Zwischen den Sprossen

Von Glück und Zufall im Berufsleben

7. Oktober 2011, 18:58
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    foto: apa/kay nietfeld

    Kennen Sie das? Glück oder Zufall werden oft als Erfolgsfaktoren im Job genannt.

Gefragt nach den Gründen für Karriereerfolg, die herausragende Beförderung, den Wechsel zur richtigen Zeit antworten viele mit "Das war reiner Zufall" oder "Da hatte ich echtes Glück"

Eine genauere Tiefenanalyse verschiedener solcher Erzählungen durch Kolleg/inn/en der Universität Loughborough in Großbritannien zeigt, dass der Verweis auf Glück und Zufall nur selten genau das meint. Oft ist damit nur ein "diskursives Kürzel" ausgesprochen für andere, in der offenen Alltagskommunikation weniger leicht verwendbare Erklärungen. Typischerweise fallen folgende Bedeutungen an:

  • Purer Selbstschutz - wer Glück hat, darf auch Pech haben. Und wenn die höheren Mächte nicht wollen, dann kann man gar nichts machen. Die Verantwortung für zukünftigen Misserfolg wird damit nach außen abgegeben, das eigene Selbst und sein Wert bleiben auch in solchen Fällen dann intakt und sind nicht gefährdet.
  • Gefälliger Deckmantel für mikropolitische Geschicklichkeit - wer sagt schon offen über sich, dass "Tarnen und Täuschen", Intervenieren und mikropolitische Machtspiele zum eigenen Repertoire gehören und auch noch erfolgreich waren? Der Verweis auf den Zufall und das Glück vernebelt hier ein wenig und macht das Ergebnis für das Gegenüber akzeptabler.
  • Bescheidenheit - entweder echt oder im Sinne eines "fishing for compliments". Karriereerfolg fällt normalerweise auf einen selbst zurück. Nicht alle fühlen sich dabei wohl. Der Verweis auf den Zufall entlastet, entweder in Richtung echter Bescheidenheit oder im Sinne eines Signals zum Einheimsen von Lob.
  • Minderwertigkeit - ich habe das gar nicht verdient. Wer Erfolg hat, den aber nicht zu verdienen glaubt (das gibt's!), der leidet, vor allem dann, wenn es gar den eigenen Anstrengungen zu verdanken ist. Attribution auf das Glück rückt das zumindest ein bisschen wieder zurecht: Wenigstens hat man zu seinem Erfolg nichts beigetragen.
  • Soziale Strukturen und Makro-Kontext - wer durchschaut schon, warum und wie der Kontext da draußen tatsächlich wirkt. Wir wissen, dass soziale Herkunft, Familiensituation, Geschlecht, Arbeitsmarktsituation, Konjunktur oder Ethnizität wesentliche Einflussfaktoren in Bezug auf Karrieremuster sind. Alles viel zu kompliziert. Die normale Interaktion kann das nicht auseinanderdröseln, da sind Glück und Zufall anschlussfähiger.
  • Purer Neid, wenn es sich auf andere bezieht - das wäre ja noch schöner, wenn gerade der oder die sich das echt verdient hätte. Ich habe es nicht geschafft, da kann man bei dem oder der nur aber wirklich nur von echtem Zufall sprechen.

Wenn also das nächste Mal jemand in Verbindung mit Karriere von Zufall und Glück spricht - einfach den Hut des naiven Alltagsforschers aufsetzen und ein wenig nachfragen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit kommt dann der "tiefere Sinn" bald zutage. (Wolfgang Mayrhofer, DER STANDARD, Printausgabe, 8./9.10.2011)

WOLFGANG MAYRHOFER ist ordentlicher Universitätsprofessor für Betriebswirtschaftslehre an der Interdisziplinären Abteilung für Verhaltenswissenschaftlich Orientiertes Management (WU Wien). Kontakt: wolfgang.mayrhofer@wu.ac.at

Link

Die Ergebnisse basieren auf Arbeiten im Vienna Career Panel Project, einer Arbeitsgruppe an der WU Wien zur Karriereforschung

f l o
 
02
8.10.2011, 10:09

sehr seltsamer beitrag.

ich denke, einzugestehen, dass glück tatsächlich für die karriere sehr wichtig ist, würde uns gesellschaftlich guttun.

uns wird eingeredet, leistung zahle sich immer und überall aus, und der tellerwäscher, der noch immer nicht zum millionär geworden ist, sei einfach zu schwach. so einfach ist es aber nicht. natürlich können nur die tüchtigen das glück auch entsprechend nutzen - aber ohne glück hat niemand erfolg. das muss man schon auch mal eingestehen können.

Post(er)
12
8.10.2011, 16:31

Meine Güte wie naiv. Ob man Karriere macht, entscheiden andere. Entweder du bis in-mafia oder nicht. Reine soziale Sympathiefrage.

Es wäre besser, wenn man Leistung professioneller beurteilen würde, damit das Glück nicht auf der Seite der Drückeberger oder Verwirrten ist.

Wie kommen die leistungsstarken dazu, sich das Glück der Gemütlichen täglich anzusehen.

Entweder du bist in-mafia oder nicht. Darum gehts.

f l o
 
00
8.10.2011, 21:09

ihre meinung kommentiere ich jetzt nicht, das soll man bei großschwätzerischen postings, die anderen naivität unterstellen, nämlich niemals tun.

großartig, wie unsagbar welterfahren, erwachsen und weise Sie sein müssen. glückwunsch!

Post(er)
00
8.10.2011, 22:23

Übrigens, wäre ich weise, dann würde ich wissen, dass Karriere ohnehin nur dazu dient, ältere Arbeitnehmer motiviert zu halten und ihnen eine Zukunft zu suggerieren. In der Politik werden solche Systeme gerne gestürzt. In der Privatwirtschaft geht das aber durch, da Firmen immer hierarchisch sein müssen und damit auch militant.

Aber wäre ich weise, dann hätte ich Karriere schon längst im Mülleimer entsorgt. Es zahlt sich letztendlich nicht aus, außer ..... außer der Boss nimmt dich in die Familie auf, dann vielleicht, aber auch da nur in gehobenem Alter, wo man mangels verbleibender Jahre nichts mehr ansparen kann und Geld an Relevanz verliert.

Post(er)
01
8.10.2011, 22:03

"unsagbar welterfahren, erwachsen und weise"

Das ist gut, aber berufserfahren bin ich schon, ich glaube das kann man bei meinem Lebenslauf sagen.

Und aufgrund der Zerschlagung der Mittelschicht macht man im mittleren Management sowieso kein Geld mehr, außer .... außer der Boss gibt etwas her.

Wie gesagt: Mafia-Member oder nicht, die anderen entscheiden das. Hat mit Glück absolut gar nichts zu tun. Auch nicht mit Arbeitswut. Mit Arbeitswut schaffen Sie Teamleiter zu werden, aber der Boss lässt Sie gehaltlich trotzdem zappeln solange Sie out-mafia sind.

f l o
 
00
8.10.2011, 22:59

und ob man mafia-member wird hat nichts mit glück zu tun, sondern ...?

Post(er)
00
9.10.2011, 10:07

Nein nicht Glück, es ist eher wie ein Film (die Leute kennen das aus dem Kino). Man ist das, wonach man aussieht. Umso angenehmer ist die Überraschung, wenn man mal jemanden trifft der etwas andere macht. zB ein dicker Knilch den man kaum versteht, der Geschäftsführer ist. Sowas ist positiv, da kann man vermuten, dass er das verdient hat und nicht aus Glück geworden ist.

Aber wie gesagt, was bringt Karriere, wenn man die nur 5 Jahre vor der Pension machen darf. Bringt überhaupt nichts. An die Spitze kommt man meist nur, wenn man auch in einem Film die Rolle des Bosses angeboten bekäme.

So primitiv gamblen die Leute das.

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