#OccupyWallStreet

Meuterei auf der Wallstreet

Kommentar der anderen | 7. Oktober 2011, 20:19
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    foto: scott edelman

    Die "eigentliche" Besetzung liegt schon einige Jahre zurück: Auftritt der Wallstreet-Architekten bei einem Kostümball 1931.

Und die Frage, was die Protestaktionen mit der arabischen Revolution zu tun haben: Ein "N. Y. Times"-Kolumnist erklärt es, ein konservativer Blogger widerspricht

Ich habe schon einmal in einem Internet-Forum festgestellt, dass mich der Protest ein wenig an den Tahir-Platz in Kairo erinnert und damit ziemlich erstaunte Reaktionen ausgelöst. Ja, natürlich: In New York fliegen keine Kugeln durch die Luft und die Protestierer wollen nicht irgendeinen Diktator stürzen. Aber da ist die gleiche Kohorte ausgeschlossener Jugendlicher und die gleiche intelligente Nutzung von Twitter und anderen Social-Media-Instrumenten, um mehr Unterstützer für ihre Anliegen zu rekrutieren. Vor allem aber manifestiert sich hier die gleiche jugendliche Frustration mit dem politischen und ökonomischen System, das die Protestierenden als dekadent, korrupt, abgehoben und verantwortungslos wahrnehmen. "Natürlich sind wir auch vom Arabischen Frühling inspiriert", sagte mir Tyler Combelic, einer der Sprecher der Besetzer, "genug ist genug"...

Und, ja sicher: Manche Losungen der Besetzer sind ziemlich albern - aber das trifft ebenso auf die selbstgerechten öffentlichen Selbstdarstellungen der Wall Street zu. Und wenn ein bunt zusammengewürfelter Haufen junger Protestierer ein wenig mehr Verantwortungsgefühl und Gerechtigkeit in unser Finanzsystem bringen kann, dann kann man ihr nur möglichst viel Unterstützung wünschen. (aus einem Kommentar von Nicholas D. Christof in der "New York Times")

Seit knapp zwei Wochen wird in New York der Aufstand geprobt. Mehrere hundert Leute haben sich in der Nähe der Wall Street niedergelassen und deren Besetzung ausgerufen. Die Wall Street zeigt sich unbekümmert und geht ihren Geschäften nach, linke amerikanische Medien (und natürlich deutsche Meinungsmacher) stürzen sich hingegen auf das Häuflein Demonstranten, um so den Nachweis zu liefern, dass es endlich eine linke Antwort auf die rechte Tea Party und die maßlose Macht von Bankern, Großkonzernen und rechten Politikern gibt. Es wird der ganz große Bogen geschlagen, von Griechenland, Tunesien bis nach New York. Aber nach einem kurzen Besuch im Camp, bin ich beruhigt, New York ist weder Athen noch Tunis, und wird es auch nicht werden.

Doch einige Medien hier in den USA werden nicht müde, eine solche Bewegung herbeischreiben bzw. -reden zu wollen. Das öffentlich-rechtliche Radio NPR bzw. die lokale Station in New York, WNYC, überschlägt sich mit angeblichen Erfolgsmeldungen, ebenso die New York Times, CNN und MSNBC. Nicholas Kristof von der Times verglich die Proteste mit denjenigen in Ägypten auf dem Tahrir-Platz. Dabei muss selbst Kristof zugeben, dass sich inhaltlich überhaupt keine Überschneidungen finden und sein hanebüchener Verweis, dass es sich sowohl in Kairo wie auch in New York um dieselbe "Kohorte ausgeschlossener Jugendlicher" handele, die außerdem in der Verwendung von Twitter und anderer sozialer Medien bewandert seien, zeugt hauptsächlich von Kristofs analytischem Unvermögen als von einem klaren Blick auf die Wirklichkeit. Während es den jungen Menschen in Ägypten vor allem um die Grundbedingung für Selbstständigkeit und Wohlstand, also Freiheit, ging und sie deswegen weniger staatliche Restriktionen forderten, scheinen die Besetzer der Wall Street vor allem daran interessiert, mehr Staat zu fordern und führen das Wort Freiheit überhaupt nicht im Mund.

Einer der größten Unterschiede zwischen Kairo und New York liegt wohl in der Zusammensetzung. Während in Ägypten alle Schichten und Altersgruppen der Gesellschaft an den Protesten beteiligt waren, rekrutiert sich die überwiegende Mehrheit der "Besetzer" in New York aus Hochschulstudenten und -absolventen und verwandten Milieus. Zwar findet man dazwischen immer wieder Menschen, die ganz offensichtlich schon längere Zeit auf der Straße gelebt haben und manche, die weder von Karl Marx noch Howard Zinn jemals etwas gehört haben, aber viele scheinen doch eher von linken Ideen motiviert als von akuten existenziellen Ängsten. Wenn man die Bewegung von knapp 500 jungen Menschen schließlich noch im Kontext der 8,5 Millionen Einwohner New Yorks betrachtet, dann merkt man schnell, welch verschwindende Relevanz die ganze Angelegenheit hat. Auch der Ort der Proteste, so symbolisch er auch sein mag, ist weit ab von den Orten, an denen der durchschnittliche New Yorker viel Zeit verbringt. Hier trifft man eher einen Touristen aus Düsseldorf-Oberkassel als einen Arbeiter aus der South Bronx.

(Kevin Zdiara in seinem New Yorker Blog "genius loci")

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E Pie
 
00
10.10.2011, 17:53
Sozialismus = Kommunismus...

für den Durchschnittsamerikaner so wie ich ihn kennengelernt habe. NAch kurzer versuchter Aufklärung wo Österreich ist und politisch ausgerichtet ist war meist die Reaktion gebildeter Amerikaner: Sozialismus = Kommunismus = Adolf Hitler. Kaum ein Arbeiter wird für eine sozialistische Partei stimmen. Amerikaner sind sehr mißtrauisch dem Staat und seinen Institutionen gegenüber.
Er möchte sein Geld selbst in der Hand halten und entscheiden ob er sich selbst versichert ect....
Auch wer ganz unten ist und passiert schnell meint es wieder nach oben zu schaffen. Auf den Staat verlassen will sich niemand...

Feuergeist
 
02
10.10.2011, 15:47
Was will der Autor dieses Artikels aufzeigen?

Will er die Demonstration wegreden? Und auf dem Laufenden ist er auch nicht. Die "500" sind in der Zwischenzeit schon um ein paar Leute mehr....

@Standard.at: Speicherplatzverschwendung!!!
Eine aktuelle Berichterstattung von zumindest den fünf größten Städten wäre wünschenswert. Diese Demonstration wird Auswirkungen in der ganzen Welt haben, ob es den Machthabern gefällt oder nicht. Aber natürlich wird das so nicht gewünscht weil es ja die menschen in anderen Staaten (auch bei uns) ermutigen könnte.

byron sully
02
10.10.2011, 14:35

es sind leider noch viel zu wenige, die vor der wall street demonstrieren, aber dennoch wunderbar, daß man sich auch in den usa endlich gegen die diktatur der banken und konzerne zu wehren beginnt.

neeeed
02
10.10.2011, 12:56
"viele scheinen doch eher von linken Ideen motiviert als von akuten existenziellen Ängsten"

also bitte, wenn man keine akute existentielle angst hat ist man ein linker (zumindest dort bei der demo)?!
es geht wohl oft zwar nicht um akute aber mittel- und langfristige existentielle ängste, und das hat nichts mit links-rechts zutun, es reicht zu merken dass dieses system -SO- keine 10 jahre mehr überstehen kann...
und das -letzte- was ich mir wünsche ist ganz bestimmt kommunismus, also so links sehe ich mich nicht wie mich so manch andere gern hätten

Feuergeist
 
01
11.10.2011, 10:30
Und außerdem

wären ein paar "linke" Einflüsse gar nicht schlecht. Es ist nicht nötig das jemand an der Armutsgrenze leben muß der arbeiten geht. Leider haben wir diese Situation aber.
Wie soll ein einfacher Arbeiter seine Lohnerhöhung, die unter der Inflationsrate liegt, verstehen, wenn gleichzeitig die Manager in seinem betrieb Topgagen und Bonuszahlungen kassieren?

indie kniescheibe
01
10.10.2011, 10:50
geschreibsel

frag mich warum der std. dies veröffentlicht-gibt doch wohl schlaueres zu dem thema-was ist los in den redaktionen-TIEFSCHLAF ?

Don Quixote1
04
9.10.2011, 22:58
Während ich dieses Artikelchen las, fiel mir folgendes ein:

Als es in Ägypten so richtig losging, erschien ein Artikel von einem Syrer, der ausgiebig erklärte, wie gut es in Syrien ist und weshalb dort nie so was wie in Ägypten passieren wird.

Honigschleuder
06
9.10.2011, 17:32
Und du ackerst,

und du säst, und du nietest und du nähst, und du hämmerst und du spinnst, sag, o Volk was du gewinnst ?
Mensch der Arbeit, aufgewacht !
Und erkenne deine Macht !
Alle Räder stehen still,
wenn dein starker Arm es will !
Schon vor hundert Jahren haben sie sich ausgekannt...

Thinking_Citizen
 
02
9.10.2011, 17:07

Sehr oberflaechliche Analyse. Anstatt zu "zeigen" dass die Protestaktionen in New York nicht mit denen in Kairo gleichsetzen zu seien (natuerlich sind die verschie), waere es nuetzlicher diese Aktion im Kontext der USA zu analysieren.

Dann wuerde der Kommentator vielleicht zu dem Schluss kommen dass das nicht eine "verschwindende Relevanz" hat, sondern durchaus eine interessante Entwicklung ist, weil hier wirklich eine (kleine) Gruppe von Menschen die Dominanz und Macht von Wall Street in Frage stellt.

So eine Analyse wuerde auch beruecksichtigen dass mittlerweile in Staedten quer durch die USA diese Proteste imitiert werden (z.b. Chicago, New Orleans), und dass mittlerweile einige Gewerkschaften die Proteste unterstuetzen (endorse)....

E Pie
 
00
10.10.2011, 17:55
Ist sicher schwierig zu sagen was daraus wird...

aber ich denke es haben mehr Amerikaner gegen Bush Kriege demonstriert als nun gegen dieses System....Aber wer weis

Hans Vogel
07
9.10.2011, 13:17
ALLE

schimpfen gegen die Spekulanten. Sie tun etwas gegen sie.

Ernst Guevara
04
9.10.2011, 10:57
eine moralisierende rettung des kapitalismus, das ist es, worauf es im grunde hinausläuft, leider.

"occupy wallstreet" weist in diesem sinne mehr parallelen zu den spanischen empörten auf als zum "arabischen frühling". die korrupten werden angefleht, doch bitte ein bisschen weniger korrupt zu regieren, wobei die politischen strukturen und widersprüche, die korruption überhaupt erst hervorbringen, kaum angetastet werden. und der legitime unmut über soziale mißstände wird einfach übersetzt in ein flehen nach reformen, obwohl klar sein muss, dass der kapitalismus nicht im sinne von sozialer gerechtigkeit reformierbar ist. der kapitalismus kann sich nur selbst erhalten. die kritik an den spanischen empörten gilt wohl auch für "occupy wallstreet":
http://www.trend.infopartisan.net/trd7811/t... 47811.html

Gelsomina
11
9.10.2011, 04:14

Eines verstehe ich nicht ganz.

Diese Menschen protestieren gegen die Ausbeutung durch die Wallstreet, und mittendrin legen Sie eine Schweigeminuten fuer Steve Jobs ein, der alles verkoerpert hat, wogegen sie demonstrieren: Multimilliardaer, an der Wall Street notierte Firma, beinharter Kapitalist.

Dazu kommt noch, dass die Demonstranten sich offensichtlich suendteure Apple-Spielereien leisten koennen und dass die in ihrem Leben eine wichtige Rolle spielen. Sonst waeren sie vom Tod ihres Entwicklers ja nicht so betroffen.

Ich wuerde schon gerne erklaert haben, warum das kein Zeichen von kognitiver Dissonanz ist.

Topiary
 
02
9.10.2011, 16:20

vermutlich weil es nicht pauschal gegen kapitalismus und reiche geht. sondern gegen auswüchse des kapitalismus (marktversagen) und auch die frage wie man zu reichtum gekommen ist (korruption etc.)...

Johnny Chicago
06
9.10.2011, 05:18

Prinzipiell gebe ich Ihnen recht, muss aber darauf hinweisen dass informationstechnisches Material imho im Westen kaum noch als Luxus geltend gemacht werden kann, was auch an sich wünschenswert ist (please mind the gap).

Apocalypse
03
9.10.2011, 10:09

Stimmt Apple Iphone revolutionierte den Zugang zur Information. Jetzt hat jeder leistbares Internet.
Und die Leute in den US haben eh nichts mehr zu verlieren, die müssen sich nur über ihr Elend endlich bewusst werden.

Gelsomina
00
9.10.2011, 17:12

Nein, nicht JEDER hat leistbares Internet. 99% der Menschheit haben kein iPhone, und von denen koennen sich noch einmal 90% keines leisten.

Dass man sich in Zukunft vielleicht kein MacBook Pro auf Visa kaufen kann, ist kein Elend.

Apocalypse
00
9.10.2011, 22:38

es gibt auch billigere Geräte und in Afrika kaufen sie wie verrückt auch wenns sonst nichts haben und zahlen Horrorpreise. Warum? Sie wollen Infos. Also eher 70-80 % die kein Smartphone sich leisten können.

geschlechtsumwandlung quotenposterin
03
9.10.2011, 00:47

Auch in Nordafrika gingen Menschen mit guter Bildung zu den Protesten .

Zum einen sind in den USA wie in Afrika
Menschen von bedrohlicher Armut betroffen ,
ähnlich ist auch
die Enttäuschung der gebildeten Menschen ,
die viele Jahre in Ausbildung investiert haben ,
also die Vorgaben der Elite für eine hoffnungsvolle Zukunft erfüllt haben ,
und nun ,
nach der Ausbildung vielleicht sogar mit Schulden ,
keine Aussicht auf einen Job ,
der nur ein halbwegs lebenswertes Leben in Aussicht stellt ,
haben

flatline
04
9.10.2011, 11:04

.... hmmm ich stimme ihnen zu,..

bei uns entwicklet sich dies auch immer mehr in diese Richtung...

Auch wenn unsere Politiker immer meinen es sei nicht so,... ich werde sicher keine Pension mehr miterleben,... weil es einfach keine geben wird ,... oder das Antritsalter sooo hoch sein wird ... das ich es nicht mehr erleben werde.

Aber zuvor werden wir uns noch auf die Raucher und Leute einschießen die zuviel trinken oder zu fett essen ,... weil sie sind es ja die das ganze Sozialsystem so belasten *hust*,....

Ach ja ich,.... es kommt sicher auch wieder die Eugenik,... das man Menschen im vorhinein entsorgen kann, wenn diese nur die möglichkeit hätten unser sozialsystem zu belasten.

Hot Zen Plotz
27
9.10.2011, 00:24
Unvergleichbar sind die Bewegungen....

die westlichen Geheimdienste haben in Nordafrika eine perfekt inszenierte "Revolution" unterstützt, es ist schwer vorstellbar, dass dies bei occupywallstreet ebenso zutrifft.

meresi
01
9.10.2011, 05:57
eine grenzgenitale ansage

ein brilliant einfach zuwenig...

Buntspecht+
01
9.10.2011, 00:12
Ablenkungsmanöver...

...es geht nicht um die Zahl - es geht um die notwendigen Veränderungen - und die werden ohnedies kommen - nur eine frage der zeit und nicht eine frage von wieviele leute sich gerade heute über die skandalösen zustände aufregen...

schmunzelmonster
02
8.10.2011, 21:45

Kann mir jemand sagen, warum die Homepage der New York Stock Exchange offline ist?

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