Saudischer Minister: Wiener interreligiöses Zentrum ist international

9. Oktober 2011, 14:24

Muammar: "Keine wirtschaftlichen Interessen" - Saudi-Arabien "offen für andere Religionen"

Rhodos - Saudi-Arabien wehrt sich gegen Kritik am geplanten interreligiösen Dialogzentrum in Wien. "Das Zentrum ist kein saudisches Zentrum, es ist nicht von Saudi-Arabien", sagte der saudi-arabische Vize-Bildungsminister und interimistische Leiter des Zentrums, Faisal bin Abdulrahman bin Muammar, auf Rhodos. Das Forum "ist von Österreich, Spanien, Saudi-Arabien, einem internationalen Komitee mit Unterstützung des Vatikan" initiiert, erklärt Muammar am Rande des "Rhodes Forum 2011".

"Der Fokus des Zentrums liegt auf dem Gespräch über Glauben", sagt der bereits feststehende Generalsekretär des Dialogzentrums. "Wir werden über Ko-Existenz, über Gemeinsamkeiten, über die Prävention von Extremismus reden. Oder darüber, wie wir unserer jungen Generation durch Gebetsräume, Schulen und die Medien helfen können, einander zu verstehen." Es stehe außer Frage, über den Glauben der jeweils anderen im Forum zu diskutieren, da dieser jeweils "sehr respektiert" werde.

Zur Frage der Vereinbarkeit von nicht vorhandener Religionsfreiheit in Saudi-Arabien und einer saudi-arabischen Beteiligung an einem interreligiösen Zentrum, sagt Muammar: "Die Position von Saudi-Arabien wird missverstanden." Das Königreich sei zu 100 Prozent muslimisch, denn alle Bürger seien Muslime. Saudi-Arabien sei zwar "offen für andere Religionen", aber aufgrund der geltenden Scharia gebe es eine "Grenze". "Saudi-Arabien unterstützt alle Minderheiten und andere Religionen."

Frieden, Gerechtigkeit, Respekt, Toleranz und Liebe

"Wir wollen über Frieden, Gerechtigkeit, Respekt, Toleranz und Liebe reden und darüber, wie man das alles am Besten erreichen kann." Laut Muammar seien wirtschaftliche Interessen zur Vertiefung der österreichisch-saudischen Wirtschaftsbeziehungen, wie die Grünen vermuten, bei dem Aufbau des Zentrums von keinerlei Belang. Als die Initiative zur Gründung ergriffen wurde, "haben uns viele verschiedene Länder Europas eingeladen, das Zentrum aufzubauen", hält Muammar dem Vorwurf entgegen.

Auf die Frage, ob das Forum auf lange Sicht den saudischen König bei der Umsetzung von Reformen in Saudi-Arabien unterstützen soll, meint Muammar: "Wenn der König Saudi-Arabien reformieren will, dann tut er das im Land selbst. Warum sollten wir das im Ausland machen?" Er verweist darauf, dass "die meisten Reformen in Saudi-Arabien von der Regierung initiiert werden".

Allerdings hinterfrage die saudi-arabische Gesellschaft Reformen immer wieder, um sicherzustellen, dass diese nicht vom Ausland "importiert" wurden. Muammar verweist darauf, dass über 54 Prozent der Maturanten weiblich seien und dass Frauen mittlerweile "in allen Segmenten von Institutionen" arbeiten würden. "Wir haben in dieser Hinsicht viel gemacht. Allerdings muss es mit unseren Traditionen übereinstimmen." Hinzufügend sagt der Vize-Bildungsminister: "Wir hoffen, dass die Menschen in Europa eines Tages die Situation in den verschiedenen Kulturen verstehen - das möchten wir erreichen."

Gründungsvertrag soll unterzeichnet werden

Der Gründungsvertrag für das "King Abdullah Bin Abdulaziz International Center for Interreligious and Intercultural Dialogue" soll am 13. Oktober feierlich unterzeichnet werden. Laut Muammar sei der saudische König Abdallah im Vorfeld als Namensstifter von den am Aufbau beteiligten Religionsvertretern im Vorfeld aufgrund seiner Initiative ein derartiges Zentrum aufzubauen auserkoren worden. Das neun-köpfige Direktorium des Forums besteht derzeit aus drei Christen, drei Muslimen, einem Juden, einem Hindu und einem Buddhisten. Muammar zufolge könne die Arbeit des Forums in etwa drei bis vier Monaten nach der Unterzeichnung des Gründungsvertrages aufgenommen werden.

Das Rhodes Forum "Dialogue of Civilizations" findet heuer zum 9. Mal auf Rhodos statt. Diesmal handelt es von "globalen Herausforderungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vor dem Hintergrund der anhaltenden Wirtschaftskrise und den aktuellen soziopolitischen Veränderungen". Zu Gast sind u.a. der russische Vize-Außenminister Mikhail Bogdanow und Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, sowie zahlreiche Vertreter von internationalen Organisationen und Nicht-Regierungsorganisationen. (APA)

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Camilla Vanilla
00
12.11.2011, 15:58

na, da kann man sich über internationalität nur so freuen - besonders frauen! nur zu, weiter so, schwärmt aus und verbreitet die lehre und seht alles als religiöse aktivität - als gäbe es keine entwicklungen zu verlieren.

Camilla Vanilla
00
12.11.2011, 16:59
"...die situation in verschiedenen kulturen verstehen.."

so, so,

ein poster hat es schon geschrieben: religion nicht mit kultur verwechseln

jede religion kann auch missbraucht werden - von allen

jeder mensch kann im namen der religion misshandelt und unterdrückt werden. die, die das gerne zulassen sind in den augen der religionsführer dann "echte gläubige".

messt die toleranz der religionen an ihrem einverständnis, demokratisch abgestimmte gesetze als gültig zu verstehen und daran, die menschenrechte zu achten.

das geschieht nicht, wo religion benutzt wird, um menschen mit archaischen ritualen angst und damit gehorsam abzuverlangen.
das geschieht da nicht, wo frauen im namen des "richtigen denkens" zu objekten des schutzes oder des hasses gemacht werden. beides passiert zu oft.

Mediator113
05
11.10.2011, 15:24
Liebe Redaktion

Es ist eine Sache, über etwas zu berichten. Es ist aber eine komplett andere Sache offenkundige Lügen unkommentiert oder ohne Verweis auf die Faktenlage zu veröffentlichen.

Auch wenn ein saudischer Minister zitiert wird, sollte eine Qualitätszeitung zumindest einen Verweis auf Fakten machen.

" Saudi-Arabien sei zwar "offen für andere Religionen", aber aufgrund der geltenden Scharia gebe es eine "Grenze". "Saudi-Arabien unterstützt alle Minderheiten und andere Religionen." "

Ich habe selten etwas Unverschämteres gelesen.

insertnamehere
 
010
10.10.2011, 13:05
"Saudi-Arabien unterstützt alle Minderheiten und andere Religionen."

Also, DAS is schon gewaltig frech dahergelogen.

Gilgamesh
05
10.10.2011, 11:35

"..Saudi-Arabien "offen für andere Religionen".."

Sehr gut, wann bauen wir christliche Kirchen??

salman
 
00
10.10.2011, 11:29

Das Königshaus versucht, den Wahhabismus in die Mitte zu ziehen. Auch in Saudi Arabien selbst. Aber wie gesagt "versucht". Und auch nicht um jeden Preis, sprich den Machterhalt.

OttotheBusdriver
02
10.10.2011, 09:41
Die sollen uns ihr Öl verkaufen

sonst aber bitte shicen gehen.

Die Religion sollen sie sich sonstwohin stecken.

Adam Markus
13
10.10.2011, 03:02

Angesichts der wütenden Proteste von seiten der Saudiarabischen Wahabiten, bin ich geneigt dem Zentrum vorsichtig optimistisch entgegenzublicken.

Generell gilt aber schon. Wenn sich Saudis, der Vatikan, Juden, Hindus und Buddhisten gemeinsam für etwas einsetzen, kann es eigentlich nur um die Schaffung eines progressiven Frauen- und Familienbildes gehen :)

Igor Gassner
00
10.10.2011, 08:54
Sagen wir die USA würde ein Demokratiezentrum

in Nicaragua eröffnen und der Iran würde protestieren wären sie dann auch optimistisch.

NONE
26
10.10.2011, 02:09

Es ist widerlich und peinlich.

Das Saud Regime ist fanatisch religiös, um nichts besser als das Regime im Iran.

Aber weil die USA die Saudi mit aufgebaut haben, und wirtschaftlich davon profitierten, wird uns weissgemacht das die Saudi die guten sind ...

Lügen ohne Ende.

Unsere "Politiker" sind allesamt Verräter.

walter prohaska
01
10.10.2011, 08:44

das ist ein grosser irrtum, verglichen mit saudi arabien ist iran ein freiheitliches, liberales, offenes, die menschenrechte achtendes vorbildhaftes land. wie gesagt verglichen mit saudi arabien! immerhin sind andere religionen eingeschraenkt im iran zugelassen, frauen duerfen autofahren, es gibt wahlen die um viele potenenzen freier sind als in saudi arabien. der grosse unterschied, iran ist kein verbuendeter des westens.

strangerinastrangeland
 
012
10.10.2011, 01:45
So sieht die Grenze der geltenden Scharia aus:

Auf die Bekehrung eines Muslims zum Christentum steht in Saudi-Arabien die Todesstrafe durch Enthauptung (für beide Seiten) und das wird auch 2011 tatsächlich exekutiert.

Wenn ich mich recht erinnere gab es 2008 und 2009 mehrere Todesurteile wegen "Zauberei" und auf so Kleinigkeiten wie Auspeitschungen wegen Abhaltung eines Gottesdienstes oder Besitz einer Bibel braucht man dann auch nicht weiter eingehen...

chelene chirsch
01
10.10.2011, 09:12

todesurteile wegen zauberei gab es auch 2011 - da darf man optimistisch fragen, was nun die "grenzen" der schariah sein sollen... ?

strangerinastrangeland
 
01
10.10.2011, 23:18

Schwierig diese zu finden, die lassen eigentlich keine sadistische Schweinerei aus.

Ein besonderes Highlight finde ich ja, dass sich in diesem Land viele Männer freiwillig als Henker für Hinrichtungen mit dem Schwert melden.
(Es gab da vor einiger Zeit ein Interview mit einem Profihenker, dem das gar nicht gefiel, weil die Amateure so häufig daneben hauen.....)

politisch verfolgt
08
10.10.2011, 00:26
"Die Position von Saudi-Arabien wird missverstanden."

ach so, klar.
die enthauptung eines "hexers" - ein mißverständnis.
peitschenhiebe für autofahrende frauen - war doch nicht so gemeint.
steinigungen für frauen, die allein ins taxis steigen - hoppla, ein versehen.
todesstrafe für islamrenegaten - macht euch doch deshalb nicht ins hemd.

kann ja alles mal vorkommen. denn die scharia hat halt "ihre grenzen".

Sind wir denn nicht alle ein bisschen unobjektiv?
 
05
9.10.2011, 21:07
Saudi-Arabien "offen für andere Religionen"

Natürlich! ;-)
Dazu ist es noch ein tolerantes Land das Mann und Frau genau gleich behandelt...

the_suck
03
9.10.2011, 23:22

versuch mal als Touri mit einer Bibel im Gepäck einzureisen, nein versuchs nicht!

walter prohaska
09
9.10.2011, 20:07

ein 9 koepfiges gremium mit der gleichen zusammensetzung wie in wien mit sitz in saudi arabien waere wohl wesentlich wichtiger. es wuerde zum verstaendnis der nichtislamischen werte und zum abbau des hasses gegen alles unislamische in diesem land beitragen.

die naive
112
9.10.2011, 20:05
Lasst den Worten Taten folgen......

Solange weiter kopitsche Christen in Ägypten vertrieben, Christen in einigen afrikanischen Ländern verfolgt werden, weltweit Gegenden zwangsislamisiert werden, erübrigt sich jedes weitere Gerede!

Adam Markus
60
10.10.2011, 02:51

Na zum Glück wird und wurde nirgends zwangsmissioniert. Weder in Afrika, Südamerika, Korea, noch in China oder so...

die naive
01
10.10.2011, 16:09

Aha - dies rechtfertigt jetzt uns zu "missionieren? Oder soll uns demütig gleich zum Übertritt bewegen?

NONE
51
10.10.2011, 02:10

Na gut, das Saud Regime ist schrecklich, aber was können die dafür was in Ägypten passiert???

meineid
02
9.10.2011, 19:55

Saudi Arabien wird sich wesentlich mehr öffnen müssen als nur anderen Religionen, die Wüste; Der Ölschwund..

Maxengine
22
9.10.2011, 16:23
100% Muslime...in Östereich sinds erst 60%

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