Occupy Wall Street

Wut über den verratenen Traum

Kommentar | Frank Herrmann , 9. Oktober 2011, 18:00

Anti-Wallstreet-Protest und Tea Party: Gleiche Wurzeln, gegenteilige Schlüsse

Irgendwas passiert da gerade an der Wall Street, aber wohin es treibt, kann niemand sagen. Was vor knapp vier Wochen mit ein paar Schlafsäcken und Zeltbahnen begann, ist zu einer landesweiten Bewegung angewachsen, mit Ablegern von Boston bis Los Angeles, von Chicago bis Washington. Belächelt werden sie schon lange nicht mehr, die Demonstranten, die unter der Losung "Occupy Wall Street" im Zuccotti-Park in New York kampieren.

Wohlgemerkt, niemand hat im Ernst versucht, die Börse zu besetzen. Niemand hat Steine in die Bürofenster von Goldman Sachs oder Morgan Stanley geworfen. Nirgends werden, wie im Sommer in London, Geschäfte geplündert. Das zugige Rechteck inmitten der Straßenschluchten Manhattans ist viel zu klein, als dass sich dort Hunderttausende wie auf dem Kairoer Tahrir-Platz versammeln könnten. Und mit geradezu rührender Vorsicht sind die Protestierenden darauf bedacht, die strengen Auflagen der Polizei zu erfüllen - keine Zelte, keine Toilettenhäuschen, kein Schaden für die Blumenrabatten. Dies ist ein Camp intelligenter Debatten, kein Hauptquartier von Straßenkämpfern. Und daher umso wirkungsvoller.

Die Rebellen treffen einen Nerv, weil sie eine soziale Schieflage beim Namen nennen. Was sie auf den Punkt bringen, ist ein weitverbreitetes Gefühl, dass ein paar Schlüsselspieler des amerikanischen Kapitalismus seit Jahren gegen die Regeln des Fairplay verstoßen. Der Frust reicht weit, bis in die Reihen der Mittelklasse, seine Adressaten sind vor allem die Banker.

Kaum hatte der Steuerzahler sie vor dem Ruin gerettet, machten sie weiter, als wäre nichts geschehen. Während die Geldjongleure längst wieder üppige Boni verdienen, hat der Rest des Landes noch immer an den Folgen der Finanzkrise zu knabbern. Die Realeinkommen der Normalverbraucher sinken, die reichsten Amerikaner dagegen sichern sich ein so großes Stück vom Kuchen wie noch nie seit der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre.

Kein Wunder, dass die Zweifel an der Lebensphilosophie des Landes wachsen. Der "American Dream", jene Verheißung, dass jeder, der sich anstrengt, irgendwann die Früchte harter Arbeit erntet, ist für viele zerplatzt. Zum Beispiel für den Studenten, der sich fast zweihunderttausend Dollar Schulden aufhalsen musste, um die College-Gebühren berappen zu können, und nun bloß Gelegenheitsjobs findet. Gute, bezahlbare Universitäten waren einst die Garanten des uramerikanischen Prinzips von den gleichen Chancen für alle - die großen Durchlauferhitzer einer sozial durchlässigen Gesellschaft.

Es war die gleiche Wut auf die Exzesse der Wall Street, die einst die Tea Party entstehen ließ. Nur ging sie bei der rechten Graswurzelbewegung einher mit einer noch größeren Wut auf den Staat, der angeblich Milliarden verschleudert und die große amerikanische Freiheit bedroht. Die Graswurzelbewegung der Linken zieht aus der Misere genau den entgegengesetzten Schluss. Sie verlangt einen aktiveren Staat, der die Reichen stärker besteuert und wieder aktiver eingreift ins Wirtschaftsgeschehen.

Doch die Parallelen sind nicht zu übersehen. So wie die Tea-Party-Aktivisten ihren republikanischen Parteifreunden einheizten, setzen die linken Rebellen den Präsidenten unter Druck. Barack Obama, 2008 der bejubelte Hoffnungsträger, tanzt aus ihrer Sicht zu artig nach der Pfeife der Wall Street. (Frank Herrmann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.10.2011)

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Posting 1 bis 25 von 82
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Mex Paua
11
10.10.2011, 15:38
'Fox News Lies!' OWS owns Geraldo Rivera

http://www.youtube.com/watch?v=UzLaYBgC_VQ

Man kann leider mittlerweile davon ausgehen, dass fast sämtliche Nachrichten (kommt vlt v. Da-Nach-Richten?) manipuliert sind und nicht den Tatsachen entsprechen ... konnte man sich jemals auf die Nachrichten verlassen, oder war das immer schon eine reine Propagandamaschinerie?

trollvottel
03
10.10.2011, 15:45

Zur Medienkompetenz -- die in vielen Ländern, aber nicht in Österreich, ein wichtiges Element des Sprachenlernens in Schulen ist -- gehört eben die Fähigkeit, sich über die Intentionen eines Schreibers Gedanken zu machen...

Also Fragen zu stellen und einigermaßen nachvollziehbar zu beantworten:

Was für Reaktionen löst der Artikel in mir aus? Ist das die Reaktion, die der Schreiber von mir wollte? Wie erreicht er, dass ich so reagiere? Was hat er zB weggelassen, wo über- oder untertreibt er?

... Dazu ist ungefähr die Hälfte der Bevölkerung imstande. Der Rest glaubt meist, was er liest, falls er überhaupt liest.

-> Krone verbieten! Jetzt!

Feuergeist
 
00
11.10.2011, 15:24

Von mir gabs einmal "grün" für das Krone-Verbot

Wiesen Barbara
00
10.10.2011, 14:57
Eat the bankers

Der passende Song zur Protestwelle: www.youtube.com/watch?v=vNgNM4psRUQ

ela vie
00
10.10.2011, 12:19
viva la revolution

Kapitalismus Luege
13
10.10.2011, 11:53
Staat vs. Volk

Studenten (Gebühren) und ganze Völker Griechenland) werden in die Zinsknechtschaft geführt.

"Abschaffung des Arbeits- und Müheloseneinkommens"

lautete eine zentrale Forderung der deutschen Arbeiterpartei (DAB) und ihrer Nachfolgerin, der NSDAP.

Gerade soziale Forderungen können in geplanten Wirtschaften totalitärer Staaten enden, wie Hayek in der "road to serfdom" beschreibt.

Die Teabaggers analysieren die Situation anders. Soziale Errungenschaften und der "American Dream" müssen hart erarbeitet werden und können nicht am Kapitalmarkt fremdfinanziert werden.

Unsere Öko-Soziale Marktwirtschaft kennen die nicht - genau dort könnten sie sich nämlich treffen.

masterpiece
60
10.10.2011, 10:21
wenn es kälter wird, schnee fällt..wird der idealismus dieser sozialromantiker schnell verflogen sein.. ;-)

Schnapphahn
00
10.10.2011, 14:52
Bangster?

masterpiece
40
11.10.2011, 04:49
muss man banker sein..um nicht jeden weltverbesserungsschwachsinn..gut zu finden?

..aber um ihre frage zu beantworten..NEIN, ich bin kein banker.ich arbeite für ein internationales strategieberatungsunternehmen..und JA..die krise war ein segen für mich und meinen boni.

Feuergeist
 
00
11.10.2011, 11:27
Das ist schön,

das sie am Unheil von zig Tausenden verdienen.....
Und sie finden das ok? na dann....

Schnapphahn
01
11.10.2011, 09:35
internationales strategieberatungsunternehmen

Oh Gott ich versinke in Ehrfurcht und vor Ihren Boni.

masterpiece
00
11.10.2011, 11:06
das kann ich nachvollziehen..denn der war schon vor vielen jahren..als ich noch analyst war.. ensprechend hoch ;-)

Erzsébet Lucas
02
11.10.2011, 08:09

"internationales strategieberatungsunternehmen"

auch solche aufgeblähten Blutsauger, die nichts produktives leisten

Hoffentlich erkennt man das bald und setzt euch alle auf die Straße

masterpiece
00
11.10.2011, 11:07
...sie haben schon durchaus verständis dass ich solche polemik mit einem lächeln kommentiere ;-)) ?

Feuergeist
 
00
10.10.2011, 13:35
oder

es eskaliert vorher....

masterpiece
11
11.10.2011, 04:47
in dem fall bleibt nur zu hoffen dass die regierung dann von ihrem gewaltmonopol gebrauch macht..aber wie erwähnt..beim ersten schnee ist eh alles vorbei.

Feuergeist
 
00
11.10.2011, 10:16

und warum soll sich das wer wünschen? Damit es so weiter geht wie bisher? Sicher nicht....

masterpiece
00
11.10.2011, 11:05
ich kann ihnen sagen WARUM ich es mir wünsche.

ich bin neoliberal und voller überzeugung dass sowohl unsere politischen und wirtschaftlich-ökonomischen strukturen die einzig praktikablen sind.was wäre eine alternative? das parecon?? sicher nicht.verantwortlich für die krise ist nicht das system, sondern deren umsetzung und regulatoren...und wenn jemand aus politischer motivation die öffentliche ordnung und sicherheit stört..kann nur law&order die konsequenz sein.

Ferdinand Lachinger
010
10.10.2011, 09:11

Endlich endlich beginnen Menschen aufzuwachen und zu erkennen was da wircklich abläuft! Da liegt unsere größte Chance, nähmlich auf diese Lügen nicht mehr reinzufallen die man uns seit langem auftischt.

Zinsenfeger
06
10.10.2011, 11:22

Gut vor allem, dass endlich jemand diesem Tea-Party Wahnsinn entgegentritt. Man hat sich in den vergangenen Jahren doch gefragt, ob die ganze USA kollektiv der Verblödung entgegengeht, das ist nun endlich einmal ein anderes Signal.

Feuergeist
 
11
10.10.2011, 13:38
Nicht unfair sein

ich mag das Volk auch nicht besonders, aber de durchscnittliche Amerikaner hat nicht halb soviel Ahnung was passiert wie wir Europäer.
Von allen westlichen Industriestaaten hat die USA die strengste Zensur. Das Volk erfährt nur das was der Staat will. Alle Medien sind "gleicggeschaltet" (klingelt da was bei dem Wort?)

trollvottel
00
11.10.2011, 13:49

Tja: In Österreich könnte es natürlich NIIIIIEEE passieren, dass sich 80% der Bevölkerung von demselben rechtsextremen, rassistischen und antisemitischen Greis verhetzen lassen, und seine von den Roten gestohlene Zeitung abonnieren ...

...and miles to go before I scream
31
10.10.2011, 16:30

Wow, was für ein seltener Schwachsinn.

Feuergeist
 
00
10.10.2011, 19:02

Oh, entschuldigung, aber das stammt von einem Angehörigen der US-Botschaft den ich privat gut kenne und von einem Österreicher der 10 Jahre in den USA gelebt hat. Ich saug mir das nicht aus den Fingern.

trollvottel
00
10.10.2011, 16:11

Schon mal in Irland Fernsehnachrichten gesehen?

... mitten im Spielfillm kommt eine halbe Stunde Werbung mit Nachrichten:
Werbung
Lokalnachrichten und Autounfälle
Werbung
Lokalpolitiker bei Vernissage in Bankfiliale
Werbung
... und das war's. Internationale News kommen dort gar nicht erst; ein Mal wurde der Irakkrieg erwähnt, aber da ging es nur um "hundert unserer tapferen Burschen auf heroischem Auslandseinsatz, winkt ihnen zum Abschied" ...

... es ist ja schon schrecklich, sich vorzustellen, man hätte nur die hysterische Krone als einzigen Kontakt zur Außenwelt; irisches TV allerdings wäre eher noch schlimmer.

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