Vorkehrungen für den Schuldenschnitt

7. Oktober 2011, 20:45
116 Postings

Griechenland schafft es nicht und braucht eine Schuldenreduktion. Doch dabei gibt es noch viele offene Fragen

Wien - An den Märkten glauben die Investoren bereits fest an eine Aufstockung des Kapitals europäischer Banken. Tatsächlich häufen sich seit Tagen die Anzeichen in diese Richtung. Am Freitag meinte EU-Währungskommissar Olli Rehn, die Behörde werde schon kommende Woche entsprechende Vorschläge präsentieren, damit die Regierungschefs beim Gipfel am 18. Oktober eine Entscheidungsgrundlage zur Verfügung haben. Was Rehn nicht sagte: Die Geldspritzen sollen die Folgen eines griechischen Schuldenschnitts abfedern.

Italientief

Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass zumindest die privaten Gläubiger Athens stärker zur Kasse gebeten werden. Danach müssten mehrere Banken des Landes aufgefangen werden, denen nach verschiedenen Schätzungen in etwa 30 Milliarden an Kapital fehlen würden. Noch größere Sorgen macht man sich am Markt um den italienischen und französischen Finanzsektor: Laut einer Analyse von JPMorgan wird schon eine milde Rezession bei der Bank-Austria-Mutter UniCredit einen Kapitalbedarf von zehn Mrd. Euro hervorrufen, dazu kommt eine Lücke von 3,5 Mrd. Euro beim Rivalen Intesa. Die drei französischen Großbanken BNP, Société Générale und Crédit Agricole brauchen 4,6 bis 7,7 Milliarden.

Dennoch geht es "viel mehr um die italienischen Banken", wie ein Insider meint, weil Rom kaum Mittel für die Kapitalisierung der Banken zur Verfügung stünden. Überdies würde eine Verschärfung der Griechenlandkrise stärker auf Italien ausstrahlen, Staatsanleihen unter Druck kommen und damit die Geldgeber belasten. Der Sektor hängt jetzt schon am Tropf der Europäischen Zentralbank: Die Ausleihungen sind im August auf September von 85 auf 105 Milliarden Euro gestiegen. Ein hoher Finanzpolitiker dazu: "Die Angst vor einem Kollaps ist schon größer als bei Lehman."

Streit um Rettungsfonds

Wegen der finanziellen Engpässe vieler Mitgliedsstaaten kommt nun der Euro-Rettungsfonds ins Spiel, der die Geldspritzen verabreichen soll. Vor allem Frankreich setzt auf diese Karte, die schon vor drei Jahren nicht gestochen hat, als Nicolas Sarkozy einen europaweiten Bankenfonds auflegen wollte. Paris befürchtet, eine Rekapitalisierung der Banken aus eigener Kraft könnte die Top- Bonitätsnote "AAA" gefährden. Deutschland legt sich gegen das Anzapfen von Gemeinschaftsmitteln quer und meint, die Staaten sollten sich selbst um die Stärkung des Finanzsektors kümmern. Der EFSF stehe nur zur Verfügung, wenn andere Optionen fehlten, betont Kanzlerin Angela Merkel. Bei einem Treffen mit Sarkozy am Sonntag sollen die Wogen geglättet werden.

Deshalb wird nun an eine Zweckgesellschaft gedacht, die vom Internationalen Währungsfonds initiiert, aber nicht getragen werden müsste. Kapital könnte dann von Staaten mit großen Kapitalreserven, wie China oder Japan, eingebracht und gehebelt werden. Mit diesem Instrument wäre auch ein größerer Schuldenschnitt Griechenlands zu verkraften. Ein Vorbild dafür gibt es ebenfalls: Der Währungsfonds hatte 1974 einen Öl-Ausgleichsfonds ins Leben gerufen. Staaten, die vom Ölpreisschock in Bedrängnis gebracht wurden, bekamen Hilfen von den Profiteuren.

Neue Bankenabstufungen

Inzwischen rollt die Welle der Banken-Abstufungen weiter. Die Ratingagentur Moody's setzte die Bonitätsnote von zwölf britischen und neun portugiesischen Banken zurück. In Großbritannien befinden sich die zwei teilverstaatlichten Großbanken Royal Bank of Scotland und Lloyds unter den Opfern. Moody's begründete den Schritt mit der geringen Chance auf staatliche Unterstützung. Im Falle Portugals bemängelt die Agentur den hohen Grad der Staatsfinanzierung. (Andreas Schnauder, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 8.10.2011)

  • Artikelbild
    foto: standard/fischer
  • Artikelbild
    grafik: standard
Share if you care.