Erwachsene lachen nur sechs Minuten am Tag

10. Oktober 2011, 16:03
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Lachen macht glücklich - Im Krankenhaus ist es ein wichtiges Element

Lachen und Humor gehören zu den ältesten Heilmitteln der Welt. Schon im 14. Jahrhundert glaubten die Menschen an die Heilkraft des Lachens. Dass es auch heute noch Wunder bewirken kann, weiß Petra Klapps, Fachärztin für Neurologie, die als Psychotherapeutin, Clown und Pantomimin arbeitet. „Sogar frisch operierte Patienten, denen das Lachen noch Schmerzen im Bauch bereitet, bringen ein Lachen hervor. Das kommt dann eben aus dem Hals", sagt die Trainerin bei der Tagung Humor und Gesundheit in St. Virgil, Salzburg. 

Eine Minute Lächeln zwischendurch hebt nachweisbar und fühlbar die Stimmung. Die Gesichtsmuskeln wandern zur Nase und Nervenpunkte werden aktiviert, die an das Gehirn die Aufforderung senden: „Schütte Glückshormone aus!", erläutert Klapps. Gleichzeitig wirkt Lächeln angeblich wie Lifting. Tränensäcke verschwinden und die Haut im Gesicht wird straffer. Bei einem herzhaften Lachen wird die Muskulatur besser durchblutet, die Atmung normalisiert sich, die Kreativität wird gefördert und das Immunsystem gestärkt, so die Expertin. 

Kinder lachen 400 Mal am Tag
Bevor ein Mensch überhaupt zu Sprechen beginnt, lacht er bereits. In der fünften oder sechsten Lebenswoche beginnen Neugeborene zu lächeln. Ab dem vierten oder fünften Monat lachen Kinder schon herzhaft. 400 Mal lachen Kinder durchschnittlich am Tag. Im Vergleich: Erwachsene tun es nur noch 20 Mal täglich, was in Summe etwa sechs Minuten entspricht. 

Vor 40 Jahren noch, haben Erwachsene etwa doppelt so viel gelacht, gibt Klapps zu bedenken. Dieser schwindenden Zahl an Lachern will die Neurologin entgegenwirken. Vom Beruf als Ärztin hat sie sich abgewendet. Jetzt besucht sie regelmäßig als Pantomimin und Clown ein Krankenhaus in Köln. Dabei hält sie mit ihrem „humorvollen Anderssein" anderen Menschen einen Spiegel vor und macht dann das Gegenteil von dem, was ihr Gegenüber erwartet. „Gerade im Krankenhaus und in Pflegeheimen ist es wichtig den Humor nicht zu vergessen", betont Klapps. 

Lachen wirkt Wunder

Doch was, wenn Menschen ganz einfach nicht zum Lachen ist? In einem bekannten Experiment klemmen Probanden während der Betrachtung eines Cartoons einen Bleistift zwischen ihre Zähne. Allein der Einsatz der Gesichtsmuskulatur bringt die Teilnehmer zum Grinsen. Die Wirkung des Bleistifts kommt einem stimmungsaufhellendem Medikament gleich. 

Bei Versuchspersonen, die den Stift zwischen ihre Lippen pressen, sinkt bei Betrachtung einer lustigen Bildgeschichte dagegen die Stimmung. Die Lösung für eine Krise ist der Trick mit dem Bleistift zwar nicht. Der Versuch zeigt aber, dass auch eine aufgesetzte freundliche Miene die Laune bereits deutlich heben kann. Dem Gehirn ist es offensichtlich egal ob aus purer Freude oder aber grundlos gelächelt wird. Ein billiges Antidepressivum, das zudem die Lebenserwartung erhöht. Im Durchschnitt leben humorvolle Menschen um ganze fünf Jahre länger, als humorlose. 

„Lachen und Humor sind trainierbar", ergänzt Klapps abschließend. Nicht umsonst gibt es Humortrainings und Lachseminare, in denen vorhandenes Potential erfolgreich aktiviert wird. In der Medizin ist es besonders wichtig den Menschen mit Humor zu begegnen. „Der Arzt soll den Patienten in heiterer Stimmung halten, während die Natur ihn heilt", lautet ein Grundsatz der Neurologin Petra Klapps. (derStandard.at, 10.10.2011)

  • Die Gesichtsmuskulatur steuert die Stimmungslage.
    foto: st. virgil salzburg

    Die Gesichtsmuskulatur steuert die Stimmungslage.

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