Papst hatte bei Rede in Freiburg "Entweltlichung" der Kirche gefordert
Fulda - Die deutschen Bischöfe sehen nach dem Papstbesuch in
Deutschland weiterhin keine Notwendigkeit für eine Reform des
Kirchensteuerwesens. Zum Abschluss der Vollversammlung der Deutschen
Bischofskonferenz wies deren Vorsitzender, Erzbischof Robert Zollitsch, am
Freitag in Fulda erneut Spekulationen zurück, Benedikt XVI. habe bei seiner Rede
in Freiburg die Abschaffung der Steuer gefordert. "Der Papst spricht nicht von
der Abschaffung des Kirchensteuersystems", sagte Zollitsch vor Journalisten. In
Deutschland genießt die Kirche vor allem das Privileg des Staates, Kirchensteuer
einzuziehen und Kinder in Schulen auszubilden.
Der Papst hatte in seiner Ansprache vor engagierten Katholiken in Freiburg
zum Abschluss seines Deutschlandbesuches am 25. September eine Ablösung der
Kirche von weltlichem Reichtum und Selbstgenügsamkeit gefordert. Dabei verwies
er kritisch auf die Tendenz, "dass die Kirche zufrieden wird mit sich selbst,
sich in dieser Welt einrichtet, selbstgenügsam ist und sich den Maßstäben der
Welt angleicht". Benedikt XVI. erwähnte dagegen als positives Beispiel die
"Entweltlichung" der Kirche im Zuge erzwungener Enteignungen oder der Streichung
von Privilegien in Epochen der Säkularisierung und stellte fest: "Die
geschichtlichen Beispiele zeigen: Das missionarische Zeugnis der entweltlichten
Kirche tritt klarer zutage." Diese Aussagen wurden von vielen Beobachtern als
direkte Kritik an der kirchensteuerfinanzierten "reichen" Kirche in Deutschland
mit ihren zahlreichen Gremien und Institutionen gewertet.
In der Debatte um sogenannte Staatsleistungen, also finanzielle Zuwendungen
des Staates an die Kirchen, zeigten sich die deutschen Bischöfe offen. Zollitsch
verwies aber darauf, dass der Papst die Ablösung von Staatsleistungen nicht
gefordert habe. Bei den Staatsleistungen handelt es sich unter anderem um
Zahlungen für den Personal- und Sachbedarf der Diözesanleitungen oder für die
Ausbildung und Besoldung der Geistlichen sowie um Gelder für den Bauunterhalt
kirchlicher Gebäude. Die Kirchen würden sich "Lösungen nicht verschließen",
sagte Zollitsch. Die Entscheidung liege aber bei den betroffenen Bistümern. (APA)