Arbeiterkammer

Lehrlinge mit Ausbildung unzufrieden

7. Oktober 2011, 15:06

AK-Studie: Klagen über verbotene Überstunden und Beleidigungen - Tumpel will mehr Qualitätskontrolle in Betrieben

Wien - Zahlreiche Lehrlinge in der Bundeshauptstadt sind mit ihrer Situation im Ausbildungsbetrieb offenbar unzufrieden. Beklagt werden vor allem verbotene Überstunden, Beleidigungen sowie mangelnde Betreuung durch die Ausbildner, wie eine Studie der Wiener Arbeiterkammer zeigt. AK-Präsident Herbert Tumpel forderte am Freitag deshalb mehr Qualitätsnormen und regelmäßige Kontrollen in den Unternehmen.

750 Betroffene befragt

Für die Studie "Wie geht es dir im Job?" wurden insgesamt 750 Lehrlinge quer durch alle Branchen befragt. Dem Ergebnis zufolge gibt es immer wieder arbeitsrechtliche Verstöße in den Betrieben. 37 Prozent klagten über häufige Überstunden, die für Jugendliche unter 18 Jahren eigentlich verboten sind. Außerdem gab knapp ein Viertel an, für Krankenstände kritisiert zu werden.

Die Studie zeige zudem, dass es in Sachen Didaktik Nachholbedarf gebe, so Tumpel. Gut ein Drittel der Befragten sah sich nämlich mit "Kritik unter der Gürtellinie" konfrontiert. Ebenso viele Lehrlinge bemängelten, dass sich ihr Ausbildner nur selten um sie kümmere. Daher sei es nicht verwunderlich, dass rund jeder vierte Jugendliche nach Abschluss seiner Lehre in einem anderen Berufsfeld arbeiten wolle, sagte der AK-Chef in einer Pressekonferenz.

Qualitätssicherung

Die Arbeiterkammer fordert nun Maßnahmen zur Qualitätssicherung in der Ausbildung. So sollen Lehrbetriebe bei Erfüllung gewisser Kriterien ein Zertifikat erhalten, wobei die Einhaltung der Normen regelmäßig durch die Wirtschaftskammer kontrolliert wird. Hier sei man mit der WK bereits in Verhandlungen, so Tumpel. Außerdem wünscht sich der AK-Präsident höhere Hürden, um eine Ausbilderberechtigung zu bekommen. Derzeit erhält man diese bereits nach einem 40-Stunden-Kurs, was zu wenig sei.

Tumpel plädierte außerdem dafür, dass staatliche Fördergelder für Ausbildungsbetriebe an gewisse Qualitätsmerkmale geknüpft werden. Bei der Gelegenheit beklagte er, dass die Prämien seit der Krise stark gestiegen, die Zahl der angebotenen Lehrstellen aber unverhältnismäßig gesunken seien.

Anti-Rassismus und Zivilcourage

Um Berufsschüler kümmert sich die AK auch in einem anderen Projekt, deren Fortsetzung ebenfalls heute bekanntgegeben wurde. Um Schülern der Wiener bfi-Einrichtungen für Anti-Rassismus und Zivilcourage zu sensibilisieren, werden auch im heurigen Schuljahr in Zusammenarbeit mit dem Verein ZARA Workshops zum Thema organisiert. Sie werden teils von Klassenkollegen geleitet, die im Vorfeld bereits zu "Peer-Trainern" ausgebildet worden sind.

Wirtschaftskammer verteidigt sich

Die Wiener Wirtschaftskammer hat sich am Freitag gegen Vorwürfe der Arbeiterkammer, die infolge einer Lehrlingsumfrage verstärkte Qualität in der Ausbildung forderte und einen Rückgang der Lehrstellenanzahl beklagte, gewehrt. Präsidentin Brigitte Jank verwies in einer Aussendung auf eine Reihe von Maßnahmen und verteidigte die Unternehmen der Bundeshauptstadt: "Die Wiener Betriebe nehmen ihre Verantwortung als Ausbilder für die Fachkräfte von morgen vorbildlich wahr."

Sie lasse sich die "erfolgreiche Arbeit" der Lehrbetriebe nicht schlechtreden, so Jank. Eine AK-Studie ergab, dass viele Lehrlinge mit ihrer Ausbildungssituation unzufrieden sind. Die Kammer setze seit Jahren Maßnahmen für eine bessere Qualifizierung von Nachwuchskräften und für die Steigerung verfügbarer Lehrstellen. Dazu gehörten etwa der Talente-Check für Pflichtschulabsolventen, das Angebot spezieller Förderung für Lehrlinge in bestimmten Berufsschulfächern, eine eigene Fortbildungsschiene für Ausbilder sowie eigene Lehrstellenakquisiteure.

Externe Qualitätskontrollen

Der Wiener SPÖ-Gemeinderat Christoph Peschek sagte in einer Aussendung, es brauche dringend eine Qualitätsoffensive in der Lehrausbildung, denn der Rekord an nicht bestandenen Lehrabschlussprüfungen in Wien habe ganz offensichtlich betriebliche Gründe. "Daher sind selbstverständlich die Forderungen von AK-Präsident Herbert Tumpel vollinhaltlich zu unterstützen."

Peschek fordert betriebliche Ausbildungspläne unter Einbeziehung der BetriebsrätInnen und JugendvertrauensrätInnen, externe Qualitätskontrollen sowie eine Ausweitung der Berufsschulzeit. (APA/red)

kleiner Schelm
02
7.10.2011, 19:28

Na, gut dass die IV immer mit guten Ratschlägen für Unis zur Hand ist. Vielleicht solle sie mal eher vor der eigenen Haustüre kehren.

Mario Schmidt
02
7.10.2011, 19:19
Die realität beweist das gegenteil!

Jank lebt in ihrer eigenen rosa welt wo alles perfekt ist!! Die realität beweist jedoch das gegenteil!!!!!! Kenne genug jugendliche die in ihrer lehre nur drecksarbeit machen durften u nach 3jahren qualitativer haha ausbildung nicht mal annähernd drauf hatten was das berufsbild vorschreibt!!!!! Finde es eine frechheit und einen wahren schlag ins gesicht der jugend was für lügen von leitl, jank und co verbreitet werden!!!!!!!!

illuminat_0815
10
7.10.2011, 18:31
"...Rekord an nicht bestandenen Lehrabschlussprüfungen in Wien habe ganz offensichtlich betriebliche Gründe."

...ja eh, gaaaaanz offensichtlich sind die Betriebe schuld! Die AK sollte lieber mal direkt bei den Unternehmen hinterfragen, warum keine oder immer weniger Lehrlinge aufgenommen werden.... Die Gewerkschaft mit absolut weltfremden Forderungen und permanentes Unternehmer Bashing ist der wahre Untergang der Lehre in Österreich - die Lehrlinge können sich bei diesen Lobbyisten bedanken und zahlen zum Teil auch noch dafür!!

Resilienzfaktor
03
8.10.2011, 20:50

Die WK fordert mehr Qualität von den Lehrlingen - das ist nachvollziehbar und vollends legitim.
Spannend ist nur, dass sie selber NULL Qualitätssicherheit zulässt....Forderungen aufstellen ist dann ok, wenn man auch selber bereit ist, Regeln einzuhalten.

Aber nur verlangen und nix bieten ist halt zu wenig:Image der Lehre sinkt seit Jahren --> jeder, der einigermaßen durchkommt, bleibt in der Schule so lange geht --> oft bleiben nur die "leistungsschwächsten" Jugendlichen für eine Lehre über (ist natürl. suboptimal)

Die völlig weltfremden Betonschädel von der WK werden sich halt auch endlich mal bewegen müssen, wenn sie nicht der demografischen Veränderung und im "Kampf um die Talente" unterliegen wollen.

Furor
00
21.10.2011, 10:09
obwohl ...

.. man sagen muss, dass "leistungsschwach" mMn nicht komplett korrekt ist. Es gibt genügend "Aussteiger", welche einfach nicht mit dem Schulweg den sie eingeschlagen haben (HAK, HTL, etc.) zufrieden sind und deswegen früher oder später unter "leistungsschwach" eingestuft werden. Obwohl gerade jene mit Sicherheit nicht unbrauchbar wären/sind. Lg

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