Am 20. Oktober - Erstes ziviles Satellitennavigationssystem soll Europa Unabhängigkeit bringen
Es galt ursprünglich als eines der ehrgeizigsten und wichtigsten Technologieprojekte Europas. In den vergangenen Jahren machte das geplante europäische Satelliten-Navigationssystem "Galileo" aber vor allem wegen explodierender Kosten, den Streit darüber und immer wieder verschobener Zeitpläne beim Aufbau der Infrastruktur Schlagzeilen. Mit dem für 20. Oktober geplanten Start der ersten zwei von insgesamt 30 Satelliten nimmt das Projekt für ein eigenes, unabhängiges Ortungs- und Navigationssystem der Europäer nun aber Gestalt an.
Vollbetrieb von "Galileo" dürfte nicht vor 2019/20 zu erwarten sein
Die ersten voll funktionstüchtigen IOV (In-Orbit Validation)-Satelliten werden mit Hilfe von Sojus-Raketen vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana abheben. Weil Europa keine leichten und mittleren Trägerraketen besitzt, hat sich die Europäische Weltraumagentur ESA für die Zusammenarbeit mit den Russen entschieden. Ein Vollbetrieb von "Galileo" dürfte nicht vor 2019/20 zu erwarten sein.
Das aufgrund seiner bewegten Geschichte häufig als "Sorgenkind" titulierte Großprojekt ist eine gemeinsame Initiative der Europäischen Kommission und der ESA, aber auch Staaten wie China oder Indien beteiligen sich. Mit Galileo will man dem marktbeherrschenden US-Navigationssystem GPS (Global Positioning System) und dem russischen GLONASS ein eigenes System entgegensetzen und damit Unabhängigkeit erlangen. Im Gegensatz zu seinen vom Militär kontrollierten amerikanischen und russischen Pendants wird Galileo aber nur für zivile Zwecke zum Einsatz kommen und damit das erste System sein, das für den nichtmilitärischen Einsatz konzipiert ist.
Atomuhren
In einer Höhe von rund 23.200 Kilometern sollen später einmal 27 operative und drei Reserve-Satelliten in einer Größe von etwa 2,7 mal 1,2 mal 1,1 Metern - plus Solarpaneele mit einer Spannweite von 13 Metern - die Erde umkreisen. Von dort aus senden sie mit einer Leistung von je 50 Watt ihre Position und - von Atomuhren präzise ermittelte - Uhrzeit zur Erde - das Empfangsgerät, etwa ein "Navi", berechnet, wie lange die Signale unterwegs waren und ermittelt so den eigenen Standort. Je mehr Satelliten in Reichweite sind, desto genauer ist die Peilung - gebraucht werden die Signale von mindestens vier Satelliten, genutzt werden in der Regel sechs bis acht Satelliten.
So soll die Positionsbestimmung im Meter-Bereich ermöglich werden. Dies kann von verschiedenen Diensten genutzt werden, darunter ein sicherheitskritischer Dienst etwa zur Flugsicherung, Dienste für Rettungs- und Polizeieinsätze wie auch ein kostenloser "offener Dienst". In diesem offenen Bereich werden Galileo und GPS kompatibel sein, Empfangsgeräte sollten beide Signale verstehen und so eine höhere Präzision bieten. In dicht verbauten Gebieten oder im Gebirge, wo Signalabschattungen immer wieder zu Problemen führen, sollte dies Verbesserungen bringen.
Während also mit US-Seite keine Probleme bestehen, gibt es mit China, das mit "Compass" ein eigenständiges Navigationssystem aufbaut, ein Gerangel um die Nutzung von Signal-Frequenzen. Gerade beim Signal für Sicherheitsdienste könnte es aufgrund von Frequenzüberschneidungen zu Störungen kommen. Geklärt werden soll der Streit bei der für die Vergabe von Funkfrequenzen zuständigen Internationalen Fernmeldeunion (ITU). (APA)