Soll Freund Zugang zum Ministerium verschafft haben
London - Der britische Verteidigungsminister Liam Fox
hat erstmals Libyen besucht und weitere Hilfe für den Wiederaufbau
des Landes aus Großbritannien in Aussicht gestellt. Fox traf am
Samstag in Tripolis mit Vertretern des Nationalen Übergangsrates
zusammen und kündigte an, dass Großbritannien zusätzlich 500.000
Pfund (580.000 Euro) für den Kampf gegen die Verbreitung von Waffen
zur Verfügung stellt. Außerdem sollen zwei weitere militärische
Berater zur Unterstützung des Rates abgestellt werden. Bei einem
Besuch im September hatte der britische Premierminister David Cameron
Hilfe in Höhe von 1 Million Pfund und zwei Berater zugesagt.
Der Besuch von Fox in Libyen wurde von einem innenpolitischen
Skandal um einen engen Freund des Ministers überschattet. Fox soll
diesem mehrfach Zugang zum Verteidigungsministerium verschafft und
ihn bei Reisen mitgenommen haben, obwohl dieser kein öffentliches Amt
oder eine offizielle Berater-Rolle innehatte. Zwar können britische
Minister Berater verpflichten, dies muss aber über einen offiziellen
Prozess unter Einbeziehung des Premiers laufen. Bei dem Freund von
Fox war dies nicht passiert.
Der konservative Verteidigungsminister hatte am Freitag selber
eine Untersuchung in Auftrag gegeben, um zu klären, ob er gegen
Richtlinien verstoßen hat. Welche Vorteile der Freund, der auch
Trauzeuge von Fox bei dessen Hochzeit war, von den Reisen und Treffen
gehabt haben könnte, ist unklar.
Während Camerons Büro Fox am Samstag zunächst noch das "volle
Vertrauen" ausgesprochen hatte, forderte der Premierminister später
eine schnelle Aufklärung der Berichte. Cameron habe seinen
Top-Beamten Gus O'Donnell aufgerufen, die Untersuchung zu
beschleunigen und ihm am Montag Bericht zu erstatten, hieß es aus der
Downing Street.
Fox sagte der Zeitung "Sunday Telegraph", er habe nichts zu
verbergen und keine Angst vor "vollständiger Transparenz" in der
Sache. "Ich habe das Gefühl, hinter dieser Sache steckt etwas
anderes, und die Motivation dabei ist sehr verdächtig", sagte Fox. (APA)