Daniel Gros

Ein liquides Europa

Kommentar der anderen | Daniel Gros, 7. Oktober 2011, 20:27

Kehrt die Eurozone vom Rand des Abgrunds zurück? Möglich wäre es

Kehrt die Eurozone vom Rand des Abgrunds zurück? Möglich wäre es, da sich abzeichnet, dass das neue Regelwerk zur Lösung der Staatsschuldenkrise eine Schlüsselkomponente enthält, die bisher gefehlt hat.

Die Ansteckung begann mit der Erkenntnis der Investoren, dass der Rettungsfonds, die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), nur zur finanziellen Unterstützung der peripheren Staaten ausgelegt war. Mit 440 Milliarden Euro hat er heute und auch zukünftig nicht genug Mittel, um die umfangreichen Anleihekäufe zu finanzieren, die zur Stabilisierung der Schuldenmärkte großer Volkswirtschaften wie Spanien und Italien erforderlich sind. Andererseits hatten die Märkte erkannt, dass die Europäische Zentralbank nicht willens war, in größerem Stil Anleihen der gefährdeten Staaten aufzukaufen. Erst später stellte sich heraus, dass die Linie der EZB gar nicht so hart war.

Das Problem besteht nun darin, dass die Eurozone einen Liquiditätsgaranten für ihre Finanzbehörde benötigt. In einer "normalen" Volkswirtschaft mit eigener Währung mangelt es den Finanzbehörden nie an Liquidität, da die Regierung sich immer (zumindest potenziell) auf die Unterstützung ihrer Notenbank verlassen kann.

Die Situation von Regierungen in der Eurozone dagegen ist immer bedenklich: Sie haben nur sehr langfristige Aktivposten (ihre Steuereinnahmen), aber ihre Staatsschulden, die größtenteils jährlich erneuert werden müssen, sind kurzfristiger Natur. Wenn Investoren sich um jeden Preis weigern, diese Schulden zu finanzieren, geraten selbst finanziell verantwortungsvolle Regierungen in eine Liquiditätsklemme und werden insolvent.

Auch Banken haben kurzfristige Verbindlichkeiten (Einlagen) und langfristige Aktivposten, die sie nur unter großen Verlusten zeitnah liquidieren können. Wenn ein Ansturm auf die Banken droht, stellen deshalb alle Länder Notliquidität zur Verfügung, so wie es weltweit während der Pleite von Lehman Brothers im Jahr 2008 geschah.

Auch die Eurozone benötigt solch einen Mechanismus, um einem Ansturm auf die Staatsschulden der Mitgliedsländer entgegen zu wirken. Die gute Nachricht ist, dass sich langsam eine Lösung abzeichnet, bei der die EZB als Sicherheit für die EFSF dienen könnte. Dies kann einfach dadurch erreicht werden, dass die EFSF als Bank registriert wird, wodurch sie wie andere Banken auf eine normale Finanzierung durch die EZB zurückgreifen könnte. Die EFSF könnte dann von der EZB Fremdkapital aufnehmen und in großem Stil Staatsschulden aufkaufen, die wiederum als Sicherheiten dienen würden.

So könnte eine sinnvolle Arbeitsteilung erreicht werden. Die EFSF würde sich um die Finanzkrisen der Mitgliedsländer kümmern, wenn diese Liquiditätsprobleme haben. Für Länder mit Solvenzproblemen wäre ein Anpassungsprogramm wie das für Griechenland, Irland und Portugal angemessen.

Wenn Investoren wissen, dass ein Liquiditätsengpass nicht mehr möglich ist, werden die spekulativen Angriffe auf solvente Staaten aufhören. Als sich herumsprach, dass zumindest hinter verschlossenen Türen über diese Lösung beraten wurde, ließen die panischen Zustände auf den Finanzmärkten nach. Nun muss diese Lösung offiziell umgesetzt werden.

Wie immer in Europa stehen Veränderungen rechtliche und politische Hindernisse im Wege, sie können aber überwunden werden. Selbst die unwilligsten Politiker erkennen, dass die Kosten des Nichthandelns zu hoch sind. Schwerer wiegt der Unwillen Deutschlands, öffentlich zuzugeben, dass die Liquiditätsversorgung der EZB bei Staatsschuldenkrisen eine entscheidende Voraussetzung für zukünftige finanzielle Stabilität ist. Nur die deutsche Regierung und die EZB können diese subtile, aber tiefgründige Reform der fundamentalen Untermauerung des Euro in die Wege leiten. Sie können diese Entscheidung nicht mehr lange aufschieben. (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 8.10.2011)

Person Daniel Gros ist Direktor des Centre for European Policy Studies. (© Project Syndicate 1995-2011)

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Posting 1 bis 25 von 44
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Der mit dem Wanz tolft
21
9.10.2011, 14:57
Das hier sind Demokratien.

Und wenn es schon dem griechischen Volk nicht näherzubringen ist, dass der Staat nicht dauerhaft beliebig Geld ausgeben kann, obwohl er ohne EU-Bürgen nichteinmal mehr Kredite bekommen würde, dann wird es auch in den anderen europäischen Ländern demokratisch nicht durchsetzbar sein, einen einigermaßen ausgeglichenen Haushalt herzustellen.
Und so lässt sich keine Liquiditätslösung finden. Ob die Deutschen irgendwo einzahlen oder nicht.

Norrlandskille
00
9.10.2011, 18:21
Du hast eine romantisch idealitische Einstellung in Sachen Demokratie!!

Die Griechen bekommen am Markt kein Geld mehr. Wenn es die anderen Euroländer mit ihren Bedingungen erst meinen, dann bekommen auch auf diesem Weg kein Geld mehr!!

Da können die Griechen beschließen was sie wollen, es wird ihnen nichts nützen.

Das einzige demokratische Recht was ihnen bleibt, ist das Recht auszuwandern!!

Reich sein muss sich lohnen!
01
9.10.2011, 16:14

Das System basiert nun mal auf einer ständig steigenden Staatsverschuldung.

Wenn die Staaten aufhören sich zu verschulden, dann wird die Wirtschaft crashen...

David Stroganoff
10
11.10.2011, 11:48

Was ist das für eine Vorstellung?
Ihre Firma könnte also nicht mit einer 100% Eigenkapitalquote ohne Schulden zu machen die Gewinne in neue Investitionen stecken.
Sie würden sich wahrscheinlich einen Porsche auf Pump kaufen und die Firma in 3 Jahren zusperren?
Bei so einem ökonomischen Verständnis, verstehe ich warum wir in eine Rezession rutschen und die Banken Ihren Kredit für den Porsche und die insolvente Firma dann abschreiben müssen. Hauptsache sie haben posen können und die Banken sind die Bösen.

Ein Staat kann durchaus investieren, ohne Schulden zu machen. Es gibt genug Einsparungspotential, ohne dass Alle arbeitslos wären.
Schuldenfreiheit bedeutet außerdem die Zinsleistung für andere Dinge frei zu haben.

QUANTUM
00
9.10.2011, 18:13

jaja, der markt regelt alles ...

BigPeng
10
9.10.2011, 13:58
Und noch'n Patentrezept - bloß "glauben" tu ich schon lang nichts mehr...

Früher habe ich mir immer gesagt:
"Lieber heimlich gescheit als unheimlich blöd."
Die Folge war dann über zwei Jahrzehnte lang Verwunderung, Ärger, Entsetzen und Wut...

Nun sage ich mir:
"Lieber heimlich blöd als unheimlich gescheit."
...und das Leben ist nun wieder wunderbar.

Dhimmi
10
9.10.2011, 12:37
"Kehrt die Eurozone vom Rand des Abgrunds zurück?"

Nicht möglich, sondern sicher.
Weil Europa gar nicht am Abgrund steht.

kleiner Schelm
12
9.10.2011, 11:09
Wahnsinn!

Der Artikel des EU-Lobyyisten propagiert das Gelddrucken als *systematischen* Ausweg, auch für die Zukunft.

Klar, so werden Renten sicher. Zumindest die Euro-Beträge. Kaufen kann sich ein Rentner davon dann vielleicht eine Semmel.

Willkommen in der Inflation.

So ein Europa wollen wir nicht!

Sam Uncle
10
9.10.2011, 10:01
schockierende Details zum ESM:

http://www.youtube.com/watch?v=w-Kqp4Bm3qQ

Der Euro ist tot, die D-Mark wird bereits gedruckt.
Wenn Griechenland mit 3% der Wirtschaftsleistung Europas das System kippen kann, wie soll es dann die anderen Kandidaten verdauen.

geschlechtsumwandlung quotenposterin
13
9.10.2011, 00:23

Mit einer Banklizenz für EFSF
wird ein neues
Schuldensystem mit Zentralmacht
als Schutzsystem
für versagende und korrupte Banken
etabliert .

Wir brauchen ein neues
einfaches und seriöses Finanzsystem

Curd Hombre
02
8.10.2011, 21:14
Die Hoffnung....

...stirbt zuletzt!

franz der freie
 
02
8.10.2011, 17:53
das schlüsselelement, dass bisher gefehlt hat: der hebel

macht aus einem euro zehn euro. so einfach ist das. und schon sind die leute beruhigt. schade, dass man das in der letzten weltwirtschaftskrise nicht gewusst hat: einfach den markt mit geld fluten. aber hat man das nicht doch gemacht ?? mit so komischen nullen hinter dem wert der banknote. zum schluss war jede woche eine null mehr.

Norrlandskille
00
9.10.2011, 18:29
Alles kein Problem!!

In der ersten Klasse HTL lernt man in der ersten Woche mit zehnerpotenzen zu Rechnen!!

Sollte eine Hyperinflation kommen, werden sämtliche Tabellen einfach von linearer Skalierung auf logarithmisch ungestellt!! Auch das ist kein Problem!!

QUANTUM
01
9.10.2011, 18:16

genau, das grundproblem sind die zinsen und sie werden es immer bleiben, wenn sie nicht abgeschafft werden.

Der Stadtwolf
01
8.10.2011, 10:16
...and miles to go before I scream
10
8.10.2011, 19:08

Ein Blog, das Rastani (den Hobbybörsehändler, auf den die BBC reingefalle ist) als einen der 'wichtigsten Trader Amerikas' bezeichnet, disqualifiziert sich gleich mal selbst. Und auch der Name allein lässt nicht gerade auf eine differenzierte Sichtweise schließen.

Salz Burger
00
8.10.2011, 18:05

man muss ja nicht jeden Unsinn glauben.

leukos
00
8.10.2011, 18:02

"Alessio Rastani ist einer der gewichtigsten Trader in Amerika"

Solltest mal ein wenig Googeln. Der Typ ist sicher nicht einer der wichtigsten Trader in America. Er hat in einem Interview neulich bestätigt das er nur für sich allein Traded. Also bei gar keiner Institution arbeitet sondern nur privat handelt.

Nicht das ich seine Meinung nicht teilen würde. Aber jeden mist sollte man auch nicht glauben, der in irgendwechen Blogs veröffentlicht wird.

Prinzipal
03
8.10.2011, 10:02
so gehts - Teil 2

5. Der Wirt schiebt den Schein zu einer an der Theke sitzenden Prostituierten, die auch harte Zeiten hinter sich hat und dem Wirt einige Gefälligkeiten auf Kredit gegeben hatte.

6. Die Hure rennt zum Hotel und bezahlt ihre ausstehende Zimmerrechnung mit den 100 Euro.

7. Der Hotelier legt den Schein wieder zurück auf den Tresen. In diesem Moment kommt der Reisende die Treppe herunter, nimmt seinen Geldschein und meint, dass ihm keines der Zimmer gefällt und er verlässt die Stadt.

=> Niemand produzierte etwas.
=> Niemand verdiente etwas.
=> Alle Beteiligten sind ihre Schulden los und schauen mit großem Optimismus in die Zukunft.

So, jetzt wisst Ihr Bescheid. So einfach funktioniert das EU Rettungspaket. :-) :-)

mikromalist
 
00
8.10.2011, 16:27
Solche Geschichten sollten wir

öfter hoehren. Und bei Schmunzeln gleich etwas grübeln, statt jeden Denkstopper nachzuplappern.
Ja, benötigte Geldmenge ~ BIP/Umschlagshaeufigkeit.

Wenn die Transaktionen unterbrochen sind gibt es ein Problem. Wenn die Geschwindigkeit unendlich wird, reicht ein Hunderter für "alle" ;)

Jedenfalls danke.

ravenna
20
8.10.2011, 13:15

Was Sie hier beschreiben sind verkettete Personen, die sich untereinander jeweils 100 EUR schulden. Wie eine Gleichung, wo man letztendlich alles herauskürzen kann.

Die Auflösung geht daher auch ohne die 100 EUR des Fremden.

Mit dem Rettungspaket hat das Null zu tun.

Ggg14
10
8.10.2011, 11:52

Schön. Aber was wollen Sie uns damit jetzt sagen?

Was Sie hier beschreiben ist eine Situation, wo bereits alle Dienstleistungen erbracht sind, nur bezahlt wurden sie eben noch nicht. Deshalb weil das Geld physisch nicht da war, ab dem Moment wo das Geld wieder in die Hände der wirtschaftenden gekommen ist, konnten alle ihre Rechnungen bezahlen.

Und damit haben Sie eigentlich schön gezeigt, wo das Problem einer etwaigen Staats- und Bankenpleite liegt. Keiner kann mehr etwas kaufen, weil kein Geld (Kredite) da ist. Und dann wird klarerweise auch bald nix mehr produziert.

Somit macht das Rettungspaket extrem viel Sinn. Danke für den Beitrag.

Prinzipal
00
8.10.2011, 12:07
du meine güte

dass diese geschichte primär unterhaltsam sein soll geht für sie nicht hervor?

aber um für sie etwas substanzielles zu schreiben: drohende staatspleiten und faule regierungsfinanzen lösen die krise aus. die rettung soll sein, noch mehr schulden machen? oder wie hier beschrieben ist, faule anleihen als sicherheit (!!) von einer EU bank zu kaufen?

das macht für die sinn? da ist ja meine geschichte noch besser ;-D

Ggg14
01
8.10.2011, 12:36

Nein, ich hab gemeint, dass Sie (unabsichtlich) etwas anderes beschrieben haben, als sie offensichtlich gemeint haben.

Ohne den Gast, der Kredit-Geld in dieses System bringt, kann keiner seine Käufe bezahlen. Ähnlich ist es im Großen, wenn zu wenig Geld verfügbar ist, dann muss es zugeführt werden, wenn nicht alles stehenbleiben soll.

Und neue Schulden. Ja, solange sie nur dazu dienen, dass die Wirtschaft genug Geld hat, um zu funktionieren. Nein, wenn sie dazu dienen sollen, dass der Konsum oder was auch immer angekurbelt wird.

Schwarz Grün
11
8.10.2011, 11:24
sehr gute beschreibung ...

... einer situtation wo liquidität und nicht die schulden das problem sind .....

und wie einfach das problem zu lösen ist .....

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