Präsidiumswahl der Rektoren

Universitäten, welch Glück!

Kommentar | Lisa Nimmervoll, 9. Oktober 2011, 18:09

Universität heute? Das ist unzumutbarer, unbetreuter Massentourismus

Sie sind Relikte aus glorreichen Zeiten: die Insignien der Universitäten. Darunter prunkvolle Zepter, die nicht nur die akademische Autonomie und Rechtsmacht der hohen Schulen symbolisierten. Wem legt man schon Gold, Silber und Edelsteine in die Hand, wenn nicht besonders geschätzten Persönlichkeiten oder Institutionen? Ja, es gab Zeiten, da hatten Universitäten diesen Status. Sie waren die hochgeachteten Inseln des Wissens, des Sinnierens, der Neugier auf die Welt, die Zukunft. Dort sollte Aufklärung ihre schönste Heimstatt haben und Licht in düstere, dumpfe, dumme Zeiten bringen.

Und Universität heute? Das ist unzumutbarer, unbetreuter Massentourismus, das ist existenziell bedrohliche Finanznot, das ist oft lebenslanges Prekariat für die Leistungsträger im Mittelbau, das ist vor allem politisches Niemandsland, das höchstens der gerade zuständige Wissenschaftsminister beackert. Universität heute ist der marginalisierte Geist, dem die Luft zum Atmen abgewürgt wird.

Aber die Universität birgt das stärkste, vitalste und subversivste Überlebenselixier in sich: Es ist die "universitas magistrorum et scholarium", die "Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden", die die Unis nicht nur für die, die ihr "angehören", zum Glücksfall machen kann. Das Beglückende an der Universität ist, dass sie sich nicht selbst genügt, sondern die Gesellschaft braucht, teilhaben lässt und in sie hineinstrahlt, wenn man sie lässt. Man sollte. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 10.10.2011)

Aung San Suu Tschi
 
00
11.10.2011, 20:01
Das journalistische Gerede über die Universität wird immer wirrer

Was wollen Sie eigentlich sagen?

A dass "Universität heute der marginalisierte Geist (ist), dem die Luft zum Atmen abgewürgt wird"

oder

B dass die Universität in die Gesellschaft hineinwirken soll?

Auf der Pharmazie wird geforscht, in der Med-Uni ebenso, auf der Technik wird geforscht & entwickelt, alles das ist Hineinwirken in die Gesellschaft.

Bei den Juristen & Sozialwissenschaftlern beschäftigt man sich IMMER mit der Gesellschaft & steht mit ihr so in einem Dialog.

Sogar bei den Germanisten weiß man über jeden, wirklich jeden lebenden öst. Literaten Bescheid, es herrscht also ein lebendiger Dialog.

Fallen Sie nicht paschal auf die schwarze Propaganda des Uni-Krankredens (damit in Zukunft nur wenige Ausgewählte studieren) hinein ?

Aung San Suu Tschi
 
00
11.10.2011, 20:05
korrigiere: "pauschal"

an kog
02
10.10.2011, 17:59

Vielen Dank für diesen kurzen und prägnanten Kommentar.
Stimmt alles. Nur ist es noch schlimmer.

Langsam muss die Produktion der nassen Fetzen massiv anlaufen.

Karl-Napp-mit-der-Batschkapp
11
10.10.2011, 12:10
Bei den Bilder von der "Inauguration" des neuen Rektors

mit diesen mittelalterlichen Isignien in mittelalterlicher Tracht ist mir der Kampfspruch der Studenten aus den 60er-Jahren eingefallen: "Unter den Talaren der Mief von tausend Jahren".

relatio subsistens
31
9.10.2011, 21:57

Leider sind zu viele Leute an der Uni einfach zu blöd.

kl41
00
10.10.2011, 10:39

Nicht nur dort.

der grammatik
04
9.10.2011, 20:52
Volle Zustimmung.

Kürzer kann die derzeitige Situation nicht auf den Punkt gebracht werden. Oder zumindest nicht viel kürzer.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.