"Nägerbrot :-)"

8. Oktober 2011, 17:24
  • Es wäre wohl auch für Weiße irritierend, wenn - sagen wir - weiße Schokolade als "Bleichgesichtskrokant" verkauft würde.
    foto: istockphoto

    Es wäre wohl auch für Weiße irritierend, wenn - sagen wir - weiße Schokolade als "Bleichgesichtskrokant" verkauft würde.

Wie ein Wiener Süßwarenhändler, der Erdnussschokolade verkauft, auf antirassistische Kritik reagierte - und den kritisierten Rassismus trotzdem aufrechterhielt

Ein Süßwarengeschäft in der Wiener City verkauft seit einigen Wochen eine traditionelle Schokoladesorte unter einer neuen, offenbar witzig gemeinten Bezeichnung. Die Rede ist von Schokolade mit Erdnüssen, in den Geschmacksrichtungen Vollmilch oder edelbitter. Sie wird als "Nägerbrot" angepriesen, mit einem :-) daneben - und wurde bis vor Kurzem im Schaufenster angeboten, während sie jetzt nur mehr im Geschäft selbst zu haben ist. Zückt ein Kunde das Handy, um die ungewöhnliche Produktbezeichnung fotografisch festzuhalten, so stößt er oder sie auf Einspruch: "Fotografieren dürfen's bei uns nicht", sagt die Verkäuferin.

Besagte Süßigkeit war lang als "Negerbrot" im Handel. Das Wort "Neger", auch als "N-Wort"* bezeichnet, gelangte wohl aufgrund der ursprünglich mit Afrika in Verbindung gebrachten Erdnüsse in den Produktnamen. Seit sich auch schwarze Menschen als Österreicher und Europäer verstehen, verwahren sie sich dagegen, mit dem "N-Wort" bezeichnet zu werden. Überhaupt ärgert es sie, wenn Lebensmittel, die eine schokoladig-braune Farbe haben, besagtes Wort im Namen tragen: Verständlich, denn es wäre wohl auch für Weiße irritierend, wenn - sagen wir - weiße Schokolade als "Bleichgesichtskrokant" verkauft würde.

Doch wie kam im vorliegenden Fall das "ä" statt dem "e" in die Produktbezeichnung, sodass das abschätzige "N-Wort" aus der Orthographie in die Lautmalerei übersiedelt ist? Und was soll das Smiley-Symbol? Es begann Mitte August, als die Standard-Leserin Angelika Pichler an dem Süßwarengeschäft vorbeikam- und sah, dass darin Erdnussschokolade angeboten wurde: "N...brot" mit "e".

Keine Erklärung

Sie betrat das Geschäft und bat die Verkäuferin um eine Erklärung, doch bekam keine. Also wandte sie sich an Zara, jene NGO, die in Österreich als einzige Stelle rassistische Vorkommnisse und Übergriffe dokumentiert. Zara reagierte brieflich, wie in solchen Fällen immer: Man möge das "N...brot" doch bitte umbenennen, denn die Bezeichnung werde vielfach als diskriminierend empfunden - es wäre nicht die erste Umbenennung dieser Schokoladesorte gewesen: Im Jahr 2001 hatte eine große Handelskette beim N...brot ein Einsehen und taufte die Süßigkeit in "Schokotraum mit Erdnuss" um. Auch "N...küsse" werden seit Längerem als "Schaumküsse" oder "Schokoküsse" vermarktet, ohne dass bei Geschmack oder Absatzzahlen Einbußen verzeichnet worden wären.

Besagter Zuckerlgeschäftinhaber hingegen antwortete nicht. Aber er wurde aktiv: "Als ich das nächste Mal am Geschäft vorbeikam, war schon das Etikett mit "Nägerbrot :-)" angebracht", schildert Pichler in einem Mail an den Standard: "Das Umbenennen mit dem angefügten Smileyzeichen empfand ich als zusätzliche Verarsche...".

Letzteres will auch Dina Malandi von Zara nicht ausschließen, der auch ein Foto des "Nägerbrots :-)" vorliegt. "Mit dieser Änderung macht man sich gleichzeitig über sie lustig", sagt sie. Doch wie das Chef des Schokoladegeschäfts sieht, was er zu sagen hat, weiß sie nicht: Ein zweites Zara-Schreiben blieb ebenso unbeantwortet wie das erste.

Frage der Sprache

Was folgt daraus? Erstens, dass hier das Gespräch mit Kritikern von - wie sie meinen - rassistischem Sprachgebrauch verweigert wurde. Die Erfahrung zeigt, dass derlei Kritik vielfach als unfairer Angriff verstanden wird, nicht etwa als Versuch, darüber zu reden, wie in der österreichischen Einwanderungsgesellschaft mit der Sprache pfleglich und friedenserhaltend umgegangen werden kann. Hier zieht sich ein Bogen vom Streit über den "Mohren im Hemd", über die "N...küsse" hin zum dem in diesem Blog bereits besprochenen Lumumba-Cocktail.

Zweitens folgt daraus, dass im "Nägerbrot :-)"-Fall versucht wird, die kritisierte Bezeichnung auch gegen Widerstände zu bewahren. Sie unangreifbar zu machen, indem man das "N-Wort" als solches vermeidet, aber dafür sorgt, dass man es trotzdem weiter aussprechen kann. Und, dass dieser sozusagen ums Eck erhaltene diskriminierende Sprachgebrauch mit einem Zeichen versehen wird, das eindeutig auf ihn hinweist: mit dem Hier-wird's-lustig-Zeichen, dem Smiley. Zum Lachen ist das nicht, vielmehr kommen da auch braune Assoziationen aus dem Politikbereich auf. (Irene Brickner, derStandard.at, 8.10.2011)

*mit der Bezeichnung "N-Wort" soll der Gebrauch des Wortes "Neger" vermieden werden, das unter Schwarzen sowie AntirassistInnen zunehmend als inakzeptabel gilt. Auch wenn die Bezeichnung "N-Wort" ein Kunstprodukt ist, das unangenehm in den Sprachgebrauch hineinragt: In einem Text, der sich gegen die Verwendung des Wortes "Neger" ausspricht, ist es angebracht, denn die vielfache Wiederholung des umstrittenen Ausdrucks wäre kontraproduktiv.

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Posting 776 bis 825 von 2170

sagt das große A*loch ... und weiter?

Das passt jetzt nicht zu dem Post hier, aber dein Post an mich wird wohl nicht online gehen, Peda.

Interessant ist ja, dass derlei unflätige Beschimpfungen offenbar nicht gegen die Forenregeln verstoßen

Wichtig?

Ja, ich finde auch, dass es Wichtigeres gibt, als die rassistische Bezeichnung einer Schokolade. Ich finde aber durchaus, dass es ausreichend wichtig ist, darüber eunen Artikel im Standard zu schreiben. Das beweist schon alleine die Tatsache, dass hier bereits über 1000 Postings sind, überwiegend von Leuten, die das Thema zwar zu unwichtig für einen Artikel finden, aber ausreichend wichtig um sich in Postings darüber zu beschweren.

Die meisten User hier mokieren sich aber auch über die Unwichtigkeit des Artikels. Die prominente Plazierung sowohl auf der Startseite als auch auf der Seite des Chronikressorts tut ihr übriges dazu..

Nach den Nazisteinen vom Pinzgau und der rassistischen Schokoladenbezeichnung frage ich mich welcher investigativ journalistische Artikel uns nächste Woche erwartet..

Blondies Hundekot auf der Pessachinsel?

das auftreten der antirassisten ist leider zu oft besserwisserisch und selbstgerecht.
obwohl man wahrscheinlich im umgang mit den ganzen dumpfen rassisten so wird bzw vielleicht nicht anders kann.
grad bei so unwichtigen dingen wie negerbrot geht's nur über bewusstseinsbildung, nicht über wichtigmachen und anschwärzen.
"nägerbrot" ist ja dann nicht anderes als provokation auf das vorangegangene sich-provoziert-fühlen.

abgesehen von der schokolade-diskussion, würde ich wirklich gerne wissen welcher begriff nun @themoment korrekt/pc für nicht hellhäutige menschen zu verwenden wäre bzw. wer legt das nach welchen kriterien fest? wer bestimmt welcher begriff gerade angemessen ist oder auch nicht? imho kann man auch einen pc begriff abfällig verwenden...

Die richtige Bezeichnung ist "Mensch".

also wenn schon, denn schon.
da der mensch auch ein tier ist, wär vielleicht doch eher "erdenbewohnerIn" angesagt. alles andere ist strenggenommen nicht korrekt.

diese antwort geht aber komplett an der frage vorbei, hellhäutige sind ja auch menschen. haarfarben haben auch verschiedene bezeichnungen, wieso nicht auch hautfarben. wenn man also blondine sagt (für einen blonden weiblichen menschen)...

eh logo! aber ich hätte halt gerne eine antwort von der pc fraktion (gehabt) ...

ganz einfach "Weissbrot"

In Anbetracht der Tatsache

dass wir alle aus Afrika kommen ist dieser Artikel wieder eine journalitische Glanzleistung.

genau da ist das Problem:

Nigger ist nicht gleich Neger
allein schon die unterschiedlichen Sprachen zeigen auf unterschiedliche Semantik.
Aber Hohlköpfe, egal welcher Hautfarbe, sehen das nicht, aber dafür werden Vorurteile gepflegt, und das nicht zu klein.

Jetzt hetze ich Zara dann auf diesen deutschen, so ein Rassist http://www.youtube.com/watch?v=Z... ature=fvwp !

"unter schwarzen und antirassistInnen zunehmend

als inakzeptabel gilt.

zunehmend? also noch nicht bei allen?

ich bezeichne aber keinen menschen sondern eine schokolade mit dem N wort. wen genau diskriminiere ich damit?

man könnte aber auch einen teil der einnahmen für hungernde in afrika spenden um zu zeigen wie lächerlich diese debatte doch ist und der verkauf sowie der genuss dieses produkts absolut nichts mit rasissmus zu tun hat.

Jetzt habe ich Lust auf Schokolade. Mhmm!

Hat Sonntag leider geschlossen.

Werde morgen wieder vorbeischauen um eine Tafel zu erstehen und dem kreativen Widerstandskämpfer zu gratulieren. :-)

Ich weiß immer noch nicht um welches Geschäft es sich handelt. Haben sie vielleicht eine Shoppingempfehlung. :-)

Seit ich ein winziges Kind war,

gab es die Schokolade mit der Bezeichnung, ebenso wie die N-Küsse. Was ist nun mit dem Z-schnitzel,
Z-Karpfen, Z-rostbraten, Z-spieß, Z-Gulyas und last but not least Z-baron?

Wird das nun alles in Sinti, oder Roma umbenannt werden (müssen/sollen)?

Da müßten große Teile der literarischen Werke umbenannt werden. Fing ja bereits bei Klassikern wie Mark Twains Tom Sawyer und Huck Finn und Onkel Toms Hütte an.
http://www.zeit.de/kultur/li... -kommentar

bei den Zig wäre ich nicht so zimperlich, denn

wie die Zigeuner die Nichtzigeuner bezeichnen ist extrem beleidigend, noch dazu, da sie das bewußt als Schimpfwort sehen, so wie das amerikanische Nigger, das was völlig anderes ist als das deutsche neger.

...und wieder ist die Welt ein ganzes Stück besser geworden! Hut ab vor so viel Courage... ;)

Dieses Forum...

...gibt die Wahlergebnisse bestens wieder.

ja, der mob, der sich hier tummelt, ist zum kotzen.

Weitere ungelöste Problemfälle, die uns österreichische Kellernazis be(alt)lasten, und daher dringend einer Lösung durch politisch korrekte Bürger harren:

Frankfurter Würstel - eine Herabwürdigung der Bewohner der Mainmetropole
Steak Hawaii - eine Beleidigung der Polynesischen Küche
Linzer Stangerl - Beledigt sowohl die Linzer als auch ihre Potenz!
Budapester (Schuhe) - seit den Habsburgern trampeln wir auf ihnen herum!
Besoffene Kapuziner - verallgemeinerndes kirchenfeindliches Vorurteil
Scheiterhaufen mit Zimt - Verharmlosung der Inquisition
Zigeunerspieß - da fehlen uns die Worte

STANDARD - tu was!

Mir geht die Political Correctness manchmal auch etwas zu weit,

aber ihr Posting zeigt, dass sie entweder
a) nicht verstanden haben worum es geht. Nicht die Verwendung von Neger in Kombination mit dem Namen einer Speise ist das Problem, sondern die Verwendung von Neger an sich. Nur der Zigeunerspieß entspricht dem.
oder
b) haben schon verstanden worum es geht, sind aber für diesen Stammtisch-Schenkelklopfer über ihren Schatten gesprungen.
Fail.

[Stilblüten]

"Doch wie das Chef des Schokoladegeschäfts sieht, was er zu sagen hat, weiß sie nicht."

man muss frau brickner anrechnen...

...dass sie rein die Situation beschreibt ohne zu versuchen dem Betreiber zu schaden.
So kleinlich das Thema für die meisten ist, so scheint es eben für sie eine zentrale herzensangelegenheit zu sein und die Art wie sie es angeht ist sehr positiv...

Ich find's eher eine gehörige Frechheit, wie gegen Leute mobil gemacht wird, nur weil sie Produktbezeichnungen verwenden, die ein paar politisch korrekte Moralapostel stören.

Ich denke man sollte auch den Namen des Etablissements nennen um selbst entscheiden zu dürfen ob man soetwas unterstützt oder nicht....

Die Schokolade gab es in den 80igern österreichweit zu kaufen und schmeckte nicht besonders gut. Dass Rassisten über keinen guten Geschmack verfügen, ist aber nichts worüber man sich groß aufregen sollte.

Was hat die Bezeichnung "Negerbrot" mit Rassismus zu tun?

Bei allem, was man hier zu lesen bekommt, wundert es mich gar nicht mehr, wenn unser nächster Kanzler Strache heißt. Nicht dass alle seine Wähler Nazis wären, aber es gehört schon eine ziemliche (verstockte) Stumpfheit gegenüber Alltagsrassismus und Alltagsnazismus dazu ihn zu wählen!

also notfalls können wir es selber herstellen!
wie sieht es in italien mit derartigen begriffen aus? gibts auch abschätziges über österreicher und deutsche, über dunkelhäutige italiener?
und beim essen - sehr verdächtig erscheinen mir die moro orangen....

Das könnte durchaus sein

Aber nicht wegen einem hypothetischen Alltagsrassismus sondern aus lauter Ärger über verstockte politisch korrekte und "Antirassisten", welche sich bloß mit Kleinigkeiten wichtig machen müssen. ZB Bei traditionellen Bezeichnungen von Speisen. Der humoristische Zugang des Geschäftes ist aber eindeutig der Beste zu diesem Thema :-)

Danke! Ihr Rot zeigt mir, dass ich einen sensiblen Punkt angesprochen habe.

nein, das zeigt eigentlich nur, dass deine weltsicht ziemlich naiv ist.

Ähnlich wie bei israelrelevanten Artikeln ist auch hier ein rotes Stricherl eher eine Auszeichnung.

Im konkreten Fall finde ich diese moralinsaure Empörung von Irene Brickner ja auch eher lächerlich - aber das rechtfertigt nicht diese erschreckende "ich-meins-ja-nicht-bös-also-kann-sich-keiner-beleidigt-fühlen"-Mentalität bei den meisten Postern hier.

naja, der Sprachduktus

des Artikels ist so peinlich vorzugschuelerhaft, dasz die Reaktionen nicht verwundern sollten. Wobei, nicht nur der Artikel
""Als ich das nächste Mal am Geschäft vorbeikam, war schon das Etikett mit "Nägerbrot :-)" angebracht", schildert Pichler in einem Mail an den Standard: "Das Umbenennen mit dem angefügten Smileyzeichen empfand ich als zusätzliche Verarsche...".
na, no na ned, die bettelt doch darum, verarscht zu werden

das ist also vorzugschuelerhaft? und das prädikat vorzugSschueler ist also was schlechtes. interessant.

na Hauptsache wir haben keine anderen Probleme.

Wärand Europa drauf an dran ist in ein Chaos zu stürzen kämpft der Standard mit seinen Lesern wacker gegen Schokoladen mit Erdnüssen.

Herrlich, diese Abwechslung und Glück auf in diesem ach so dramtischen Kampf gegen die Rassismusindustrie.

Lg
Wheezer

Ich nehm stark an, dass sie heut noch wacker gegen das drohende Chaos ankämpfen werden.

das kommt dann immer als argument. egal bei welchem gleichstellungs-thema.

ähm... der name einer nostalgieschokolade hat genau was mit gleichstellung zu tun?

das argument "haben wir keine anderen sorgen" kommt immer bei themen, die gleichstellung und wortwahl betreffen. bei feminismus, antirassismus oder auch bei debatten über die gleichstellung (und sprachliche nicht-diskriminierung) von homosexuellen. da wollen dann wohl alle ihre alltägliche klassentrottel-verarsche (frei nach roland düringer) verteidigen.

Und das sind sie, die wahren Sorgen der "political correctness"-Mafia.

Ich träume von einer Welt, wo sich niemand mehr berufen fühlt, anderen vorschreiben zu wollen, was sie zu denken oder zu sagen haben.

Naja, man kann Ihren Beitrag auch als Versuch sehen, den Redakteuren vorzuschreiben, dass sie nicht so viel an PC zu denken haben und auch nicht drüber schreiben sollen.

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Posting 776 bis 825 von 2170

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