Nachlese 2011: Friedensnobelpreis geht an drei Frauen

8. Oktober 2011, 09:27
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Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf, die liberianische Aktivistin Leymah Gbowee sowie die Jemenitin Tawakkul Karman erhalten Preis "zu gleichen Teilen"

Oslo - Der Friedensnobelpreis geht heuer an drei Vorkämpferinnen für Frauenrechte. Die Liberianerinnen Ellen Johnson-Sirleaf und Leymah Gbowee sowie die Jemenitin Tawakkul Karman erhielten die Auszeichnung zu gleichen Teilen für ihren Einsatz für die Stärkung der Rolle der Frauen, erklärte der Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, der frühere Ministerpräsident Thorbjörn Jagland, am Freitag in Oslo. Johnson-Sirleaf ist seit 2006 die erste gewählte Präsidentin eine afrikanischen Staates und stellt sich kommende Woche der Wiederwahl.

"Wir können keine Demokratie und keinen dauerhaften Frieden erlangen, solange Frauen nicht die gleichen Möglichkeiten wie Männer bekommen, die Entwicklungen in allen Gesellschaftsbereichen zu beeinflussen", begründete das Nobelkomitee seine diesjährige Entscheidung. Es sei zu hoffen, dass der Friedensnobelpreis dazu beitragen werde, "die Unterdrückung von Frauen zu beenden, die immer noch in vielen Ländern stattfindet, und sich des großen Potenzials bewusst zu werden, das Frauen für Demokratie und Frauen bedeuten".

Johnson-Sirleaf habe sich seit ihrem Amtsantritt für die Förderung des Friedens in Liberia sowie wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung eingesetzt, sowie um die Stärkung der Position der Frauen bemüht, teilte das Nobelkomitee mit. Leymah Gbowee habe in Liberia Frauen über alle ethnischen und religiösen Grenzen hinweg mobilisiert, um dem langwierigen Bürgerkrieg ein Ende zu setzen. Nach dem Krieg habe sie ihre Friedensbemühungen in anderen westafrikanischen Staaten fortgesetzt. Tawakkul Karman habe schließlich unter schwierigsten Umständen eine führende Rolle im Kampf für Frauenrechte, Demokratie und Frieden im Jemen gespielt, "sowohl vor als auch während des Arabischen Frühlings".

Kein Preis für die Akteure des "Arabischen Frühlings"

Die Protagonisten des "Arabischen Frühlings" hatten im Vorfeld der diesjährigen Preisverleihung als Favoriten gegolten, unter ihnen die ägyptischen Internet-Aktivistinnen Asmaa Mahfus und Israa Abdel Fatah von der Bewegung 6. April sowie die tunesische Bloggerin Lina Ben Mhenni. Auch über eine Ehrung der afghanischen Frauenrechtlerin Sima Samar oder des internationalen Kriegsverbrechertribunals in Den Haag war spekuliert worden. Jüngste Äußerungen von Nobelkomitee-Chef Jagland ließen auch Spekulationen aufkommen, die Europäische Union könnte geehrt werden. Der langjährige EU-Befürworter und Europarats-Generalsekretär hatte nämlich gemeint, dass die diesjährige Preisverleihung eine "große Ehre" für ihn sein werde: Der Preisträger sei nämlich "mit etwas verbunden, das für mich persönlich das ganze Leben bedeutend war".

Im vergangenen Jahr hatte der inhaftierte chinesische Dissident Liu Xiaobo den mit rund 1,27 Millionen Euro dotierten Preis erhalten. Preisträger vor ihm war US-Präsident Barack Obama. Für beide Entscheidungen musste sich das Nobelkomitee viel internationale Kritik gefallen lassen, die Ehrung von Liu im Vorjahr wurde von mehreren Staaten boykottiert.

US-Präsident Barack Obama gratulierte den drei Friedensnobelpreisträgerinnen, bezeichnete sie als bemerkenswerte Vorbilder: "Sie erinnern auch daran, dass es allen besser geht, wenn wir Frauen auf der ganzen Welt mehr Macht geben, und dass Länder und Kulturen, die die Leistung von Frauen würdigen, unbestreitbar erfolgreicher sind als jene, die es nicht tun." (APA/Reuters)

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Die Preisträgerinnen auf nobelprize.org

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    Von links: Ellen Johnson-Sirleaf, Tawakkul Karman und Leymah Gbowee

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