Empörung über rechtsextreme Theater-Intendanz

7. Oktober 2011, 19:40
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Antisemit Csurka will seine Stücke auf die Bühne bringen

Budapest - In Ungarn gibt es Empörung, weil die Stadt Budapest den rechtsextremen Politiker und Schriftsteller Istvan Csurka (77) zusammen mit dem ähnlich denkenden Theatermann György Dörner an die Spitze des bisher liberalen Neuen Theaters gesetzt hat. Die Ungarische Theatergesellschaft, der Fachverband der Bühnenschaffenden, veröffentlichte am Freitag einen Protestbrief an Bürgermeister Istvan Tarlos, der Mitglied der regierenden rechtsnationalen Partei FIDESZ ist. Die Ernennungen seien gegen die ausdrückliche Meinung der Fachleute geschehen. Tarlos treibe der Wille, "politisch Land zu gewinnen", schrieb die Theatergesellschaft.

Csurka ist Vorsitzender der außerparlamentarischen, rechtsextremen Partei MIEP und ist schon oft mit antisemitischen Äußerungen aufgefallen. Er ist auch Dramatiker und will seine bisher kaum gespielten Stücke jetzt auf die Bühne bringen, wie er am Freitag erklärte. Unter seiner Führung solle das Theater "viel politischer" werden als bisher, sagte Csurka. Er wolle Wettbewerbe ausschreiben, bei denen die Autoren aktuelle Themen bearbeiten sollten.

Der künftige Ko-Direktor Dörner erklärte, er sei "national verpflichtet". Er wolle mit der "krankhaften liberalen Hegemonie" aufräumen und "der liberalen Anspruchslosigkeit der Unterhaltungsindustrie den Krieg erklären". Vorrang sollen Werke ungarischer Autoren haben. Auch der Name des Theaters werde geändert. Anstatt Neues Theater (Uj Szinhaz) solle die Bühne Hinterland-Theater (Hatorszag Szinhaz) heißen. "Hinterland" solle dabei "das unter dem sozialliberalen Joch ächzende Ungarntum" symbolisieren, sagte Dörner. (APA)

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