Union soll eine Milliarde Euro jährlich bereitstellen - Betroffene Länder müssten kofinanzieren - Schieder: "Erwarte mir einen Impuls von Europa"
Neusiedl am See - Für einen Jugendbeschäftigungsfonds im
Ausmaß von einer Milliarde Euro auf EU-Ebene tritt Finanzstaatssekretär
Andreas Schieder (SPÖ) ein. Europa leide zur Zeit nicht nur an der
Frage der Stabilität der Staatshaushalte einzelner Mitgliedsländer,
sondern habe bei fünf bis sieben Millionen arbeitslosen Jugendlichen
auch "ein massives soziales Problem": "Eine Europäische Union, die
sich selbst ernst nimmt, muss sich auch um solche Fragen kümmern. Da
erwarte ich mir einen Impuls von Europa", sagte Schieder am Freitag.
Im Hinblick darauf, dass in manchen Regionen im Süden Europas
40
bis 50 Prozent der jungen Leute bis 30 Jahre keinen Job hätten,
bestehe "die Gefahr, dass die Hälfte einer ganzen Generation quasi
hoffnungslos aufwächst", so Schieder. Dies sei sowohl wirtschaftlich
als auch sozial und gesellschaftlich "ein extremer Sprengstoff".
In Österreich bekomme jeder Jugendliche, der vier Monate
arbeitslos oder Schulabgänger sei, die Chance auf einen Ausbildungs-
oder Lehrplatz. Auf europäischer Ebene wäre ein solches Modell nicht
auf einmal, aber schrittweise finanzierbar, wenn man eine Milliarde Euro
jährlich - ab 2012 oder spätestens im Finanzrahmen 2014 bis 2020 -
für die berufliche Zukunft der jungen Generation zur Verfügung
stelle.
Dazu gebe es noch die Möglichkeit der Kofinanzierung, wo auch
die
betroffenen Länder etwas beitragen müssten. Mit den bereitgestellten
Mitteln könnte man Jugendlichen zum Beispiel den Schulabschluss, den
Eintritt in eine Weiterbildungsmaßnahme oder Lehrstelle anbieten.
Dies würde Beschäftigung bringen - gerade in Regionen, wo jeder
Zweite arbeitslos sei, argumentierte Schieder.
Für die Finanzierung gebe es verschiedene Möglichkeiten. Eine
davon wäre eine Umschichtung im EU-Finanzrahmen über den
Globalisierungsfonds. Wenn vorgesehen sei, einen Krisenfonds für die
Agrarwirtschaft einzurichten, könne man auch einen Krisenfonds für
arbeitslose Jugendliche einrichten, meinte Schieder.
Er habe den Vorschlag ausgearbeitet und mit Sozialminister
Rudolf
Hundstorfer (SPÖ) besprochen, der ihn diese Woche beim
EU-Sozialministerrat in Brüssel vorlegte. "Wir hoffen, dass jetzt in
Europa eine Diskussion in Gang kommt, die sich diesem Thema widmet.
Weil man kann sich nicht nur kümmern um Währung und alle diese
Fragen. Man muss sich auch um die jungen Leute kümmern", sagte
Schieder. (APA)