Demokratievolksbegehren

"Keine Bewegung der alten Männer und Frauen"

9. Oktober 2011, 18:48

Sprecher Burtscher: Initiative zeigt schon indirekt Wirkung - 12.000 Unterstützer

Salzburg - Der Zuspruch zu dem vor zwei Wochen vorgestellten Bürgerbegehren gegen den "politischen Stillstand" hält an. "Auf unserer Homepage www.meinoe.at haben sich bisher knapp 12.000 Menschen namentlich eingetragen", berichtete der Sprecher der Initiative, Christian Burtscher, am Sonntag der APA. Die Unterstützer kämen aus allen Altersgruppen, aus allen Teilen des Landes und aus allen gesellschaftlichen Schichten, sagte der ehemalige Landessprecher der Grünen, der einer der Initiatoren der Demokratiebewegung ist.

"Wir sind keine Bewegung der alten Männer und Frauen", rückte Burtscher das in der Öffentlichkeit entstandene Bild der Initiative zurecht. Es gebe sehr viele junge Unterstützer. Das Bedürfnis nach einer tiefgreifenden Reform des politischen Systems in Österreich gehe quer durch alle Generationen. Es sei binnen kurzer Zeit eine kraftvolle Bewegung entstanden: "Alte Männer sind gefährlich, besonders dann, wenn sie mit der Jugend gemeinsame Sache machen", scherzte Burtscher.

Er ortet schon eine indirekte Wirkung des Demokratiebegehrens - und das quer über alle Parteien hinweg. Es sei kein Zufall, dass in der vergangenen Woche SP-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas einen Vorstoß zur Einführung des Mehrheitswahlrechts unternommen habe, der Grün-Politiker Peter Pilz ein Antikorruptionsvolksbegehren fordere und FP-Obmann Heinz-Christian Strache eine Sondersitzung des Parlaments zu direkter Demokratie verlange. "Die Parteisekretariate verfolgen ziemlich genau, was sich bei uns tut", meinte Burtscher. Der Rudas-Vorschlag ziele jedenfalls in Richtung Machterhalt der SPÖ ab und habe mit den Vorschlägen des Bürgerbegehrens, das eine Stärkung der Persönlichkeitswahl vorsieht, wenig zu tun.

Persönlichkeitswahl

Primäres Ziel von "meinoe" ist, dass ab der Nationalratswahl 2013 die Hälfte der Mandate über eine Persönlichkeitswahl in den Wahlkreisen vergeben wird. Weitere Forderungen sind, dass Volksbegehren, die von 400.000 Personen unterstützt werden, zwingend eine Volksbefragung zur Folge haben sollen. Die Zahl der Landtagsabgeordneten soll halbiert werden und bei den Parteienfinanzen soll es eine vollständige Offenlegung geben. Zu den Proponenten des Bürgerbegehrens gehören unter anderem Ex-Vizekanzler Erhard Busek, der frühere zweite Nationalratspräsident Heinrich Neisser (beide V), der SP-Europaabgeordnete i.R. Herbert Bösch, der ehemalige Salzburger SP-Chef Wolfgang Radlegger, Ex-Verteidigungsminister Friedhelm Frischenschlager (LIF) sowie die Grün-Politiker Johannes Voggenhuber und Andreas Wabl.

Die Initiatoren wollen kurz vor dem Nationalfeiertag die bis dahin zusammengekommenen Unterstützungserklärungen sowie die Reaktionen von Nationalratsabgeordneten auf ihre Forderungen präsentieren. Danach soll es zur Einleitung eines echten Volksbegehrens kommen, sagte Burtscher zum weiteren Prozedere. Die dafür nötigen Unterschriften sollen bis Februar 2012 gesammelt werden. Geht alles nach Plan, dann könnte die Eintragungswoche für das Demokratiebegehren im Mai 2012 stattfinden. "Damit müsste, wenn der Druck groß genug ist, das Wahlrecht noch in dieser Legislaturperiode reformiert werden können", ist der ehemalige Grün-Politiker überzeugt. (APA)

Walter Bimini
01
11.10.2011, 19:22
lauter junge und auch keine ausrangierten politiker

garantiert ehrliche politiker

E Pie
 
00
16.10.2011, 17:24
junge politiker sind kein garant aber

möglicherweise noch nicht verdorben. demokratie muß
vorort in den gemeinden erfolgen und von unten nach oben getragen werden. nicht wie jetzt von oben nach unten vorbei regieren und die freunderln in position bringen...

khaleb
01
10.10.2011, 19:00
es geht nicht um Volksbefragung sondern um Volksabstimmung

bei einer Volksbefragung tun die bürger ihren willen kund und der nationalrat kann sich daran halten oder auch nicht.
bei einer Volksabstimmung entscheidet das Mehrheitsvotum ob der Vorschlag Gesetz wird oder nicht. Der Nationalrat hat keinen Einfluss mehr darauf.

Buntspecht12
12
10.10.2011, 11:59
Obacht!

wenn gleich ich auch Initiativen für mehr Demokratie mehr als begrüße, bin ich bei solch professionell aufgezogenen Aktivitäten vorsichtig. Was es braucht ist eine Bewegung aus der Mitte des Volkes (ein politisches Hainburg) - von BürgerInnen getragen und verbreitet. In der Schweiz genügen 100.000 - einfach gesammelte Unterschriften um den Vorschlag für eine Verfassungsänderung einer Volksabstimmung zuzuführen. 400.000 wie von meinOE verlangt, sind eine Hürde, die bei unserem System (Stimmabgage bei Gemeinde-oder Bezirksamt) jede Volksabstimmung verhindert. Sieht mir mehr nach Versuch aus, die kleinen Bewegungen die überall entstehen, aufzusaugen, zu beruhigen und ins Leere laufen zu lassen...Wer steht wirklich dahinter????

khaleb
01
11.10.2011, 22:14
wenn das mal durch ist können wir darüber reden

dann machen wir ein Volksbegehren und setzen das Limit in der daruffolgenden Volksabstimmung herab.
Aber noch können wir das nicht, noch gibts nur das Bittgesuch an den Nationalrat.

Bombayflüchtling
21
10.10.2011, 12:34

Jetzt zügeln Sie doch Ihre Paranoia :-). Die Initiative dient nicht zur Beruhigung - schauen Sie sich mal die geforderten Punkte an - sie dient der Stärkung der Demokratie. Sie will nicht nur Unterstützung sammeln, sondern aktivieren.

Sehen Sie meinoe als Hilfe zur Selbsthilfe, dann haben sie die Intention verstanden.

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