Kostenlose Öffis

"Weniger als ein Drittel der Kosten werden durch Tickets getragen"

Julia Schilly, 11. Oktober 2011, 10:13
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    foto: derstandard.at/karl gedlicka

    Ginge es nach Walter Boltz, würden die blauen Fahrscheinstempelautomaten bald der Vergangenheit angehören - im Sinne des Umweltschutzes.

Gratis Tickets für die Öffis wären eine effizentere Maßnahme für das Energiesparen als Elektroautos, meint Walter Boltz von E-Control

"Es gibt selten so eine gute Fotomöglichkeit", sagt Walter Boltz, Geschäftsführer von E-Control, bei einer Präsentation von Elektro-Autos, die als große ökologische Zukunftshoffnung gelten. In der Praxis sei eine flächendeckende Nutzung jedoch "in weiter Zukunft". Die Popularität der teuren E-Cars sei in der Bevölkerung noch enden wollend, meint Boltz. Was ihn auch gleich zur aktuellen Tarif-Diskussion der Öffis in Wien einige Argumente anführen lässt: Eine kostenlose Netzkarte für alle Öffentlichen Verkehrsmittel wäre im Moment sinnvoller, um Energie und Autoabgase einzusparen. "Damit soll eine Verhaltensänderung ausgelöst werden, die aufgrund der bisher gesetzten Verkehrsmaßnahmen nicht schnell genug erreicht wird", heißt es in einer Studie der E-Control dazu.

"Es werden sowieso weniger als 30 Prozent der Kosten durch den Verkauf von Tickets getragen. Mehr als 70 Prozent kommen aus dem öffentlichen Bereich", rechnet Boltz vor. Und die Mehrkosten für die privaten Haushalte wären überschaubar, ist er überzeugt. In Photovoltaik würde im Moment schließlich auch investiert und Ökostrom sei am teuersten. Außerdem fielen diverse Nebenkosten im Bereich der Fahrscheine und Fahrscheinkontrolle zusätzlich weg, wenn das Öffi-Ticket gratis wäre.

Billigere Öffis, teurere Autos

Eine denkbare Variante der Finanzierung - um auch die Qualität weiterhin zu gewährleisten - wäre die steuerliche Absetzbarkeit der Netzkarten von Firmen für ihre Mitarbeiter. Walter Boltz streicht aber hervor, dass so ein Konzept nicht radikal umzusetzen ist. In einer ersten Phase könnte es zum Beispiel den Erwerbstätigen in Österreich ermöglicht werden, die Öffis für den Arbeitsweg gratis zu nutzen. "Man kann das natürlich nicht nur als einzelnen Punkt umsetzen, es wäre sinnvoll die kostenlosen Tickets mit einer City-Maut oder Parkgebühren für private PKWs zu verbinden", sagt Boltz. Es sei an der Zeit, dass öffentliche Verkehrsmittel attraktiver werden, als ihre Konkurrenz, das Auto. Dazu zähle auch die Schaffung von verkehrsfreien Zonen, so der E-Control-Geschäftsführer.

Freifahrt in Hasselt

In der flämischen Stadt Hasselt gibt es seit mehr als 14 Jahren keine Schwarzfahrer mehr: Die Busse fahren in und um die Stadt kostenlos. Die Maßnahme setzte der ehemalige Bürgermeister und spätere Minister sowie Parteivorsitzenden der sp.a Steve Stevaert durch. Zunächst meinten Kritiker, der Sozialdemokrat sei entweder ein Kommunist oder verrückt, denn Hasselt war die am höchsten verschuldete Stadt von Flandern. Inzwischen wird das Nahverkehrsprojekt in ganz Europa bestaunt. Denn von 1996 bis 2006 stieg die Zahl der Fahrgäste von täglich durchschnittlich 1.000 auf 12.600. Die Einkaufsstraßen wurden autofrei, die Innenstadt ist heute verkehrsberuhigt.

Das Gratisbusprojekt wurde unter anderem am Anfang auch dadurch finanziert, dass ein geplanter dritter Straßenring um den alten Stadtkern nicht gebaut wurde. Die anderen zwei Ringe waren unter der Woche schon hoffnungslos von Blechlawinen verstopft. Der innere Ring wurde mittlerweile von vier auf zwei Spuren reduziert. Wo früher  Straßenspuren verliefen, ist heute Platz für Bäume, Straßencafes und Radwege. Autofahrer, die nur auf Besuch oder auf der Durchreise sind, können den zweiten Ring benutzen. Es gibt außerdem kostenlose und bewachte Parkplätze, der Bus ist eine kostenlose Alternative für die Fahrt durch die Stadt.

Zersiedelt

In Österreich ist ein Gesamtkonzept für den Öffentlichen Verkehr noch nicht möglich, meint auch Boltz. Es gebe aber Siedlungsgebiete, die soweit "vom Schuss" liegen, dass deren Bewohner auch in 20 Jahren noch auf ihre Autos angewiesen sein werden, kritisiert er. Es sei verabsäumt worden sicherzustellen, dass diese Menschen an ein öffentliches Verkehrsnetz angebunden sind. (Julia Schilly, derStandard.at, 10. Oktober 2011)

Kommentar posten
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thinkonyourfeet
00
17.10.2011, 15:59
Das ist doch ein Wahnsinn.

Da kostet eine Fahrt in die Stadt 4 Euro (hin und zurück).
Diese Kosten decken aber nicht einmal ein Drittel. Die tatsächlichen Kosten sind also so bei 14 Euro. Damit kann man im Auto ca. 28 km weit fahren. Und dabei können auch noch bis zu vier andere mitkommen.
Ein "Massenverkehrsmittel" müsste doch mit den Kosten WEIT unter dem Auto liegen. Es liegt aber offensichtlich darüber. Da stimmt doch was nicht...

Stefan S11
00
12.10.2011, 13:21
auf die Pendler denkt bei der Aktion wieder niemand

Ich fahre jeden Tag 42km in die Arbeit, wenn ich mit den Öffis fahren würde, würde ich es bis Arbeitsbeginn nicht mal schaffen (ganz abgesehen davon, dass ich für diese 42km 2h50min unterwegs bin und 3mal umsteigen müsste).
Eine Teuerung bei Autos wäre fatal, ich würde nicht nur meine Arbeit verlieren (da ich ja nicht rechtzeitig mehr in die Arbeit komme), ich müsste es auch (abgesehen von den Wartezeiten) in Kauf nehmen 6 Stunden pro Tag in den Öffis zu verbringen...

Da sag ich nur --> Nein Danke!
Ich habe kein Problem wenn man Leuten die den Luxus genießen in der Stadt zu wohnen, das "aufzwingen" will. Bei denen versteh' ich teilweise sowieso nicht wenn sie nur 2km in die Arbeit haben, warum sie mit dem Auto fahren...

Fony MC
01
12.10.2011, 14:43

Ah ja, die armen Pendler. Wohnen im Grünen auf 200qm mit Pool im Garten zu Preisen zu denen in ich der Stadt gerade mal 80qm bekomme. Aber der Weg in die Arbeit ist ja so unzumutbar teuer. Vielleicht sollte man sich manchmal überlegen wo man Arbeitet und wo man sich eine Wohnung sucht.

Stefan S11
00
12.10.2011, 15:05

Ich hätte gerne eine Wohnung mit 80m² aber das kann man sich auch außerhalb der Stadt schwer leisten. Und mal ganz ehrlich: Ich würde niemals (NIEMALS) in die Stadt ziehen nur um dort zu arbeiten. Und außerhalb sieht mit Arbeitsplätzen eher mager aus.

Was da bleibt is wohl eher ein verlassenes ländliches Gebiet und unzählige Arbeitslose.

Und es ist nunmal keine Lösung alle in die Stadt zu pferchen wo die Lebensqualität eh schon fast nicht mehr gegeben ist.

Fony MC
03
12.10.2011, 19:28

Sag ich ja, best of both worlds aber kosten darf es nix.

Animation
 
00
12.10.2011, 12:35
ich mach urlaub in hasselt, danke für den tipp!!!

Animation
 
01
12.10.2011, 12:05
öko strom ist nur deshalb am teuersten

weil man die durch die verschmutzung entstehenden kosten nicht mit reinrechnet...

Lageos
21
11.10.2011, 23:52

Ich wäre für ein ÖBB-Jahresticket <500€ Öffi-Tickets in Städten ~100€ und das ganze finanziert durch Verkauf der CO2 Zertifikate an die Österreichische Industrie, City-Mauten und erweiterte Parkraumbewirtschaftung.
Falls dass noch nicht reicht gibt es sicher Förderungen und Optionen im Mineralölbereich (Diesel allgemein und für Landwirte) für Ausgleich zu schaffen sowie in dem jetzt für Klimaziele verwendeten Budget.
Schnell hätte man die CO2 Einsparungen erreicht und wahrscheinlich auch bald die nötigen Mittel zum Ausbau des öffentlichen Verkehrs.

verinus
00
12.10.2011, 08:39

wieso sollten andere steuerzahler den wienern ihre öffies blechen???

the bugger_off
00
13.10.2011, 10:42
weil die öbb nur bis pressbaum fährt, und restösterreich mit dem pferdewagen

Lambert Oitzinger
00
11.10.2011, 23:27
Wie hoch sind die Kosten ...

... für den Aufwand des Vertriebes der Karten, Anschaffung und Wartung der Automaten, des Personals (Verwaltung, Verkauf, Kontrollore), das den Vertrieb betreibt, berechnet und überwacht, die Verwaltung dieses Personals wiederum, die Betriebskosten dieses Personals (Räumlichkeiten, EDV, Heizkosten, ...) ... Internetvertrieb und dessen Wartung etc.?

Johannes St.
 
10
11.10.2011, 22:18
wäre echt interessant ob es stimmt, dass die Kosten für den Vertrieb der Tickets über dem Verkaufserlös liegen...

in Ballungszentren mit überbordenden Individualverkehr jedenfalls ein interessanter Lösungsvorschlag.

Nutze den Tag
31
11.10.2011, 21:30
Immerhin, fast ein Drittel.

Kostet nichts gibts nicht. Finde die "Alles Gratis Mentalität" nicht gut!

Faeryl
00
11.10.2011, 21:56

also her mit der citymaut ab dem gürtel oder ab der donau

-blos so-
00
11.10.2011, 21:11
ich finde es durchaus okay daß die Öffi's auch von Gemeindemitteln finanziert werden

zum einen aus Umweltschutzgründen und zum anderen hat auch jeder Autofahrer etwas davon.
Würde auch nur ein Teil der Öffi-Benutzer auf's Auto umsteigen würden wir permanent Stau in Wien haben.

Ggg14
00
11.10.2011, 20:13

Das Ganze wird natürlich nicht kommen, weil das der Wiener Neidkomplex nicht zulässt.

Sinnvoll wäre es wahrscheinlich aber schon, denn ein großer Teil der Einnahmen verschwindet doch sofort wieder in der Verwaltung dieser Einnahmen und im Verkauf der Fahrkarten selbst.

Aber das schafft auch der Häupel nicht an den Mann zu bringen.

Feigenbauer
21
11.10.2011, 18:26

ich würde selbst wenn die öffentlichen verkehrsmittel gratis wären, trotzdem mit dem auto fahren (bzw. überlege ich mir für die stadt ein moped zu kaufen).
aus dem einfachen grund:
ich gehe nicht wenig konzerte und die sind meistens unter der woche.
jetzt will cih die konzerte zu ende sehen, und nicht schon vor ende zum bus oder zur straßenbahn eilen, weil ich sonst nicht mehr zur arbeit komme.
gleiches gilt am we. ich würde manchmal länger bleiben, als bis halb 3 (in graz), aber sonst muss ich nach hause laufen, oder gleich solange durchmachen, bis die straßenbahnen wieder fahren...

Ggg14
00
11.10.2011, 20:09

Ausreden findet man immer.

Es geht ja auch nicht darum, immer öffentlich zu fahren, sondern da, wo es Sinn macht. Der Mix ist das Wesentliche und mit Gratisöffis fällt die Entscheidung für die U-Bahn eben leichter.

yotix
 
00
11.10.2011, 18:55

Du gehst zu Konzerten und schaust dort peinlichgenau drauf, dass du ja kein Bier zuviel trinkst? Macht das Spaß?

Oder bist du nicht nur egoistisch und rücksichtslos, sondern gefährdest auch noch Andere durch besoffenes Autofahren?

Faeryl
00
11.10.2011, 21:59

wer nur besoffen zu konzerten kann hat genauso einen schaden, wie jemdand der nach dem konzert besoffen fährt

ich zb trinke nur auf festivals etwas, weil ich danach meist heimfahren muss

lifestyle #749
00
11.10.2011, 17:27
p&r auhof

warum es nicht möglich sein soll eine gscheite p&r anlage nach auhof zu stellen und die zu den spitzenzeiten mit wirklich brauchbaren intervallen zu bespielen ist mir schleierhaft. die verbindung nach hütteldorf und vorallem zum westbahnhof, der sonst bald eh nix mehr zu tun hat, wäre ideal. nö soll 66% und wien 33% zahlen und gut ists. p&r in hütteldorf ist ja nett aber da sind die autos quasi schon in der stadt... *kopfschüttel*

verleih nix
00
11.10.2011, 17:45

'brauchbare' intervalle wirds nicht brauchen. ein ubahnzug, maximal zwei genügen nämlich für eine 'gscheite' pr-anlage.

baut man sie größer wird man um einen busshuttle vom parkplatz zur station nicht herumkommen. alles sinnlose gedankenspiele p&r muss draussen in nö stattfinden. solange der erwin den neuzuziehern das geld mit beiden händen nachwirft wirds das aber nicht spielen. also seien sie solidarisch und leiden eben weiter. bis zur nächsten landtagswahl.

Staatssekretär
01
11.10.2011, 16:52
Zählen die Austrian Airlines auch zum öffentlichen Verkehr?

verinus
00
11.10.2011, 15:55

ich bin prinzipiell der ansicht, dass alle leistungen kostendeckend aus den einnahmen die sie lukrieren finanziert werden sollten.

das gilt für autobahnen auf denen die lkw maut viel zu billig ist hinsichtlich ihrer fahrbahnschädigung, wie auch der öffentlichen verkehrsmittel.

der einzge grund öffentliche verkehrsmittel dem individualverkehr vorzuziehen sind die abgase und der lärm. wollte man hier gegensteuern dann sollten hier erstens strengere richtlinien eingeführt werden und höhere abgaben erhoben werden. dann kann jeder entscheiden ob er lieber auto oder öffi fährt. ist ihm der komfort mehr wert bitteschön.

gleiches gilt jedoch für die öffies. diese sind aus dem erlös der tickets zu finanzieren und nicht durch steuern.

Lt.Uhura
00
11.10.2011, 21:42
Aha,

was denken Sie würde eine ÖBB-Fahrkarte von Wien nach St.Pölten (kostendeckend) kosten? Na, mit 1000 bis 5000 € müssten Sie schon rechnen....(aber wer will schon nach St.Pölten?)

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