Die RektorInnen küren ihren Präsidenten

9. Oktober 2011, 17:47
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Die "Stimme der Unis" wird neu bestimmt: Heinrich Schmidinger und Gerald Bast kandidieren, vielleicht auch Wolfgang Schütz

"We had a good fight." Sie hatten einen guten Kampf. Ja, das glaubt man den beiden sofort. Und es ist nicht die schlechteste Nachrede, die ein Rektorenchef - Peter Skalicky - von einem "seiner" Minister - damals Caspar Einem - nachgesagt bekommen kann. Einem konnte auch gewiss sein, dass die Freude am unipolitischen Fight geteilte Freude war.

Skalicky, der bis 30. September dieses Jahres als Zwei-Jahrzehnte-Rektor der TU Wien ein Fünftel des Bestehens der 2010 100 Jahre alt gewordenen Rektorenkonferenz (Reko) mitgeprägt hat, war nicht nur ein legendär wortmächtiger Rektor, er war auch der erste der drei "Langzeit-Präsidenten" der Runde der Magnifizenzen, wie die förmliche Anrede für Rektoren lautet.

Ab 1995 kämpfte Skalicky fast vier Jahre lang als Rektorenchef für die Unis. Ihm folgten der langjährige Rektor der Uni Wien, Georg Winckler, der von 2000 bis 2005 amtierte, und dann vier Jahre lang WU-Rektor Christoph Badelt. Der aktuelle Präsident Hans Sünkel (TU Graz) übergibt heute, Montag, das Präsidentenamt an einen Nachfolger.

Denn die Universitätenkonferenz (Uniko) - 2008 wurde die Reko, nicht zuletzt weil mit Boku-Rektorin Ingela Bruner die erste Frau in die honorige Runde der Uni-Leitwölfe kam, umbenannt - wählt ein neues Präsidium.

Der Wahl stellen werden sich der derzeitige Vizepräsident Gerald Bast (Uni für angewandte Kunst) und Präsidiumsmitglied Heinrich Schmidinger (Uni Salzburg). Der Rektor der Medizin-Uni Wien, Wolfgang Schütz, ebenso im Präsidium, hat zwar öfters Interesse bekundet, aber nicht offensiv eine Kandidatur angekündigt.

Im Grunde ist es eine Wahl unterschiedlicher Temperamente. Die Themen liegen seit Jahren auf dem Tisch und sind "invariant in Bezug auf die sehr unterschiedlichen Unis", sagt Sünkel (Interview) und meint damit: "Ordentliche Zugangsregeln, ordentliches Budget, ordentliche Studienplatzfinanzierung."

Es geht vor allem darum, in welcher Tonlage die "Stimme der staatlichen österreichischen Universitäten" , so wird das Selbstverständnis auf uniko.ac.at definiert, künftig klingen soll. Und wichtig: "Die Effizienz ihrer Arbeit ist abhängig von der Geschlossenheit ihrer Mitglieder."

Dieser Wille zur Geschlossenheit und zur möglichst geschlossenen Repräsentanz geht so weit, dass laut Statuten bei der Wahl des Präsidiums eine fein austarierte Mischung aus wissenschaftlichen, künstlerischen und Spezial-Unis sowie der Länder zu berücksichtigen ist. Skalicky sieht darin eine "Selbstfesselung" . Die Persönlichkeit an der Spitze des Präsidiums werde dadurch umso wichtiger.

Die vier Rektorinnen und die 17 Rektoren haben nun die Wahl, ob sie für die kommenden zwei Jahre per Zweidrittelmehrheit mit dem Juristen Gerald Bast (55), der seit 2000 Rektor der Angewandten ist, einen wählen, der als früherer Beamter im Wissenschaftsministerium die Höhle des Löwen kennt, "die Tricks" (Skalicky) und "nicht festgeschriebenen Spielregeln" (Sünkel), der "Konfrontationen nicht aus dem Weg geht" (Sünkel) und "sehr gut argumentiert und dialektisch denkt" (Skalicky), oder ob ihnen Heinrich Schmidinger nach außen - gegenüber der Öffentlichkeit, gegenüber der Regierung, gegenüber dem früheren Rektorskollegen und nunmehrigen Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle - der bessere Repräsentant erscheint.

Heinrich Schmidinger (56), seit zehn Jahren Rektor der Uni Salzburg, problemerprobt, was unregulierte Massenfächer, Notfallparagrafhilfe für kollapsgefährdete Studien und Andrang aus Deutschland anlangt, wird von Sünkel als "sehr konzilianter Typ, der sehr auf Gemeinsamkeit und Harmonie und konstruktives Agieren fokussiert", beschrieben. Skalicky beschreibt den Philosophen und Theologen so: "etwas zurückgenommener und immer sehr auf tatsächliche, ruhige, ausgeglichene Lösungen aus" .

Wolfgang Schütz (63), als Rektor einer Medizin-Uni wie Bast Vertreter einer teilprivilegierten Uni - Stichwort: Zugangsregeln -, würde den Präsidenten zwar machen, will aber keine Kampfabstimmung, sondern am liebsten schon vor der Wahl eine Einigung auf eine mehrheitsfähige Person.

In jedem Fall gilt: Andere Zeiten, andere Personen, andere Kämpfe. Der Sparringpartner im Ministerium ist einer von ihnen, was Noch-Uniko-Chef Sünkel, und nicht nur er, als regelrechten "Glücksfall" empfindet. Der neue Primus inter Pares der Rektoren - für die Frauen kommt diese Wahl wohl etwas zu früh, drei sind erst seit zehn Tagen im Amt - hat es also mit einem ministeriellen Gegenüber zu tun, das alle Notwendigkeiten antizipieren kann - was aber kein Grund ist, sich in Sicherheit zu wiegen, weil da ja noch die bewegungsmüde Koalition ist.

Ex-Rektorenchef Georg Winckler rät denn auch, "nicht nichts zu tun, weil sich die Regierungsparteien nicht einig sind, sondern Themen mutig und offensiv mitzugestalten. Denn immer, wenn die Uniko versucht hat, wichtige Themen aktiv einzubringen, hat sie Bedeutung gehabt." (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 10.10.2011)

WISSEN: Vier Rektorinnen, sechs Neue, zwei unbesetzte Rektorate

Das akademische Jahr 2011/12 brachte in den Rektoraten der 21 staatlichen Unis einige Änderungen. Neu gewählt für eine vierjährige Amtsperiode ab 1. Oktober wurden:

  • Universität Wien Heinz Engl (Mathematiker)
  • Uni Graz Christa Neuper (Neuropsychologin)
  • Technische Universität Wien Sabine Seidler (Materialwissenschafterin)
  • TU Graz Harald Kainz (Bauingenieur)
  • Montan-Universität Leoben Wilfried Eichlseder (Maschinenbauer)
  • Akademie der bildenden Künste Wien Eva Blimlinger (Historikerin)

Noch offene Rektorenposten:

  • Universität Innsbruck Noch kein Nachfolger für Karlheinz Töchterle, der im April 2011 Wissenschaftsminister wurde.
  • Kunst-Universität Graz Noch kein Nachfolger für Georg Schulz, das Ministerium hat den Dreiervorschlag des Senats aufgehoben.

Für eine vierjährige Amtsperiode verlängert:

  • Universität Salzburg Heinrich Schmidinger (Philosoph)
  • Universität Linz Richard Hagelauer (Elektrotechniker)
  • Medizin-Universität Wien Wolfgang Schütz (Pharmakologe)
  • Medizin-Uni Graz Josef Smolle (Dermatologe, Beginn Amtsperiode Februar 2012)
  • WU Wien Christoph Badelt (Sozialwissenschafter)
  • Uni für angewandte Kunst Gerald Bast (Jurist)
  • Uni für Musik und darstellende Kunst Wien Werner Hasitschka (Betriebswirt)
  • Kunst-Universität Linz Reinhard Kannonier (Historiker)

Keine Neuwahl aufgrund eines Wechsels während der Amtszeit:

  • Universität Klagenfurt Heinrich C. Mayr (Informatiker, bis März 2014)
  • Mozarteum Salzburg Reinhart von Gutzeit (Musikpädagoge, bis September 2014)
  • Medizin-Uni Innsbruck Herbert Lochs (Internist, bis September 2013)
  • Universität für Bodenkultur Martin Gerzabek (Ökotoxikologe, bis November 2013)
  • VetMed-Uni Wien Sonja Hammerschmid (Molekularbiologin, bis Sept. 2014)
  • Heinrich Schmiedinger.
    foto: standard/rektorenkonferenz

    Heinrich Schmiedinger.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Gerald Bast.

  • Wolfgang Schütz.
    foto: standard/corn

    Wolfgang Schütz.

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