Psychische Gesundheit

Depressionen und Angst- und Zwangsstörungen als Sorgenkinder

10. Oktober 2011, 10:15
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    foto: reuters/kimimasa mayama

    Die Zahl der Krankenstände wegen psychischer Diagnosen stieg von 2007 bis 2009 um 22 Prozent

Bereitet Experten Sorgen: Wachstumsdynamik bei den psychischen Störungen

Wien - Etwa jeder vierte Österreicher leidet im Laufe seines Lebens an einer psychiatrischen Erkrankung. Im Jahr 2009 nahmen 900.000 Menschen wegen solcher Beschwerden Leistungen der Krankenversicherung in Anspruch. 840.000 Personen erhielten Psychopharmaka verschrieben - Tendenz stark steigend. So weit die Zahlen zum 10. Oktober, dem Internationalen Tag der psychischen Gesundheit.

Wachstumsdynamik

In Wien findet dazu das "Stephan Rudas Memorial Symposium" statt - auch zur Erinnerung an den Gründer der Psychosozialen Dienste (PSD), der am 19. Juni 2010 starb. Was die Experten auch in Österreich betroffen macht, ist die Wachstumsdynamik bei den psychischen Störungen und Erkrankungen. Im Jahr 2009 waren laut einer Untersuchung des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger rund 78.000 Versicherte der Gebietskrankenkassen aufgrund von psychischen Diagnosen arbeitsunfähig.

Die Zahl der Krankenstände wegen psychischer Diagnosen stieg laut der Untersuchung von 2007 bis 2009 um 22 Prozent, die Zahl der Krankenstände wegen körperlich bedingter Krankheiten hingegen um zehn Prozent. Die häufigsten Diagnosen sind depressive Krankheiten, Angst- und Zwangsstörungen (rund 400.000 Personen in Österreich), Alkoholabhängigkeit (etwa 330.000 Personen), Demenzen (rund 110.000 Betroffene) und Schizophrenien (1,5 Prozent der Bevölkerung).

"Keine repräsentative Untersuchung"

Zwei Experten sehen die Sachlage anders: "Wir haben keine Daten. Es gibt keine repräsentative Untersuchung", sagte der Ärztliche Leiter des Anton-Proksch-Instituts, Michael Musalek, zur Zahl der Betroffenen und zur Güte der Versorgung. Johannes Wancata, Leiter der Abteilung für Sozialpsychiatrie der MedUni Wien am AKH, bezweifelt ob es wirklich eine Zunahme der Häufigkeit von psychiatrischen Erkrankungen gibt: "Es gab Zeiten, da haben Unternehmen wie Bahn und Post Menschen mitgetragen. Mit dem Versuch, die Unternehmen effizienter zu machen, können sie diese Personen nicht mehr mittragen. Es ist wenig verwunderlich, wenn sie woanders in der Statistik auftauchen." Der Anstieg der Zahl der Invaliditätspensionen in Österreich infolge von psychischen Erkrankungen zwischen 1975 und dem Jahr 2000 auf das Siebenfache könnte auch ein Effekt dieser Entwicklung sein. Schwächere bleiben in der Arbeitswelt auf der Strecke, werden in die Krankheit getrieben.

Ob nun "neu" oder nur früher und öfter diagnostiziert bzw. von den Betroffene eher als psychische Störung wahrgenommen, Tatsache ist: das Problem ist riesengroß. Wancata: "Unter den ins Spital Aufgenommenen haben elf Prozent der Frauen eine schwere Depression, ebenso 5,5 Prozent der Männer." Ein Prozent der weiblichen Patientinnen ist alkoholkrank, dazu kommen fünf Prozent der männlichen Krankenhauspatienten. Die häufigsten psychiatrischen Diagnosen verursachen in Österreich Kosten von rund sieben Milliarden Euro jährlich.

Die Sozialpsychiatrie setzt sich für die Entstigmatisierung der Betroffenen ein. Georg Psota, Nachfolger von Stephan Rudas beim PSD: "Es ist normal, in der Kontinuität des Lebens einmal krank zu werden. Es muss aber egal sein, ob es psychische oder somatische Erkrankungen sind." (APA/red)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 61
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Harry Y.
 
00
29.10.2011, 21:52

Ich habe vor zehn Jahren, oder mehr?, meinem Psychotherapeuten gegenüber behauptet, dass Depressionen und Angststörungen die psychischen Krankheiten des 21. Jh. sein werden: weil der Mensch immer mehr vom Überwachungswahn verfolgt wird, - hab' ich mir dazugedacht. Allerdings habe ich nicht an Zwangsstörungen gedacht - eher an einer ebensolchen Zunahme von Verfolgungswahn.

orpheus1
11
12.10.2011, 09:28
Werbebeitraege der Pharmabranche

Es waere angebracht Psychopharmaka einer Effektivitaetskontrolle zu unterziehen und darueber einen Artikel zu verfassen.

Psychopharmaka die durch dauerhafte Veraenderung des Gehirnstoffwechsels Menschen zu Behinderten machen

Antidepressiva die zu Gewaltausbruechen und aufsehenerregenden Selbstmorden fuehren

Psychopharmaka fuehren zu Gehirnschrumpfung

Schadensersatz fordern, statt weiterschlucken!

Sammelklagen nach amerikanischem Vorbild waeren eine gute Antwort auf die derzeitigen Therapieansaetze der 'medizinischen Industrie'.

ca ramba
111
11.10.2011, 10:14

Liebe Psychotherapeuten,
warum ist Psychotherapie eigentlich so teuer? 80 EUR pro Stunde (oder eher 50 min) scheint die Untergrenze zu sein. 21 EUR gibt die Krankenkasse an Zuschuss. Bleiben ca. 60 EUR Kosten für den Patienten. Sagen wir einmal pro Woche Therapie = 240 EUR pro Monat.

Viele können sich das nicht leisten, auch wenn sie wollten.

phaidros
10
2.12.2011, 13:21

nicht wenige therapeuten bieten sozialtarife an. 80 EUR als untergrenze entspricht nicht meiner erfahrung. als arbeitsloser/student/wenigverdiener kommt man bei manchen psychotherapeuten deutlich billiger, und die frage ist dann von der seite der therapeuten durchaus oft "ja, wieviel koennen sie denn zahlen?"

und irgendwo muss man halt prioritaeten setzen, und gegebenenfalls auf anderes verzichten, wenns wichtig ist.

20 euro zuschuss zur therapie sind mE eh nicht wenig.

verglichen damit, was zahnaerzte so kosten (und das braucht frueher oder spaeter wirklich jeder) - krone, prothetik etc, ist das alles ein klacks.

utt=c²uxx+f
00
17.10.2011, 00:11
16 semester studieren...

müssen irgendwie wieder reingebracht werden ... ins börsel ... der verzweifelten eltern!

Chocoholic
00
13.10.2011, 15:17
Fragen Sie einmal, was die Ausbildung kostet

und wie viel Patienten so durchschnittlich am Tag kommen? Was dann an Steuern und Krankenkassenkosten dazukommt, und viele haben ja einen Mix, die Krankenkasse zahlt um die 50 Euro in der Stunde fuer einen 100% Kassenplatz.... Ich wuerd sagen, wenn der Installateur 80 verlangen darf...
Sie wuerden sich wundern, was Aerzte zum Beispiel kosten. ganz normale Untersuchung und Minimaler Bluttest beim Praktiker 370 Euro.

g.scheit
01
13.10.2011, 11:34
Teure Psychotherapie?

Ist Medizin "billiger", nur weil die Kosten besser versteckt sind - weils die Kasse zahlt, ...
Und: PsychotherapeutInnen sind meist Einzelunternehmer, dh im Lohn für eine Stunde steckt auch die Abgeltung für Dokumentation, Verrechnung, Werbung, fortgeschriebene Fortbildung, Urlaubsgeld, Krankenstandstage etc Und falls Sie mit dem Stundenlohn mit 40 Stunden/Woche hochgerechnet haben sollten, das ist kräftemäßig nicht zu schaffen. 5-6 Therapiestunden/Tag sind seriöserweise drinn. Danach braucht man Ruhe. Kein Grund zum Jammern, aber ich kenne keinen, der es mit dieser Profession zu Reichtum gebracht hat.

milch und zucker
00
12.10.2011, 07:48

ohne psychotherapeut zu sein:
davon bleibt knapp die hälfte netto. davon muss die miete für die räumlichkeiten bezahlt. eine sehr lange und teure ausbildung ist dem ganzen vorausgegangen, und und und.
der preis ist schon gerechtfertigt. es gibt aber auch genug therapeuten mit sozialtarifen (einfach mal googeln). da gibt es auch schon mal welche, die sich mit 35 euro zufrieden geben.
UND: es gibt auch volle kostenübernahme der krankenkasse.
linktipp: www.psyonline.at (da kann man nach plätzen zur vollen kostenübernahme suchen)

bonifatius pangratius
02
11.10.2011, 12:19

das hat die selben gründe, warum sie auch bei rechtsanwälten, notaren und ärzten fast immer den gleichen tarif zahlen....

ca ramba
33
11.10.2011, 12:32

Also Preiskonsens in der Branche, mit anderen Worten: Wucher auf breiter Basis.

Von Rechtsanwälten und Notaren erwarte ich eigentlich auch nichts als Geldgeilheit, Abzocke, obszönes Abcashen.

Von Psychotherapeuten erwarte ich mir aber eine andere Haltung.
Zumal psychisch Kranke sehr oft Mühe haben mit dem Geldverdienen. Hochbezahlte Karrieristen wird man unter Depressiven kaum finden.

rosebud2
03
11.10.2011, 15:12

Warum sollten Psychotherapeuten mit weniger als dem üblichen Durchschnittsstundenlohn von Handwerkern, Notaren, Anwälten etc. auskommen?

Sie haben eine teure Ausbildung, müssen die Miete für Ihre Ordinationen und Steuern zahlen. Also der Stundenlohn ist mal brutto nicht netto. Sie sind nicht die Caritas. Diese Kosten sind schon O.K.

P.S.: Bin keine Psychotherapeutin, hatte aber eine sehr gute, die jeden Cent wert ist.

martial
05
11.10.2011, 13:36

"Hochbezahlte Karrieristen wird man unter Depressiven kaum finden."

Viel öfter als man denkt. Gerade in Berufen in denen viel Durchsetzungsvermögen gefordert ist und viel Verantwortung getragen werden muss, stoßen viele an die Grenzen ihrer psychischen Belastbarkeit.

ca ramba
01
11.10.2011, 14:49

Dann sind dann solche, die aufgrund der Dauerbelastung im Job eine psychische Erkrankung entwickeln.

Dann gibt es aber noch die Depressiven, die sich schon seit vielen Jahren mit den Depris herumschlagen. Zum Teil schon seit ihrer Jugend. Diesen Leuten fehlt es von vornherein an Kraft und Stabilität für eine tolle Karriere. Finanziell schaut es daher nichts besonders gut aus.

Rhodentia
05
11.10.2011, 12:25
Fast.

Eine Anwältin (Wien) nimmt für ein kurzes Gespräch und Diktat eines 8 Zeilen-Briefes € 500.-

Soviel zu perverser Preisgestaltung.

Arnold Strong
05
10.10.2011, 22:00
Schon lange so

Das hört man doch schon seit Jahren. Und ich glaube nicht, dass man, wenn es so weiter geht, die nötige manpower an Therapeuten etc. dafür aufbringen kann.
Man sieht es auch an den Schulen. Schüler müssen tlw. monatelange Wartezeit für psychologische Betreuung in Kauf nehmen.

Panzerverband
015
10.10.2011, 19:50
Man braucht sich nur mal

die Stellenanzeigen durchzulesen: Nicht älter als 20 sein, 6 Sprachen sprechen und 3 Masterabschlüsse haben (überdurchschnittlicher Abschluss versteht sich), 5 Jahre Berufserfahrung und natürlich ein Netzwerk in der Wirtschaft aufgebaut haben.
Da braucht man sich nicht wundern, wenn das die Leut nimmer dapfeifen.

Chocoholic
00
13.10.2011, 15:19
kleiner Tipp:

trotzdem hinschreiben.

rosebud2
09
11.10.2011, 09:02

Solche Stellenanzeigen sind mir in letzter Zeit auch aufgefallen. Die Firmen wünschen sich Wunderwuzzis.
Früher hat die wichtigste Qualifikation gereicht, den Rest hat man mit Einsatz und Dazulernen geschafft.

santa fe
 
716
10.10.2011, 15:26
was uns psychisch kaputt macht, ist der pseudoreligiöse glaube an freiheit durch eigentum.

eigentum macht uns zu seinen sklaven und süchtig auf dessen absicherung, die niemals gelingen kann. an die spitze der suchtgesellschaft haben sich die süchtigsten gesetzt, die mit dem wirtschaftswachstumsdogma ein dosierungssteigerungs-programm durchsetzen, das an sich selbst kollabiert. 1% spitzensüchtige treiben 99% der bevölkerung in ihren wahnsinn, was ihnen ein gefühl der geborgenheit durch gleichgesinntheit verschafft.

wenn wir da nicht endlich aussteigen, gehen wir zugrunde. die FI (finanzindustrie) hat das

BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN für alle

zu finanzieren und zwar mit den mitteln, die sie uns geraubt hat: bankenbailouts, einsparungen bei reallöhnen und sozialleistungen. wir müssen uns von existenzangst und lohnterror befreien

Chocoholic
00
13.10.2011, 15:20
also eine ausbezahlte Eigentumswohnung ermoeglicht Ihnen

im hoeheren Alter, mit weniger Geld auszukommen, weil sie nur mehr die Betriebskosten zu zahlen haben. Am land kann man mit einem Grund dann noch durch Anbau von Gemuesen seine Ausgaben fuer gesunde Kost reduzieren. Eigentum hat schon was.

Diversion
02
11.10.2011, 11:27
und genau aus diesem grund versuche ich soviel

eigentum als "ballast" loszuwerden.

Räuber Hotzenplotz wäre heute Bankster
08
10.10.2011, 17:19
Das BGE wäre wirklich eine unserer Zeit gerechte Maßnahme und könnte zumindest das Ärgste verhindern.

Bei den Strasser-Mikl-Fekter Politikern, die wir derzeit eingesetzt haben, wird wohl allerdings außer der wahnwitzigen (und übrigens nixnutzen) Bürgerüberwachung nicht viel weitergehen.

Erasmus von Mises
65
10.10.2011, 16:14
SPAM

kann man diesem Quaqua, das in jedem Thema aufzutauchen scheint, nicht den Riegel zudrehen - simple Lösungen, die alle Probleme aus der Welt zu räumen vorgeben (wie die von ihnen vorgeschlagene, zumindest in der Weise, wie sie überall alles zuposten) haben die Welt noch selten bis gar nicht zum besseren gemacht.

Marie Sandoz
84
10.10.2011, 14:28
Bild falsch gewählt!

Wenn man weinen kann ist man schon dabei, die Depression zu überwinden.

WeltenBrand
01
16.10.2011, 14:53
das kommt auf die person an

bei mir hats ihre aussage zugetroffen, hab aber genug leute getroffen bei denens anders war.

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