Auch die ehemalige Pflegedirektorin wurde verurteilt
Wien - Einen Tag nach dem Zivildiener-Prozess zog der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) Konsequenzen und suspendierte am Freitag den wegen Amtsmissbrauchs zu 18 Monaten verurteilten AKH-Personalchef. Bei dem Prozess, wo es um den nichtgeleisteten Zivildienst dreier Ago-Mitarbeiter (zwei davon Söhne der Geschäftsführer) im AKH ging, wurde auch die ehemalige Pflegedirektorin verurteilt. Beide Urteile sind nicht rechtskräftig. Die drei jungen Männer werden den Zivildienst voraussichtlich nachholen müssen.
Schulterschluss demonstrieren indes die Vertreter der beiden Wiener Oppositionsparteien FPÖ und ÖVP bei der Weiterverfolgung des umstrittenen Großauftrages des AKH an die Firma Ago. Bei der Vergabe des 50 Millionen Euro Deals soll Ago gegenüber anderen, günstigeren Firmen bevorzugt worden sein. Die Korruptionsstaatsanwaltschaft hat bereits Ermittlungen aufgenommen.
FP-Stadtrat David Lasar und VP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec erklärten nun eine Untersuchungskommission einsetzen zu wollen, allerdings erst nach einem allfälligen Strafverfahren in der Sache, da Zeugen die Aussage sonst verweigern können. "Wenn man die Fakten betrachtet", so Korosec, "dann zeigt sich, dass man im AKH seit Jahren darauf hingearbeitet hat, dass die Firma Ago groß ins Geschäft kommt." So seien schon 2004 zwei Finanzstrafen gegen den zurückgetretenen Geschäftsführer "übersehen" worden. (juh/DER STANDARD, Printausgabe, 8./9.10. 2011)