Mit Sloterdijk gegen den "Zwangssteuerstaat"

Kommentar der anderen9. Oktober 2011, 17:26
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Es soll dem Steuerpflichtigen überlassen werden, für welchen Zweck er das zusätzlich abgeführte Geld eingesetzt sehen will - Von David Gulda

Das laufende Wechselspiel unterschiedlicher Vorschläge der Regierungspartner zu neuen Steuern wird, so viel ist sicher, zu steigender Belastung führen.

Hierzu ein Vorschlag: Der Gesetzgeber möge die Steuererhöhung auf Grundvermögen, Einkommen oder was immer in Prozent festlegen, es aber dem einzelnen Steuerpflichtigen überlassen, für welchen Zweck er das zusätzlich abgeführte Geld eingesetzt sehen will.

Den Gedanken schuldet der Autor grosso modo dem Philosophen Peter Sloterdijk*. Er ist aber, ungeachtet der Urheberschaft, richtig und zeitgemäß. Denn das kommende Übel ist die Gelegenheit zum Systemwandel: Abkehr vom autokratischen Fiskalwesen dieser Republik und Einstieg in ein demokratisches, vom Bürger kontrolliertes Steuerverwendungssystem.

Unzweifelhaft würde der Schritt den Zahlungswillen heben. Und so mancher Gefälligkeitsstrom aus dem staatlichen Füllhorn würde flugs versiegen. Ich würde zum Beispiel öffentlichen Großbauten oder Rüstungsaufwendungen die Finanzierung verweigern. In den einen scheint der Schlendrian zu wohnen, und die anderen sind korruptionsanfällig und sowieso prinzipiell abzulehnen. Auch käme es mir nicht in den Sinn, Regierungsinserate zu sponsern oder eine Wanderung zu unterstützen, die 10.000 Menschen mit ihrem Liebling, dem blondierten Barden des verdummenden Kitsches, in den Kitzbühler Alpen unternehmen, sondern würde lieber Bildung und Justiz fördern. - So hätte jeder Steuerbürger seine Vorlieben und Abneigungen. Sicher ist, dass sich alle dafür interessieren würden, was mit ihrem Geld konkret geschieht. Und wer über das Geld bestimmt, hat die Macht. In der Demokratie sollte sie beim Volk liegen. Es wird Zeit, sie dorthin zu holen. David Gulda, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.10.2011)

*vgl. "Die Steuer ist ein Preis der Freiheit". "Frankfurter Allgemeine Zeitung", 7. 11. 2009.

DAVID GULDA ist Unternehmensleiter in Hall/Tirol

  • David Gulda: Fiskalwesen demokratisieren.
    foto: privat

    David Gulda: Fiskalwesen demokratisieren.

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