image from javism's photostream

Kommentar des Gründers der Free Software Foundation sorgt für Aufregung

Kaum eine Seite oder ein Blog, das sich in den letzten Tagen nicht zum Ableben von Apple-Gründer Steve Jobs geäußert hat. Die Bandbreite reicht dabei von demonstrativer Gleichgültigkeit bis zu überdeutlich vorgetragener Trauer, doch kaum eine Wortmeldung hat die Gemüter so erregt, wie ein paar Zeilen von Richard Stallman, Gründer der Free Software Foundation.

Argumente

Darin verhilft dieser seiner Meinung zum Ausdruck, dass er zwar nicht über Steve Jobs' Tod erfreut sei, sehr wohl aber über den Umstand ist, dass dieser nun "weg" sei. ("I’m not glad he’s dead, but I’m glad he’s gone."). Niemand verdiene den Tod - nicht Jobs, nicht "Mr. Bill" (Bill Gates, Anm.) - aber alle würden es verdienen von Jobs' unheilvollem Einfluss auf die Computerwelt befreit zu werden.

Gefängnis

Jobs habe den "Computer als Gefängnis" "cool gemacht", um "Idioten" von ihren Freiheiten abzuhalten. Leider bleibe der Einfluss von Steve Jobs auch nach seinem Ableben erhalten, insofern könne man nur hoffen, dass seine Nachfolger weniger erfolgreich seien als Jobs selbst, resümiert Stallman.

Reaktionen

Die Zeilen des FSF-Gründers haben rasch für zahlreiche empörte Reaktion gesorgt, nicht zuletzt aus der freien Softwarebewegung selbst. So manche fordern dabei gar eine Abspaltung der Free Software Foundation, Stallman sei als Führungsfigur nicht nur wegen diesem Vorfall längst untragbar geworden. Ein Kommentar von ReadWriteWeb lässt auch nichts an Deutlichkeit vermissen: "Es ist Zeit, dass sich die Freie-Software-Welt eine neue Stimme sucht", so die einleitenden Worte. (red, derStandard.at, 10.10.11)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1154
princ3
02
16.10.2011, 18:36

Here's to the crazy ones, the misfits, the rebels, the troublemakers, the round pegs in the square holes... the ones who see things differently -- they're not fond of rules... You can quote them, disagree with them, glorify or vilify them, but the only thing you can't do is ignore them because they change things... they push the human race forward, and while some may see them as the crazy ones, we see genius, because the ones who are crazy enough to think that they can change the world, are the ones who do.

Ich wette Steve ist ein Stallman lieber als tausende die seine Worte nachplappern, einschließlich mir:)

i binsda heini
00
13.10.2011, 12:55
Interessant, dass sich keine basher hereintrauen kennen sie sich nicht aus? das stört sie ja sonst nicht.

sie könnten sonst erklären, wie das ist mit:
jobs (apple) hat nie etwas erfunden,
jobs (apple) hat nie etwas marktreif gemacht;
von jobs (apple) kauft niemand etwas;
jobs (apple) zählen mit ihren 3, 4, oder mehr Prozent überhaupt nicht.

und dann ist jobs (apple) die grosse Gefahr?

eine Erklärung wäre interessant.

run riot
00
17.10.2011, 14:17

ok, du hast recht

4simo
00
16.10.2011, 11:39
naja, ob Sie mich gleich als basher zu indentifizieren können meinen? apple hat nie etwas erfunden: angeblich dne mistkübel (den hab ich bis jetzt atari zugeordnet, was stimmt?) aber sonst? was aus sich heraus neues kam von apple? (nicht im sinne

neues als summe der vorläufer)
maus, fenster, dtp programme, geschlossenes paket aus hardware und software, mistkübel (?) kam nicht von apple.
marktreif gemacht: hat apple einiges, wobei es da auch um die gunst der stunde ging, da hat apple ein gutes gespür bewiesen
selbst die 7% am rechner sind nicht niemand, und sie haben bei den smartphone, pads, die nase vorn, nur die hatten sie auch im pc bereich, also wie lange noch?
die gefahr wird doch im, artikel genannt: das geschlossene system, das auch ein android bewirkt (wenn auch nicht so dragonisch), wird/wurde durch apple salonfähig gemacht. der unterschied liegt in der entscheidung, ob ich ein vorkonfiguriertes system im sinn der firma nutzen muss, oder kann.

milk for breakfast
00
16.10.2011, 11:37

also von wegen basher, ich bin ja kein apple-hasser, aber ich versteh zumindest die standpunkte. wenn sie wirklich den kern der kritik nicht verstehen, kann ich aber versuchen ihn ihnen zu erklären.

jobs hat eine gewisse idee transportiert. diese idee war es produkte auf das nötigste zusammenzukürzen und sie so leichter für den user verständlich zu machen. jobs selbst muss nichts erfunden haben um die produkte die apple produziert hat gewaltig zu beeinflussen. er ist der jenige der entscheidet wer in den hohen positionen im konzern sitzt und wer welche entscheidungen trifft. wenn neue zensurregeln im appstore umgesetzt wurden, trägt er letzten endes die verantwortung. er entscheidet was du am iphone haben darfst und was nicht..

Mauser
00
13.10.2011, 12:34
die rede beweist

innen wie aussen

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
13.10.2011, 00:43
?

Plötzlich soll hier im standard berechtigte kritik an der apple-fetischisten-hysterie bzw. am fragwürdigen personenkult doch erlaubt sein??!

;)

x
32
12.10.2011, 23:51

die zentrale Frage ist halt ob ich den Computer zum "herumzangeln" haben will (dafür ist Apple dann nicht erste Wahl), oder ihn für Business, Freizeit oder was auch immer einsetzen will und dafür einen haben will der einfach, problemlos und intuitiv zu bedienen ist (das wäre dann schon eher Apple).

Ist wie bei einem Auto: Will ich einfach nur damit fahren, oder lieber den halben Tag lang an den Zündeinstellungen, Stoßdämpfern oder wo auch immer herumbasteln.

run riot
00
17.10.2011, 14:15
nicht alles was hinkt ist ein vergleich

du darfst mit JEDEM auto dahinfahren wo du willst.

www.fsf.org/news/ibad_launch

4simo
00
16.10.2011, 11:43

das herumzangeln müssen ist auch bei pcs geschichte. nur ist es noch immer möglich.
die forderung nach mehr usability ist sicher von jobs aufgebracht/unterstützt worden, durch die vereinnahmung dieses themas hat er aber leider den eindruck erweckt, dass nur die von apple gefertigte usabilty die einzig wahre sei. es gibt sicher user, die damit gut fahren, aber das ist nicht zwangsweise so.

und der rest ist polemik

mekkie
00
12.10.2011, 21:50
Stallman tritt mit soviel Feingefühl auf wie

horli
01
13.10.2011, 07:22
Thomas Bernhard oder Karl Kraus?

beide übrigens sehr erfolgreich (aber zu ihrer Zeit extrem angefeindet)

simax
05
12.10.2011, 13:41
Ich sehe hier ein altes Problem !

Und das hat sehr wenig mit Technik zu tun - da hat die Open-Source Bewegung ohnehin Recht. Es hat damit zu tun wie man Leute anspricht. Glaubt denn irgendjemand ernsthaft das sich menschen für die Arggumentation öffnen die quasi von oben herab zuerst als Idioten beschimpft werden ? Dieser Tonfall und diese Haltung tragen sehr viel zum "Erfolg" von Open Source bei. Und da könnte ich kotzen. Eine hervorrgende notwendige Idee und Bewegung dermaßen zu beschädigen ist schon eine Leistung. Da kann sich Stallman durchaus ein Beispiel an Jobs nehmen - überzeugen konnte der offensichtlich besser. Und - by the way - die Art und Weise die anderen als Idioten zu beschimpfen erinnert an einige Politiker.

horli
36
12.10.2011, 15:17
Wahrheit

Vielleicht geht es dem Stallman einfach nur um die Wahrheit und nicht darum irgendwelche Idioten zu überzeugen?

CC79
12
12.10.2011, 19:58

Was bringt eine Wahrheit die von der Mehrheit nicht geglaubt wird? Wird dann die Wahrheit nicht sowieso zur Unwahrheit, da Wahrheit, oder Wirklichkeit, eine subjektive Realität ist? (quantenphysikalisch wär das ja gar nicht mal so verkehrt)

Es ist meiner Ansicht absolut logisch - und auch mit Idealismus vereinbar - wenn man nicht nur die richtige Idee hat (ich kann Stallmans Argumentation durchaus zustimmen), sondern sie auch menschlich richtig präsentiert. Es zeigt von enormer sozialer Inkompetenz, gerade jetzt so einen Verbaldurchfall zu haben wie Stallmann - egal wie sehr ich natürlich zustimme damit, dass Apples Firmenpolitik zu einer Gängelung und Geißelung des einfachen Users geführt hat, die dieser sogar wohlwollend akzeptiert.

horli
02
12.10.2011, 22:21
Es braucht radikale Polterer

Ähnlich wie Thomas Bernhard der öffentliche Skandale absichtlich provoziert hat, um die Mächtigen vorzuführen. Letztlich ist das was er damals als einziger mutiger Rufer aussprach heute Mainstream, denn es war und ist die Wahrheit. Leider wird diese nur erkannt wenn sie übertrieben und radikal ausgesprochen wird.

Argumente allein sind zu wenig. Es braucht Lärm, Skandale, Provozierung, Aktion und Reaktion zur Veränderung.

censeoiactaest
03
12.10.2011, 16:38

Stallman sieht aber auch nur die Hälfte der Wahrheit
oder sollte man eher von Wirklichkeit sprechen.

Software zu entwickeln kostet eben
Geld/Zeit/Resourcen. Die Leute, die das gratis
hergeben spenden damit ihre Zeit, die sie
dafür gebraucht haben. Das kann
manche Leute/Firmen
überfordern (nicht wegen mangelndem Idealismus)
sondern weil sie einfach ihr Leben bestreiten
müssen. Natürlich, Einblick in
Sourcecode erlauben ist nicht
unbedingt gleichzusetzen mit gratis,
für Endbenutzer aber meist schon.

Ich will nicht sagen, dass die Apples und
Microsofts die Guten sind, aber es ist einfach
ein schwieriger Spagat zwischen technischer
Weiterentwicklung und Offenheit.

CC79
02
12.10.2011, 19:55

Ich sehe das noch differenzierter: OpenSource funktioniert weil bei kognitiven Aufgaben (und das ist Software-Entwicklung nun mal) Leute nicht mehr rein von Geld motiviert werden, sondern von einer Form von Selbsterfüllung, "sense of achievement" sozusagen (natürlich muß dafür eine Grundversorgung an Geld vorhanden sein, d.h. man muß Geld als Sorge vom Tisch haben - dann kann man kreativ sein) - siehe http://www.youtube.com/watch?v=u6XAPnuFjJc

D.h. mehr Geld macht nicht bessere Software, sondern Autonomie und Selbstverwirklung schafft Menschen die kognitiv Außergewöhnliches bewirken.

Auf der anderen Seite finde ich diese PR-Ignoranz von Stallman&Co zum Kotzen. Die beste Idee muß trotzdem richtig präsentiert werden, egal wie gut sie ist.

geek!
25
12.10.2011, 11:12

recht hat er

"Computer als Gefängnis cool gemacht, um Idioten von ihren Freiheiten abzuhalten" damit hat ers auf den punkt gebracht..

wie uns schon vera birkenbihl gezeigt hat, zahlt man gerne mehr für etwas womit man sich nicht auskennt.. das trifft auf die ganzen apple fanboys super zu :D

(°)(°)
00
12.10.2011, 19:01

Das trifft auch auf den Motor in meinem Auto zu...

Trollblume
00
16.10.2011, 10:21

Gutes Argument für die Radfahrer-Lobby!

simax
13
12.10.2011, 16:48
Wie bleibt man erfolglos ?

Man belehrt von oben herab, möglichst in beleidigenden Tonfall Menschen die man eigentlich erreichen will. Natürlich hat man Recht - und alle anderen sind uneinsichtige Idioten. Das klappt zu 100% ! Ganz ganz sicher ! Echt !

Frau Helga und Ihre Töchter
00
13.10.2011, 08:49

schön auf den punkt gebracht

geek!
10
12.10.2011, 20:15

erzähl mir mehr aus deinem leben :D ich höre gespannt zu

Frau Helga und Ihre Töchter
21
12.10.2011, 10:40
widerspruch?

die vielen stallman basher vergleichen äpfel mit birnen. stallman ist nicht gegen usability sondern für freie software! unterm strich ist steve jobs der bessere verkäufer. und den mac vom netz nehmen macht diesen auch nicht freier, also ist auch diese argumentation völig daneben. keine frage, dass stallmans äusserungen aufsehen erregen, muss er aber, sonst hört ihn ja niemand.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1154

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.