Coup

Chaos Computer Club knackt staatliche Spionage-Software

9. Oktober 2011, 07:55
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    foto: apa/dpa

    "Die heimliche Infiltration von informationstechnischen Systemen durch staatliche Behörden muß beendet werden."

    Bild: Besucher des 27th Chaos Communication Congress (27C3) in Berlin

Hackern wurde "Staatstrojaner" zugespielt - Kann "nicht nur höchst intime Daten ausleiten"

Den Hackern des Chaos Computer Club (CCC) ist ein medialer Coup gelungen. Nach eigenen Angaben ist ihnen eine "staatliche Spionagesoftware" zugespielt worden, die von Ermittlern in Deutschland zur Überwachung von Kommunikation über das Internet eingesetzt wird. Das Programm wird auch als ""Bundestrojaner light" oder "Staatstrojaner"  bezeichnet.

Fernsteuerungsfunktion

Die Hacker haben eine eingehende Analyse der Software vorgenommen. "Die untersuchten Trojaner können nicht nur höchst intime Daten ausleiten, sondern bieten auch eine Fernsteuerungsfunktion zum Nachladen und Ausführen beliebiger weiterer Schadsoftware",  so der CCC auf seiner Homepage.

Grobe Design- und Implementierungsfehler

Der CCC warf den Sicherheitsbehörden vor, aufgrund von groben Design- und Implementierungsfehlern in der Software entstünden "eklatante Sicherheitslücken in den infiltrierten Rechnern, die auch Dritte ausnutzen können". Die Telekommunikationsüberwachung an der Quelle, kurz als Quellen-TKÜ bezeichnet, soll eine Möglichkeit bieten,  Voice-over-IP-Gespräche abzuhören, bevor sie für den Weg durchs Netz verschlüsselt wird.

Gesetzliche Grundlagen

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums bestätigte, dass Software-Lösungen für eine Quellen-TKÜ verfügbar seien, sowohl für die Bundesbehörden als auch auf Landesebene. "Für den Einsatz dieser Software gibt es gesetzliche Grundlagen, die beim Einsatz beachtet werden müssen", sagte der Sprecher. Für Ermittlungen auf Bundesebene sei hier etwa das BKA-Gesetz relevant. Außerdem gibt es in einigen Bundesländern Regelungen zum Einsatz der Quellen-TKÜ.

Die Bestrebungen für eine Online-Durchsuchung bei Verdächtigen reichen ins Jahr 2005 zurück, in die Amtszeit des damaligen Iinnenministers Otto Schily (SPD). Danach setzte unter dem Schlagwort "Bundestrojaner" eine heftige Debatte über die Zulässigkeit solcher Eingriffe in die Privatsphäre des persönlichen Computers ein.

"Abwehr einer konkreten Gefahr für ein überragend wichtiges Rechtsgut"

Das Bundesverfassungsgericht setzte im Februar 2008 hohe rechtliche Hürden für Online-Durchsuchungen. Das heimliche Ausspähen eines Computer-Anwenders zur Gefahrenabwehr ist demnach nur dann zulässig, wenn es eine klare gesetzliche Regelung dafür gibt. Außerdem muss die Aktion der "Abwehr einer konkreten Gefahr für ein überragend wichtiges Rechtsgut" dienen. Weiterhin muss die Aktion durch einen Richter angeordnet werden.

Funktionen

Der Chaos Computer Club erklärte, die nun aufgetauchte Software ermögliche einen viel weitergehenden Angriff. In einer Analyse des Programmcodes seien Funktionen entdeckt worden, "die über das Abhören von Kommunikation weit hinausgehen und die expliziten Vorgaben des Verfassungsgerichtes verletzen".

Nachladen

So könne der "Trojaner" über das Netz weitere Programme nachladen und ferngesteuert ausführen. "Eine Erweiterbarkeit auf die volle Funktionalität des Bundestrojaners - also das Durchsuchen, Schreiben, Lesen sowie Manipulieren von Dateien - ist von Anfang an vorgesehen." Sogar ein digitaler großer Lausch- und Spähangriff sei möglich, indem ferngesteuert auf das Mikrofon, die Kamera und die Tastatur des Computers zugegriffen werde.

Im Rahmen des Tests habe der CCC eine Gegenstelle für den Trojaner geschrieben, mit deren Hilfe Inhalte des Webbrowsers per Bildschirmfoto ausspioniert werden konnten - inklusive privater Notizen, E-Mails oder Texten in webbasierten Cloud-Diensten. "Wir waren überrascht und vor allem entsetzt, dass diese Schnüffelsoftware nicht einmal den elementarsten Sicherheitsanforderungen genügt".

Passwörter auf "1234" setzen

Es sei für einen beliebigen Angreifer ohne weiteres möglich, die Kontrolle über einen von deutschen Behörden infiltrierten Computer zu übernehmen. "Das Sicherheitsniveau dieses Trojaners ist nicht besser, als würde er auf allen infizierten Rechnern die Passwörter auf "1234" setzen."

Auf seiner Website veröffentlichte der CCC zudem die Binaries der Software.

Die Hacker protestieren seit Jahren gegen staatliche Überwachung. 2008 veröffentlichte man den Fingerabdruck des (damaligen) deutschen Innenministers Wolfgang Schäuble. Mit der Aktion protestierte der Verein gegen die Speicherung von biometrischen Daten in Reisepässen.

Reaktionen

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat sich am Sonntag besorgt über die Berichte zum "Staatstrojaner" geäßert: "Es ist mehr als beunruhigend, dass die berechtigten technischen Argumente der Beschwerdeführer in der Klage gegen die Online-Durchsuchung vor dem Bundesverfassungsgericht jetzt bestätigt werden", erklärte Leutheusser-Schnarrenberger, die auch stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende ist. Ihre Partei habe immer vor den Gefahren staatlicher Schnüffelsoftware gewarnt.

Auch die Piratenpartei kritisierte das Vorgehen der Sicherheitsbehörden. "Der Staat sollte seine Bürger schützen und sie nicht durch Inkompetenz oder gar vorsätzlich weitere Sicherheitsrisiken aussetzen", heißt es in einer Mitteilung. (APA/Reuters/red)

Kommentar posten
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quo_vadis_austria
00
13.10.2011, 13:17

"...indem ferngesteuert auf das Mikrofon, die Kamera und die Tastatur des Computers zugegriffen werde."

Also so war das damals nicht ausgemacht mit dem Internet ...

Jowanni
02
11.10.2011, 22:19
nur nicht lachen, und den zeigefinger schöne stecken lassen

denn auch österreich ist auf der kundenliste der Trojaner hersteller firma.

Also bitte Sg. Frau BM Mikl-Leitner, welche art von software oder dienstleistung wurde da eingekauft(oder geleast oder gemietet. zu welchem zweck wurde bei dieser firma eingekauft. wie werden die produkte oder dienstleistungen eingesetzt. wie oft wurde sowas schon eingesetzt. welche behörde kann sowas einsetzrn. auf welcher gesetzlichen grundlage. und noch viele anderen fragen mehr. bin aber vorerst mit diesen paar antworten zufrieden.
mfg

LCD
00
11.10.2011, 11:46
Wie bekomme ich 207.158.22.134 in den PeerBlock rein?

Ich hoffe, mit nächsten Update, denn händisch kann man das nicht eingeben.

()
10
10.10.2011, 22:14
Das haben sie ECHT GUT gemacht.

Einen Trojaner basteln der von keinen AV erkannt wird (obwohl diese die Signatures haben), den theoretisch jeder der weiß wies geht bedienen kann.

Die commands zum trojaner werden unverschlüsselt gesendet.
Das erste Land wo sich der Trojaner meldet ist die USA. :)

Ich bin ja wirklich gespannt wie das weitergeht. Die Regierungen arbeiten schlechter als 14-Jährige Skript-Kiddies. Die Heutzutage eigentlich schon als Spezialisten bezeichnet werden müssten.

Die Regierungen haben alle Technik der Welt zur Verfügung. Aber die 'Anonymen' scheinen diese Waffe weit besser zu beherrschen.

Franz Josef Lolinger
00
10.10.2011, 22:42

Das stimmt nicht ganz, der wird schon von einigen Virenscannern erkannt - und bei Chip.de gibt es auch ein Tool, das erkennt, ob das Ding auf dem PC ist und es entfernt (allerdings nur für 32 Bit Versionen bisher)...

Franz Josef Lolinger
00
10.10.2011, 20:21

Auch Verschlüsselungstools sind dann gänzlich nutzlos, wenn man den Schädling auf dem PC hat. Denn durch das abfotografieren des Bildschirms und die Keylogger kommt man an jedes Passwort heran...
wenn man was verschlüsseln möchte müsste man vorher den computer ganz neu aufsetzen und könnte erst dann evtl. loslegen (sofern da kein Rootkit eingebaut ist)... Und dann darf man die Daten natürlich nie mehr entschlüsseln außer auf einem neu aufgesetzten PC...

()
10
10.10.2011, 15:32
207.158.22.134

Das wäre der US-Server an den unsere Daten exportiert werden.

Nikolaus Backhuhn // master expert
00
10.10.2011, 13:57
was mach ich wohl als erstes?

ich bin in einem ministerium und muss einen lauffähigen trojaner abliefern, mit der schwierigkeit, dass ich die jobs nicht ausschreiben kann, höchste geheimhaltung angesagt ist, und ich desswegen nur eine gruppe von pfuschern anstellen kann.

was mach ich als erstes wenn mir die gruppe pfusch einen code gibt um ihn durchtesten zu lassen?

oder was mach ich als chef der gruppe pfusch, bevor ich ihn dem auftraggeber abliefere?

ich mein vielleicht erwarte ich mir uu viel cleverness, aber der ccc ist auf jedenfall eine gute adresse für bug testing, die veröffentlichen auch gleich ihre ergebnisse, und arbeiten das zum teil recht schön auf...

paar negative schlagzeilen halt ... who cares, is ja noch in der beta phase :)

normale vorgangsweise

wordslinger
00
10.10.2011, 12:50
Wie bekommen die Behörden die Software eigentlich auf den Rechner?

Brechen die tagsüber in die Wohnung ein und installieren den Trojaner selbstständig? Oder schicken sie dem "Verdächtigen" eine Mail und hoffen darauf, dass er das infizierte Attachement installiert? Das funktioniert doch wahrscheinlich in den wenigsten Fällen.

ape.p
00
10.10.2011, 14:39

im aktuellen fall war das im zuge einer zollkontrolle.

Die kritische Stimme
00
10.10.2011, 13:16
Alle drei Varianten

Dritte: Sie versenden eine CD mit einem Programm, das der Verdächtige "gerne" installiert, etwa getarnt als "Update des Internetproviders". So wurde das im österreichichen Fall gemacht.

Damit ist auch ganz klar, wer denen wirklich "ins Netz geht": Lediglich kleine Fische, die von Computern und deren Sicherheit nicht die geringste Ahnung haben. Die wirklich gefährlichen Verbrecher werden sie so nicht schnappen.

Placebo, wie alles von den "Rechts" (Law and Order)-Parteien...

andreas lamers
 
00
10.10.2011, 14:59
oder sie dringen in die wohnung ein

und installieren das von einen usb stick. was auch in DE schon gemacht wurde.

sukisouk
01
10.10.2011, 12:26

Einfach erklärt:
http://vimeo.com/30283663

Käpt`n Blaubär
01
10.10.2011, 12:18
... also ist die Schweinerei die, dass die Programmierer geschlampt haben, und nicht, ...

dass im Auftrag der Regierung Software geschaffen wurde, mit der eindeutig Verfassungsbruch begangen werden kann!

Siehe hier: http://www.nachdenkseiten.de/?p=10944#h02

und hier: http://www.heise.de/newsticke... 1052/read/

Schnipp
13
10.10.2011, 12:12
der deutsche Staat hält sich offensichtlich eben so oft an die eigenen Regeln wie unserer.

derhansderkanns
00
10.10.2011, 15:15
Und noch schlimmer: Die Personen, die sich dafür hergeben kommen auch noch aus dem eigenen Volk!

Da hätte man ja den Ostblock erst gar nicht abschaffen müssen!

Schnapphahn
12
10.10.2011, 11:19
Willkommen, willkommen

in der schönen neuen Welt.

hollaro jojojo
00
10.10.2011, 11:09
Kann uns in Ö nicht passieren!

Da würde der Auftrag "Programmierung eines Bundestrojaners" einem Bieterkonsortium aus Hochegger, Mensdorff-Poidi und dem Echo-Verlag zugeschanzt werden.
Das Geld wird auf ein zypriotisches Konto prompt überwiesen, aber dann außer dem anlegen eines Facebook Accounts nie was gemacht werden, weil sich fürs leisten ja niemand der Partner zuständig fühlt.

Rote Pest
00
10.10.2011, 12:16

Das Geld für die Entwicklung scheint auch dort versickert zu sein:
"Wir sind hocherfreut, daß sich für die moralisch fragwürdige Tätigkeit der Programmierung
der Computerwanze keine fähiger Experte gewinnen ließ und die
Aufgabe am Ende bei studentischen Hilfskräften mit noch nicht entwickeltem
festen Moralfundament hängenblieb." (http://www.ccc.de/system/up... ort23.pdf)

der_gote
00
10.10.2011, 10:49
George Orwell 1984

Bisserle später sind wir dran aber der Trend geht eindeutig in diese Richtung......

derhansderkanns
00
10.10.2011, 15:19
Orwell wußte aber nicht, dass es so viele Menschen gibt, die die Überwachung freiwillig möglich machen (siehe Facebook)!

Loup Garou
02
10.10.2011, 11:22
haben Sie 1984 gelesen?

daran, was uns Orwell prophezeit hat, sind wir doch schon Jahrelang vorbei...

Harry Y.
 
00
11.10.2011, 19:14

Das ist übertrieben. Aber das Potential ist jedenfalls grauenerregend.

der_gote
00
10.10.2011, 12:13
naja, meine Wohnung hat keine Rundumverglasung ....

soweit wie in 1984 sind wir glücklicherweise noch nicht.

Und ja, hab es gelesen. Sie auch?

Mathias Steinlaus
 
00
10.10.2011, 12:39
Rundumverglasung

Meinen Sie diese Lofts? ;-)

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