Hollande und Aubry gewinnen erste Vorwahl

9. Oktober 2011, 22:48

Ex-Parteichef der Sozialisten erhält Mehrheit - Stichwahl um Präsidentschaftskandidatur am nächsten Wochenende

Paris - Im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der französischen Sozialisten kommt es am nächsten Wochenende zur Stichwahl zwischen Francois Hollande und Martine Aubry. Der langjährige frühere Parteichef und dessen Nachfolgerin auf dem Posten bekamen in der ersten Runde einer in Frankreich bisher einzigartigen Vorwahl mit Abstand die meisten Stimmen. Für den 57-jährigen Hollande votierten nach Auswertung nahezu aller Ergebnisse 39 Prozent der Wähler, für die 61 Jahre alte Aubry 31 Prozent, wie die Partei am Abend mitteilte.

Bei der Abstimmung sechs Monate vor der Präsidentschaftswahl durften erstmals nicht nur Parteimitglieder, sondern alle Wähler abstimmen, wer im April 2012 den amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy herausfordern wird. Die Sozialisten rechneten damit, dass bis zu zwei Millionen Franzosen ihre Stimme für einen der sechs Kandidaten abgegeben haben. Das Endergebnis sollte noch in der Nacht feststehen.

Großer Favorit

Als großer Favorit im Rennen um die sozialistische Kandidatur gilt Hollande. Er kann nach Umfragen auch in der zweiten Wahlrunde mit einem Sieg gegen Aubry rechnen. Die Tochter des ehemaligen EU-Kommissionspräsidenten Jacques Delors hatte sich erst im Frühsommer zur Teilnahme entschlossen. Zuvor war der lange in den Umfragen führende frühere Weltwährungsfonds-Chef Dominique Strauss-Kahn wegen des Vorwurfs sexueller Angriffe als Bewerber ausgeschieden.

Sozialistische Spitzenpolitiker zeigten sich am Sonntag begeistert über die Resonanz auf die Wahlen. "Wir haben es geschafft, allen Hindernissen zu trotzen", sagte Interims-Parteisekretär Harlem Désir. Die kühnsten Erwartungen seien übertroffen worden und die Sozialistische Partei sei nun bereit für das "große Rendezvous 2012". Zuvor war die Internetseite zu den Vorwahlen wegen des großen Ansturms von Nutzern vorübergehend nicht erreichbar gewesen. Sie habe immer an den Erfolg von "partizipativer Demokratie" geglaubt, sagte Ségolène Royal, die zu den vier unterlegenen Kandidaten zählte.

Der für eine "Entglobalisierung" kämpfende Arnaud Montebourg kam nach vorläufigen Zahlen mit rund 17 Prozent der Stimmen auf Platz drei bei den Wahlen. Dahinter folgten Royal (sieben Prozent), Manuel Valls (sechs Prozent) und Jean-Michel Baylet (0,6 Prozent).

Berichte über mögliche Wahlmanipulationen gab es zunächst nicht. Parteiinterne Kritiker hatten die Befürchtung geäußert, dass Sympathisanten Sarkozys oder andere nicht linksgerichtete Franzosen an der Abstimmung teilnehmen könnten, um einen "schwachen Kandidaten" zu wählen. Um dies zu verhindern, hatte die Parti Socialiste (PS) nur zwei Hürden vorgesehen. Jeder Wahlteilnehmer musste unterschreiben, dass er sich zu den Werten der Linken bekennt und mindestens einen Euro spenden.

Auf das konservativ-rechte Regierungslager übt der Erfolg der Vorwahlen Druck aus, selbst ein ähnliches Verfahren zu organisieren - zumal nach einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage nur noch 24 Prozent der Franzosen dem amtierenden Präsidenten vertrauen. Sämtliche Spitzenpolitiker haben allerdings bislang betont, dass man erst bei den übernächsten Wahlen 2017 darüber nachdenken werde. Für 2012 sei Sarkozy der "natürliche Kandidat", heißt es. (APA)

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13 Postings

ich bin ein bißchen zwiegespalten. denn einerseits ist mir aubry von ihrem programm her lieber. andererseits hat hollande gegen sarkozy vermutlich die besseren chancen.
aber so eine vorwahl find ich demokratiepolitisch sehr erfreulich.

Elefant im Porzelanladen eines ehem. Sozialstaates

Im Grund ist egal, wer gewählt wird, wenn nur der kleine Ungar wegkommt...
Der wird alerdings noch so viel Schaden wie möglich anrichten; (Meldungen der letzten 14 Tage:)
Umweltschutzorganisationen, welche nicht mind.2000 Mitglieder innerhalb 6 Regionen haben und ihre Kompetenz (dem Ministerium)nicht nachgewiesen haben, werden nicht mehr anerkannt.
Die Konsumentenschutzorg. "60 mill. consommateurs" soll verstaatlicht werden.
Das Krankengeld soll um 5% gekürzt werden,
Die Entscheidung über Schulkantinen soll an die Wirtschaft übertragen werden, etc. etc.

interessante idee parteiinterne vorwahlen abzuhalten

Nein der Pöbel hat gegen Parteizentrale gewonnen

le es konnte - erstmalig? - seinen Mann aussuchen. Ein weiterer Umgang wäre interessant. Des Dritten Mannes wegen!

...total "für".....???

Und kein einziges Wort über Marine Le Pen - irgendwie wünschte ich mir, der hiesige Rattenfänger würde so totgeschwiegen. Ob es allerdings Hollande was bringt, wenn die APA die dzt. Nr. 1 nach Umfragen übergeht...

marine le pen hat sich meines wissens nicht an der vorwahl der sozialisten beteiligt.

Das koennte daran liegen, dass Le Pen nicht Mitgleid der sozialistischen Partei ist, und daher bei den Vorwahlen nicht beteiligt ist.

Gaebe es Front National Vorwahlen, dann wuerden dort alle anderen Parteien auch totgeschwiegen.

sie verwechseln einiges

dem artikel zufolge:
hollande ist keine sauce
marine ist keine marinade

Seit wann...

... ist Le Pen Präsidentschaftskanidatin der Sozialisten? Oder nimmt an deren Vorwahlen teil???
Oder stört es sie nur, dass von der falschen Partei berichtet wird?

...mit "hiesigem Rattenfänger" ist wohl angedeutet, wie ich M. Le Pen sehe, eben die dortige Rattenfängerin.

marine le pen tritt allerdings nicht bei den vorwahlen der sozialistischen partei an.

Obwohl sie dort sicher gute Chancen hätte.

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