Aserbaidschan - Österreich

9. Oktober 2011, 18:29
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Auffällige Isolationstendenzen, eine herausragende Reziprozität und die tragfähige Basis für Effizienz

Das Passnetzwerk des österreichischen Teams im Spiel gegen Aserbaidschan beeindruckt durch die Ausgewogenheit in den Beziehungen und Spielanteilen. Vom Gegner in keiner Phase des Spiels übermäßig gefordert oder unter Druck gesetzt, ließ es den Ball kunstrasenadäquat flach zirkulieren und etablierte ein nicht nur ob seiner Dichte, sondern auch wegen der Regelmäßigkeit bemerkenswertes Gefüge.

Wir finden nahezu identische Doppeldreiecke an den Flanken, eine auf das Wesentliche reduzierte Viererkette und ein vergleichbar schnörkelloses Viereck zwischen Innenverteidigung und zentralem Mittelfeld. Weder bei einzelnen Spielern noch bei Teilformationen lassen sich in puncto Partizipation auffällige Isolationstendenzen erkennen. Allenfalls Arnautovic wirkt in seiner Doppelrolle als zentraler Offensivmann und hängende Spitze vergleichsweise verloren.

Die herausragende Reziprozität von Baumgartlinger und Scharner ergibt sich aus der Strategie, das Spiel über eine Mischung aus Beweglichkeit und Geduld aus einem robusten Zentrum heraus zu gestalten und zu kontrollieren. Zwischen den beiden etablierte sich eine relativ klare Aufgabenteilung. Scharner spezialisierte sich eher auf horizontale, Baumgartlinger auf vertikale Impulse.

Die Offensivachse Ivanschitz-Arnautovic-Alaba bot eine tragfähige Basis dafür, dass Janko zum ersten Mal seit langer Zeit wieder einschlug. Während Alaba mit Tempo und Kraft wuselte, beschleunigte Ivanschitz das Spiel vor allem durch Übersicht, Wachheit und einen ökonomischen Stil, der den nötigen Kontrapunkt zur tendenziell hektischen Betriebsamkeit Scharners bildete. In Jankos Effizienz blitzte eine Souveränität auf, die sich auf das konzentriert, was sie kann. Das mag sich im Vergleich mit der Verspieltheit eines Arnautovic bescheiden ausnehmen, führt aber unter geeigneten Rahmenbedingungen eher zum Ziel. (Helmut Neundlinger, DER STANDARD Printausgabe, 10. Oktober 2011)

SCHLÜSSELSPIELER*

1. Scharner 192 (97/95)
2. Baumgartlinger 183 (94/89)
3. Alaba 130 (62/68)
4. Prödl 123 (65/58)
5. Ivanschitz 118 (53/65)
6. Dragovic 111 (62/49)
7. Fuchs 103 (60/43
8. Dag 100 (60/40)
9. Arnautovic 81 (33/48)
10. Janko 67 (16/51)
11. Junuzovic 52 (24/28)
*Gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT

1. Dragovic 97 (60 von 62)
1. Prödl 97 (63 von 65)
3. Baumgartlinger 95 (89 von 94)
4. Ivanschitz 91 (48 von 53)
5. Scharner 90 (87 von 97)
6. Grünwald 88 (22 von 25)
6. Junuzovic 88 (21 von 24)
8. Dag 85 (51 von 60)
9. Alaba 82 (51 von 62)
9. Arnautovic 82 (27 von 33)
9. Fuchs 82 (49 von 60)

TEAMANTEIL ERFOLGREICHER PÄSSE

1. Baumgartlinger 15
1. Scharner 15
3. Prödl 11
4. Dragovic 10
5. Alaba 9
5. Dag 9
7. Fuchs 8
7. Ivanschitz 8
9. Arnautovic 5
10. Grünwald 4
10. Junuzovic 4
12. Janko 2

DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE

1. Scharner-Baumgartlinger 32
2. Baumgartlinger-Scharner 23
3. Dag-Scharner 20
4. Baumgartlinger-Ivanschitz 19
5. Prödl-Scharner 16
5. Fuchs-Ivanschitz 16
7. Scharner-Dag 15
7. Dag-Alaba 15
9. Alaba-Janko 13
10. Prödl-Dragovic 11
10. Dragovic-Prödl 11
10. Baumgartlinger-Dragovic 11
10. Scharner-Alaba 11

AM ÖFTESTEN ANGESPIELT

1. Scharner 95
2. Baumgartlinger 89
3. Alaba 68
4. Ivanschitz 65
5. Prödl 58
6. Janko 51
7. Dragovic 49
8. Arnautovic 48
9. Fuchs 43
10. Dag 40
11. Junuzovic 28

GABEN DIE MEISTEN PÄSSE

1. Scharner 97
2. Baumgartlinger 94
3. Prödl 65
4. Alaba 62
4. Dragovic 62
6. Dag 60
6. Fuchs 60
8. Ivanschitz 53
9. Arnautovic 33
10. Grünwald 25
11. Junuzovic 24

 

Der Ansatz
Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet, das Ergebnis wird interpretiert. In der Grafik werden die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern verdeutlicht. Die Kreisgrößen ergeben sich aus den Summen angekommener und abgegebener Pässe.

Die Analytiker
FAS.research mit Sitz in Wien und New York war schon bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 sowie bei der EURO 2008 im Einsatz und beobachtet exklusiv für den Standard Österreichs EM-Quali-Spiele.

Team
Ruth Pfosser, Helmut Neundliger, Wolfgang Streibl und Harald Katzmair

  • Artikelbild
    foto: fas research
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