Zuversichtlich

Umweltorganisationen: Atomstrom-Importverbot ist durchsetzbar

10. Oktober 2011, 12:55
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    foto: apa/nietfeld

    Durch ein Importverbot für Atomstrom könnte Österreich - vor allem wenn Deutschland nach Abschaltung seiner AKW dieser Maßnahme folgt - dazu beitragen, dass Tschechien und Polen ihre AKW-Ausbaupläne überdenken

Unter Berufung auf freie Wahl der Energiequellen und Gesundheitsgefährdung durch Atomkraftwerke

Wien - Die Umweltorganisationen Greenpeace und Global 2000 fordern ein Verbot für den Import von Atomstrom und halten diese Maßnahme in der EU auch für durchsetzbar. Zwei Hebel haben sie dafür ausgemacht: Einerseits sei laut EU-Recht jedes Land bei der Wahl seiner "Energiequellen" frei - die Umweltorganisationen wollen dies auch für die im Ausland befindliche Quelle des eingeführten Stroms verstanden wissen. Andererseits wollen sie Gesundheitsgefahren für die Österreicher durch grenznahe AKW geltend machen, um den freien Warenverkehr auszuhebeln.

Gleich zwei Rechtsgutachten stellten die Geschäftsführer von Greenpeace, Alexander Egit und Global 2000, Klaus Kastenhofer, am Montag in Wien vor. Demnach dürfe sowohl europarechtlich als auch nach WTO-Recht aus Gründen des Gesundheits- und Umweltschutzes der freie Warenverkehr beschränkt werden, argumentieren die Juristen Michele John und Reinhard Schanda in ihren Gutachten. Das nationale Verbot von Atomstrom-Erzeugung sei unbestritten. Aber erst durch ein Importverbot könne die indirekte Nutzung von Atomstrom verhindert werden.

Atomgipfel Ende November

EU-Recht schreibe bei der AKW-Sicherheit wie auch beim Gesundheitsschutz nur Mindeststandards vor. Weitergehende Sicherheit zu verlangen sei daher zulässig - und völlige Sicherheit gebe es eben nur bei abgeschalteten AKW bzw. ohne Importstrom, so die Argumentation.

Etwa Mitte November rechnen die Umweltschutzorganisationen mit einem weiteren Atomstromgipfel mit zuständigen Ministerien, Sozialpartnern und Energieversorgern. Schon dort sollte die Entscheidung über ein Importverbot fallen, hoffen Kastenhofer und Egit.

Zertifizierung von Strom in Europa

Voraussetzung dafür, dass Österreich die Herkunft des importierten Stroms definieren und damit Atomstrom ausschließen kann, ist die umfassende Zertifizierung von Strom in Europa. Sobald bei ausreichend Strom die Herkunft bekannt ist, kann Österreich den gesamten heimischen Bedarf mit Strom decken, der nicht aus AKW kommt. Wobei klar ist: physikalisch kann nicht verhindert werden, dass Strom aus den grenznahen Kraftwerken in heimischen Steckdosen fließt. Es geht nur darum, dass die gesamte Menge durch Atomfrei-Zertifikate abgedeckt ist. Auch wenn der Verbund Wasserkraft nach Belgien verkaufe, liefere er nicht physikalisch Strom dorthin, sondern nur die Zertifikate.

Durch ein Importverbot für Atomstrom könnte Österreich - vor allem wenn Deutschland nach Abschaltung seiner AKW dieser Maßnahme folgt - dazu beitragen, dass Tschechien und Polen ihre AKW-Ausbaupläne überdenken, meinen Kastenhofer und Egit. Denn die dortigen Kraftwerke seien ausdrücklich für den Export geplant. Damit würde das Importverbot unmittelbar zu einer geringeren Umweltgefährdung der Österreicher führen - weil weniger AKW gebaut werden, ohne dass in das grundsätzliche Recht jedes Mitgliedslandes, über seine Kraftwerke selber zu entscheiden, eingegriffen wird. (APA)

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Salz Burger
10
12.11.2011, 18:14

Ich möchte nicht, dass mir jemand vorschreibt, welchen Strom ich nutzen darf. Auf die Mischung habe ich ohnehin keinen Einfluss. Wobei es mir auch lieber wäre, ich könnte mir die Quelle selber suchen.
Also beispielsweise würde ich schon gerne Strom aus dem nächsten Flusskraftwerk haben. Sollte das zu wenig produzieren, müsste ich mich nach einer anderen Quelle umsehen und da wäre ich auch mit Strom aus dem Atomkraftwerk bei Landshut zufrieden.

Aber vermutlich ist das für die meisten Leute sowieso viel zu aufwändig. Mir reicht es eigentlich auch schon, wenn ich einmal im Jahr den Zähler ablesen muss und die Freistromtage der Salzburg-AG beantrage. Ansonsten möchte ich mit Strom nicht allzu viel zu tun haben.

Michael Schmied
00
18.11.2011, 10:01
Achtung: nicht den physikalischen Strom mit der wirtschaftlichen Beauftragung verwechseln

Wenn Sie einen (zertifizierten) Ökostromanbieter beauftragen Ihnen Strom zu liefern, wird dieser nur aus erneuerbaren Quellen den von Ihnen benötigten Strom herstellen. Sie bezahlen und fördern damit diesen Ökostromhersteller.

Aufgrund des Stromnetzes wird ein allgemeine und verlässliche Stromspannung angeboten. Physikalisch werden Sie jedoch eventuell von einem anderen Anbieter in das Netz eingespeisten Strom aus dem Netz ziehen.

Durch Ihre wirtschaftliche Entscheidung wird jedoch mehr Ökostrom produziert, und der ungesunde Hersteller wird weniger produzieren.

Ihre persönliche Entscheidung hat einen ganz entscheidenden Einfluss auf die Anbieter.

Darf ich Sie bitten über das Physikalische hinaus Ihre Entscheidung zu treffen.

Salz Burger
00
18.11.2011, 13:13

Wie erwähnt, gäbe es die Möglichkeit, meinen Strom aus dem nahen Flusskraftwerk zu beziehen, würde ich das tun.
Mit den zertifizierten Ökostrom-Anbietern kenne ich mich da nicht so aus. Aber ist es nicht so, dass es wesentlich mehr Ökostrom gibt, als Nachfrage? Wenn ich an den hohen Anteil an Wasserkraft in Österreich denke, ist der nachgefragte Ökostrom bestimmt nur ein ganz kleiner Teil. Der Rest ist dann im normalen Mix drin. Wenn ich mehr für den Strom zahle, kommt zwar zusätzliches Geld in die Stromwirtschaft, mehr Strom aus ökologisch günstigen Quellen wird aber vermutlich nicht erzeugt, weil die große Masse sich nicht darum kümmert, wie der Strom erzeugt wird.

WBR
00
18.11.2011, 13:27
Definitionsfrage

Wasserkraft kann hohe ökologische Kosten verursachen, ist deshalb nicht automatisch Ökostrom.
Nur ein sehr kleiner Teil der Wasserkraft in Österreich gilt als Ökostrom.

Salz Burger
00
18.11.2011, 14:30

Das wusste ich nicht.

Ich möchte trotzdem am liebsten Strom aus dem mir am nächsten liegenden Kraftwerk, was leider nicht möglich ist.
Wäre ich in der Nachbarschaft eines Atomkraftwerks und Freunde/Bekannte würden dort arbeiten, wäre ich dort Kunde, wenn ich es mir aussuchen könnte.

Nur DIREKTE DEMOKRATIE ist Demokratie!
23
12.10.2011, 06:40
[underreported stories, n°5] [Schauplatz] [Fukushima50]

-
DAS DORF DER STRAHLENARBEITER
www.spiegel.de/spiegel/0... 75,00.html

Es ist ein verbotener Ort, der Zutritt untersagt: In einem ehemaligen Fußballzentrum rüsten sich jeden Morgen jene Arbeiter, die das Katastrophen-Kraftwerk Fukushima unter Kontrolle bringen sollen - ein Besuch im Vorhof des japanischen Ground Zero.

[…] Sasaki zieht die Plastikhüllen von den Schuhen, dann den Papierschutzanzug

[…] Mehrere Arbeiter sind schon zusammengebrochen, 13 kamen allein im August in einen Notfallraum vor den Reaktoren 5 und 6. Ein 60-jähriger Arbeiter starb im Mai vermutlich an einem Herzanfall.

[Fortsetzung unterhalb]

Nur DIREKTE DEMOKRATIE ist Demokratie!
13
12.10.2011, 06:40

[…] Rund 18000 Arbeiter haben seit dem 11.März geholfen, die Katastrophe zu bewältigen. Die meisten von ihnen sind bei Subunternehmen beschäftigt, die ihrerseits über Zeitarbeitsagenturen rekrutieren. Viele dieser Aushilfen haben schon vorher in Atomkraftwerken die Drecksarbeit gemacht. Den meisten geht es nicht darum, Japan zu retten, sondern ihre Familie zu ernähren. Auch der Bauarbeiter Sasaki ist wegen des Geldes gekommen. Eine Firma aus Hokkaido sprach ihn an. Als junger Mann hatte er in anderen Kraftwerken bei der Generalüberholung geholfen.

Fotos: www.spiegel.de/fotostrec... 72856.html

Nur DIREKTE DEMOKRATIE ist Demokratie!
12
12.10.2011, 06:06

Weil ja der STANDARD und der Großteil der Medien darüber nicht berichten:

Nur DIREKTE DEMOKRATIE ist Demokratie!
14
12.10.2011, 06:04
[underreported stories, n°4] +++ JAPAN STARTET MASSEN-KREBSTEST FÜR KINDER +++ Im Katastrophengebiet um das marode Atomkraftwerk Fukushima müssen sich rund 360000 Kinder und Jugendliche einem Krebstest unterziehen.

Gestern, Sonntag, begannen Ärzte mit der medizinischen Untersuchung von Kindern in der Region. Sie sollen auf Unregelmäßigkeiten der Schilddrüse überprüft werden. Schilddrüsen junger Menschen sind wesentlich anfälliger für Krebs als die Organe Erwachsener, wenn sie radioaktiver Strahlung ausgesetzt werden. (Kurier,10.10.)

Gerhard Ingolf
52
13.10.2011, 22:31

Was mir in Ihren Beiträgen fehlt ist der Bericht über die Zehntausenden, die seit dem Tsunami an der Beseitigung der Schäden an Straßen, Bahnlinien, Flughafen, Infrastruktur und vorher an der Bergung der zwanzigtausend Opfer gearbeitet haben. Und einen Bericht darüber, wieviele davon bei der Arbeit zusammengebrochen sind.
Im Vergleich dazu sind die Sicherungsarbeiten am AKW gering!
Dass man Vorsorgeuntersuchungen an Kindern veranlasst ist doch nicht negativ zu beurteilen, bei uns gibt es ja auch regelmäßige Untersuchungen (Mutter-Kindpass, Schularzt..)

Nur DIREKTE DEMOKRATIE ist Demokratie!
00
14.10.2011, 07:32
Herzerzog Johann
31
11.10.2011, 09:19
Wenn Argumente fehlen, ...

... kommt meist ein Verbot heraus.

Salz Burger
00
12.11.2011, 18:15

Besonders wenn man dann auch noch Angst hat, weil man sich nicht auskennt.

meine güte1
23
11.10.2011, 05:03
Verbieten kann man alles mögliche

DIe Frage ist halt, ob man bei solchen Verboten die Versorgung aufrechterhalten kann.
Österreich ist noch immer nicht energieautark, und das obwohl wir mit Wasserkraft wahrlich gesegnet sind. Erneuerbare Energien werden jetzt schon seit weiß ich wie lange massiv subventioniert, ganze Landstriche sind mit Windrädern zugepflastert und viele Dächer der Häuslbauer sind mit Solaranlagen ausgestattet - und noch immer sind wir nicht autark?

Allmählich muss die Frage gestattet sein, ob die erneuerbaren Energien tatsächlich das Potential haben, uns in ausreichendem Maße mit Energie zu versorgen. Momentan sieht es nicht so aus.

aichfelder
20
10.10.2011, 22:28

Da der Stromhandel anonym ist kann so ein Importstopp nie umgesetzt werden.
Vielleicht ist es einfach zu viel für GP und Global 2000 sich dem Problem realistisch anzunehmen.
Es muss einfach Geld in die Hand genommen werden um Netze und Erneuerbare Energiequellen auszubauen Eventuell müssen auch konventionelle Kraftwerke eben für Netzengpässe vorgehalten werden.

Jonny van Irgendwas
 
20
11.10.2011, 09:26

Ja aufpassen seit gestern hat Atomstrom ein rotes Mascherl wenn's über die Freilandlandleitung kommt. Wenn man genauer hinschaut sieht man es sehr gut !

Heavyweather
00
10.10.2011, 22:54

Du verstehst einfach nicht wie Handel funktioniert.

Jonny van Irgendwas
 
21
11.10.2011, 09:28

Handl hin Handl her Strom nimmt mal den kürzesten Weg und Strom vom Atomkraftwerken kann man nicht Umleiten vor den Landesgrenzen . Die Grünen Ökofurze sollen mal die Augen öffnen grüne Spinner .

Michael Schmied
00
18.11.2011, 11:03

Bedenken Sie: der Strom wird gekauft, das ist ein wirtschaftlicher Vorgang, kein physikalischer. Der Ökostromhersteller wird mehr Ökostrom herstellen, der umweltverschmutzende Hersteller weniger.
Das physikalische europäische Stromnetz hat damit nicht zu tun, das ist lediglich der Träger.

Wenn Sie aber die Hände hochwerfen und sagen, "Ich will aber ökologische Elektronen geliefert haben", ist das voll an der Sache vorbei.

aichfelder
10
11.10.2011, 08:06

Na klar versteh ich das nicht. Ich arbeite ja nur als Stromhändler...

Michael Schmied
00
18.11.2011, 10:33

Vielleicht disqualifizieren Sie sich damit als Stromhändler, nur haben Sie es noch nicht bemerkt.

Heavyweather
00
11.10.2011, 08:57

Dann überweist du in Zukunft Geld aus Österreich nur noch an Produzenten von sauberem Strom und keines mehr an Atom, Kohle und andere fossile Drecksäcke.

Salz Burger
00
12.11.2011, 18:21

Das wäre aber gar nicht in meinem Interesse als Kunde. Ich will nämlich vor allem Versorgungssicherheit und erwarte von den Stromhändlern, dass sie dazu beitragen, dass immer Strom verfügbar ist.

LGM
01
11.10.2011, 16:22

schon wieder diese feinfühlige Wortwahl...
Ohne die letztgenannten gäbe es in Österreich Stromabschaltungen wie weiland im Ostblock.

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