"Alle Kinder. Ein ABC der Schadenfreude" ist ein Kinderbuch, das polarisiert - aber auf jeden Fall ein gut gemachter Aufreger
Eine der schlechteren Eigenschaften von Kindern ist die Schadenfreude. Ui, da wird gelacht, wenn sich Papa den Schädel am Küchenkasterl anhaut! Wie toll ist das Fahren mit dem Rutschauto erst, wenn man Mamas Füße rammen kann.
Warum Kinder schadenfroh sind, kann vielleicht die Wissenschaft erklären - es gehört aber auf jeden Fall eingestellt. Insofern ist das Buch von Anke Kuhl und Martin Schmitz-Kuhl kontraproduktiv. "Alle Kinder. Ein ABC der Schadenfreude" ist ein Kinderbuch, das polarisiert - aber auf jeden Fall ein gut gemachter Aufreger.
Laut Verlag ist das Buch für Kinder ab dem fünften Lebensjahr geeignet. Anhand des Abc hantelt man sich durchs Buch - und soll so Freude am Reimen finden. Die Schadenfreude wird in Versform geliefert. "Alle Kinder springen ins Wasser. / Außer Berta - die landet härter", heißt es. Das nebenstehende Bild zeigt ein Mädchen, das vom Sprungturm statt ins Wasser Richtung Beckenrand fliegt. Dorothee "holt die böse Fee", den Fritz "trifft der Blitz" und so weiter. Und Gunther? Der liegt natürlich drunter. Unterm Bus.
Es mag Eltern geben, für die derartige Witze, die im Buch von tollen Zeichnungen begleitet sind, zu wenig pädagogischen Wert besitzen. Das eigene Kind fand's jedenfalls superlustig. Hand aufs Herz: Haben Sie als Kind nicht über dieselben Witze gelacht? (Peter Mayr, DER STANDARD, Album, 08.10.2011)